Archiv für März, 2008

Fast alles ist vergänglich

2008-03-31, von Elita Wiegand

Liegt es daran, dass wir die Uhren umgestellt haben und  mir deshalb ein Bericht über den Zahn der Zeit einfällt?  Was bleibt eigentlich, wenn der Mensch geht? Mit dieser Frage hat sich die Sendung «Welt der Wunder» beschäftigt. Obwohl der Beitrag vor längerer Zeit gesendet wurde, gehen mir einige Bilder nicht mehr aus dem Kopf: Wenn wir nicht mehr da sind, finden Archäologen nach 100 Jahren zwar noch einige Überreste von Autos, Fabriken und Kirchen, aber die menschliche Sprache in Form von Videos, CDs oder Festplatten wären komplett verschwunden. Nur einige Grabsteine überleben….

CO2 Problem wäre ohne uns schnell gelöst – Deutschland ist wieder grün!
Nach 1000 Jahren ohne uns wäre die Atmosphäre wieder sauber und das das CO2 Problem gelöst. Treibhausgase verschwinden und die Ozonschicht ist wieder clean. Auch unser Müllproblem hätte sich erledigt: Alles Plastik verschwindet, denn dieser Kunststoff übersteht keine 1000 Jahre, vermuten Wissenschaftler. Auch Textilien und Holzmöbel zerfallen einfach.
In 10.000 Jahren wird im Dickicht ab und zu noch ein Ehering, eine Goldmünze oder eine Zahngoldfüllung funkeln, denn das Edelmetall kann nichts zerstören. Auch Glas ist «unkaputtbar”.
 

mondauto.jpgWas bleibt?
Nach etwa einer Milliarde Jahren wäre der Planet Erde von uns komplett frei – nur eine einzige Spur menschlichen Lebens wird dem Universum erhalten bleiben, sagt Welt der Wunder. Das Mondauto von 1972 der Apollo 17 Astronauten ist auf alle Ewigkeit geparkt.
Als ich den Bericht jetzt noch mal gelesen habe, dachte ich mir: Warum nehmen wir uns eigentlich so wichtig?  Weil doch alles vergänglich ist, wäre es doch eigentlich besser, wenn wir das Leben in vollen Zügen genießen…     Foto: Wikipedia

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Fernbedienung hört aufs Wort

2008-03-27, von Elita Wiegand

Man braucht sie. Ohne sie geht gar nichts. Aber weder die Form, noch die Funktionen turnen an. Ist halt ein Ding, was jeder hat. Dass es auch anderes geht, beweist Toshiba.
toshiba.jpgDer Roboterhersteller hat nämlich eine schnöde Fernbedienung in einen Vogel verwandelt.  ApriPoko heißt das lernfähige Robotertierchen, das uns das Leben versüßt. Die Fernbedienung registriert die Infrarotsignale im Raum und fragt nach. Zum Beispiel: «Was machst Du gerade?» Das nächste Mal wird ApriPoko den Fernseher oder den iPod selbst einschalten oder auf Wunsch das TV-Programm wechseln. Über eine eingebaute Kamera speichert er alle Bewegungen. ApriPoko kommt  demnächst auf den Markt.  Gehört wieder eindeutig in die Abteilung »Dinge, die die Welt nicht braucht!» Man möge mir meinen Roboter-Tick verzeihen …

via: gizmodo

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Made in …

2008-03-27, von Bjoern Theis

Made in …Französischer Champagner, kubanische Zigarren, irischer Whiskey und deutsches Bier – bei vielen Produkten ist das Herkunftsland ein Qualitätsmerkmal. Ein «Made in Germany» wird gern gekauft, ein «Made in China» gilt immer noch als Indikator für eine billige Produktionsweise – die Nationalität kann für viele Waren zum wichtigen Markenzeichen werden.

Deutlich ist dies in der Automobilindustrie. Um ihre Verkäufe in den USA zu erhöhen, launchte Volkswagen 2006 drei Werbespots die unter dem Motto «German Engineering in da House» die Herkunft der Fahrzeuge betonten. Neben dem werberischen Lob für die deutsche Automobilbaukunst, werden auch weitere Klischees in den Spots bedient: stets kommt ein verrückter Wissenschaftler samt langbeiniger, blonder Gehilfin vor, die früher sicherlich Leni Riefenstahl als Verkörperung arischer Ästhetik Modell gestanden hätte.

In den Spots verbreitet der Wissenschaftler in einem Englisch, das durch einen harten Akzent gebrochen wird, die Botschaft: «VW represent Deutschland!» Mit diesem Slogan verschmelzen Country und Product Branding zu einer selbsterhaltenden Einheit: Der Autobauer nutzt das Prestige des Herkunftslandes, um die Reputation seiner Wagen zu steigern, während die Qualität der Automobile ihrerseits den Wert des nationalen Guts «Made in Germany» steigert.

Im Falle Deutschlands funktioniert dieses System seit Jahrzehnten: ob Automobile, Bier oder Maschinen oder Fußball – das Gütesiegel der «German»-Gründlichkeit macht die Produktpaletten aus dem Land der Dichter und Denker zu Exportschlagern und holt seit langem ausländische Investitionen ins Land.

Andere Nationen träumen von einer solchen Reputation. Ihre Produkte sind die Verlierer im globalen Markt, das eigene Land bleibt eine Investitionswüste. Um dies zu ändern, lohnt es, die Hilfe professioneller Marketing-Experten in Anspruch zu nehmen. Mit Hilfe von irischen Beratern gelang es beispielsweise Costa Rica, bei dem Rennen um Investitionen die Nachbarn Chile und Mexico hinter sich zu lassen. – Dank der Iren holte man das erste lateinamerikanische Intel-Werk ins Land.

In Europa gehört Spanien zu den Country-Branding-Gewinnern: Nach dem Ende der Diktatur Francos (1939-1975) gehörte der Sonnenstaat wirtschaftlich zu den Schlusslichtern Europas. Danach begann allerdings der Aufstieg: durch die erfolgreiche Kommunikation von nationalen Gütern, wie kilometerlangen Badestränden, Flamenco, Rioja und Tapas baute man bis heute den Tourismus aus. Und Dank ausländischen Geldes konnte man Infrastruktur und Industrie aufbauen und so die ökonomischen Gewinne weiter steigern.

Die Bedeutung von Country Blending haben auch die Vereinigten Arabischen Emirate begriffen. Irgendwann wird die Haupteinnahmequelle, das Öl, versiegen. Für eine sichere Zukunft müssen andere Geldquellen gefunden werden. Daher erinnerte man sich an die eigene, weltweit bekannte Romantik von «Tausendundeiner Nacht»: die «Marke Arabien» ist ein Sinnbild für unaussprechliche Pracht. So versucht man mit atemberaubenden Hotels, wie dem Burj al Arab (siehe Foto) und künstlich angelegten Inseln diesen Traum lukrativ an Luxustouristen zu vermarkten. Und unter den luxusum- und benebelten, finanzstarken Feriengästen lässt sich auch einfach Investorennachwuchs für neue Projekte akquirieren, die die Ökonomie des Landes auch ohne Öl am laufen halten sollen.

Das denkt MindSharing:
Noch haben zu wenige Regierungen die Kraft des Country Brandings entdeckt. Und noch seltener arbeiten sie mit professionellen Marketing-Experten zusammen. Dabei könnte man gemeinsam mit den Wirtschaftsprofis viel gewinnen. Besonders in Zeiten der Globalisierung wird der Kampf um internationale Investitionen härter, andere Tigerstaaten bereiten sich auf den nächsten Sprung vor und selbst das oft als hoffnungslos gebranntmarkte Afrika wird irgendwann aus den Startlöchern kommen. Um sich gegen eine solche zukünftige Quantität behaupten zu können, hilft nur Qualität. Aber neben Country Branding wird in Zukunft auch das City- oder Bundesland-Branding an Relevanz gewinnen, denn auch innerhalb nationaler Grenzen buhlen Gemeinden und Verwaltungsbezirke um die Gunst der Investoren. Spannende Zeiten für Marketing-Experten bleiben garantiert.

MindSharings Frage an die Gemeinde:
Dienken Sie, das sich die Berufung auf das Herkunftsland lohnt? Nutzen Sie bereits ihren Standortvorteil Deutschland als Werbeträger und kann sich auch für manche Branche das Siegel “Made in Düsseldorf” lohnen? Als Kölner habe ich da zwar meine Zweifel, bin aber gespannt auf Ihre Antworten! ;-)

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Protestwelle erreicht Höchststand

2008-03-25, von Elita Wiegand

dalai-lama.jpgDie unabhängige nicht-profitorientierte Organisation Avaaz.org hat vor einigen Tagen eine Unterschriften-Kampagne für Tibet im Netz gestartet. (Doc Sarah hat in ihrem Blog ausführlich darüber berichtet und viele andere wie zum Beispiel Frank Hamm hat in seinem Blog zum Olympia-Boykott in Peking aufgerufen) An der weltgrößten Online-Petition haben sich innerhalb von sieben Tagen 867.014 Menschen aus 192 Staaten beteiligt und den Aufruf des Dalai Lama unterzeichnet. Insgesamt will Avaaz.org 1 Million Unterschriften sammeln. Wenn Sie sich beteiligen wollen, hier…

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Den Körper virtuell erforschen

2008-03-24, von Elita Wiegand

body.jpgUnser Körper steckt voller Geheimnisse. Was Doc Sarah als Beruf und Berufung ausübt, bleibt für viele von uns ein Rätsel.  Jetzt kann man bei “the Visible Body” den Körper in 3-D Tools erforschen und sich ausgiebig über unser Wunderwerk informieren. Das ist nicht nur für Medizinstudenten ideal. Einziger Nachteil: Die 3-D Animationen funktionieren für Mac und Firefox User nicht und sind dem Internet Explorer vorbehalten. 

via: popsi.com

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Photosynth: Die neue Sicht der Dinge

2008-03-23, von Wolff Horbach

Stellen Sie sich vor, eine Gruppe von Menschen schwärmt aus, um den Kölner Dom zu fotografieren. Einer fotografiert das Hauptportal aus der Nähe, der nächste versucht mit einem Weitwinkelobjektiv den ganzen Dom aufs Bild zu bannen, der dritte knipst von der Seite. Vielleicht steigt einer in einen Hubschrauber und fängt von oben Bilder ein. Andere gehen in den Dom, nehmen den Altar auf und das neue Fenster von Gerhard Richter. So entstehen Hunderte von Bildern aus verschiedenen Blickwinkeln.

Am Ende wird eine Software mit der Bilderflut gefüttert. Die Software erkennt an Ecken, Kanten und auffälligen Merkmalen Gemeinsamkeiten. Sie ist in der Lage, die Bilder zur Deckung zur bringen und aus der Vielzahl von 2D-Abbildungen eine 3D-Zuordnung zu machen. So entsteht ein ganzheitlicher Blick.

Auf was wir uns in absehbarer Zeit gefasst machen können, demonstrierte Blaise Aguera y Arcas auf der TED (www.ted.com):

[youtube s-DqZ8jAmv0]

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Jeder kann sein eigenes Buch publizieren

2008-03-22, von Elita Wiegand

Viele traumen davon: Mit dem Namen auf dem Titel eines Buches zu glänzen, etwas Unvergängliches zu schaffen, sein Wissen weiterzugeben, in Talk-Shows das Buch in die Kamera zu halten und damit auch noch Geld zu verdienen – das hat was!

book.jpgEs ist heute so einfach ein Buch zu schreiben und es zu veröffentlichen. Vorbei an dem altbackenen Gehabe vieler Verlage, die immer noch von oben herab diktieren, welche Themen und Titel auf die Leser losgelassen werden, eröffnen sich im Web 2.0 Zeitalter ungeahnte Möglichkeiten für Autoren.

Die amerikanische Company Blurb hat vor zwei Jahren eine Art “Web-Verlag” für jeden eröffnet und  bislang sind 80.000 individuelle Bücher erschienen. Ob Business-Buch, Kochbuch oder Fotoband, ob nur Text oder ein Blog Buch - alles ist möglich! Ab 13 Dollar wird man sein eigener Verleger. Dazu bietet Blurb kostenlos eine Software mit 100 verschiedenen Layouts, Schrifttypen und Covers an. Einfach runterladen und dann kann man direkt mit dem eigenen Buch anfangen.

Natürlich ist ein selbst gestaltetes Buch ein wunderbares Geschenk für Kunden oder Geschäftspartner, aber natürlich auch für den privaten Gebrauch.  Man kann es aber auch direkt im BlurbBookstore verkaufen.
Und jetzt punktet Blurb mit einem neuen Service: BlurbNation verknüpft zusätzlich auf einem freiem Marktplatz Anbieter und Nutzer. Die Idee ist einfach: Es gibt Menschen, die haben gute Themen für Bücher, können aber nicht schreiben, andere sind gute Autoren, können aber ein Buch nicht designen, anderen fehlt es an Marketing oder an professionellen Fotos. BlurbNation bringt die Talente zusammen und berechnet für die Vermittlung keinen Cent.
Blurb ist ein gutes Web 2.0 Beispiel, das zeigt, wie schnell starre Verlagsstrukuren aufbrechen können. Die Musikindustrie hat die Zeichen der Zeit ignoriert - ob die Verlage flexibler sind?
via springwise

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Die Miniaturisierung der Wind Turbine

2008-03-20, von Bjoern Theis

Die Miniaturisierung der Wind TurbineDie in Hong Kong ansässige Firma «Motorwave Limited» hat begonnen ihre Mikro-Wind Turbinen zu vertreiben. Die kleine Strom produzierenden Windräder sind gerade mal 26 Zentimeter im Durchmesser und passen daher auf jeden Balkon und jedes Häuserdach. Auch brauchen sie keine steife Brise um Energie zu produzieren, eine Windgeschwindigkeit von 2 km/h soll ausreichend sein. Auch der Preis kann sich sehen und hören lassen, das Paket von 20 dieser Windräder, welches bei günstigen Bedingungen rund 40 Prozent des Energiebedarfs einer kleinen Familie abdecken soll, gibt es schon für rund 200 Euro. Und wenn die Massenproduktion beginnt, soll der Preis weiter fallen.

Das denkt MindSharing:
Vorerst sollen die Mikro-Windkraftwerke nur in Hong Kong vertrieben, dann soll der amerikanische Markt erobert werden. Bestimmt kein Problem, wenn die Windräder das halten, was sie versprechen. Aber auch in Deutschland würde sich das Geschäft dank steigender Strompreise lohnen. Falls sich also jemand entschließt die Teile zu importieren, lasst es mich wissen, ich würde gerne die bunten Dinger im Garten installieren und dabei noch Geld sparen.

MindSharings Frage an die Gemeinde:
Einer der großen Trends der diesjährigen CeBIT ist die Green IT. Manche Unternehmen haben erkannt, das ihre Serverfarmen mehr Strom als eine Kleinstadt verschlingen und damit beträchtliche Kosten – für Umwelt und das Unternehmen – produzieren. Meine Fragen: Wissen Sie, was die größten Stromfresser in ihrem Unternehmen sind? Könnten Sie sich vorstellen, das ihr Unternehmen in nächster Zeit, durch Technologien, wie den vorgestellten Windrädern oder Solarenergie, zum Selbstversorger wird?

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Und noch ein bisschen PR…

2008-03-14, von Elita Wiegand

PR gehört nicht in Blogs. Darauf hat gerade Alexander mit einem Beitrag hingewiesen. Stimmt. Und trotzdem, wenn mir etwas gefällt, kann ich mich kaum zurückhalten.

Der Aufhänger: Inzwischen gibt es so viele Dienstleistungen oder neue Formen von Beratungen, die nur schwer in Broschüren oder auf Websites zu vermitteln sind. Das ist zum Beispiel bei unserer innovativ.in Partnerin Karmen Kunc-Schultze mit ihrem Institut Photoprofiling der Fall. Was ist eigentlich Photoprofiling? Und warum ist Karmen Kunc-Schultze Coach für Potentialentwicklung und Portraitfotografin?  Und was hat Beides miteinander zu tun?

Des Rätsels Lösung: Ein Video. Die beiden Management-Vordenker Anja Förster und Peter Kreuz haben zum Beispiel in ihren letzten Beratungslettern einige Best Practice Beispiele von innovativen Firmen in Wort und Bild vorgestellt - das hat mir gefallen. 

So, und jetzt kommt der Werbeblog: Karmen Kunc-Schultze hat eben genau ein Video über sich drehen lassen, was derzeit auf dem Wirtschaftportal Business-on.de zu sehen ist. Die Vorteile: Sie kann das Video auf Messen, bei Vorträgen und Konferenzen zeigen, als DvD an Neukunden verschicken und auf ihrer Website einbinden. Damit macht sich der Betrachter einfach ein Bild von ihr und ihrer Arbeit. Finde ich als Mittel für die Akquisition einfach gut und es ist letztlich preiswerter als jede aufwendige Broschüre oder Anzeige in Zeitungen. Und so ein Video kann man sich schnell anschauen.

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Der Schwarm sind wir!

2008-03-12, von Bjoern Theis

Von Intelligenz und Taktik

Der Schwarm sind wir!Schwärme  seien es Insekten, Fische oder Vögel  haben den Mensch schon seit langem fasziniert. Wie von einer unsichtbaren Intelligenz gesteuert, wechseln sie in Sekundenschnelle Formation und Bewegungsrichtung, kreisen Beute ein oder treten außerordentlich koordiniert den Rückzug an. Diese Schwarmintelligenz bewunderte auch Donald Rumsfeld, der hierin eine ganz neue Form der Kriegführung erkennt: Schwarmtaktiken , so der von Rumsfeld und dem militärischen Think-Tank der RAND Cooperation geprägte Begriff  bezeichnet die Strategien von digital ausgerüsteten Guerillas und Hightech-Terroristen  Kampftruppen, die als kleine autonome Gruppen auch ohne die Leitung einer zentralen Steuerung agieren können. Dank neuer Kommunikationsmöglichkeiten, wie dem Internet oder dem Handy, können sich diese kleinen Einheiten schnell und unbemerkt formieren, flexibel aber koordiniert zuschlagen und sich dann rasch zerstreuen. Gegen diese Form der asymmetrischen Kriegsführung kommt man mit den herkömmlichen Mitteln des Militärs nicht an. Schon beginnt das amerikanische Heer diese Art der Kriegsführung zu adaptieren, die Effizienz der Vorgehensweise liegt auf der Hand.
Dank der ständigen Interaktion agieren die Schwarm-Mitglieder äußerst schnell, wie man es auch bei nicht-kriegerischen Aktionen von Schwärmen beobachten kann. Beispielsweise bei der politischen und weltweit aktiven Fahrrad-Protestbewegung »Critical Mass«: Scheinbar spontan “ durch SMS und Handy organisiert“ belagern diese fahrradliebenden »Flashmobs« zu hunderten die Innenstädte und stoppen den motorisierten Verkehr. Ihr Ziel: Auf die Rechte der unmotorisierten Verkehrsteilnehmer aufmerksam zu machen. Auch geht die Legende, dass die schnelle Organisation der philippinischen Protest-Schwärme “ ebenfalls organisiert durch SMS “ letztendlich den Sturz des Präsidenten Joseph Estrada möglich machte.

Solche »Smart Mobs«, wie diese organisierten Protest-Bewegungen bezeichnet werden, zeichnen sich auch durch geistige Leistung aus. Die Klugheit der Massen hat schon die Soziologin Kate Gordon vor Jahrzehnten eindrucksvoll zur Schau gestellt. Ihren Studenten präsentierte sie zahlreiche Gegenstände, die nach Gewicht zu ordnen waren. Zweihundert Studenten beteiligten sich an dem Experiment. Später addierte Gordon die Ergebnisse und bildete den Mittelwert. Das Ergebnis: eine Trefferquote von 94 Prozent. Nur fünf einzelne Studenten erreichten bessere Schätzwerte.
Erstaunliches passiert aber, wenn man Gruppen von Studenten nötigt, eine gemeinsame Schätzung abzugeben. In der Diskussion setzt sich meistens die Meinung eines Alpha-Tierchens, des »Opinion Leader« durch. Die Ergebnisse sind in diesem Fall kein Produkt einer kollektiven Intelligenz und liegen meistens ziemlich daneben. Somit ist es wichtig für eine Gleichberechtigung im Schwarm zu sorgen. Denn nur wenn sich die einzelnen Meinungen nicht gegenseitig beeinflussen, kommt man zu stimmigen Ergebnissen.
So fordern die Sozialwissenschaftler Giliam de Valk, und Brian Martin einen Open-Source Geheimdienst “ der ähnlich aufgebaut wie Wikipedia “ auf die kollektive Intelligenz aller Agenten und Spione setzt. Ihr »Publicly Shared Intelligence« soll in der Lage sein, korrektere Abschätzungen von politischen Entwicklungen und Risikoanalysen und Insider-Berichten zu liefern. Bei ihrem PSI-Model werden alle Berichte einem größeren Kreis von Experten zur Bewertung vorgelegt. De Valk und Martin hoffen, dass die Konkurrenz der Agenten untereinander dafür sorgen wird, dass Analysen sorgfältig geprüft werden und sich die Beteiligten sorgsam auf die Finger schauen. Ein Skandal, wie die imaginären Massenvernichtungswaffen im Irak, hätte somit wenig Chance sich erneut zu wiederholen. Was für den Geheimdienst Zukunftsmusik ist, ist bei der Presse mittlerweile Alltag. Einseitige Berichterstattung wird heute schneller kritisiert als jemals zuvor “ dank den »bottom-up«-Berichten zahlreicher Hobby-Journalisten. Erfolgreich Propaganda zu verbreiten, ist in einer digital-vernetzten Welt schwer geworden. So scheint das Potenzial der Schwarmintelligenz bei der Lösung vieler Probleme hilfreich zu sein, wie es auch das Open-Source Vorzeigeprodukt Linux verdeutlicht. Dennoch hat diese Intelligenz auch ihre Grenzen: Entscheidungsprozesse sind im Schwarm anonym und dadurch intransparent. Die Resultate von Mobs waren oftmals gar nicht »smart«, sondern eher destruktiver Natur.
So lässt sich die Frage stellen, ob sich das Konzept der Schwarmintelligenz als soziale Utopie denken lässt. Wollen wir den Ameisenstaat? Dennoch bieten die neuen Kommunikationsmittel neue kollaborative Möglichkeiten, derer sich die Menschheit bedienen sollte.

Das denkt MindSharing:
Ob es einst schwarmgesteuerte »virtuelle Unternehmen geben [wird], die nur ein paar Stunden oder gar Minuten existieren« wie es der Zukunftsforscher Andreas Neef mutmaßt, oder gar eine »soziale Revolution«, wie sie der Soziologe Howard Rheingold prognostiziert, bleibt abzuwarten. Dennoch steht die Effizienz von Schwarmintelligenz auf einem breiten wissenschaftlichen Fundament. So wird es Zeit die erkannten Vorteile dieser kollektiven Intelligenz gewinnbringend zu nutzen. Und auch wenn es nicht zu einer Schwarm-Revolution der Gesellschaft kommt, steht auf der Mikroebene eine ganze Reihe von Reformen an. Schon jetzt sieht man, wie sich neben Kriegs- oder Protestgruppen neue Formen von nachhaltigen Schwärmen herausbilden. So gehört die Zukunft nicht einem, sondern vielen Schwärmen, die miteinander konkurrieren aber auch kollaborieren. In welchem schwimmen Sie?

MindSharings Frage an die Gemeinde:

Welche Schwärme werden die Zukunft prägen? Wird die kollektive Intelligenz der Menschen, unterstützt durch das Potential des Internets, die Gesellschaft noch mehr bestimmen, als bisher? Wir sind gespannt auf Ihre Antworten!

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