Wenn die Milch den Bach runter geht…
Das tut das weh! Jedem.
Die einen sprechen von einer «unethischen Aktion», die anderen von «reiner Notwehr». Selbst wenn beide Recht haben, sollte dieser Zustand schnellstmöglich beendet werden. Milch gehört nicht in die Güllegrube.
Was können wir Konsumenten tun, um die meist langsamen Mühlen der Veränderung zu beschleunigen? Ganz konkret und zwar noch heute?
Nicht immer nur das Billigste kaufen? Auf (Bio)-Qualität setzen beim Kauf von Lebensmitteln? Ja, das ist für mich seit längerem zur Routine geworden und ich verzichte dafür gerne auf andere Dinge.
Aber wo kommt der Aufpreis an? foodwatch hatte dokumentiert, dass sich die teure Landliebe-Milch in der Qualität nicht von anderer Milch unterscheidet und weniger als 1 Prozent des satten Preisaufschlags bei den Bauern ankommt. www.abgespeist.de
Spiegel online hatte sich auch dazu geäußert.
Was können wir jetzt tun, während die anderen verhandeln?
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Hallo Frau Raiser,
es ist wie beim Sprit. Wenn wir uns alle darauf konzentrieren würden, ein oder zwei grosse Marken (z.b. Shell oder Total) kompromisslos zu boykotieren, dann würde es was bringen. Bei der Milch kaufe ich seit Monaten nur noch Milch von Alnatura, die gewährleisten, dass die Bauern einen anständigen Preis bekommen. Aber die Leute kaufen dennoch bei Aldi, weils dort billiger und wieder billiger ist. Es sind nicht die anderen schuld, wir sind es schuld, jeder von uns. Die frage also, was können wir tun ist für mich einfach beantwortet: Anfangen! Heute!
Wahrlich: Milch gehört nicht in die Güllgrube.
Das alte Lied immer wieder neu gesungen: Nur jeder Einzelne kann Veränderungen bewirken.
@Marcel Klotz
Alnatura kannte ich bisher nicht. Danke für den Tipp.
Ja, darum geht es wohl. Anfangen! Heute!
Das Thema läßt mir keine Ruhe und so habe ich kurz entschlossen bei Josef Jacobi, dem Vorsitzenden der Bio-Molkerei Upländer angerufen und ihn gefragt, was wir Konsumenten tun können. Obwohl die Molkerei seit Tagen mit RTL, Reuters & Co telefoniert, nahm er sich etwas Zeit. Ich bin begeistert:
Obwohl diese Molkerei schon immer faire Milchpreise zahlt und die heimischen Bauern unterstützt, beteiligen sie sich zwei Tage an dem Streik.
Und jetzt kommt´s:
“Die an diesen beiden Tagen produzierte Milch soll nicht wie sonst an den Handel geliefert, sondern für soziale Projekte in Deutschland und Afrika verwendet werden.”
Weiter wurde beschlossen, dass, so lange es einen Lieferboykott bei anderen Molkereien gibt, die Upländer Bauernmolkerei 1 Cent je kg Biomilch einbehält. Das Geld soll für solidarische Maßnahmen zugunsten streikender konventioneller Bauern verwendet werden.
Jacobi: „Damit Milchviehbetriebe in unserer Region weiterarbeiten können, brauchen sie Preise von 43 Cent für konventionelle Milch und ca. 50 Cent für einen Liter Biomilch. Die Upländer Bauernmolkerei zahlt ihren Lieferanten seit einem halben Jahr 50 Cent je Liter. Aus Solidarität mit den konventionellen Landwirten, die deutlich weniger für ihre Milch erhalten, soll die Biomilchmenge der Upländer Lieferanten zwei Tage lang nicht in den Markt geliefert werden. Stattdessen verarbeitet die Molkerei die Anlieferungsmenge zu Butter, die über Tafeln an Menschen in der Region verteilt wird. Die bei der Butterproduktion anfallende Magermilch wird zu Milchpulver verarbeitet und einer therapeutischen Nahrung für unterernährte Kinder zugesetzt. In der Region Darfur im Sudan bekommen Kinder, die hungern, über die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ diese Spezialnahrung”.
Hut ab! Und für jeden, der nicht will, dass die Milch den Bach runter geht, eine klare Option.
Ist das nicht ein hausgemachtes Problem? Da gibt es Milchquoten, Förderung aus der EU, Regulierung hier, Fördermittel da – es wird Zeit, dass auch hier freier Wettbewerb herrscht und mit frei meine ich unreguliert… Keine Marktverzerrenden Zuschüsse mehr – bei den Bauern und auch anderswo.
Ausserdem müssten zuerst die Medien allen voran die Bild boykottiert werden. Milch-, Sprit-, Energierpreise – Raffgier hier, Leistungsverweigerung dort – ich zitiere da gern die “Beste Band der Welt”:
Die meisten leute haben ihre Bildung aus der Bild
Und die besteht nun mal, wer wüsste das nicht aus
Angst, Hass, Titten und dem Wetterbericht
Das zeigt den Kern allen Übels sehr schön auf. Es muss sich generell was ändern in Deutschland nicht nur bei den Milchpreisen.
Um nochmal auf die Bauern zurück zukommen – die hatten über die Jahre eine der größten Lobbies überhaupt. Die haben neben allen Branchen die meisten und höchsten Förderzusagen. Da müssen Sie eben mal kaufmännisch denken und handeln – ich kann mich eben nicht lebenslang mit Knebelverträgen an eine Abnehmergenossenschaft binden. Was dabei rauskommt sieht man gerade. Und Schuld sind wie immer beide Seiten – die eine, die ein schlechtes Angebot macht und die andere, die es annimmt. Ich kaufe meine Milch dort, wo ich Sie günstig kriege, denn ich muss vor allem meinen eigenen Haushalt fit halten. Zumindest mit den Bauern habe ich kein Mitleid. Dafür kenne ich zuviele Stillegungs-, Wiedereinrichtungs- und Subventionshöfe in direkter Nachbarschaft.
2015 kehrt durch Abschaffung der Milchquoten zum Glück auch hier ein Stück weit Normalität ein.
Hab grad noch den Link gefunden, den ich oben schon unterbringen wollte:
http://www.zeit.de/2008/19/Nahrungsmittel-EU-D
Subventionen und Förderung sind fast immer der falsche Weg!
milch ist kälbernahrung – für menschen stark eingeschränkt genießbar. welche wirbeltiere ernähren sich im erwachsenenalter von babynahrung? kostet das gesundheitswesen milliarden, die milch…
Ich lebe umgeben von Milchbauern in Holstein. Über Subventionen an das Thema zu gehen, ist zu einfach. Der Milchbauer bekommt eine sog. Flächenprämie, ohne die wäre der Milchpreis überhaupt nicht akzeptabel. Die Meiereien hier zahlen dem Milchbauern zwischen 0,27 und 0,30 € pro Liter.
Der Preis ist nicht einmal annähernd kostendeckend. Es ist ja nicht so, dass man ein paar Weiden pachtet, Kühe draufstellt, melkt und schon springen die Dukaten. Da sind nicht unerhebliche Kosten in die Melkanlagen mit allen hyg. Vorschriften, Kosten für Tierarzt, Kraftfutter (ohne das keine Kuh heute mehr lebensfähig ist) usw.usw. Bei den Milchbauern hier steht auch kein Daimler vor der Tür, eher ein alter Opel.
Dass der Boykott wohl nicht das gewünschte Ergebnis bringt, liegt an der EU. Holland ist zwar solidarisch, aber schon stehen die Dänen auf dem Sprung, die Boykottlücke zu schließen.
@Doc Sahrah
Das ist wohl tatsächlich so, darüber hat mich mein Doc auch aufgeklärt. Milch soll sogar Osteoporose fördern, statt verhindern.
@Doc Sarah:
Danke für Deinen Hinweis. Das ist neu für mich. Wieso kostet Milch das Gesundheitswesen Milliarden? Wie viel Milch pro Tag ist denn schädlich für Erwachsene? Was kann sie verursachen? Und gilt das dann auch für die anderen Milcheiweisprodukte?
Hallo Frau Raiser!
Herzlichen Dank für dieses spannende Thema und das Interview … und ich greife mal die Frage auf, wieso Milch das Gesundheitswesen Milliarden kostet.
Es ist schon ein paar Jahre her, seit ich mich intensiv mit dem Thema “Ernährung” beschäftigt habe und dazu “Unmengen”
an Büchern verschlungen habe – heute ist das ja einfacher, dank Google
Eine wie ich finde interessante Seite zum Thema ist diese:
http://www.milchlos.de/milos_0100.htm
“Allen erwachsenen Säugern ist gemeinsam, dass sie nach dem Abstillen ihre artspezifische Muttermilch nicht mehr zu sich nehmen und auch nicht mehr verstoffwechseln können.”
Wenn man dazu bedenkt, dass wir Nahrung ja selten im Urzustand zu uns nehmen … vieles im Urzustand nie und nimmer zu uns nehmen würden
… und somit unseren “Ess-Instinkt” umgehen (was ist gut für mich) … dann stimmt das – mich zumindest – sehr bedenklich.
Ich bin gespannt auf weitere Fachinfos zum Thema!
Herzliche Grüße, Ulrike Sennhenn
@Michael
Eben, die Bauern können nicht produzieren und verkaufen, wie Sie wollen bzw. wie es betriebswirtschaftlich sinnvoll für sie wäre. Welcher normale Mensch würde all seine Produkte langfristig nur zur Erwirtschaftung von Deckungsbeiträgen veräußern, wenn er nicht auf einen Gewinn hoffen könnte? Eben. Es sehe immer mehr Bauern, die als Direktvermarkter unterwegs sind und sich wie früher wieder auf den Markt stellen oder Ihre eigenen Bioläden eröffnen – im Endeffekt erwirtschaften die mit einem drittel der alten Belegschaft, Maschienen und Tieren teilweise den doppelten Gewinn bzw. überhaupt mal wieder Gewinn – dies bedeutete aber komplettes Umdenken und das verlassen “alter (bequemer) Wege” und das ist die Wurzel des gesamten Übels – meine Meinung!
@Sabine Raiser
auch hier ein interessanter Beitrag.
http://www.zentrum-der-gesundheit.de/milch.html
@Lutz
In der Tat wird mehr und mehr versucht, als Selbstvermarkter bessere Preise zu erzielen. Ich finde das sehr gut. Direkt neben uns ist ein Bioland Hof, der einen Bioladen unterhält, aber auch die umliegenden Wochenmärkte beschickt. Da kauft man natürlich Gemüse, Obst, Brot, Käse, Milch usw., aber unsere Landwirtschaft hat sich leider spezialisiert. Den Bauern der Kühe, Schweine, Hühner hält, Getreide anbaut und vielleicht noch einen großen Obst- und Gemüsegarten bewirtschaft gibt es nicht mehr.
Die Milchbauern hier sind genossenschaftlich organisiert, was ihnen aber auch keine besseren Preise einbringt.
Unverständlich ist mir in diesem Zusammenhang besonders, dass wir eine Überproduktion geschaffen haben, landwirtschaftliche Erzeugnisse so weit subventionieren und billig machen, dass in Afrika Menschen verhungern, weil es da unwirtschaftlich ist, Landwirtschaft überhaupt zu betreiben.
Und Europa sieht seelenruhig zu, wie Menschen hungern, Kinder vehungern. Da könnte ich in Brüssel Türen eintreten! Da liegt der Skandal, nicht in Milchpfennigen.
Unfassbar – mit dem Thema Milch lassen sich ja hundert Fässer öffnen. Eins so spannend und wichtig wie das andere.
@Ulrike Sennhenn und Michael-Baudax:
Vielen Dank für die Links. In der Tat sind das für mich ganz neue Aspekte und ich bin mir noch nicht sicher, wie ich sie in meinen Ernährungsplan integrieren soll, kann und will. Tja….Wissen mag zwar mitnter Macht sein, macht aber nicht immer glücklich, oder? Und meine Liebe zu gutem Käse und frischem Yoghurt? Wo ich doch Wurst möglichst meide. Was bleibt?
@Lutz Falkenberg:
Danke für den Hinweis auf das große Thema Subventionen. Ja, das ist komplex, oft schwer zu ertragen und wohl nie zur Freude aller zu lösen. Ein Riesen(pulver)fass für sich. Ob es sich dabei um Milch, Kohle oder Kultur handelt. Ich selbst diskutiere seit über 20 Jahren mal mit Leidenschaft und mal mit Liebe darüber. Über die Vernunft alleine war es mir noch nicht zugänglich. Und oft hatte ich den Eindruck, dass die Entscheidung über Sinn oder Unsinn von Subventionen oft und vor allem im Interesse des Betrachters liegt. Nicht auszudenken, wenn beispielsweise Kultur nicht mehr subventioniert würde.
Aber das ist wieder ein ganz anderes Thema
@Sabine Raiser
”
“Aber das ist wieder ein ganz anderes Thema
Aber hochinteressant.
Wenn man allein das Schauspiel nimmt, so sollte anschließend oft eher Schmerzensgeld ausgezahlt, statt Subventionen eingenommen werden.
Vom Fernsehen bin ich ohnehin soweit entfernt, dass ich die Kiste nur noch ganz selten anstelle
(klar, jetzt EM), denn die Anstalten sind reine Subventionsvernichtungsmaschinen. – Um wieder bei Subventionen zu landen.
Vielen Dank für die guten Hinweise an alle.
Schön, auch die Vielflat der Antworten. So ist er, der BC.
Zusammenfassend ergibt sich für mich:
1. Wer die Milchbauern unterstützen will, kauft am besten Bio-Milch (Alnatura, Upländer, Söbbecke etc). Damit unterstützt er zudem die Umwelt, die Tierwelt und nicht zuletzt auch sich selbst und seine Lieben. Und das alles für relativ geringe Mehrkosten.
2. Wer Beschwerden hat, deren Ursache er nicht kennt, kann die interessanten Links von Doc Sahrah und Ulrike Sennhenn lesen. Interessant sind sie auf jeden Fall – auch wenn man keine Beschwerden hat.
3. Auch am Beispiel der Milch läßt sich über den Sinn und Unsinn von Subventionspolitik streiten.
Ich hoffe auf jeden Fall, dass die Milch nicht “den Bach runter geht”. Trotz alledem.
Kleine Anmerkung
@12 Viele meinen: Wissen sei Macht – falsch!
Richtig ist: Angewandtes Wissen ist Macht!
Zusammenfassend kommmt hier immer wieder die Meinung auf: Die Bauern zu unterstützen. Warum?
War das nicht eine andere Zeit – örtlich auch mehr Richtung Osten, in der stur nach Plan produziert wurde…
HALLO – ich dachte wir wären hier in einem Land, in dem gewirtschaftet werden muss! Vielleicht zur Auffrischung die Definition des Wortes wirtschaften: Wirtschaften ist die planvolle menschliche Tätigkeit zur Schaffung neuer Güter und der sparsame Umgang mit vorhandenen Gütern.
Aber die Milchbauern arbeiten doch eher planlos!?
Eine Garantie auf ihre Einnahmen? Wo gibt es solche Garantien in einem Job?
Vor Jahren, als das Thema Scheinselbständigkeit aufkam, wurden diese “Jungunternehmer” kritisiert, sich ausschliesslich auf einen Auftraggeber zu konzentrieren – warum handelt ein auf Subventionen produzierender Bauer anders?
Also: die grauen Zellen aktivieren und überlegen, was geändert werden muss.
@ Michael Kolberg
Wir sind in einem Land, in dem gewirtschaftet werden muss! Dem kann ich nur zustimmen. Weshalb soll ich jemanden durch höhere Preise unterstützen, der seine Hausaufgaben nicht gemacht hat. Aber dieses wirtschaften hat auch eine weitere Dimension, die häufig ausgeklammert wird – die der Werte und der Ethik. Es geht auch hier um den ganzen Menschen.
Biologisch gesehen hat eine Kuh eine Lebenserwartung von ca. 17 Jahren. Die heutigen Turbokühe sind nach 3-4 Jahren so “ausgebeutet”, dass danach nur noch der Weg in den Kochtopf bleibt. Diese Kühe sehen in ihrem kurzen Leben den Stall häufig nur noch von innen, so dass der Staat inzwischen Prämien zahlt, damit sie auch noch aus Landschaftspflegegründen draußen weiden. Trotz dieser so perfektionierten Ausbeute gibt es überall auf der Welt Betriebe, die dieses noch besser und noch billiger tun können – allerdings auf Kosten von Lebenswerten. Es gibt ein Zitat von Albert Schweitzer, dass mir in der Beurteilung meiner eigenen Handlungen immer wieder als Leitschnur dient: “Ich bin Leben, das leben will. Inmitten von Leben, das leben will.”
Also: Angewandtes Wissen ist Macht. Es ist meine Entscheidung, und hoffentlich auch die anderer, mit meiner Kaufentscheidung für Bio-Milch die zu unterstützen, die ihre Art des Wirtschaftens anders ausgerichtet haben und ein für mich “wertvolles” Produkt anbieten. Das rechtfertigt für mich einen höheren Preis.
und noch mal: milch ist kälbernahrung…. für und menschen nicht gesund… danke an ulrike #9 und sabine #14.
die folgen sind allergien, pseudo-psoriasis, asthma etc. und auch die neue modekrankheit “laktose-intoleranz”. milch gehört in einen erwachsenen organismus schlicht nicht rein. und auch nicht in abgestillte kinder. punkt.
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