Morgen komm ich später rein

2008-08-14, von Wolff Horbach

Sie haben sich heute Morgen durch den Verkehr zu Ihrem Arbeitsplatz gequält? Sie haben vorhin mal wieder in einem todlangweiligen Meeting gesessen? Sie sitzen im Büro fest und haben das Gefühl, dass draußen das Leben ohne Sie stattfindet?

Falls Sie eine oder mehrere dieser Fragen mit Ja beantwortet haben, dann sollten Sie unbedingt dieses Buch lesen:

Markus Albers: Morgen komm ich später rein
Der Politologe und Journalist Markus Albers plädiert in seinem brandaktuellen Buch “Morgen komm ich später rein” für mehr Freiheit in der Festanstellung. Der Untertitel des Buches macht gleich klar, dass es nicht darum geht, zu kündigen oder das Leben eines Digital Bohème zu führen, sondern als Angestellter mit festem Arbeitsvertrag, 40-Tage-Woche, 30 Tagen Urlaubsanspruch und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall mehr Freiheit zu gewinnen. Manager und Unternehmer müssen jetzt nicht zusammenzucken und fürchten, dass ihnen die besten Angestellten weglaufen. Im Gegenteil: Es geht darum, den Mitarbeitern dank moderner Technik mehr Freiheit zu gewähren und gleichzeitig die Produktivität und Flexibilität des Unternehmens zu verbessern.

Gleich in der Einleitung gibt der Autor ein Versprechen ab:

Es lautet: Sie müssen nicht so weitermachen wie bisher. Und dieses Buch möchte eine Vision vermitteln. Dass wir dank moderner Technik und eines Wandels gesellschaftlicher Werte freier und selbstbestimmter arbeiten werden als die Generation unserer Eltern. Dass wir dabei keine Abstriche im Job machen müssen, was Leistung und Karrriere angeht. Sondern im Gegenteil Kollegen und Vorgesetzten produktiver, gelassener und souveräner begegnen. Dass wir endlich Beruf und Freizeit auf eine Weise vereinen können, die noch vor wenigen Jahren undenkbar schien. Und dass wir so vielleicht – ganz automatisch – zu glücklicheren Menschen werden.

Der Autor Markus Albers träumt nicht nur von einer besseren Arbeitswelt, sondern hat gründlich recherchiert und zeigt konkrete Handlungsmöglichkeiten auf. Das Buch ist in drei Teile gegliedert:

Im ersten Teil des Buches zeigt der Autor auf, was alles falsch läuft in unserem Arbeitsalltag. Wenn Sie es nicht schon zu Genüge aus eigener Erfahrung kennen, dann gibt es hier noch einmal die bitteren Wahrheiten: dass viele Angestellte das Gefühl haben, mit mehr Freiheit in fünf Stunden das gleiche schaffen zu können wie sonst in neun, wenn nur nicht dieses verdammte 8-17 Uhr-Schema nicht da wäre. Dass Manager im Schnitt allein dreieinhalb Jahre ihres Lebens mit unwichtigen und überflüssigen E-Mails verplempern und dass der tägliche Weg zur Arbeit unglücklich und krank macht. Der Autor nimmt alle Effizienzkiller aufs Korn und bereitet damit den Weg zur Besserung vor.

Im zweiten Drittel präsentiert der Autor Unternehmen, die ihren Mitarbeitern extrem große Freiheiten einräumen und gerade dadurch äußerst erfolgreich sind. Ein Beispiel ist die größte amerikanische Elektronikmarktkette Best Buy. Best Buy hat das Arbeitsmodell ROWE entwickelt, welches steht für »Results only work environment«. Auf deutsch: eine Arbeitsumgebung, in der ausschließlich das Ergebnis zählt. Mit ROWE gibt es überhaupt keine Anwesenheitspflicht mehr, keine Kernarbeitszeiten und kein Stundenzählen. Jeder darf arbeiten wann, wo und so lange, wie er will. Hauptsache, er hält die vorab vereinbarten Ziele ein. Unmöglich? Die Ergebnisse bei Best Buy sind grandios: Die durchschnittliche Produktivität pro Mitarbeiter stieg um 35 Prozent. Die freiwillige Kündigungsrate fiel um 52 Prozent in der Logistikabteilung und um satte 90 Prozent in der Online-Sparte des Unternehmens.

Ein Beispiel von vielen. Gut gefällt mir, dass der Autor nicht nur die Unternehmenssicht einnimmt, sondern detailliert schildert, wie sich der Arbeitsalltag von vielen Menschen positiv verändert hat, seit sie in der Easy Economy – ein zentrale Wortschöpfung des Autors – tätig sind.

Im letzten Drittel erhalten Sie konkrete und praktische Tipps, wie Sie selbst ein Teil der Easy Economy werden können. Wie Sie als Angestellter ihrem Chef klar machen, dass Sie da ein paar Ideeen hätten, wie Sie Ihre Arbeit noch viel besser erledigen können. Damit Sie künftig viel öfter sagen können: “Morgen komm ich später rein”.

Ich wünsche dem wichtigen Buch eine größtmögliche Verbreitung. Zusatzinfos gibt es auf der Website zum Buch: www.morgenkommichspaeterrein.de.

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6 Kommentare zu “Morgen komm ich später rein”

  1. INJELEA sagt:

    Meine gespaltene Persönlichkeit oder: Wie ich die Dinge geregelt bekomme…

    Auf DNAdigital habe ich mich in einer Diskussion dazu geäußert, wie der Arbeitsplatz momentan aussieht und der Arbeitsplatz von morgen aussieht. Hier ist der Beitrag (in leicht überarbeiteter Form):

    Seit längerem schon bin ic…

  2. Lutz Falkenburg sagt:

    ?? Was ist jetzt neu?

    Hewlett Packard hat bereits vor 20 Jahren die Büros aufgelöst und es den Mitarbeitern freigestellt WO sie arbeiten – ob im Office, zuhause, bei Kunden oder sonstwo – es zählen dort nur die Ergebnisse. Telearbeit hiess das früher mal und war seiner Zeit voraus. Warum muss in kürzeren Abständen alles anders benannt, etwas umgekrämpelt und als neu präsentiert werden was teilweise seit einer halben (IT-)Generation bekannt ist? Es gibt zahllose (vergessene) Studien der ReFa zum Thema Telearbeit. Ist ja schön, dass die Zeit dafür endlich reif ist – warum nennen wir das dann nicht konsequent Arbeit 2.0, erfinden Worker Generated Workplaces oder Enviromental driven Productivity – da können wir dann wieder neue “Experten” erfinden, neue Zulassungsverfahren boah! ein rieeeesiger neuer Markt – ok.

    Und wann kommen mal wieder ECHTE Innovationen?

    Telearbeit schön zusammengefasst: http://www.imptel.odl.org/beschr/telearbeit.html

  3. Wolff Horbach sagt:

    Ach Lutz, du bist manchmal so konstruktiv.

    Neu ist das Thema natürlich nicht. Der Anteil der Telearbeiter beträgt laut dem Buch in Deutschland 17 Prozent. Spitzenreiter sind die Niederlande mit 21 Prozent, europaweit beträgt die Quote erst 7 Prozent. Mit Telearbeiter sind diejenigen gemeint, die mindestens zeitweise schon mal von zu Hause aus arbeiten. Laut Buch sind aber satte zwei Drittel aller Büroarbeiter an Telearbeit interessiert. Da klafft also noch eine gewaltige Lücke.

    Für die Mitarbeiter, die jetzt viel mehr Spielraum zur Arbeitsgestaltung haben, ist das eine ECHTE Innovation. Wahrscheinlich die größte, die sie in ihrem Berufsleben bisher erfahren haben. Als HP mit den ersten Versuchen begann, mussten noch extra Datenleitungen gelegt werden. Heute kann dank DSL und Handy-Funknetzen fast jeder zu äußerst geringen Kosten daran teilnehmen.

    Wenn ich bedenke, das mehr Telearbeit – Albers nennt es “Easy Economy” – auch eine Lösung für permanent verstopfte Straßen, hohe Spritpreise und hohe CO2-Emmissionen ist, wäre auch dass für mich zwar keine Innovation im eigentlichen Sinne, aber eine deutliche Verbesserung.

    Die Technik ist da. Was fehlt, ist die Bereitschaft der Umsetzung und die passende Arbeitsorganisation. Hier zeigt der Autor gute Lösungen auf. Und daher finde ich das Buch auch sehr gut.

  4. Alexander Greisle sagt:

    @Wolfgang: Auch die passende Arbeitsorganisation ist da. Die Technik ist da, die Bürokonzepte sind da, die Kenntnisse über die notwendigen Methoden und Soft Skills sind da. Was stimmt ist, dass man noch einiges an Überzeugungsarbeit leisten muß, damit sich Unternehmen (und Führungskräfte und Mitarbeiter) konsequent auf diesen Weg einzulassen. Aber das ändert sich gerade, spürbar. Es ist ja nicht so, dass man einen Schalter umlegt und dann ist alles “New Work”. Im Gegenteil, das ist ein Prozess, der eigentlich nicht endet. Vielleicht ist es auch das, was man ahnt und vor dem man zurück schreckt?

    @Lutz: Innovation ist relativ. Was für den einen abgestanden ist, ist für den anderen eine große Herausforderung. Vor einigen Jahren waren die Voraussetzungen für Telearbeit noch nicht gegeben, heute sind sie es. Jetzt müssen wir halt daran arbeiten, dass die Unternehmen die schlechten Erfahrungen des ersten Hypes hinten an stellen und es nochmal versuchen. Neue Namen braucht man dafür nicht, die Inhalte sprechen für sich.

  5. innovativ.in - Business Blog » Blog Archiv » Gastblogger: Markus Albers. Autor von “Morgen komm ich später rein” sagt:

    [...] “Glücksforschung” und deren Nutzen für Unternehmen. Ich habe habe daher das Buch hier im innovativ.in Blog und bei Faktor G [...]

  6. innovativ.in - Business Blog » Blog Archiv » Flüstertüte: Neues aus dem Business-Club sagt:

    [...] wenn sie neue Arbeitskonzepte umsetzen wollen und er arbeitet selbst im Home-Office. Und unser Gastblogger Markus Albers, Autor des Buches „Morgen komm ich später rein“, bezieht [...]

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