Archiv für Februar, 2008

globalisierungs-besoffenen

2008-02-29, von Wolff Horbach

Gestern las ich in einer Buchbesprechung den schönen Begriff “globalisierungs-besoffenen”. Ja, ich glaube in der letzten Zeit sind einige Unternehmen total besoffen. Ein Herr Schrempp wird größenwahnsinnig und berauscht sich an einem “Weltkonzern”. Nach dem Rausch kommt bekanntlich der Kater: Das Abenteuer Chrysler hat rund 100 Milliarden Euro an Kapital vernichtet.

Momentan besäuft sich Nokia an billigem Fusel aus Rumänien. Der Kater steht noch aus. Und schon greift der nächste zur Flasche: BMW fährt zurzeit traumhafte Gewinne ein und streicht gleichzeitig 8.100 Arbeitsplätze. Die Flasche ist noch nicht ganz geöffnet, stehen schon die nächsten Saufkumpanen auf der Matte: Siemens, Henkel, Conti, …

Vielleicht warten eine ganze Reihe von Unternehmen nur auf so Vorreiter wie Nokia, um dann schwupp-die-wupp ihre Zechtour bekannt zu machen, wenn die Presse gerade negativ über andere berichtet. Es ist wie bei den Spritpreisen: Kaum hat Shell eine Preiserhöhung angekündigt, schon ziehen Aral & Co. in zwei Stunden nach.

Noch was: in den letzten Jahren höre ich von allen Seiten, dass Wettbewerb das Beste sei. Das stellt überhaupt niemand mehr in Frage, sondern es wird von allen Seiten – Wirtschaft, Politik, Wissenschaft – wie ein Mantra runtergebetet. Stellen Sie sich das mal privat vor: Sie kommen nach Hause und plötzlich sind da drei Wettbewerber(innen). Jeden Abend und jeden Morgen drei neue. Jeden Tag müssen Sie sich wieder wie auf neue bewähren. Ist heute Abend vielleicht Robert Redford oder Julia Roberts dabei? Ist doch toll so ein Wettbewerb. Oder?

Mit internationalem Wettbewerb können wir sicher alle Probleme lösen. Heute Morgen las ich in brand eins, dass in Pakistan eine Krankenschwester im Monat 53 Euro verdient. Das wäre doch eine Lösung für unsere hohen Gesundheitskosten: wenn man krank wird, ab nach Peschawar oder Isalamabad.

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Ein PR-Blog taugt nichts.

2008-02-28, von Alexander Greisle

Gut, es sind amerikanische Studienergebnisse zum Social Web (dazu gehören auch Weblogs), die ich gerade bei Hannes Treichl gelesen habe. Aber warum sollten die dort berichteten postivien Effekte denn bei uns nicht genauso sein?

Positive Ergebnisse nach innen gerichteten Social Media Einsatzes

  • Verbesserte Kommunikation und Zusammenarbeit: 91%
  • Experten innerhalb des Unternehmens finden: 81%
  • Verbessertes Wissensmanagement: 78%

Positive Ergebnisse nach außen gerichteten Social Media Einsatzes

  • Gestiegene Aufmerksamkeit gegenüber der Marke & Loyalität: 64%
  • Unterstützen der Marktforschung: 58%
  • Generieren von Umsätzen: 39%

Wenden wir uns mal ab von den Zahlen und betrachten wir uns selbst: als Selbständige, Unternehmer, mündige Konsumenten. Als solche haben ja mehrere Zugänge zum “Bloggen” mit all seinen Interaktions- und Veröffentlichungsmöglicheiten:

  1. Als marktaktives Unternehmen
  2. Als aktiver Konsument von Leistungen
  3. Als, manchmal zu respektvolle, Person, die hinter beidem steckt

Wo liegt nun die Stärke eines Blogs als soziales Medium? Nicht in geschliffenen PR-Postings. Ganz im Gegenteil, dazu sind Blogs unnötig. Sogar kontraproduktiv, kann doch ein Kommentar den ganzen PR-Glanz flugs in ein stumpfes Gebilde verwandelt. So empfinden das, meiner ganz persönlichen Wahrnehmung nach, zumindest eine ganze Menge potenzieller Nutzer.

Jetzt lehne ich mich noch ein wenig weiter aus dem Fenster. Viele, die als marktaktives Unternehmen nicht bloggen, nutzen als aktive Konsumenten gerade die ambitionierten Diskussionen, den Austausch von Pro und Contra, wie er auch überall anders stattfinden kann. Sie scheinen also vom Vorteil dieses Meinungsaustausches überzeugt zu sein.

Blogs sind Meinungsmedien

Die Stärke von Blogs, gerade auch von Business-Blogs, liegt in der Persönlichkeit, der Authentizität. Die möchte ich als marktaktives Unternehmen auch darstellen. Schließlich weiß ich, dass das immer mehr den Unterschied macht in umkämpften Märkten. Die möchte ich auch kennenlernen als aktiver Konsument von Leistungen.

Bleiben die Autoren als, manchmal zu respektvolle, Personen, die hinter beidem stecken. Die trauen sich nicht, das Potenzial auch zu nutzen. Zu viel Respekt. Warum eigentlich?

Blogs sind Meinungsmedien, keine traditionellen PR-Medien. Als traditionelle PR-Medium funktionieren sie nicht, als Authentizitäts-, Meinungs- und Persönlichkeitsmedium dafür umso besser. Und das ist gut so.

P.S.: Ähnlichkeiten zu real existierenden Blogs sind rein zufällig und beabsichtigt.

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Fehlgeburt des Bundestrojaners

2008-02-28, von Wolff Horbach

Gestern war ein großer Tag für unsere Demokratie: Das Bundesverfassungsgericht hat das Verfassungsschutzgesetz von Nordrhein-Westfalen wegen der darin erlaubten Online-Durchsuchungen kassiert. Damit dürften die Pläne von Bundesinnenminister Schäuble, die wir hier und hier eifrig diskutiert haben, endgültig vom Tisch sein. Es ist eben nicht nur Aufgabe des Staates, uns vor Terroristen zu schützen, sondern auch vor allzu großem Datenhunger des Staates selbst. Details zum Urteil hat Telepolis gut beschrieben: Schlechte Karten für den Bundestrojaner.

Mich erfüllt es auch ein Stück mit Stolz, dass wir mit unseren Diskussionsbeiträgen offensichtlich dem Geist und dem Buchstaben unseres Grundgesetzes viel näher sind, als unser paranoider Innenminister. Für Herrn Schäuble habe ich noch eine Empfehlung: In Cincinnati soll gerade ein Sheriff-Posten frei sein.

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Folksonomy als Übergangslösung- zum SemWeb

2008-02-26, von Bjoern Theis

Folksonomy als »Übergangslösung« zum SemWeb

Context is king!

Das Thema semantisches Web («Suche ist nur ein Ausdruck von mangelnder Organisation«) lässt mich nicht los, wie man hier, hier und hier sehen kann. Ich betrachte es als eines der wichtigsten Themen der jüngeren Zukunft.

Vorweg muss erklärt werden, dass ich unter dem Begriff »Semantik« die Lehre der Wortbedeutung verstehe (ich hoffe das ist wissenschaftlich richtig). Die Semantik, als Teilgebiet der Linguistik, beschäftigt sich also mit dem Sinn von Wörtern und Wortkombinationen (sprich Sätzen). Genau dies ist heute durch Computer nicht realisierbar, da diese Bedeutungsinterpretation (noch) nicht durch Algorithmen abzubilden ist. Eine derartige Leistung kann nur durch das menschliche Gehirn erbracht werden.

Eine Offenbarung zu diesem Thema ist für mich das Buch »The long tail« von Chris Anderson. Ein zusammenfassendes Fazit des Buches ist: »Mache alles verfügbar und hilf mir, es zu finden.». Dabei bezieht sich das Mache alles verfügbar auf die grundlegende Nischentheorie des Buchs. Der Rest des Satzes («und hilf mir es zu finden.») aber hat es in sich, denn die heute verfügbaren Hilfen, etwas im Internet zu finden, sind noch ziemlich dürftig. Das Gros der Content- oder Produktanbieter verfährt immer noch nach dem Prinzip »Content is king«. Auch Google, Yahoo, Wikipedia und die üblichen Verdächtigen gehören mit zum Gros.

Chris Anderson ist da aber schon viel weiter und ruft das Zeitalter des »Context is king« aus. In meinen Augen absolut richtig. Es gibt nur noch das Problem der technischen Realisierung zu lösen. Dazu gibt es diverse Ansätze.

Der erste und vermutlich Bekannteste wird schon seit geraumer Zeit von Tim Berners-Lee in Form des SemWebs propagiert. In diesem Videointerview erklärt er ausführlich seine Vision. Letztendlich wird angestrebt, die vorhandenen Spezifikationen des W3C um semantische Tags zu erweitern. Den aktuellen Stand kann man unter W3C Semantic Web Activity einsehen.

Ein weiterer Ansatz wird in Form der sogenannten »Mikroformate« verfolgt. Zu diesem Thema schreibt Benedikt Köhler, Autor des Blogs viralmythen:
»Wer sich in Web2.0-Kreisen bewegt, ist sicher schon einmal auf den Begriff »microformat« gestoßen. Was verbirgt sich dahinter? Im wesentlichen geht es hier um einfache, offene Datenformate, die sowohl maschinen- als auch menschenlesbar sein wollen.« Die ausführliche Abhandlung des Themas findet sich hier.

Der nächste Ansatz geistert schon seit einiger Zeit als Neologismus durch die Webwelt: Taggen. Jeder kann mit diesem Begriff etwas anfangen, aber kann auch jeder damit umgehen? Eine hilfreiche Erklärung liefert Markus Tressl, der sich neben seiner Berufstätigkeit mit der Thematik Suchen und Finden auseinandersetzt.

Bleiben mir noch zwei Punkte zu erwähnen.
Erstens gibt es zahlreiche Portale, die sich mit der Thematik erfolgsversprechend auseinandersetzen. Eine Liste der 10 wichtigsten Aktivitäten findet sich hier.
Zweitens gibt es den Ansatz des Gemeinschaftlichen Indexieren (Folksonomy). So wie es auf Wikipedia definiert ist und durch Chris Anderson interpretiert wird (Artikel ist vom 04.07.2005, was man als visionär bezeichnen kann) ist es in meinen Augen der vielversprechendste Ansatz, bevor Maschinen in der Lage sein werden semantisch zu »denken«.

Das denkt MindSharing:
Bei allen Ansätzen das Internet semantisch zu machen, kommt dieselbe Vorgehensweise zum Einsatz. Inhalte werden mittels Metaauszeichnungen verknüpft, um eine Kontextrelevanz herzustellen. In meine Augen ist die Problematik dabei, dass die Inhalte der Metaauszeichnungen “ wie immer die technische Umsetzung aussieht “ von (wenigen) Menschen gefüllt werden. Und schon ist man wieder am Ausgangspunkt, denn ich bin sicher, das die Tags die ich einem Content geben würde, sich von den Tags anderer User stark unterscheiden würden. Das ist also keine Hilfe es zu finden.
Als Übergangslösung zum SemWeb wie ich es verstehe, käme daher nur eine Folksonomy mit Schwarmintelligenz in Frage. Dazu müssten möglichst viele User ein und denselben Inhalt taggen. Die Schnittmenge aller vergebenen Tags, würde dann den Content einer breiteren Userschaft suchtechnisch näher bringen und somit auffindbar machen.
Wir werden sehen und suchen.

MindSharings Frage an die Gemeinde:
Wie sieht die Zukunft des semantischen Webs aus? Welche Anwendungen für eine solche Technologie würden Sie sich wünschen? Wir sind gespannt auf Ihre Antworten!

Wenn Sie mehr wissen wollen…
…besuchen Sie den MindSharing Blog.

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DemandR, das Nachfragerportal. Betatest erfolgreich gestartet

2008-02-22, von Lutz Falkenburg

Berufsmäßig bin ich ja ständig dabei neue Systeme und Entwicklungen zu testen. Bei einem der letzten Betatests im Web 2.0 Umfeld ist mir ein System ins Auge gestochen:

Wir alle hatten schonmal das Vergnügen ganz spezielle Vorstellungen von etwas zu haben und die Idee dies über das Internet zu bestellen. Nun geht es los. Da gerade die individuellen, differenzierten Wünsche zu den dateilliertesten gehören ist es umso schwerer, etwas passendes bei Google und Co. zu finden. Oftmals fällt das suchmaschinen-taugliche verbalisieren dieser Sonderwünsche zu allerlei kuriosen Ergebnissen, meist aber nicht zu dem, was man vor seinem geistigen Auge hat. Auch Anbieter getriebene Portale helfen nur bedingt, denn diese führen unweigerlich zu dem Überangebot, welchem wir tagtäglich ausgesetzt sind.

Das soll nun anders werden. DemandR dreht den Spieß um. Nicht suchen, sondern gefunden werden, lautet hier die Devise.

Das heisst im einzelnen, dass man sein Vorhaben so genau wie möglich umschreibt. Die anderen Teilnehmer der Community sind aufgefordert die ersten Ideenfragmente zu ergänzen. Wenn das System einen Anbieter nicht bereits über das Prematching findet. So wird der Wunsch mit Hilfe der Community soweit konkretisiert, dass es einem der vielen Anbieter leicht fällt ein individuelles, passendes Angebot zu unterbreiten.

Soweit der Plan.

Jetzt birgt dieses System etliche Neuerungen. Daher gibt es seit etwa einer Woche einen laufenden Betatest. Dies ermöglicht es uns, den Nutzern, beim letzten Feinschliff mitzuhelfen und ausserdem sieht man einmal live, wie die letzten 10% eines solchen Systems entstehen. Ich persönlich teste fleißig und bin jeden Tag überrascht, wenn ich mich anmelde und sehe, was wieder alles passiert ist.

Das eigentliche Portal DemandR wird erfreulicherweise unterstützt von einem Corporate Blog, welches losgelöst vom eigentlichen System betrieben wird.

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C&A: Preiswert, aber auch ökologisch?

2008-02-22, von Elita Wiegand

C&A ist preiswert. C&A hat europaweit 1.200 Filialen. Und C&A ist altbacken. Mit diesen Attributen rutscht das Unternehmen fast automatisch in die Schublade «Lieblingsfeind» –  und wäre da auch geblieben.

bio-cotton-logo.jpgUnd dann überraschte C&A die kritischen Verbraucher im letzten Jahr mit einer Pressemitteilung. Die griffige Überschrift lautete: «Mehr Verantwortung – we “C&Are». Und da hieß es doch glatt, dass die Modekette in Europa zu führenden Anbieter von Biobaumwolle werden will. Und C&A verzichtet auf einen Teil des Gewinns, weil sie den höheren Preis für die Biobaumwolle nicht an die Kunden weitergeben.

Kaum verkündet, meldeten sich die Kritiker zu Wort. Zum Beispiel im Utopia Forum: Da zweifelte man an den ernsten Absichten. Ist das denn nun Greenwashing? Warum hängt sich C&A an die Öko-Welle?
Vor einigen Tagen habe ich den C&A Unternehmenssprecher Thorsten Rolfes zu der Umweltstrategie  interviewt. Er kennt die Kritik und antworte auf  Nachfrage: “Alles, was man positiv für die Umwelt tut, ist wenigstens ein Schritt. Ich benutze dazu gerne das Beispiel unseres Kooperationspartners “terres des hommes“, der im Logo einen Tropfen zeigt. Jeder Tropfen füllt das Glas und es nicht der Tropfen auf dem heißen Stein, der verdampft, sondern im Gegenteil helfen auch kleine Schritte. Wenn wir unseren Beitrag dazu leisten, ist es etwas Positives und immer besser, als gar nichts zu tun.»

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3M: Innovation pur – der Mini-Beamer

2008-02-20, von Elita Wiegand

Der amerikanische US-Konzern 3M zählt weltweit zu den innovativsten Unternehmen und belegt hinter Apple und Google Platz 3. Und beliebt ist das Unternehmen allemal. Das Wirtschaftsmagazin Capital hat 3M gerade als besten Arbeitgeber ausgezeichnet.

kremer.jpgGestern nun hat der 3M Marketingchef Manfred Kremer beim Regierungspräsident in Düsseldorf über die Innovationskultur eines Multi-Technologiekonzerns einen Vortrag gehalten. (Auch nachzulesen in unserem Interview mit Dr. Jürgen Klingen von 3M)
Die Gäste der NUK Veranstaltung haben die Ohren gespitzt, als Manfred Kremer über das neueste Produkt berichtete: 3M hat nämlich einen Nano-Beamer entwickelt, der auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas vorgestellt wurde. (Ob Computerwoche, ZDnet oder das  Engadget Blog - alle haben darüber berichtet, habe ich aber nicht mit bekommen).

3m.jpgFür diejenigen, die ebenfalls ein Nachholbedürfnis haben, hier einige Einzelheiten: Das Bauteil misst gerade mal ein Zentimeter und kann in jedes Handy eingebaut werden. Handy Besitzer können damit also künftig einfach eine Wand anstrahlen und ihre Power Point Präsentation überall zeigen.
Nun fragt man sich natürlich, ob der Beamer für das Handy hell genug ist? Ist er, denn das Miniteil arbeitet mit Leuchtdioden, die auf einer so genannten LCOS-Technik (Liquid Crystal on Silicon) basieren. Und dieses Lichtquelle eignet sich für VGA-Auflösung (640 mal 480 Bildpunkte) bis zu einer maximalen Größe von 102 Zentimeter Bilddiagonale. (Foto: 3M)
“Wir sind besonders stolz darauf, dass wir diesen Mini-Beamer entwickelt haben und nicht etwa ein Mobilfunk-Unternehmen», sagte gestern Manfred Kremer. War ein Wettrennen mit der Zeit, denn natürlich haben auch andere Hersteller und nicht zuletzt das Fraunhofer Institut an dem Mini-Beamer für das Handy gearbeitet.
Das Handy entwickelt sich somit immer mehr zum einem medialen Alleskönner, aber nutzen wir alle  Funktionen wirklich?

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Cha-Cha-Cha!

2008-02-19, von Bjoern Theis

Drei Wege zur Innovation

Cha-Cha-Cha!Keine Sorge, es geht nicht um eine kreative Revolution alter Standardtänze – Cha-Cha-Cha ist der eigentümliche Name einer neu formulierten Theorie zu Geistesblitzen und Entdeckungen.
Verfasser der gerade im renommierten Wissenschaftsmagazin «Science» veröffentlichten Theorie ist der kürzlich verstorbene Daniel E. Koshland Jr. Der prominente Biochemiker und ehemalige Chefredakteur der Zeitschrift sichtete in seiner Rolle als leitender Redakteur tausende von wissenschaftlichen Meldungen. Während dieser Arbeit ließ ihn die Frage nach den Gemeinsamkeiten von relevanten Entdeckungen nicht mehr los. Er begann nach Mustern zu suchen. Das Ergebnis ist sein Dreisatz: Charge, Challenge und Chance – kurz: Cha-Cha-Cha. «Alle Forschungsentdeckungen könne man in eine dieser drei Kategorien einteilen.», so Koshland.
«Charge» steht dabei für den Druck und die Spannungen, denen die Wissenschaft in jeder Epoche zur Lösung offensichtlicher Probleme ausgesetzt ist. Jeder Mensch konnte beobachten, dass ein Apfel vom Ast zum Boden stürzt, aber jahrhundertelang konnte niemand erklären, warum. Dazu bedurfte es erst eines Isaac Newtons und seines Geistesblitzes, in dem sich der aufgestaute Druck zur Formulierung der Gravitationstheorie entlud. (Wobei es dem Mitbegründer der modernen Naturwissenschaften nicht schadete, in vielen Fragen eher magisch-esoterischen Ideen anzuhängen.) Der ungarische Nobelpreisträger Albert von Szent-Györgyi Nagyrápolt hat dazu eine einfache Anleitung formuliert: «Zusehen, was jeder sieht, aber zu denken, was niemand zuvor gedacht hat.»
«Challenge» bezeichnet Entdeckungen die erst durch die Ansammlung verschiedener Teilerkenntnisse und kleiner Puzzlestücke ein großes neues Gesamtbild ergeben. Beispielhaft ist hierfür Einsteins Relativitätstheorie: Er sichtete, ordnete und überprüfte die Vielzahl von Annahmen, unerklärlichen Ergebnissen und Messdaten der damaligen Physik und schaffte es so, eine einheitliche Theorie und damit ein neues physikalisches Weltbild zu formulieren. Ohne die Arbeiten, Experimente und Messungen anderer Physiker wäre Einsteins Arbeit nicht möglich gewesen. So verdeutlicht die Kategorie der «Challenge», dass manche relevanten Durchbrüche nur durch Teamarbeit erreicht werden können.
Der Begriff «Chance» steht sinnbildlich für das Forscherglück. Manche findigen Menschen sehen einfach, was anderen entgeht und erkennen das Potential – wie beispielsweise Conrad Röntgen, die Möglichkeiten der nach ihm benannten Strahlung oder Günter Schwanhäußer mit der Erfindung des Textmarkers.
Zugegeben, Daniel Koshland bezieht seine Theorie der Geistesblitze vornehmlich auf wissenschaftliche Erkenntnisse, dennoch verdeutlicht das Beispiel des Textmarkers, dass sich die Theorie auch auf Ideen und Innovationen anwenden lässt – für die bekommt man zwar keinen Nobelpreis, zumindest aber patentiert gefüllte Taschen.
So sind wissenschaftliche Erkenntnisse von nichtwissenschaftlichen kaum zu unterscheiden: Es war es reiner Überlebensdruck, der unsere urzeitlichen Vorfahren dazu brachte, sich in größeren Gruppen und Stämmen zu organisieren – es entstanden die ersten vorstaatlichen sozialen Systeme. Mit dem Aufkommen von komplexen Gesellschaften stieg der soziale Druck («Charge») nach sozialer Gerechtigkeit und Konsens – die Idee der Demokratie wurde geboren. Der Wunsch («Challenge»), die Rechte und Pflichten der Menschen vertraglich und bindend festzulegen, endete in der Verfassung der Magna Carta und späteren «bill(s) of rights».
Koshlands Ansatz verdeutlicht, dass kaum eine Erfindung mit einem Heureka a la Hollywood ins Leben gesprungen ist. Hinter jeder einzelnen standen eine Vielzahl von Mühen und Erfahrungen. Es braucht lediglich einen einzelnen wachen Geist, der den Stein der Erkenntnis ins Rollen bringt.
Für das, was diese Genies von anderen Menschen unterscheidet, hat Koshland eine nüchtern anmutende Erklärung parat: «Jede wissenschaftliche Entdeckung wird durch das Arrangement von Neuronen im Gehirn ermöglicht und ist als solche einzigartig. Forschergeister sind eher imstande, Fakten aus weit entfernten Hirnregionen miteinander zu verbinden. Eines Tages wird man vielleicht verstehen, wie in den Neuronen Einzigartigkeit entsteht.»

Das denkt MindSharing:

Auch wenn es nicht gerade um den Nobelpreis geht – die Cha-Cha-Cha-Theorie Koshlands macht deutlich, dass innovative Durchbrüche nur selten Zufälle sind, denn selbst auf Glücksfälle muss man vorbereitet sein, sonst vergehen sie oftmals ungenutzt. Im Rückschluss hilft sein System auch zur Bewertung von unternehmerischen Strategien – so war spätestens nach der Erfindung des MP3-Formats klar, dass die Entwicklung von portablen Playern, wie dem iPod ein gesellschaftliches Bedürfnis war. Charge and Challenge!

MindSharings Frage an die Gemeinde:
Wie gelangen Sie zu Ihren innovativen Durchbrüchen? Was beflügelt ihr kreatives Denken? Wir sind gespannt auf Ihre Antworten!

Wenn Sie mehr wissen wollen…
…besuchen Sie den MindSharing Blog.

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Business-Vordenker Tom Peters

2008-02-18, von Elita Wiegand

Also: Unser emsiger Blogautor, Glücksbotschafter und treuer innovativ.in Fan Wolfgang Horbach hat heute Geburtstag. Wir gratulieren recht herzlich. Möge Dein Glücksbuch ein Bestseller werden, die Konten überlaufen, möge Dich Dein persönliches Glück ereilen - und mögen Liebe, Freude und Spaß im neuen Lebensjahr überwiegen. Happy birthday.

tom-peters.jpgUnd damit Du in Ruhe feiern kannst, “verbrate” ich für Dich den Link, den Du mir geschickt hat. Der Spiegel hat nämlich heute einen interessanten Artikel über den Management-Guru “Tom Peters” veröffentlicht. Unbedingt lesen! Und wir haben von unserer Website zufällig heute “50 Erfolgstipps von Tom Peters.” Auch unbedingt lesen. Und wer das Buch “Re-Imagine” noch nicht kennt, auch unbedingt lesen! 

Und noch was: Tom Peters ist Blogger und er ist total überzeugt von Blogs.  Er sagt: BLOG AS IF YOUR LIFE DEPENDED ON IT!

“Blogging, I firmly believe, is the premier emergent marketing-brandbuilding-lovemarkcreating tool of our times! It is the premier way to have intimate-engaging-informative- WOWing conversations« with Clients and prospects! This all goes double for small enterprises and niche enterprises; and goes triple for the Professional Services; and works wonders in the Public Sector as well. Do you see Blogging in these exalted lights? If not, why not? Please … Blog-As-If-Your-Professional-Success-Depended-On-It. (Hint: I think it does.) Begin today!”, sagt Tom Peters.

Noch Zweifel?

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Innovativ: Trockene “Geschäfte”

2008-02-18, von Elita Wiegand

Hände waschen nicht vergessen! Machen wir. Doch warum ist diese normale Tätigkeit nach dem Besuch einer öffentlichen Toilette in Hotels oder Restaurants mit Qualen verbunden? Ich sage nur: Händetrockner!
Da steht man, hält die Hände darunter und wartet darauf, dass die Finger endlich trocken sind. Das dauert…  Jetzt habe ich gelesen, dass diese Händetrockner mit einer 60 Jahre alten Technik arbeiten und naürlich sind die altmodischen  Geräte auf Verdunstung angewiesen. 

haendetrockner1.jpgDeshalb gratuliere ich der Firma Dyson, die endlich! ein neuartiges Gerät entwickelt hat. “Airblade” bringt es auf nur 10 Sekunden und die Hände sind trocken, ganz ohne Einsatz von Hitze. Die Luft wird über einen digitalen Motor auf bis zu 650 km/h beschleunigt und trocknet über kleinste Düsen die Hände. Ist doch innovativ und dafür hat Dyson jetzt den Gastro Innovations-Preis 2008 erhalten. (Einen guten Bericht über Innovationen bei Dyson gibt es übrigens im Blog von Burkhard) Foto: Dyson

Warum ist eigentlich keiner früher auf einen neuartigen Händetrockner gekommen?

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