Ich liebe mich – und Sie?
2008-04-14, von Karmen Kunc-Schultze
Lieben Sie sich auch? Eine provokante Frage. Den Partner, das Kind oder die Eltern darf man lieben, aber sich selbst? Eigenliebe wird bei uns immer noch oft mit Narzissmus, Selbstsucht oder Egoismus gleich gesetzt. Dabei hat der bekannte Psychoanalytiker Erich Fromm in seinem Buch «Die Kunst des Liebens» bereits in den 70er Jahren aufgedeckt, dass die die Fähigkeit zu lieben damit anfängt, sich selbst zu akzeptieren. Und von Meister Eckhardt stammt das Zitat: «Hast Du Dich selbst lieb, so hast du alle Menschen lieb wie dich selbst.»
Glückliches und erfülltes Leben
Meine Liebe zu mir selbst war keine Liebe auf den ersten Blick. Bis dahin war es ein langer, steiniger Weg und ich musste viele Blicke riskieren um Sie zu finden. Blicke die mich zum weinen brachten, Blicke die mich in Krisen stürzten und Blicke die mich positiv überraschten. Aber ich habe immer wieder hingekuckt, mich auseinandergesetzt und meine Selbstliebe zum wachsen gebracht. Durch mein großes Interesse an Menschen und meiner Entscheidung ein gutes, glückliches und erfülltes Leben führen zu wollen. Nun habe ich Sie, meine Liebe zu mir selbst und will Sie nicht mehr verlieren. Mir ist bewusst das ich dafür immer wieder etwas tun muss. Jede Liebe braucht Nahrung. Ich habe Rituale für mich entwickelt die ich dazu nutze meine Liebe zu pflegen und zu nähren. Dazu gehört für mich auch das beständige bewusst machen der eigene Stärken, das was ich in meinem Leben schon alles erreicht habe, Dankbarkeit für alles was mir das Leben geschenkt hat und die Erforschung und Förderung meines Potenzials. Wenn ich das tue ist mein Leben leicht, gelassen und glücklich. Und wenn ich es mal nicht schaffe suche ich mir Unterstützung bei meinem Partner, meinen Freunden oder einem Coach. Es ist gut zu wissen das ich nicht immer alles alleine schaffen muss.
Auch für meine Arbeit als psychologische Beraterin und Coach für Potenzialentwicklung ist meine Selbstliebe von fundamentaler Bedeutung. Sie macht es mir möglich Menschen mit wohlwollenden Blick, positiver Haltung und Achtung zu begegnen. Sie ist mein Motivationsquelle und meine Inspiration. Sie öffnet meine Türen und macht scheinbar Unmögliches möglich. Sie steht in keiner Konkurrenz zur Liebe zu meinem Mann, meiner Familie oder meinen Freunden. Den jede Liebe ist anders und daher einzigartig.
Wie steht es um Ihre Selbstliebe? Ihre Erfahrungen und Meinungen interessieren mich. Ich würde mich freuen mit Ihnen in einen offenen und wahrhaften Austausch zu treten. Ich wünsche Ihnen alles Liebe und die Liebe die Sie sich wünschen.
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Montag 14. April 2008 um 20:09
Zitat: “Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst“. Den Satz sollte man vollständig lesen, vollständig begreifen und vollständig umsetzen. Nicht nur die Hälfte davon. Tatsache ist: Es geht nicht das Eine ohne das Andere.
Dienstag 15. April 2008 um 07:37
Hallo Siegfred,
vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich finde “Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst“ ist ein guter Leitspruch. Da ich in meiner Arbeit als Beraterin viel mit Ritualen und Leitsprüchen arbeite gebe ich Ihn gerne meinen Kunden als Anregung mit.
Herzliche Grüße
Karmen Kunc-Schultze
Mittwoch 16. April 2008 um 09:48
So betrachtet habe ich in meinem Leben sehr ähnliche Erfahrungen gemacht und ich finde es sehr schön es in dieser Form auf den Punkt gebracht zu sehen.
Auch in mir gibt es ziemlich starke Einschärfungen, die sagen “das ist nicht recht” oder “Bescheidenheit ist eine Zier”, etc. Mich würde interessieren, wo denn wohl die Grenze zwischen einer gesunden Liebe für sich selbst und einer ungesunden Selbstverliebtheit liegt.
Herzliche Grüße
Michael
Mittwoch 16. April 2008 um 15:18
Hallo Michael,
vielen Dank für Ihren Kommentar. Es freut mich zu erfahren, dass Sie ähnliche Erfahrungen gemacht haben.
Ihre Frage nach dem richtigen Mass ist die spannendste Frage überhaupt. Ich bin der Überzeugung, dass es nicht zuviel Selbstliebe geben kann. Bedingungslos und unabhängig sich so anzunehmen wie Mann/Frau ist, mit allen Vor- und Nachteilen finde ich ist eine wunderbare Zielsetzung.
Unser Gefühl ist wesentlich. Ihm Raum zu geben ist notwendig. Das bedeutet innehalten, nachspüren und vertrauen.
Herzliche Grüße
Karmen Kunc-Schultze
Mittwoch 16. April 2008 um 17:40
Vielleicht verläuft die Grenze ja da, wo man dem eigenen Gefühl so viel Raum gibt, dass für die anderen kein Platz mehr ist.
LG
Michael
Mittwoch 16. April 2008 um 18:38
Hallo Michael,
für mich steht die Selbstliebe nicht in Konkurrenz zur Liebe zu Anderen. Ganz im Gegenteil. Die Liebe, die ich meine, hat geöffnete Türen und hat genug Platz für Andere.
Beste Grüße
Karmen Kunc-Schultze
Samstag 19. April 2008 um 12:18
Nur der Vollständigkeit halber: Der Spruch ist nicht von mir
Der stammt aus der Bibel. Altes Testament. Genauer: Das zweite Gebot.
Der Spruch dürfte also so um die 6000 Jahre alt sein
Samstag 19. April 2008 um 18:15
Hallo Siegfried,
vielen Dank für Ihren Hinweis. Beim nochmaligen durchlesen meiner Antwort fällt mir selber auf, dass es auch so interpretiert werden kann, als ob mir die Herkunft dieses Satzes nicht bekannt ist. Keine Sorge, als christlich geprägte Persönlichkeit (5 Jahre katholische Klosterschule) bin ich zwar nicht bibelfest, aber doch einigermassen auf dem laufenden.
Herzliche Grüße
Karmen Kunc-Schultze
Samstag 19. April 2008 um 18:35
“Man sollte sich jeden Tag mindestens einmal verlieben, in einen Menschen, einen schönen Baum, in eine Farbe oder die Anmut einer Katze. Ich jedenfalls tue das und fühle mich wohl dabei.” — Ernst Penzoldt
“Viewed 11084 times by 5956 viewers” steht unter dem zitat. Das sagt doch alles, oder?!
http://memento.eisbrecher.net/wp/2007/10/14/man-sollte-sich-jeden-tag-mindestens-einmal-verlieben/
Montag 21. April 2008 um 16:29
Hallo Herr Lehnert,
es interessiert mich ob Sie die Welt auch so sehen wie Ernst Penzoldt und wie sind Sie dazu gekommen?
Die besten Grüße
Karmen Kunc-Schultze
Donnerstag 24. April 2008 um 09:21
Liebe Karmen Kunc-Schultze,
Sie sprechen da eins meiner Lieblingsthemen an
))
Das “Heftigste”, was ich zum Thema Selbstliebe einmal ausprobiert habe, war EFT. Auslöser genau vor einem Jahr der erste Pollenflug, heftige Niesattacken, tränende Augen – und dann der Anruf einer Bekannten, die EFT “macht” und mich fragte, ob ich 10 Minuten Zeit hätte und eben mal “klopfen” wolle
Mein Verstand hat GANZ HEFTIGE Purzelbäume geschlagen *hihi* … da kamen z.B. so Sätze, die ich sagen sollte, wie “Auch wenn ich grad völlig entnervt bin von der Nieserei – ich liebe und akzeptiere mich so, wie ich bin!” “Auch wenn ich heute nix gebacken bekomme – ich liebe ….” Auch wenn ich ne schiefe Nase habe (nein, ist ein erfundener Satz jetzt
) – ich liebe …”
Nach ein paar Tagen, wo ich diese Übung ziemlich oft gemacht habe (und KEINE Heuschnupfensymptome mehr hatte), hatte ich das Gefühl, mindestens 10 cm über dem Boden zu schweben …
Ich glaube, ich werde das grad nochmal “kurmäßig” wiederholen
Fröhliche Grüße, Ulrike Sennhenn
Donnerstag 24. April 2008 um 18:46
Hallo Frau Sennhenn,
es ist toll das ein Satz den Frau/Mann sich selbst regelmääßig sagen kann so eine wunderbare Wirkung hat.Ich mache mir täglich dieses Geschenk und freue mich von Ihnen zu erfahren das Sie auch so lebevoll mit sich umgehen.
Liebe Grüße
Karmen Kunc-Schultze
Sonntag 28. Dezember 2008 um 17:10
Hallo!!
Ich bin auch auf dem Weg der Selbstliebe, für mich ist es wichtiger die Seiten die man an sich selbst nicht lieben kann ersteinmal da sein lassen, annehmen und dann zuletzt lehrt sie zu lieben. Daß ist gar nicht so einfach man stirbt da thausend Tode….
Montag 29. Dezember 2008 um 10:02
Hallo Martin,
vilen herzlichen Dank für Ihren Kommentar.Auch meine Erfahrung zeigt das der Weg zur Selbstliebe über die Akzeptanz der nicht geliebten Seiten geht. Das erfordert eine Bereitschaft sich konrtinuierlich mit der eigenen Persönlichkeit auseinanderzusetzen. Denn nur wenn wir bereit sind uns in unserer Ganzheit kennen zu lernen können wir uns mit Klarheit und Bewusstheit für uns entscheiden. Das tolle ist das wir dadurch die Möglichkeit haben unsere Vielfalt und unser Potenzial zu erforschen und es für uns nutzbar zu machen. Ein wunderbarer, anstrengender, nicht immer einfacher Weg den wir gehen müssen um in Frieden, Freude, Kraft und Glück mit uns selbst leben zu können.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Übergang ins neue Jahr und ein wunderbares Jahr 2009.
Liebevolle Grüße
Karmen Kunc-Schultze