Können wir uns den Beitrag zur Innovation und Energieeinsparung leisten?
In den letzten Wochen habe ich mich notgedrungen mit dem Thema Energieeinsparung und Wärmeerzeugung beschäftigen dürfen. Hintergrund: Die letzte Heizperiode hat unsere Heizanlage doch arg an ihre Grenzen geführt. Anders gesagt, sie ist 30 Jahre alt und hat eine Energieeffizienz, die sich hinter amerikanischen SUWs nicht zu verstecken braucht. Natürlich hat auch die Steigerung des Ölpreises dazu geführt, über Alternativen nachzudenken, so haben wir im Januar 2008 fast einen Euro je Liter Heizöl bezahlen müssen. Ein ziemlicher Schock.
Die Informationsphase begann damit, sich die Frage zu stellen, welche technisch innovativen, bezahlbare und ökologisch sinnvollen Möglichkeiten verfügbar sind:
1. Weiterhin Ölheizung bei Austausch der ganzen Anlage. Investition ca. 7.000 Euro. Energieeffizienz weiterhin schlecht, Einsparung nur ca. 15 %. Abhängigkeit vom Öl und der weiteren Preisentwicklung hoch.
2. Ausstausch gegen eine Gas-Brennwert Therme. Investition ca. 10.000 Euro. Energie- Effizienz deutlich besser, Einsparung ca. 30 %. Abhängigkeit vom Gaspreis der ja mit der Preisentwicklung gekoppelt ist. Ausserdem Abhängigkeit von Russland. Siehe auch Beitrag der FTD zur Marktmacht von Gazprom.
3. Solarstrom – keine Alternative, da die Dachseite ungünstig liegt und zu hohe Investitionskosten in die Gesamtanlage. Einsparung unklar, da abhängig von der Sonnenscheindauer. Lohnt nur bei Neubau.
4. Erdwärme – leider die grösste Ernüchterung. Laut Auskunft eines Fachbetriebes nicht unter 40.000 Euro realisierbar. Grund: Altbauten aus den 70er sind zu schlecht isoliert und geben zuviel Wärme ab. Das erfordere eine mehrfache Tiefenbohrung. Zusätzlicher Nebeneffekt: Der Garten ist hin und muss neu angelegt werden, da das schwere Gerät alles platt mache. Da ich dies kaum glauben konnte, hier ein Video, dass den Aufwand anschaulich macht. Einsparungspotential hoch, bis zu 70 %, aber viel zu hohe Investitionskosten.
5. Fernwärme – nicht verfügbar
6. Palletheizung – derzeit die niedrigsten Kosten beim Betrieb, aber hohe Investitionskosten der Anlage. Unklare Zukunft bei der Versorgung mit Pallets und deren Preisentwicklung.
Sonstige Alternativen? Keine !
Erkenntnisse: Viele, vor allem die, dass einem Energiesparen nicht leicht gemacht wird. Je höher die Einsparung, desto höher auch die Investitionskosten. Ok, das liegt nahe, aber wer kann sich das leisten? Oder anders gefragt, wie lange kann ich mit konventionellen Systemen heizen, bis sich die Sache bezahlt macht. Wie groß ist zudem die Bereitschaft, volkswirtschaftlich und ökologisch zu handeln?
Weitere Erkenntnis: Nur wenige Fachfirmen befassen sich mit der Frage nach Alternativen. Die meisten reagieren auf die Frage nach der richtungsweisenden Heizanlage sehr herkömmlich und fangen erst gar nicht an, Alternativen anzubieten und durchzurechnen. Technische Innovationen sind in diesem Gebiet erst in einigen Jahren zu erwarten. Bis dahin werden fleißig Standardlösungen installiert. Immerhin hat man es geschafft einen Warmwasserspeicher so zu konstruieren, dass er so gut wie keinen Wärmeverlust mehr hat.
Fazit: Auch wir werden wohl bei der einfachen Lösung landen: Umstieg auf eine Brennwert-Gas- Anlage. Von allen Seiten betrachtet ist es die Lösung mit dem akzeptabelsten Preis-Leistungsverhältnis.
Nachtrag: Bei unserer Suche stießen wir auf den Anbieter German Contract. Diese Firma bietet den Betrieb einer Heizung an. Einbau, Wartung, Reparaturen etc. alles inklusive für einen monatlichen festen Betrag (Faustformel:Â Investition * 1,5 % = monatlicher Betrag). Hinzu kommt natürlich der Energiebezug. Eine interessante Variante, die keine eigene Erstinvestition erfordert.
Moral: Energie einzusparen scheint etwas für Menschen zu sein, die es sich leisten können und die entsprechende Einstellung dazu mitbringen. Noch vor kurzem hörte ich in einer Radiosendung auf die Frage, warum Menschen Energiesparlampen ablehnen würden, folgende Antwort: “Die sehen blöd aus”.
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Hallo Herr Klotz, schön, dass Sie sich mit diesem EXTREM WICHTIGEN Thema befassen. Energieeffizienz wird sicher ein Schlüsselthema der nächsten Jahre sein. Obwohl die Fachleute seit über 30 Jahren darauf hinweisen, dass unsere fossilen Brennstoffe nur endlich sind, wird manchem erst jetzt an der Tankstellenkasse bewusst, was das bedeutet.
Die beste Energiequelle ist natürlich die, bei der bisher sinnlos verpuffte Energie eingespart wird. Sie haben in Ihrem Beitrag einige Alternative Heizsysteme aufgezählt. Aber haben Sie auch schon mal an bessere Isolierung gedacht? Vielleicht rechnet sich ja auch ein Umzug in ein Niedrigenergie- oder gar Passiv-Haus. Diese neuen Haustypen zeigen, dass es heute schon möglich ist, mit einem Minimum an Heizenergie aus zukommen. Und das ohne Komfort-Verlust!
Das von Ihnen angesprochene Contracting-Verfahren ist auch sehr interessant. Großbetriebe und ganze Gemeinden wenden das bereits in zunehmendem Masse an: Der Contracing-Geber finanziert eine neue Anlage und betreibt sie. Der Contracting-Nehmer bezahlt jetzt das Geld nicht mehr an den Energielieferanten, sondern an den Contracting-Geber. Beide profitieren: Der Contracting-Nehmer senkt seine Energiekosten und der Contracting-Geber refinanziert sich über die Energieeinsparungen.
Für Interessierte gibt es im Internet eine Fülle von Informationen. Erste Anlauf-Adresse ist die Deutsche Energie-Agentur (dena).
Ich bekam vor etwa 3 Jahren eine Einladung in die Schweiz von einem deutschen Ingenieur, der in Österreich fertigt. Er lud ein, um eine neue, innovative und energiesparende Heizmethode auf Elektrobasis vorzustellen.
Vorurteilsfrei (klar) habe ich gedacht, das ist ja wohl ein Schmarrn, elektrisch und energiesparend, aber ich bin dann doch hingefahren und habe mir diese Heizsysteme angesehen.
Es ist eine reine Infrarotheizung, die sich hinter Spiegeln, Bildern, Tafeln usw. „versteckt“. Dass Infrarotheizungen keinen Staub aufwirbeln, also für Allergieker bestens geeignet sind, liegt auf der Hand, dass es aber auch die „gesündeste“ Wärme ist, in der man sich richtig wohlfült, habe ich da selbst erfahren. Ich will hier über die Heizung keinen Vortrag halten, aber interssant, das einmal nachzulesen. Die Kosten für den Stromverbrauch liegen tatsächlich erheblich unter den Kosten für Öl oder Gas. Hauptgrund ist, abgesehen von der Wärmespeicherung, dass Infrarot bekanntlich nicht die Luft, sondern die Gegenstände erwärmt, auf die das Infrarot (=Wärmewellen) trifft. Ein Altersheim in der Schweiz wurde komplett mit dieser Heizung geheizt und die alten Herrschaften fühlten sich darin pudelwohl. Ein besonderes Vorzeigeobjekt ist das Haus des Olympiasiegers Markus Wasmeier, das unter Denkmalschutz steht und wo aufgrund der Bestimmungen überhaupt keine andere Heizung möglich war.
Natürlich passt diese Heizung nicht in jedes Haus oder Gebäude, aber innovativ ist dieses System allemal.
http://www.redwell.com/
@Wolff
Wir ziehen jetzt am 1.8. in ein Energiesparhaus KFW 40. Bin gespannt, was an Energiekosten für 132 qm anfällt. Warmwasser kommt über eine Solaranlage.
Ein Passivhaus, das wir besichtigt haben, kommt zwar nahezu ohne direkte Heizanlage aus, aber irgendwie fühle ich mich in Räumen, deren Fenster nicht geöffnet werden, schon bei dem Gedanken unwohl.
Glückwunsch Denen, die in ein Energiesparhaus ziehen können. Nur leider haben diese Möglichkeit die Wenigsten, insbesondere dann, wenn man zur Miete z.B. in Düsseldorf wohnt.
Die Energiespar-Förderprogramme unserer Regierung sind noch nicht soweit. Wenn hier wirklch ernst gemacht werden sollte, wird es wohl nicht ohne eine erhebliche Beteiligung der öffentlichen Haushalte gehen; z.B. Steuerminderung für die Umrüstungskosten oder KFW-Fördermittel, die die Umrüstungskosten armortsieren könnten. Ich denke mal, dass muss kommen, denn wer kann es sich erlauben, wenn die Mietnebenkosten um 50% oder mehr steigen. Zudem kann die Zusage zum Klimaschutzprogramm so nicht erfüllt werden.
@Johannes Borgard
Natürlich sind die Mieten in Ballungsgebiten und Großstädten erheblich höher, als in Kleinstädten.
Wir ziehen nach Bad Bramstedt, 30 km nördlich von Hamburg, der Ort zählt nicht mehr zum sog. “Hamburger Speckgürtel”. Doch durch die Anbindung an die A 7 arbeiten viele auch in HH oder in Neumünster und die Einwohnerzahl ist in den letzten 20 Jahren um 40 % gestiegen – Tendenz weiter steigend, weil der Ort selbst auch recht attraktiv ist. Schon deshalb ist es kein “billiger” Wohnort. Der Mietpreis dieses Energiesparhauses liegt nicht gewaltig über dem konventionellen Wohnhaus. Ziehe ich die Ersparnis an Energiekosten ab (wenn sie stimmen, wie es uns gesagt wurde) liegen wir eher leicht unter dem Schnitt, wobei an der Ausstattung seitens des Bauherrn überhaupt nicht gespart wurde, im Gegenteil, der Architekt hat alles auch innen komplett durchgestylt.
Es wäre vernünftig, wenn mind. KFW 60 zum allgemeinen Standard gemacht würde, denn lieber eine feste und etwas höhere monatliche Kaltmiete, und Energie einsparen. als die Ungewissheit, was am Jahresende (nachzu)zahlen ist.
Liebe Kommentatoren,
danke für Ihre Hinweise, Anregungen und Diskussionsbeiträge.
Besonders dankbar bin ich für den Hinweis in Sachen Infrarotbeheizung.
Hier habe ich mich sofort umfassend informiert und werde das als Alternative weiter sondieren. Einer meine anbietenden Heizungsbauer, dem ich das Thema auch gleich weitergab, kannte diese Technik überhaupt nicht. Auch er will sich nun schlaumachen.
Wie auch immer das ausgeht, ich werde Sie über die weitere Entwicklung informieren.
Man sieht, die Blogszene funktioniert und ergänzt sich hervorragend !
Gruss M. Klotz
@Marcel Klotz
ohne den beiden deutschen Vertretungen Böses zu wollen (ich kenne persönlich nur die Hamburger Vertretung), sollten Sie direkt mit Mike Buschhoff Kontakt aufnehmen.
Heizungsbauer sind leider Wettbewerber zum Infrarotsystem und werden es immer schlecht reden (ist ja nichts zu installieren, 230 V Steckdose genügt)
Bin gespannt, wie es bei Ihnen weitergeht.
Es ist schon überaus “interessant” wieviel Fachwissen über einen solchen Kommentar ausgelöst und verbreitet wird.
Fakt ist leider:
Altbauten auf aktuellen Standard zu bringen ist teuer und rechnet sich – bedingt! Dazu eine gute (bezahlbare) Lösung zu finden ist von zu vielen Faktoren abhängig und darum nicht aus der Ferne möglich.
Der Weg heißt: Fachbetriebe Anfragen, Konzepte und Angebote rechnen lassen…
Strom als Alternative ist sehr gut – wenn der Strompreis fix bleibt
Bei der Stromproduktion werden immer noch zu wenig alternative Techniken wie z.B. Gezeiten- oder Windkraftwerke eingesetzt – darum auch wenig akzeptabel.
Zu Michael:
Ein Passivhaus, in dem man keine Fenster öffnen darf? Wer behauptet das?
Ein Altenpflegeheim in Mönchengladbach funktioniert als Passivhaus – und den Herrschaften können Sie das offene Fenster beim Schlafen logischer Weise nicht verbieten. – Aber es funktioniert als Passivhaus!
Schulen werden inzwischen als Passivhäuser gebaut – also weg mit den Gedanken an geschlossenen Räumen…
Ähnlich gelagert ist ein Kfw-40-Haus – das nach gesetzlichen Vorschriften erstellt – nur in Verbindung mit einer kontrollierten Wohnraumlüftung funktionieren kann!!! Alles andere ist “Schönrechnerei”! – Herzlichen Glückwunsch zu dem Architekten!!!
zu den gesetzlichen Vorgaben:
Leider reagieren die meisten Bauherren (Neubau) nicht auf die aktuelle Energiesituation. Die Stadt Köln hat einen guten Beitrag geleistet: auf den städtischen Grundstücken dürfen NUR Kfw-40-Häuser gebaut werden – weiter so!
Ich finde die CO2 Kampagne der Projektwerkstatt gut. Das Konzept ist ja: Große Mengen einkaufen, ohne Zwischenhändler und viel Marketing. Bekannt ist das von der Teekampagne – hochwertige Ware zu guten Preisen. Mich überzeugt die CO2 Kampagne !
ja, für “meine co2 kampagne” gibt es jetzt sogar ein plugin für die blog-software wordpress meine-co2-kampagne
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