Zukunft Deutschland 2020
2008-08-05, von Wolff Horbach
Das Zukunftsinstitut hat eine neue Studie erarbeitet: “Zukunft Deutschland 2020 – Wie sich unsere Top-Standorte zukunftsfit machen“.
Wurde noch vor einigen Jahren der Standort Deutschland permanent schlecht geredet, so sind in der letzten Zeit optimistischere Zeichen zu vernehmen. Ich kann mich nach an das denkwürdige Gespräch mit einem Investmentbanker von einer sehr renomierten Bank erinnern, den ich zufällig in einer Weinstube traf. Er vertrat vor ca. zwei Jahren doch allen Ernstes die These: “Deutschland kann man vergessen. Kluge Leute haben ihre Koffer längst gepackt”.
Da tut es richtig gut, wenn eine Studie wie Zukunft Deutschland 2020 viel Optimismus verbreitet. Das Wort “Risiken” kommt in der Studie nicht vor. Und das Wort “Risiko” nur im Kontext “das Risiko Zukunft wagen” und als “Risikobereitschaft”. Dafür ist sehr viel mehr die Rede von Chancen, Chancenregion, Chancengleichheit, Marktchancen, Gewinnchancen, Zukunftschancen und Lebenschancen.
Die Studie untersucht, welche Fakturen für eine Standortentwicklung heute und in Zukunft bedeutend sind. Dabei wird klar, dass die rein wirtschaftlichen Gesichtspunkte an Bedeutung verlieren und neue Faktoren an Bedeutung gewinnen:
Entscheidend sind heute immer stärker die soziokulturellen Trends, der Einfluss von Megatrends und letzten Endes natürlich auch die Veränderungen der Lebensstile und Bedürfnisstrukturen der Menschen, die Städte und Regionen weiterentwickeln. Wer also in den nächsten Jahren am eigenen Standort für Wachstum, Aufbruch und Gründergeist sorgen möchte, der muss einen Perspektivwechsel vollziehen und die Standort-Qualität und Zukunftsfähigkeit aufgrund anderer Indikatoren bewerten und verbessern. In den nächsten Jahren [ ...] werden immer stärker solche Faktoren zukunftsweisend sein, die darüber entscheiden, wie wir leben, lernen und letztlich auch arbeiten werden.
Die Studie zeigt detailliert, “wie sich 13 deutsche Top-Standorte auf den Weg in die Welt von morgen machen”. Dabei werden drei Typen von Regionen unterschieden:
Meta-Regionen
sind große Metropolen, die weder Stadt noch Region im traditionellen Sinne sind. Kennzeichnend für diese riesigen Urbanitäts-Cluster ist ein wirtschaftlich starkes und zukunftsfähiges Umland.
Beispiele:
Berlin, Hamburg, München, Düsseldorf, Frankfurt
Potenzialregionen
haben den Übergang in die Moderne geschafft. Sind aber in weiten Teilen gerade durch ihre traditionellen Strukturen wirtschaftlich stark
und zukunftsfähig.
Beispiele:
Oberschwaben, Oberpfalz, Freiburg, Hannover
Urbanitäts-Netzwerke
Kleine Großstädte oder Regionen, die wichtiger Teil in einem polyzentrischen Netzwerk sind. Global vernetzt und mit typischen
Alleinstellungsmerkmalen (z.B. Hightech, Forschung, Bildung etc.), die ihre eigene Entwicklung und die ihres Umfelds wechselseitig
beeinflusst.
Beispiele:
Rhein-Neckar, Nürnberg, Dresden, Karlsruhe
Zum Schluss stellt die Studie für die Zukunftsentwicklung von Standorten vier Kernthesen auf:
- Zukunfts-Regionen überwinden alte Gegensätze. Wer heute noch auf die «ehernen Traditionen» seines Standortes pocht, landet schon morgen im globalen Niemandsland. Das Zukunftsrezept lautet: Vernetzung der golden nuggets, bringen Sie die Besten Ihrer Regionen zusammen – und Sie werden Wachstum und Wohlstand ernten.
- Zukunfts-Regionen begreifen Wandel und Veränderungen als natürlichen Evolutionsprozess. Harte und weiche Faktoren entscheiden über die Zukunft eines Standortes. Lebensqualität wird als Standortfaktor immer bedeutsamer. Und wer sich rechtzeitig mit den Megatrends auseinandersetzt, gehört zum Gewinner der nächsten Jahre.
- Zukunfts-Regionen sind authentisch statt typisch. Typisches hat die Touristen des 20. Jahrhunderts angesprochen. In der Zukunft geht es darum, den eigenen Standort als vielstimmiges Ensemble aus Tradition und Modernität darzustellen.
- Zukunfts-Regionen haben nicht nur einen Identitätskern, sondern mehrere Epizentren. Viele der von uns ausgewählten Top-Standorte faszinieren die Menschen, gerade weil sie dezentrale Netze zwischen einzelnen Hotspots knüpfen. Der alte Stadt-Land-Gegensatz wurde bei vielen Top-Standorten zugunsten eines neuen, intelligenten Multiperspektivismus aufgehoben.
Ich finde die Studie außerordentlich gut gelungen. Sie gehört auf den Tisch von jedem Verantwortlichen in mittleren und großen Unternehmen, auf den Tisch aller, die sich mit Wirtschafts- und Standortentwicklung im weitesten Sinne beschäftigen: Bürgermeister, Stadträte, Wirtschaftsförderer …
Die Studie ist hier erhältlich.





















Dienstag 5. August 2008 um 17:48
^Past genau, Wolff,
habe am Mittwoch um 9:00 Uhr einen Termin beim Bürgermeister. Es geht um genau das hier vorgestellte Thema.
Danke.