Der Google-Chrome Hype! Risiken und Nebenwirkungen.
2008-09-03, von Lutz Falkenburg
Google versprach, sie wollen einen völlig neuen Browser entwickeln und von Grundauf neu anfangen. Google sagte, die bisherigen Browser sind so alt wie das Internet und daher völlig veraltet und entsprächen deshalb nicht den Sicherheitsansprüchen und den Anforderungen an Bedienbarkeit, den Nutzer heut erwarten.
Google hat Chrome ins Rennen geworfen und fliegt sofort aus der Bahn!
“Mehrere Schwachstellen in Googles Browser Chrome ” heisst es beim Heiseverlag, heute um 10:31h (ich bin noch am schauen, ob es nicht ein neuer Rekord ist).
Das Schlimme daran ist, dass Google eben nichts neu gemacht hat – ok, das Nutzerinterface doch es ist nur noch eine Fragen von Stunden, bis die ersten Themes für Firefox und Safari fertig sind und diese Browser dann genauso aussehen – statt dessen Nutzen die Webkit von Apple. Was so schlimm nicht ist, wenn man bedenkt, dass die eigentlich grad erst Ihren Technologiepakt mit Mozilla verlängert haben.
Eigentlich wollte ich nur darauf hinweisen, wie wichtig es wieder mal ist, nicht jedem Hype (siehe meine Beiträge zu Web 2.0) aufzusitzen sondern sich lieber eine Tüte Popcorn zu holen und sich bequem zurück zulehen und einen Moment zu warten.
Google wird definitiv einen Browser bringen, der perfekt in Ihren Werkzeugkasten von Informationssammlungstools passt denn man will ja alles über uns wissen – immer zu unserem Nutzen, versteht sich. Deswegen “telefoniert” Chrome auch gleich unverschlüsselt nach hause um unsere eingegebenen URLs im Browser (und das können auch “versteckte” Seiten sein, die bisher per NoFollow nicht indiziert werden sollten) zu “überprüfen” und gegebenenfalls zu korrigieren. Nur nochmal zur Verdeutlichung:
Gibt man bei Chrome ftp://[username]:[password]@meine.ftp.adresse ein, dann weiss das ab sofort Google (nicht nur die eingegebene Information, sondern auch, dass es diese URL gibt!).
Nun werden einige sagen – gut, die URL da oben wird aber doch auch unverschlüsselt übertragen – klar, an den FTP-Server und nicht zentral an eine Stelle (Google) und genau das macht das abfangen ja so einfach (es ist immer das selbe Ziel).
Google Chrome ist Mist. Lasst euch von der angeblichen Geschwindigkeit und dem Aussehen nicht täuschen. Es ist immer der neueste Browser angeblich der schnellste, bis durch qualifizierte Tests meist das Gegenteil belegt wurde bzw. der riesige Vorschsprung relativiert wurde.Â
Wieder mal viel Wind um nichts – leider. Sturm im Wasserglas 2.x
UPDATE(s):
Nicht nur ich bin unterwältig vom neuen Produkt aus dem Hause Google.
Es gibt auch Leute, die Chrome dann wieder deinstallieren, aus gutem Grund, wie ich finde.Â
Google arbeitet an der Weltherrschaft (als wenn das erst jetzt auffallen würde Alexander
)
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Mittwoch 3. September 2008 um 16:34
Ich werfe Firefox ohnehin erst raus, wenn es den neuen Ahoibrowser gibt!
Mittwoch 3. September 2008 um 17:13
Chrome ist ein sogenannter Striptease-Browser.
Mittwoch 3. September 2008 um 17:55
Diesen Kommentar auf Twitter finde ich erwähnenswert: “die eigentliche innovation von GoogleChrome ist: GlaesernerSurfer *und* die tatsache seiner akzeptanz.” (Quelle).
So, genug den Spielverderber gespielt.
Mittwoch 3. September 2008 um 18:15
Lutz, auffallen tut das schon lange (und man suche nur mal bei mir nach “Google”…), nur hören tut es keiner.
Mittwoch 3. September 2008 um 18:41
Lol, ich meinte nicht Dich Alexander Greisle sondern Alexander von ENDL der den Beitrag, den ich zuletzt verlinkt habe geschrieben hat. Sry für das Mißverständnis.
Mittwoch 3. September 2008 um 19:08
Hallo Lutz, hast du außer Schwarz und Weiß auch noch andere Farben in deinem Malkasten? Vorgestern war es die “Deutsche Zensur”, die fast noch schlimmer als in China sein soll, heute arbeitet Google an der Weltherrschaft.
Offensichtlich gibt es zu der Beta-Version (= nicht fertig) von Google-Chrom sehr unterschiedliche Meinungen. Z.B Spiegel-online: Lob, Liebeshymnen und ein großes Loch:
Mittwoch 3. September 2008 um 22:03
[...] AK’s weblog über Chromes Mitteilsamkeit [4] Pro-Linux über die Chrome-ID [5] “Der Google-Chrome Hype! Risiken und Nebenwirkungen.” (Lutz Falkenberg, innovativ-in.de) [6] “Google-Chrome ist (kein) Open Source [...]
Mittwoch 3. September 2008 um 23:20
Tja, so ist das mit Chrome, Wolff, die einen bekommen eine Erektion (wie ich auf Twitter gelesen habe), die anderen haben noch was zu verbergen. Mit Beta hat das wenig zu tun, eher mit der Selbstverständlichkeit, wie Google gleichzeitig tolle Werkzeuge baut und ungeniert alles an Daten abgreift, was irgendwie zu haben ist. Ich habe so das Gefühl, dass es in dem Fall dazwischen kaum Graustufen geben wird. Ich bleibe dabei, Google Chrome ist ein Striptease-Browser.
Donnerstag 4. September 2008 um 07:59
@ Alexander:
Mit dem Striptease-Browser hast du ja wahrscheinlich Recht. Bedenklich finde ich auch, dass der Browser eine Seriennummer hat und dadurch alle möglichen Datenkombinationen gesammelt werden können.
Ich bin nur ein Freund differenzierter und ganzheitlicher Betrachtungen. Google wird immer wieder als Datenkrake bezeichnet. Mir ist aber kein Fall von Datenmissbrauch durch Google bekannt. Eine kritische Beobachtung von Google und deren Datenhandhabung scheint mir aber angebracht.
Wenn man gute Serviceleistungen bringen will, kommt man eben nicht um das Datensammeln herum. Schon vor Jahrzehnten wurde Verkäufern empfohlen, sich für den Kunden sehr zu interessieren: wann hat er Geburtstag? Hat er Kinder? Welches Hobby hat er? Jetzt kann man das als Ausspionieren betrachten oder als freundlichen Service: “Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Geburtstag!”, “Hat Ihr Sohn das Studium schon begonnen?”, “Wie geht es Ihrer Tochter in New York?”
Nehmen wir zB. Amazon. Ich bin dort Kunde und habe schon eine Menge Bücher dort bestellt. Amazon – bzw. deren Datenbank – weiß also eine Menge über mein Leseverhalten: Was habe ich sohon gekauft? Welche Bücher stehen auf meinem Wunschzettel? Welche Bücher habe ich mir genauer angesehen? Durch diese Daten ist Amazon in der Lage, mir beim Aufrufen der Website direkt anzuzeigen, welche neuen Bücher für mich eventuell interessant sind. Ich finde das einen vorzüglichen Service.
Fazit: Ich bin gerne bereit, Daten von mir preiszugeben, wenn ich dafür eine gute Gegenleistung bekomme. Voraussetzung ist, dass meine Daten nicht missbraucht werden. Wenn Amazon meine Daten weiterverkaufen würde, beispielsweise an einen Weinhändler (“Herr Horbach hat schon drei Bücher über Wein gekauft, also trinkt er wahrscheinlich auch gerne Wein”), dann wäre ich natürlich sauer und würde Amazon die Freundschaft kündigen.
Ich gehe noch einen Schritt weiter: Ich bin gerne bereit, in einer öffentlich zugänglichen Datenbank zu hinterlegen, dass ich an Thermobindegeräten o.ä. NICHT interessiert bin, wenn mir dadurch die lästigen Anrufe alle Tage erspart blieben.
Ich bin davon überzeugt, dass wir mehr vertrauensvolle Strukturen brauchen und mehr Transparenz, was mit all den Daten passiert.
Donnerstag 4. September 2008 um 08:33
> Mir ist aber kein Fall von Datenmissbrauch durch Google bekannt.
Jahrelang war uns auch kein Fall von Datenmissbrauch durch die Telekom bekannt. Jetzt ist das anders.
> wann hat er Geburtstag? Hat er Kinder? Welches Hobby hat er?
Kenne ich, diese Empfehlungen. Ich hatte allerdings noch keinen Fall, wo diese Informationen wirklich notwenig waren, um mir guten Service zu bieten.
> Ich bin davon überzeugt, dass wir mehr vertrauensvolle Strukturen brauchen und mehr Transparenz, was mit all den Daten passiert.
Einverstanden mit der Transparenz. Aber was meinst Du mit den vertrauensvollen Strukturen? Ich bin überzeugt, dass wir eher misstrauensvolle Strukturen brauchen in der Frage, wer wann wie und warum mit unseren Daten umgeht.
Donnerstag 4. September 2008 um 15:30
@ Alexander:
Zu den vertrauensvollen Strukturen will ich mal einen Vergleich heranziehen: Ich habe noch nie Angst gehabt, wenn ich in irgendeiner deutschen Großstadt spätabends noch zu Fuß unterwegs war. Ich bin mir da sehr sicher, dass mir nichts passiert. In New York war das anders, da habe ich viele Bereiche nach Einbruch der Dunkelheit tunlichst gemieden.
Auf eine vertrauensvolle Struktur kann ich mich weitgehend verlassen. Ich vertraue ja auch meine Briefe der Post an. Ich werfe sie einfach in den Briefkasten und gehe davon aus, dass sie ankommt. Ich setze mich in ein Flugzeug und gehe davon aus, dass ich auch wieder heil runterkomme. Dies alles funktioniert weitgehend reibungsfrei und ohne dass ich darüber nachdenken muss mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,999.. Prozent. Eine 100%tige Garantie gibt es nie. So hätte ich das auch gerne bei dem Umgang mit meinen Daten.
Wie sähe denn eine misstrauensvolle Struktur aus? Stelle ich mich neben den Briefkasten und überwache, ob der Bote den Kasten auch tatsächlich leert? Oder gehe ich vor dem Check-In am Airport erst zu den Technikern und prüfe, ob die Maschine wirklich durchgecheckt wurde?
Noch was: Vertrauen ist ein Schlüssel zur EÃnfachheit.
Donnerstag 4. September 2008 um 15:38
Und schon gibt es die ersten Reaktionen von Google. Spiegel online: Webgemeinde zwingt Google zu Chrome-Korrekturen.
Donnerstag 4. September 2008 um 17:07
Da haben wir jetzt tatsächlich was gefunden, wo wir unterschiedlicher Meinung sind
Die Vergleiche überzeugen mich nicht, aus verschiedenen Gründen. Der wichtigste: Im Gegensatz zur Postzustellung und zum Flugzeug habe ich es bei meinen Daten sehr oft in der Hand, welche ich wem freigebe. Google gehört da ganz sicher nicht dazu (um den Bogen mal wieder zu spannen).
Es macht nicht unglücklich, wenn man eigenverantwortlich handelt. Im Internet kann man das noch an vielen Stellen. Natürlich kann man sich auch einfach nicht interessieren, klar kann man sich wünschen, dass das alles Vertrauensvoll gehandhabt wird. Das Leben vereinfacht es sicher, auf den ersten Blick. Man kann auch Fernseher, Radio und Internet abstellen und die Zeitung kündigen.
Was man nicht weiß, macht einen nicht heiß. Glück im Quadrat. Ich werde das ab heute Abend im Urlaub und offline so handhaben. Ich werde auch Air Mauritius vertrauen, der dortigen Post allerdings nicht. Ist doch eine willkommene Ausrede, um keine Ansichtskarten zu schreiben. Mal sehen, ob Google danach die Weltherrschaft übernommen hat, oder ob sich das kleine gallische Dorf noch widersetzt.
Zur Nachbesserung von Google: Man kann auch Farbe über Rost streichen.