Privatdetektiv 2.0
2008-07-07, von Wolff Horbach
Sie haben heute Martina Musterfrau kennengelernt. Jetzt wollen Sie alles über sie wissen: Hat sie eine Website? Wie ist ihre E-Mail-Adresse? Wo wohnt sie und wie ist ihre Telefonnummer? Hat sie ein Weblog? Gibt es von ihr Bilder oder Videos im Internet? In welchen Social Networks ist sie angemeldet?
Sie könnten jetzt natürlich eine Stunde bei Google ausführlich recherchieren und Dutzende Dokumente untersuchen. Oder … sie benutzen 123people (www.123people.de). Und schon haben Sie alles auf einen Blick.
Ok. Ich habe das mal gemacht. Bei den Bildern tauchen auch bekannte Gesichter auf: Cordula und Sarah. Aber ich habe keine Ahnung, warum ich als der Dalai Lama abgebildet bin. Auch meine Adresse ist falsch. Die Videos haben alle nichts mit mir zu tun. Aber einiges hat mich schon erstaunt, was das Web so alles hergibt. Unter anderem habe ich da bei den Dokumenten die Herbstvorschau meines Verlages im PDF-Format gefunden. Als ich neulich im Verlag nachfragte, gab es die angeblich nicht…
Wo führt das alles noch hin?
Edit 2008-07-08: Über www.123people.de/s/ kann man den Dienst noch erreichen. Siehe Kommentar #1.
Edit#2 2008-07-08: Das mit dem nicht funktionierenden Link war mein Fehler im Link: poeple statt people.
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Dienstag 8. Juli 2008 um 05:29
Den Service scheint es nicht mehr zu geben. Die Domäne steht zum Verkauf. Und einen so schönen Screen wie abgebildet gibt es auch nicht mehr.
7 Stunden nach Deinem Artikel Wolff. So kritisch war er doch gar nicht.
Dienstag 8. Juli 2008 um 08:22
Hallo Matthias, danke für den Hinweis. Aber der Dienst ist noch erreichbar. Siehe Edit oben im Beitrag.
Dienstag 8. Juli 2008 um 14:57
Hallo Matthias, klar gibt es uns noch – und wie
!! Zur Sicherheit hier noch mal der Link: http://www.123people.de – der funktioniert!
@Â Wolff: Bei deinem Namen erscheinen auch Suchtreffer, die nicht zu dir gehören, weil wir die zu einem Namen gefundenen Ergebnisse nicht automatisiert verknüpfen. Wir verbessern laufend unser Technologie und entwickeln diverse Logiken, damit die Suchergebnisse immer pointierter werden und es so wenig wie möglich “Ausschuss” gibt.
Wir servieren dem User die besten zu einem Namen passenden Suchtreffer strukturiert und finden dabei auch Infos, die andere Suchmaschinen nicht finden. Das Verknüpfen der Daten macht dann der User, der das bis dato auch am besten kann.
Dienstag 8. Juli 2008 um 16:53
Das die Personensuchmaschinen wie Pilze aus dem Boden schießen ist verständlich. Ein ganz großer Teil der Suchen im Internet ist personengebunden. Personensuchmaschinen wie yasni, 123people, my on id, Stalkerati, Spock und sicherlich einigen mehr finden Ergebnisse die so in den gängigen Suchmaschinen so nicht präsentiert werden.
Man sollte also versuchen auch im Netz nur saubere Spuren zu hinterlassen. Stichwort: Online Reputation.
Die Kollegen von Mindsharing haben einen interessanten Beitrag dazu verfasst:
http://koeln-bonn.business-on.de/bin-ich-drin-der-gute-ruf-im-web-2-0_id12815_seite1.html
Dienstag 8. Juli 2008 um 17:46
@ Bernhard: Danke für die Erläuterungen. Wie hast du denn so schnell den Beitrag gefunden?
@ Matthias: Das mit dem funktionierenden Link ist auch geklärt; siehe Edit#2 im Beitrag. Da hat doch schnell einer die Domain poeple.de angemeldet und hofft auf Vertipper. Und ich bin prompt in die Falle getappt.
Mittwoch 9. Juli 2008 um 11:15
Hmmm, wie immer, das taugt alles noch nichts. Bei mir wird kein relevantes Bild gefunden und auch keine wirklich vernünftige Seite – Suche ich bei Google, Yahoo und konsorten nach “Lutz Falkenburg” (die Anführungszeichen sind wichtig!!) dann gibts auch Bilder von mir und die Links auf den ersten Seiten enthalten mehr Informationen als die aller Personensuchmaschinen zusammen.
Meines Erachtens nach eine, wie so oft, gut gemeinte, schick aussehende Web 2.0 Idee, die wahrscheinlich in der “Entwicklung” eine Menge Geld verschlungen hat und vom geldgebenden Layen mangels Wissen nicht überprüft werden kann. “Es zeigt personenbezogene Ergebnisse, damit funktionierts.” Ja, dem ist aber meines Erachtens nicht so. Macht mal selbst den Test mit euren Namen – und Anführungszeichen nicht vergessen!
Was noch alles mit Google geht sieht man hier:
http://internet.magnus.de/netzleben/artikel/die-besten-google-tricks.3.html
Mittwoch 9. Juli 2008 um 17:34
Meiner bescheidenen Meinung nach hält sich der Mehrwert der Personensuchmaschinen noch in ziemlichen Grenzen. Man findet nicht mehr heraus, als man mit Google auch herausfinden würde und die Ergebnisse sind nicht zwingend besser oder gar übersichtlicher aufbereitet. Man nehme meinen Namen als Beispiel bei 123 People, nur drei Beispiele: Die Haupt-URLs werden wild durcheinander und mehrfach angezeigt, Telefonnummern kann man angeblich keine finden (ein schlechter Scherz, in meinem Impressum ist sie sogar in einem Microformat auslesbar implementiert und es gibt eine elektronische Visitenkarte), die Amazon-Wunschliste ist von anno dazumal (der Accout dazu ist schon lange stillgelegt).
Spannend würde es werden, wenn eine gewisse Intelligenz hinzukommen würde, Data Mining passieren würde, Schlüsse gezogen und Identitiäten miteinander verknüpft würden. Und das dann auch noch stimmen würde. Daran beißt sich die Wissenschaft allerdings im Moment noch die Zähne aus. Es gibt zwar ein paar Ansätze, die liefern aber noch keine gute Qualität und sind noch unzuverlässig.
Eines der besten Tools zur Personensuche ist meiner Meinung nach derzeit Maltego, das über Transformationen verschiedenste Informationsquellen miteinander verknüpft und damit einen Schritt in Richtung Data Mining für Personen im Netz geht.
Über die datenschutzrechtliche Seite muß man nicht lamentieren, die meisten Sachen (auch wenn sie jetzt noch so peinlich sind) hat jeder selbst ins Netz gestellt. Wer ins Wasser geht, der wird halt naß. Den Schritt zurück wirds auch hier nicht geben. Es geht jetzt und in Zukunft darum, seine eigene Online-Identität aktiv (!) zu gestalten.
Mittwoch 9. Juli 2008 um 18:16
@ Alexander:
… Es geht jetzt und in Zukunft darum, seine eigene Online-Identität aktiv (!) zu gestalten.
Das trifft den Nagel auf den Kopf! Danke.
Freitag 11. Juli 2008 um 01:49
hab mich grad mal bei den stalking engines umgesehen. ist ja drollig, das kein eines der mir zugeordneten videos bei 123people auch nur im entferntesten mit mir zu tun hat…
ja, wie soll mensch denn jetzt seine eigene online-identität aktiv gestalten?!
diese stalking tools wimmeln ja vor schlecht sortiertem müll…
Freitag 11. Juli 2008 um 21:01
@sarah: nur weil die qualität jetzt noch nicht so toll ist heißt das ja nicht, dass das so bleibt. und google, gepaart mit recherchewissen, bringt allemal viel persönliches zu tage. merke: heute nicht bäh zu pfefferminzsoße sagen, wenn du in zukunft nach gb willst…
Sonntag 13. Juli 2008 um 00:07
@ alex: GB ist meine heimat – bin mit pfefferminzsoße aufgewachsen…
aber heutzutage möcht ich da nicht tot überm zaun hängen.
einerseits der totale überwachungsterror und kids dürfen nicht mehr auf die strasse (see wolffs artikel ), anderseits daten-klau-pannen ohne ende.. so wie in usa, so wie hier. nur britisher und darob verschrobener…
noch mal die frage: wie soll mensch denn seine online-identität aktiv gestalten?!
Sonntag 13. Juli 2008 um 14:25
@sarah: Am Anfang die Frage stellen, wie man wahrgenommen werden möchte, was man im Web darstellen will. Welche Themen möchte man besetzen, wie möchte man als Person wahrgenommen werden etc.. Darauf ausgerichtet die richtigen Dienste nutzen, von Netzwerken über Blogs, Foren, Zeugs wie Twitter, Portale bis zur eigenen Webseite. Und die dann in der richtigen Tonalität und Wissenstiefe bespielen. Dafür sorgen, dass die gewollten Inhalte weit oben stehen in den Suchmaschinen. Einen Blick auf die anderen haben, das eigene Vorkommen monitoren, schnell und trotzdem gut reagieren. Daraus entwickelt sich die Online-Identität, wenn man weiß, wie sie aussehen soll.
Wir werden uns auch dahin entwickeln, auch wir Deutschen, dass wir Weiterentwicklung erkennen. Wenn also das Auftreten von vor drei Jahren andere Ziele hatte als das heutige, dann ist das schon in Ordnung. Vorausgesetzt, man hat sich wie ein gebildeter, gut erzogener Mitmensch aufgeführt.
Eigentlich ist “online” nicht viel anderes wie das “normale Leben”. Ist ja auch logisch, es ist ein Teil des normalen Lebens.
Sonntag 13. Juli 2008 um 23:20
nu, alex, so mach ich´s ja !!!
aber wenn dann so eine engine wie 123people oder andere alles durcheinanderbringen?! world wide wust bieten diese dienste… oder ist wolff doch der dalai lama?!
Montag 14. Juli 2008 um 16:43
@sarah: man muß sich ja nicht mit einzelnen Suchmaschinen aufhalten
Donnerstag 15. Januar 2009 um 22:34
[...] obsolete cyberstalking tools gehören ausgehebelt – Diskussion hatten wir ja schon hier. Dank an Matthis Richel für die Vorlage : Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit untersage ich [...]