Structogram: Hilfe oder Schubladen-Denken?
2008-01-29, von Elita Wiegand
Eins vorweg: Menschen sind individuell und deshalb wehre ich mich gegen Schubladen-Denken. Methoden, um Menschen zu kategorisieren, gibt es viele. Aber hilft es wirklich, wenn ich weiß, dass ein Rot-Typ laut DISG die Führung übernimmt? Sind der Astrologie zufolge Jungfrauen ordentlicher und wollen Löwen tatsächlich auf der Bühne stehen? Und muss man bei Menschen mit spitzen Nasen aufpassen? Nun hat uns Marcel Kotz bei seinem IBM Vortrag «Verkaufen mit emotionaler Kompetenz» das Structogram vorgestellt. Die Structogram-Analyse ist eine wertfreie Betrachtung individueller, genetisch-veranlagter Grundmuster der Persönlichkeit – eine Art Schlüssel zur Menschen-und Selbstkenntnis. Darin unterscheidet man zwischen roten, grünen und blauen Individuen. Meist nicht in Reinnatur, sondern die Anteile sind gemischt. In Kurzform:
Rot kauft Prestige (Macht)
Blau kauft Perfektion (Leistung)
Grün kauft bewährte Lösungen (Vertrauen)
Marcel Klotz kennt meine Skepsis und trotz allem habe ich mich darauf eingelassen, die Fragen in einem persönlichen Gespräch zu beantworten. Das Ergebnis sehen Sie auf dem Foto. (Wir beide haben übrigens fast genau das gleiche Structogram- ich bin ein bisschen roter
Laut Analyse habe ich einen starken Willen, zählt Diplomatie nicht gerade zu meinen Stärken und in Gruppen dominiere ich -treffend! Interessanter als die eigene Analyse ist, das Structogram auf Unternehmen anzuwenden. Fragen also: Welche Kunden will eine Firma anziehen? Welches Image will man transportieren? Wie passt das CI zu dem Gesamtbild des Unternehmens? Zum Beispiel der VW Slogan « Fährt und fährt… »setzt natürlich mehr auf Bewährtes und davon sind mehr grüne Kunden angetan. Marcel Klotz könnte hier natürlich 1000 Beispiele finden. Mich interessiert, ob hier jemand mit dem Structogram arbeitet und welche Erfahrungen Sie damit gemacht haben.
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Dienstag 29. Januar 2008 um 22:14
ja, wer setzt auf rot?!
) sarah, die dem “Typisch Mensch. Einführung in die Typentheorie“>g.p.o.p.” allerdings mehr traut, als dem vergleichsweise doch sehr versimplifizierenden structogramm…
liebe grüße von der blau-grünen (nicht gehauenen, trotz allem…
Mittwoch 30. Januar 2008 um 11:39
Liebe Frau Wiegand,
freue mich, dass Sie das Thema aufgreifen und kann nur bestätigen, dass es gefährlich ist, zu schnelle “Einschätzungen” Anderer zu betreiben. Es gehört nicht nur Erfahrung in Sachen Structogram oder anderer Methoden dazu, sondern eigentlich und vor allem eine gute Intuition, eine gute Sozialkompetenz und schlicht die Lebenserfahrung. Für mich sind es die vielen verschiedenen Bausteine, die dann letztlich helfen, mit mir selbst und mit Anderen besser umzugehen.
Noch ein Tipp: Morgen finden wieder Workshops zum Thema im PSC Düsseldorf statt.
Mittwoch 30. Januar 2008 um 14:11
Erfahrungen, Intuition und eine gute Sozialkompetenz machen sicherlich viel aus, um Kunden einzuschätzen und die Zusammenarbeit positiv zu gestalten. Das Structogram ist sicherlich eine Hilfe.
Würde gerne noch ein bisschen mehr über die Möglichkeiten für Unternehmen erfahren. Können Sie noch einige Beispiele nennen, die die Möglichkeiten mit dem Structogram verdeutlichen? (Wir haben nämlich morgen selbst eine Veranstaltung- danke trotzdem für die Einladung!)
Mittwoch 30. Januar 2008 um 18:46
Mir ist das einfach viel zu schwachbrüstig, wenn es um die Selbsterkenntnis geht, die ja wohl Grundbedingung dafür ist, andere Menschen richtig einzuschätzen “Erkenne Dich selbst” und wer meint, es mit einem Test machen zu wollen, dem empfehle ich den doch besser strukturierten Kolbe-Test. Wer mit der Selbsterkenntnis nicht begonnen hat, wird auch mit obigem Test garantiert platt fahren
Donnerstag 31. Januar 2008 um 09:44
Liebe Frau Wiegand,
gerade für Unternehmen ist das Structogram sehr interessant. So können Produkte oder auch das Firmenimage mit passenden Attributen unterlegt werden. So steht der Slogan “Vorsprung durch Technik” für die rationale (blaue) Komponente, oder “Aus Freude am Fahren” für die emotionale Kompotente (rot oder grün). Mit Hilfe dieser Methode können so die jeweiligen Kundentypen und deren Biostruktur gezielt angesprochen werden. Gerade in Werbeslogans finden sich viele solcher Botschaften. Es gibt im Rahmen der Structogram Workshops ein Training, das sich besonders mit dieser Frage auseinandersetzt (“Der Schlüssel zum Kunden”). Siehe auch: http://www.structogram.de/schluessel_zum_kunden.htm
Herrn Lalk gebe ich völlig recht – mit dem Structogram hat man ein zusätzliches Werkzeug, nicht mehr und nicht weniger.
Freitag 1. Februar 2008 um 18:52
Das Structogram ist ein zusätzliches Werkzeug, das insbesondere in der Zusammensetzung von Teams, die schnell und gezielt Projekte abwickeln müssen, sehr hilfreich ist. Um nur eines der vielen Einsatfelder zu nennen. Es ergänzt alles Wissen, das wir über die Menschen sowieso aus anderen Quellen haben und lässt darüberhinaus unser Faktenwissen und unser “Bauchgefühl” strukturierter und klarer werden.
Für alle, die noch weiter und tiefer gehen wollen, empfehle ich das Enneagramm und Spiral Dynamics. Das Enneagramm verdreifacht und differenziert die Triaden-Typen Rot, Grün und Blau. Und Spiral Dynamics erweitert die Typologie um die wertvolle Komponente Bewusstseinsstufe innerhalb der jeweiligen Typen.
“Nur wer sich selbst versteht, kann auch den anderen verstehen” (Paul Watzlawick)
Und nur wer sich und den anderen versteht, kann sich verständlich machen.
Und selbst dann gelingt es nicht immer.
Samstag 2. Februar 2008 um 17:00
@ Marcel Klotz
Danke Ihnen für die Erläuterungen und den Tipp. Wenn Sie schreiben, dass Produkte oder auch dass Firmenimage mit passenden Attributen unterlegt werden, muss ich doch mal den Business-Club darauf überprüfen. Ich glaube, dass wir mehr Grün ansprechen, oder? (Hätte aber gerne auch Rot und Blau) Was sagen Sie als Experte dazu?
@Sabine
Als zusätzliches Werkzeug ist das Structogram okay, aber wenn noch ein differenziertes Enneagramm dazu kommt, wird mir das einfach zuvel. Da vertraue ich doch weiterhin lieber meinem gesunden Menschenverstand, meiner Menschenkenntnis und meiner Intuition.
Freitag 8. Februar 2008 um 12:39
hallo,
meine antwort: irreführendes schubladendenken.
die gründe, die kunden haben, produkte zu kaufen, sind ja reichlich untersucht worden. marketing ist nicht nur bestandteil jedes BWL-studiums, sondern wichtiges
(manche sagen: das wichtigste überhaupt) element der unternehmensführung.
als innovationsdienstleister müssen wir die unterschiedlichen kaufmotivationen kennen, da sie eine wichtige rolle bei der ideenbewertung spielen können. es gibt unterschiedliche gründe, produkte zu kaufen; sie hängen aber von der art des produktes und dessen funktion beim kunden ab. das kann man in entsprechenden
büchern gut nachlesen.
das alles in die simple formel “rot kauft prestige”, blau kauft perfektion, grün kauft bewährte lösungen” ist eine sehr irreführende darstellung einer sache, die in wirklichkeit wesentlich subtiler (und interessanter!) ist.
ich beispielsweise kaufe meine schuhe strikt nach der formel grün (seit mehr als zehn jahren immer das selbe modell vom selben hersteller), mein auto nach rot (ich
). absehen davon kaufe ich die meisten sachen nach einer vierten, hier nicht genannten formel, nämlich “gelb kauft so einfach und praktisch wie möglich” (gilt für sämtliche lebensmittel und haushaltsgegenstände).
habe einen mercedes) und computer/unterhaltungselektronik nach blau (bin da sehr anspruchsvoll
viele grüße aus der ideenfabrik an der elbe
graham
blog impulse für innovation
Donnerstag 14. Februar 2008 um 14:56
@Graham Horton
ich stimme Ihnen völlig zu, bitte kein Schubladendenken. Ein solcher Beitrag und ein Ausszug (“rot kauft…”) ist nur ein klitzekleiner Teil des Themas Structogram. Und natürlich stimmt es auch, dass wir in unterschiedlichen Situationen unterschiedlich agieren und dann mal rot, blau, grün (gelb) kaufen. Schliesslich haben wir diese Komponenten alle in uns drin.
Ich habe mich nun viele Jahre mit dem Thema befasst und es hört nie auf, neue Erkenntnisse darüber zu gewinnen. Ich sage daher noch mal ausdrücklich, es ist 1. nur ein Instrument, 2. es kann hilfreich sein – muss aber nicht und 3. es ist so vielseitig einsetzbar, dass es nicht nur um Kaufverhalten geht.
Nicht von ungefähr gibt es so viele Menschen, die regelmässig und immer wieder an entsprechenden Workshops teilnehmen und sich somit immer wieder damit befassen.
Montag 25. August 2008 um 04:06
Hallo Frau Wiegand.
Der von Ihnen verfasste Artikel ist suggestiv. Natürlich handelt es sich um Schubladendenken wenn man das Kaufverhalten einfach in GRÜN/ROT/BLAU unterteilt. In der Farbenlehre unterscheided man ja auch nur in drei Grundfarbe (RGB) in der Kombination ergeben sich jedoch zig Millionen Varianten. Diese Tatsache wird in jedem Seminar stark betont und herausgearbeitet. Es geht beim Structogram also nicht darum zu kategorisieren sondern die Individualität eines Menschen verständlicher zu machen.
Viele liebe Grüße
Christian Heeg
Mittwoch 23. Dezember 2009 um 08:55
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