NOKIA – Dis-Connecting People?

2008-01-31, von Wolff Horbach

NOKIA Disconnecting People

Ich war früher ein Bewunderer von Nokia. Den Claim “Connecting People” fand ich genial. Seit ein paar Tagen kann ich mich nur noch wundern. Wer jetzt auf die Nokia Homepage geht, findet dort unter Unternehmerische Verantwortung:

Unternehmerische Verantwortung heißt für Nokia, die Einflüsse ihrer Arbeit auf Gesellschaft und Umwelt zu erkennen und entsprechend zu agieren. Als Marktführer und weltweit tätiges Unternehmen nimmt Nokia diese Verantwortung sehr ernst. Eine solide Unternehmensethik ist deshalb für das tägliche Geschäft enorm wichtig.

Und unter Verpflichtung zur sozialen Verantwortung steht:

Unser Ziel ist ganz einfach – wir möchten, dass Nokia weiterhin ein interessantes Arbeitsumfeld bietet – und wir möchten zum Wohl der Gesellschaft, in der wir tätig sind, beitragen. Jeder Nokia Mitarbeiter entscheidet mit über Leistung und Reputation von Nokia in den Bereichen Gesundheit, Sicherheit, Mitarbeiterbeziehungen, Corporate Community Involvement und Menschenrechte. Aus diesem Grund ist jeder Mitarbeiter für den Erfolg von Nokia wichtig, denn er hat Anteil an der Verantwortung für das soziale Engagement.

Toll. Nur die Wirklichkeit sieht ganz anders aus. Das bezahlt der Konzern jetzt mit einem dramatischen Imageverlust: Nokias Image so schlecht wie nie. Das ist wahrscheinlich Weltrekord.

Ach übrigens: Wer noch ein altes Nokia-Handy hat, kann jetzt an einem tollen Wettbewerb teilnehmen: Nokia-Handy-Weitwurf.

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15 Kommentare zu “NOKIA – Dis-Connecting People?”

  1. Marc sagt:

    Das Nokia wirtschaftlich sein will (oder muss) ist nachvollziehbar.
    Trotzdem muss auch Nokia Verträge einhalten und somit zuviel gezahlte Subventionen zurück zahlen.
    Dann ist doch alles ok.
    Wir können Nokia nicht zwingen hier zu bleiben, aber Vertragstreue kann verlangt werden. Darum werde ich derzeit kein Nokia Handy kaufen.

    Igor

  2. Sabine Raiser sagt:

    Leider sind Begriffe wie “Soziale Verantwortung” dehnbar wie Kaugummi. Und immer auch eine Frage der Weltsicht und Werte. Die Kommunikationsstrategen von Nokia werden sagen, “Wir übertragen unsere soziale Verantwortung nun von Deutschland nach Rumänien. So wie wir sie vorher von Finnland nach Deutschland getragen haben. In Rumänien geht es den Leuten viel schlechter als den Arbeitslosen in Deutschland. Und es wird Zeit, dass “Rest-Europa” auch modernisiert wird.” Bei einem Gewinn von über 7 Mrd. Euro wird aber selbst diese Argumentation schwach.

    Nicht weniger schlimm ist, dass die Millionen-Subventionen, generiert durch Steurgelder, vorab einkassiert wurden. Wenn Politik das zulässt, sollte sie auch dafür sorgen, dass unter diesen Umständen das Geld zurückfließt. Und für Nokia: Wenn auch nicht aus “Sozialer Verantwortung”, sondern aus Imagegründen, die künftig sehr teuer restauriert werden müssen, sollten die Kommunikationsstrategen zumindest diese Rückzahlung empfehlen.

  3. Michael sagt:

    Nokia zeigt auf krasse und schmerzhafte Art und Weise, in welche Richtung es auf dem Kapitalmarkt geht.
    Werte, Menschlichkeit und Empathie haben in diesem System keinen Platz mehr – eine menschliche Existenz zählt scheinbar nicht mehr viel.
    Wichtig ist die uneingeschränkte Profitgier, Tunnelblick und steigende Aktienkurse.
    Ich finde wir sind von Huxleys Schönen neuen Welt nicht mehr ganz so weit entfernt.
    Man kann Nokia nur zum 1.Platz der Skrupellosigkeit gratulieren und diese “wirtschaftliche” Entscheidung damit belohnen, ab sofort keine Nokia-Produkte -> Nokia Boykott mehr zu kaufen!!!
    Es ist wichtig, endlich damit anzufangen, damit den Unternehmen gezeigt wird, dass deren Produkte von Menschen gekauft werden!!!
    Was ich noch trauriger finde, dass unsere Volksvertreter jahrelang zusehen getreu dem Motto “Augen zu und Taschen auf …” und jetzt, wo Wählerstimmen in Gefahr sind, groß auftragen…
    Aufruf zum Nokia Boykott !

  4. Linktipps vom 02.02.2008 - Marcel Widmer - JobBlog sagt:

    [...] innovativ.in – Business Blog » Blog Archiv » NOKIA – Dis-Connecting People? Nokia nach dem Entscheid, den Standort in Deutschland aufzugeben [...]

  5. Judita Ruske sagt:

    Etwas weiter gedacht:
    Nokia wird die Zelte in Bochum abbrechen, neue Arbeitsplätze in Rumänien schaffen und dort noch ökonomischer Profite einfahren, die wiederum zu Investitionen/Arbeitsplätzen an einem anderen Ort führen.
    Hoffentlich schafft es Herr Schartau in absehbarer Zeit, die Subventionen zurückzuholen und das Gesamtkonzept für Subventionen zu reformieren. Die stehengelassenen Menschen werden wohl nicht mehr in global agierenden Unternehmen arbeiten wollen.

    Für das menschenverachtende Vorgehen, was vor allem aus der nicht vorhandenen Kommunikation der Geschäftsführung und Mitarbeitern besteht, wird Nokia sehr teuer mit langfristigem (globalem?) Imageschaden bezahlen müssen.

    Dies wird hoffentlich von anderen Unternehmen sehr klar registriert werden. Meine These ist, dass besonders die junge Generation beim Thema Werte sehr auf Authentizität setzt und diese beobachtet. In Dänemark ist diese Generation bereits ein Thema in der Personalentwicklung und -bindung. In Deutschland sollte das Augenmerk auf diese Generation aufgrund des demografischen Wandels noch wichtiger genommen werden.
    Götz Werner verbindet schon seit längerem durch sein Engagement in der universitären Bildung ökonomisches UND soziales Handeln: diese jungen Betriebswirte und Führungskräfte werden Veränderung bringen. Und auch der Mittelstand mit seiner Verantwortungskultur ist sehr stark; auch hier wird es eine Menge Nachfolger geben, so dass grundlegender Wandel möglich erscheint.
    Lassen wir Nokia gehen – je schneller desto besser für Bochum – und nachhaltig Wirtschaftsstandorte mit einer klaren Haltung aufbauen.

  6. Linktipps vom 03.02.2008 - Marcel Widmer - JobBlog sagt:

    [...] innovativ.in – Business Blog » Blog Archiv » NOKIA – Dis-Connecting People? Nokia nach dem Entscheid, den Standort in Deutschland aufzugeben [...]

  7. Stephan sagt:

    Die Zitate von der Nokia-Seite wirken wie eine Ohrfeige. Es zeigt sich wieder einmal, dass es sich bei diesen Bekenntnissen nur um hohle Phrasen handelt. Sicher ist Nokia nicht das einzige Unternehmen, welches sich mit diesen wahrscheinlich von der Marketingabteilung formulierten Sätzen “schmückt” und so um Kunden wirbt.

    Ein global agierndes Unternehmen hat auch global sozial und verantwortlich zu handeln. Tut es das nicht, ist meine Hoffnung, dass die Märkte (sprich die Menschen) dieses Unternehmen abstrafen – sei es nun durch Boykott, schlechte Berichterstattung oder anderen Protest.

  8. Wolff Horbach sagt:

    von der Website http://www.cluetrain.de:

    Ein kraftvolles globales Gespräch hat begonnen. Über das Internet entdecken und gestalten die Menschen neue Wege, um relevantes Wissen mit rasender Geschwindigkeit auszutauschen.
    Als direktes Resultat werden die Märkte intelligenter — und sie werden schneller intelligent als die meisten Unternehmen.

    Diese Märkte sind Gespräche. Ihre Mitglieder kommunizieren in einer Sprache, die natürlich, offen, ehrlich, direkt, witzig und häufig schockierend ist. Ob Erklärung, Beschwerde, Spaß oder Ernst, die Stimme des Menschen ist unverkennbar echt. Sie kann nicht gefälscht werden.

    Im Gegensatz dazu wissen die meisten Firmen nur mit einer gekünstelten, humorlosen und monotonen Stimme von ihren Marketing- Broschüren und “Ihr Anruf ist uns wichtig” Sprüchen zu erzählen. Der selbe alte Klang, die selben alten Lügen. Kein Wunder, dass die vernetzten Märkte keinen Respekt vor Firmen haben, die unfähig oder unwillig sind so zu sprechen wie sie.

    Dem habe ich nichts hinzuzufügen.

  9. Stephan sagt:

    cluetrain.de spricht wahr. Die 95 Thesen sollten Pflichtlektüre für alle Unternehmen sein.

  10. sibyl sagt:

    ..und wenn “unsere” Banken und andere Unternehmen Geschäfte im Osten machen, dann klopfen wir uns auf die Schulter

  11. Paul sagt:

    Das jeder wirtschaftlich sein will eigentlich ja klar und nachvollziehbar aber trotzdem muss auch Nokia Verträge einhalten und somit zuviel gezahlte Subventionen zurück zahlen.

    Es wird sich ja zeigen was bei allem raus kommt ob sie hier bleiben oder nicht man kann zwar nichts machen wen sie nicht mehr in Deutschland bleiben aber Vertragstreue kann gefordert werden!!

  12. Thomas sagt:

    Nokia ist echt das beste beispiel dafür, wie es auf dem deutschen kapitlamarkt mittlerweile aussieht und wie es weiter geht, schließen hier ihre werke weil die produktion hier zu teuer ist und gehen ins ausland um billger zu produzieren, um dann die ware hier wieder teuer zu verkaufen !!! deswegen denke ich man sollte den boykott durchziehen und das auf längere sicht damit die nokia-bosse sehen das es so keinen sinn hat. wenn der boykott nichts bringen wird (wovon ich ausgehe da nokia schon zu lange im geschäft ist und das mit einkalkuliert hat) dann nehmen sich andere firmen ein beispiel daran und machen genau das gleiche und das wäre echt schade !!!

  13. Matthias Rückel sagt:

    Nokia verliert Marktanteile: Die Süddeutsche berichtet Nokia verliert Markanteile von 41% auf 37%. Da wäre grob gechätzt ein Zehntel des Umsatzes in Deutschland.

  14. Elita Wiegand sagt:

    Lieber Matthias,
    über die Umsatzeinbrüche bei Nokia habe ich auch gelesen – und es freut mich. Obwohl ich seit langem Nokia Kundin bin, habe ich dieses Mal ganz bewusst verzichtet. Mein neues Handy ist ein Samsung. Ätsch!!!

  15. Marian sagt:

    Mh aber so ein Konzern wie Nokia ist ja nicht so schnell unterzukriegen. Auch wenn manche Shops die nun ablegen, dann werden sie eben auf Portalen wie sms-puls.de oder so verlost oder in den Läden mit 1000 free sms verkauft und zack is die nachfrage wieder da.

    Grüße, Marian

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