Macht Bloggen krank oder gesund?

2008-06-15, von Wolff Horbach

Wir kennen das von den Gesundheitstipps: Da wird das Mittelchen XYZ plötzlich als Gesundbrunnen und Allheilmittel gegen alle möglichen Maleste entdeckt. Ein paar Wochen später wird das gleiche Mittelchen von anderen als höchst gefährlich und krankmachend deklariert. Jetzt haben wir den gleichen Widerspruch beim Bloggen.

Kürzlich schrieb Brand eins über einige Fälle, wo sich Blogger krank- und totgebloggt haben: Bloggen, bis der Arzt kommt:

Zum Jahresende sollte man eigentlich den Schreibtisch aufräumen, Bilanz ziehen, Geschäftspartnern ein paar Dankeszeilen schreiben und sich entspannen. Es sei denn, an betreibt eines der meistgelesenen Internet-Tagebücher. Die Bestie will gefüttert erden, idealerweise rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. Sonst sinken ie Besucherzahlen und damit die Werbe-Einnahmen.

Für zwei prominente Blogger hatte dieser Dauer-Sprint Folgen. Marc Orchant, einer der führenden Köpfe des Netzwerks
Blognation, erlitt Anfang Dezember 2007 mit 50 einen Herzinfarkt und starb eine Woche später. Tech-Blogger Om Malik (41) erlitt über die Weihnachtsfeiertage ebenfalls einen Infarkt. Während der Autor und Manager des nach ihm benannten Blog-Imperiums GigaOm eine Zwangspause einlegen musste, füllten sich dessen Seiten mit Hunderten Genesungswünschen.

Also: Bloggen macht krank. Oder doch nicht? Gestern las ich: Neuroforschung: Bloggen ist gut für die Gesundheit:

Forscher haben herausgefunden, dass Bloggen von Vorteil für die Gesundheit sein kann. Wie das Magazin “Scientific American” berichtet, haben aktuelle medizinische Erhebungen ergeben, dass durch die Textproduktion merkliche positive Effekte auf die Gedächtnisleistung und Schlaf ausgehen können. Bloggen kann bei AIDS-Patienten die Bildung von Immunzellen erhöhen, die Virenverbreitung hemmen und die körperliche Regeneration nach einer Therapie beschleunigen. Eine vergleichende Studie des “Oncologist” habe ergeben, dass es Krebspatienten, die vor der Behandlung schreiben, physisch und mental erheblich besser ginge als solchen, die das nicht täten.

Jetzt sind wir schlauer: Bloggen kann krank machen und Bloggen ist gut für die Gesundheit. Kommt es auf den Mittelweg an? Wie ist eure Erfahrung?

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15 Kommentare zu “Macht Bloggen krank oder gesund?”

  1. SuMu sagt:

    praktisch ist es, wenn man schon krank ist ;-)

  2. Trapezbleche sagt:

    Also bloggen macht ganz klar Karnk. Ich bin dadürch soch krank gewurden oder doch eher gesund und süchtig?

  3. Ulrike Sennhenn sagt:

    Hallo Wolff!

    Meine persönliche Wahrnehmung: Bloggen macht einen Heidenspaß und ist daher gut für die Gesundheit! :-)

    Ich seh das wie mit nem guten Rotwein – solange ich ihn in Maßen und mit Genuss trinke, ist alles in Ordnung ;-)

    Fröhliche Grüße, Ulrike

  4. Doc Sarah sagt:

    in der dosis liegt die wirkung…
    solangs keine sucht wird, ist bloggen sehr gesund – sagt blog doc… ;-)

  5. Elita Wiegand sagt:

    Bloggen birgt ein gewisses Suchtpotential in sich. Und offen gestanden, war ich zeitweise ein Stück abhängig von den Besucherzahlen, Verlinkungen und Kommentaren – ist irgendwie krank, oder? Zudem tritt man mit seinen Meinungen in die Öffentlichkeit und da spielt auch eine gehörige Rolle Beachtung und Anerkennung eine Rolle.
    Inzwischen habe ich eine “gesunde” Einstellung. Habe durch die Bloggerei viel gelernt und das tut der Seele immer gut :-) Und ich investiere nicht mehr soviel Zeit, weil mir mein Privatleben wichtiger geworden ist.

  6. Réka sagt:

    „Bloggen birgt ein gewisses Suchtpotential in sich” – schrieb Elita Wiegand. Ich glaube, dass wir dieselben Satz über die Mehrheit der anderen menschlichen Tätigkeiten sagen könnten.
    So könnten wir die Frage auch so formulieren:
    Macht eine Tätigkeit, die man sehr viel und sehr gern macht, krank oder gesund?
    Z. B.: Führt eine Leidenschaft an Arbeit zu extra Leistung oder zu Workoholism und Burn-out?
    Und die Antwort lautet natürlich immer – es hängt von ab.
    Im Grunde genommen ist es gut irgendwas – ein Blog, eine Arbeit, ein Hobby – zu haben, die einem viel Freude bereitet. Wenn dieses Ding klar zur wichtigsten Sache im Leben wird, beginnt die Situation, gefährlich zu sein. Man kann sich nicht ausspannen, vernachlässigt andere Sachen, sogar die eigene Gesundheit.
    Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass „ausgeglichen“ fast ein Synonym von „glücklich“ ist.

  7. Titi Laflora sagt:

    Ein Beispiel wo bloggen glücklich und gesund gemacht hat ist mein Schwiegervater. Mit seinen 84 Jahren hat er sich vor 2 Jahren entschieden einen Blog zu führen. Zuerst schrieb er über Gott und die Welt, dann begann er darin seine Geschichte niederzuschreiben. Wir spürten wie eine Erleichterung bei ihm, indem er seine Gefühle und Gedanken niederschrieb. Er war im 2. Weltkrieg in Italien stationiert, in der Nähe von Cesena, bei einer Bauernfamilie. Er wurde dort im Laufe der Zeit wie ein Sohn gesehen. Er verliebte sich in Augusta, eine der Töchter der Familie. Das Angebot des Bruders, er solle doch bleiben, die Familie könne ihn verstecken, nahm er nicht an, um die Familie nicht in Gefahr zu bringen. So vergingen 60 Jahre ohne Wiedersehen.

    Vor ca. einem halben Jahr ging es meinen Schwiegervater gesundheitlch ziemlich schlecht, Altersschwäche, die Lebenskraft ließ nach. Wir alle waren sehr besorgt. Bis da plötzlich ein Kommentar von Gilberto auf einen seiner Beiträge kam. Gilberto kommt aus dem Ort, wo er stationiert war und kenne die Familie. Mails wurden ausgetauscht. Eine der Töchter, meldete sich telefonisch bei ihm. Von dem Moment an war mein Schwiegervater in all seiner Kraft, Lebensfreude sprühte aus seinen Augen – es war unglaublich. Vor ca. 3 Wochen fuhr er mit meinem Mann nach Italien und besuchte die Familie. Ein berührendes Ereignis, nach so vielen Jahren. Er zehrt von dieser Energie der Verbundenheit und Freundschaft und liebt das Leben.

    Mehr im Detail kann auf seinem Blog gelesen werden. http://www.einvoll.net/opa

  8. Wolff Horbach sagt:

    @ Titi: Das ist ja eine reizende Geschichte! Schade, dass mein Glücksbuch schon fertiggestellt ist. Sonst hätte ich die Geschichte sofort mit aufgenommen als ein Musterbeispiel dafür, wie man sich mit gesunder Neugierde und Beharrlichkeit selbst glücklich machen kann.

    Du hast mich überzeugt: Bloggen macht gesund!

  9. Réka sagt:

    [...]Fußball EM ist nicht die einzige Sache, die eine kleinere oder größere Verrücktheit auslösen kann. Macht Bloggen krank oder gesund? – fragte innovativ.in im Titel eines Beitrags vor einigen Tagen.[...]

  10. Titi Laflora sagt:

    @wolff: oh das ist in der tat schade. was hat es mit der 77 auf sich? auf jeden fall freut mich meine überzeugungsarbeit.

  11. Wolff Horbach sagt:

    @ Titi: Das mit der 77 ist so gekommen: Ich habe seit einigen Jahren die Ergebnisse der Glücksforschung sehr intensiv untersucht und versucht, diese Ergebnisse in Prinzipien zu fassen. Da hatte ich dann irgendwann 53 Prinzipien zusammen. Prinzipien klingt aber so nach Dogmen. Das passt dann nicht so ganz zu dem, was sich viele Menschen unter Glück vorstellen. Also habe ich aus den Prinzipien Glückswege gemacht. Als ich dann die Anfrage vom Verlag bekam, ob ich ein Buch zu dem Thema schreiben wollte, habe ich mir überlegt, dass es noch ein paar Wege mehr zum Glück gibt. Da war ich dann irgendwann bei über 70. Dann habe ich mich auf 77 eingerichtet. Es ist eine schöne, magische Zahl. 77 Wege zum Glück ist nicht so genau zu verstehen, sondern mehr wie eine Metapher, dass es sehr viele verschiedene Wege gibt, wie man sein persönliches Glück steigern kann. Es könnten auch 50 oder 100 Wege sein.

  12. GlücksNetz Blog » Blog Archive » Bloggen kann glücklich machen sagt:

    [...] beim innovativ.in-Blog einen Beitrag über die gesundheitlichen Aspekte von Bloggen geschrieben: Macht Bloggen krank oder gesund? Dazu hat Titi Laflora einen Kommentar geschrieben, der mich sehr berührt hat: Ein Beispiel wo [...]

  13. Titi Laflora sagt:

    @wolff: das klingt spannend und jetzt bin ich auch ziemlich neugiereig. Das Buch werde ich mir zulegen. Spontan ist mir gerade das Buch eingefallen “Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück”, das du sicherlich kennen wirst. Hector hat am Ende ja 23 Antworten, wie er es nennt. Diese Büchlein hat mich beim Lesen glücklich gemacht. Das Glück liegt meist so nahe, man muss es nur als Glück erkennen.

  14. Wolff Horbach sagt:

    @ Titi: Hectors Reise kenne ich natürlich. Habe neulich mit Michel Friedman darüber diskutiert. Sieh mal hier und ein kurzes Video dazu hier.

  15. Jobmixer Blog sagt:

    Bloggen macht dick…

    Es ist offiziell. Bloggen ist nicht einfach nur Zeitvertreib zum Spaß an der Freud, sondern richtige Arbeit und macht vielleicht auch dick. Es gibt ja nun nicht umsonst die vielen Berufsblogger, die RSS-Feed-abhängig, Socialnetworking-neurotisch und…

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