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globalisierungs-besoffenen

Wolff Horbach 29 Februar 2008 2 Kommentare

Gestern las ich in einer Buchbesprechung den schönen Begriff “globalisierungs-besoffenen”. Ja, ich glaube in der letzten Zeit sind einige Unternehmen total besoffen. Ein Herr Schrempp wird größenwahnsinnig und berauscht sich an einem “Weltkonzern”. Nach dem Rausch kommt bekanntlich der Kater: Das Abenteuer Chrysler hat rund 100 Milliarden Euro an Kapital vernichtet.

Momentan besäuft sich Nokia an billigem Fusel aus Rumänien. Der Kater steht noch aus. Und schon greift der nächste zur Flasche: BMW fährt zurzeit traumhafte Gewinne ein und streicht gleichzeitig 8.100 Arbeitsplätze. Die Flasche ist noch nicht ganz geöffnet, stehen schon die nächsten Saufkumpanen auf der Matte: Siemens, Henkel, Conti, …

Vielleicht warten eine ganze Reihe von Unternehmen nur auf so Vorreiter wie Nokia, um dann schwupp-die-wupp ihre Zechtour bekannt zu machen, wenn die Presse gerade negativ über andere berichtet. Es ist wie bei den Spritpreisen: Kaum hat Shell eine Preiserhöhung angekündigt, schon ziehen Aral & Co. in zwei Stunden nach.

Noch was: in den letzten Jahren höre ich von allen Seiten, dass Wettbewerb das Beste sei. Das stellt überhaupt niemand mehr in Frage, sondern es wird von allen Seiten – Wirtschaft, Politik, Wissenschaft – wie ein Mantra runtergebetet. Stellen Sie sich das mal privat vor: Sie kommen nach Hause und plötzlich sind da drei Wettbewerber(innen). Jeden Abend und jeden Morgen drei neue. Jeden Tag müssen Sie sich wieder wie auf neue bewähren. Ist heute Abend vielleicht Robert Redford oder Julia Roberts dabei? Ist doch toll so ein Wettbewerb. Oder?

Mit internationalem Wettbewerb können wir sicher alle Probleme lösen. Heute Morgen las ich in brand eins, dass in Pakistan eine Krankenschwester im Monat 53 Euro verdient. Das wäre doch eine Lösung für unsere hohen Gesundheitskosten: wenn man krank wird, ab nach Peschawar oder Isalamabad.


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2 Kommentare »

  • Thomas H. Lemke sagte:

    Suff löst – nicht nur die Zunge. Da wird auch schon mal die Loyalität mit davongespült. Schon mancher war am Morgen danach erschrocken, was er an wertvoller Partnerschaft zerstört hat.

    Schade nur für alle Beteiligten: Kaputt ist kaputt. Neues Vertrauen aufzubauen braucht viel Zeit!

  • Joachim Zischke sagte:

    Die Probleme haben wir aus einem einfachen Grund: Alkohol löst sie nicht, Alkohol konserviert sie. ;-)

    Hartmut Esslinger, Gründer von frog design, äusserte sich in einem Interview des Trendbüros wie folgt:

    [...]Man kann heute nicht mehr in Deutschland sitzen und glauben, dass sich alles um uns dreht. Die neue Landschaft ist dynamisch: nehmen wir nur BenQ und Siemens Mobile als Beispiel oder jetzt Nokia. Im Moment sind faule und habgierige Kurzzeitstrategien unser “westlicher” Mega-Trend, der Asien und Osteuropa weiter in die Hände spielt und die Kluft unnötig breiter macht. Wir müssen uns bewegen von „wir sind die Marke“ zu „wir sind Teil eines globalen Teams – und unsere Marke ist ein Ergebnis aller beteiligten Unternehmen.“ Dies erfordert auch ein Umdenken in Bezug auf Marketing, Design, Produktion und Recycling.[...]
    Die Macht der Fabriken

    Wer denkt, lenkt – war das nicht so?

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