Fünf Fakten über Kreativität, die Sie kennen sollten

2008-09-04, von Markus Albers

1) Faul sein ist manchmal gut:  Ein Blick in die Geschichte der Arbeitsphilosophie herausragender Denker zeigt: Entspannt kommt weiter. Für Aristoteles war die Faulheit die Schwester der Freiheit  er verstieg sich gar zu der Aussage: Arbeit und Tugend schließen einander aus.« Albert Einstein erlaubte sich täglich zwölf Stunden Schlaf. Friedrich Nietzsche fand: »Wer von seinem Tag nicht zwei Drittel für sich hat, ist ein Sklave, er sei übrigens Staatsmann, Kaufmann, Beamter, Gelehrter.« Dostojewski beschrieb den Schöpfungsprozess des Schriftstellers: »Einsamkeit und Faulheit liebkosen die Phantasie.« Und Goethe sah es aus ganz pragmatischer Perspektive der ökonomischen Effizienz: »Unbedingte Tätigkeit macht zuletzt bankrott.«

2) Es gibt sechs Phasen der Kreativität und alle sind wichtig Laut Kreativiätsforscher Mark Runco besteht der kreative Prozess aus sechs Phasen, in denen sich der kreative Mensch zunächst mit großer Neugierde Informationen sammelt. Dann folgt die Phase der »Inkubation«, in der er das zu lösende Problem definiert und unter Verwendung der vorher gesammelten Informationen nach Lösungen sucht “ dies kann bewusst oder unbewusst geschehen. In der dritten Phase der »Illumination« erlebt der kreative Mensch, so Runco, »divergentes Denken, Offenheit und Aufregung«. Während der »Verifikation« wird die eigene kreative Arbeit bewertet und mit existierenden Ansätzen verglichen. Schließlich folgen mit der »Kommunikation jene Phasen, in denen das neue kreative Werk zunächst anderen Experten und dann der Gesellschaft zugänglich gemacht, von außen bewertet und entweder angenommen oder abgelehnt wird. Kreativität hat also scheinbar widersprüchliche Voraussetzungen: Zurückgezogenheit und Kommunikation, einsames Denken und äußerer Input, Ruhe und öffentliche Diskussion.

3) Im Büro ist es schwer, kreativ zu sein: Wer kreativ sein will, braucht also abwechselnde Phasen intensiver Informationsaufnahme, einsamer Kontemplation und kommunikativer Auseinandersetzung mit anderen. Der normale 8- bis 10-Stunden-Arbeitstag mit Anwesenheitspflicht und Meetingzwang erlaubt den zweiten Schritt nicht: Das »Inkubation« genannte zurückgezogene Verarbeiten, das Innovation erst möglich macht, kommt zu kurz. Nur eine flexible Arbeitsweise, in der Zeit im Büro mit Phasen der Abwesenheit relativ frei kombinierbar sind, macht uns wirklich  wie von Medien und Arbeitgebern immer wieder gefordert “ zu kreativen Mitarbeitern.

4) Die besten Einfälle haben wir oft an überraschenden Orten »In der Wissensgesellschaft spielt es keine so große Rolle mehr, wo, in welcher Umgebung und zu welchen Uhrzeiten ich gute Ideen und spannende Konzepte entwickele«, sagt Hermann Hartenthaler, der im Forschungs- und Entwicklungszentrum der deutschen Telekom mobile Arbeitskonzepte realisiert. Im Gegenteil: Nach Untersuchungen der Universität St. Gallen entstünden 80 Prozent aller Ideen außerhalb des Arbeitsplatzes, also zu Hause oder unterwegs. Hartenthaler: »Wenn es darum geht, kreativ zu sein, sind Freiräume und andere Umgebungen wahrscheinlich sogar förderlicher als das Büro.«

5) Die Kreative Klasse prägt die Wirtschaft: Dass wir nicht mehr in der Industrie-, sondern in der Wissensgesellschaft leben, hat sich herumgesprochen. Die meisten großen Konzerne unserer Zeit produzieren nicht mehr Stahl, sondern Ideen und Patente und die Art, wie wir arbeiten, hat sich nicht nur in entwickelten Ländern fundamental gewandelt. Wir designen, programmieren, organisieren. Wir vertreiben, verkaufen, verwalten. Wir verdienen unser Geld mit dem Inhalt unserer Köpfe. Kreativität ist heute die Kernkompetenz fast jedes modernen Berufes. Spätestens 2002 hat es der amerikanische Soziologe Richard Florida mit seinem Buch The Rise of the Creative Class allgemeinverständlich formuliert: Die kreative Klasse sorgt heute für wirtschaftliches Wachstum. Arbeitgeber und Regionen, die diese anspruchsvolle Klientel anziehen, sind die ökonomischen Gewinner. Man kann die Kreative Klasse in drei Gruppen einteilen: »Rationale «, zu denen Ingenieure, Naturwissenschaftler oder Informatiker zählen, zweitens die »kreative Mitte«, also zum Beispiel Betriebswirte, Werber oder Designer und drittens »Künstler« wie Musiker, Schauspieler oder Maler. An ihrer ökonomischen Bedeutung gibt es kaum noch Zweifel. Heute arbeiten in den hoch entwickelten Industrienationen, also auch in Deutschland, zwischen 25 und 30 Prozent aller Werktätigen in diesen Bereichen.

Wann und wo haben Sie Ihre besten Einfälle? Was bedeutet für Sie Kreativität?

Countdown zur Freianstellung bisher:

- Acht Gründe, nicht mehr ins Büro zu gehen

- Sieben Ursachen, warum man im Büro nicht arbeiten kann

- Sechs Argumente, weshalb die Easy Economy für Unternehmen gut ist

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18 Kommentare zu “Fünf Fakten über Kreativität, die Sie kennen sollten”

  1. Kann man am Schreibtisch kreativ sein? - work.innovation Blog sagt:

    [...] Markus Albers, der gerade mit der letzten Aussage sicher gut leben kann, berichtet auf innovativ.in von anderen Studien [...]

  2. Frank Hamm sagt:

    Die besten Einfälle habe ich
    - nachts vorm Einschlafen
    - beim Joggen
    - auf der Fahrt zum oder vom Büro
    - unter der Dusche

    Kreativität bedeutet (auch) die Optimierung von Faulheit, denn durch Kreativität verschaffe ich mir nicht nur Glück sondern auch mehr Zeit für das Faulsein :-)

  3. Alexander Greisle sagt:

    Meine Favorites:

    - Schreibtisch beim Blick über die Häuserdächer in den nahen Wald
    - in eben jenem Wald oder beim Umrunden des Ammersee
    - auf der Fahrt zum und vom Kunden
    - Web 2.0 mit Blogs, Twitter und Co.
    - Gartenarbeit

    Ausserdem bin ich kreativ in der Auswahl der Orte, an denen ich kreativ sein kann und will.

  4. Doc Sarah Schons sagt:

    my creative resorts:

    - auf langen hundespaziergängen
    - in der freien natur am wasser
    - im garten beim wühlen
    - im web 2.0 (see alex´listing)
    - im gespräch mit nahen menschen

    kreativität bedeutet mir, im flow aus dem vollen zu schöpfen ;-)

  5. Wo sind Sie am kreativsten? - Faktor G sagt:

    [...] Albers ist der Meinung, dass man im Büro weniger kreativ ist: “Fünf Fakten über Kreativität, die Sie kennen sollten” und Alexander Greisle stellt dazu die Frage “Kann man am Schreibtisch kreativ [...]

  6. Dennis Stolze sagt:

    Ich habe jetzt den Vorteil am Fraunhofer Office Innovation Center zu arbeiten, dort gibt es ja die ein oder andere kreativitätsfördernde Ecke im Büro. Einer meiner dortigen Lieblingsplätze ist die “Frozen Cloud“. Da verziehe ich mich ganz gerne zum Lesen oder zum Sammeln von Ideen hin. Ich setze mich dann irgendwo dazwischen auf den Boden, trinke einen Kaffee oder ich schau von dort aus aus dem Fenster, in Richtung Stuttgarter Hauptbahnhof und beobachte wie die Züge ein- und ausfahren.

    Ansonsten kommen mir die besten Ideen:

    - unter der Dusche
    - auf dem Fahrrad / beim Joggen / beim Schwimmen
    - in der Bahn
    - Web 2.0 (siehe auch bei Alexander Greisle)
    - beim Wohnung putzen
    - wenn ich einfach nur faul auf dem Sofa liege

    Kreativität bedeutet für mich Spaß am Denken.

  7. Steffen sagt:

    “Entspannt kommt weiter”? Klar doch. Als Herr Einstein oder Herr Nietzsche kann man natürlich prima ausschlafen, wenn man weiß, dass man kurz nach dem Frühstück mal wieder einen Geniestreich zu Papier bringt. Aber für uns Nicht-Genies ist und bleibt das doch alles Unfug und einfach nur: viel Arbeit.

  8. Elita Wiegand sagt:

    Hi Markus,
    ein Web Zwangsentzug hatte zur Folge, dass ich Deine interessanten Beiträge bisher ignoriert habe. Sorry, aber ich war komplett lahm gelegt und nur das Buschfeuer Namens Wolfgang hat mich über Deine Super Zugriffszahlen informiert.
    Ohne Web hatte ich verdächtig viel Zeit nachzudenken und kreative Ideen zu entwickeln. Die besten Einfälle habe ich ansonsten unter der Dusche.
    Und da hier einige angegeben haben, dass die Dusche eine Inspirationsquelle sei, frage ich mich doch, woran das eigentlich liegt.

  9. Aronia, der Herbst ist da… | Doc Blog sagt:

    [...] Filmerinnen kreativ wurden wir hier – mit den legendären Doc Blog Dogs, der genialen Managerin, die ins Wasser gehen [...]

  10. Andreas Rodler sagt:

    Ich habe meine “Geistesblitze” fast ausnahmslos im Auto, meistens sogar auf der Autobahn. Dummerweise ist es bei 150km/h schwer Notizen zu machen, so muss das Festhalten der Idee leider warten bis ich abgefahren bin :)

  11. Markus Albers sagt:

    Ok, dann hier auch noch meine persönliche Top-5 von Kreativ-Situationen:

    1) Beim 20-Minuten-so-schnell-wie-möglich-laufen-gehen (einfach aus der Haustür raus. Klärt zwischendurch den Kopf, wenn man den ganzen Tag am Computer sitzt.)

    2) Nach mindestens einer Woche in einem möglichst exotischen fremden Land (der Orts-, Klima- und Inputwechsel, das verringerte Tempo, die fremdsprachigen Zeitungen, das fremde Essen und die Gespräche über alles mögliche außer Arbeit – schafft alles überraschende Querverbindungen zwischen Ideen)

    3) Im langen, freien Gespräch mit einer Person, bei der ich mich nicht schäme, auch mal Unsinn zu reden (vermutlich das, was der Begriff “Brainstorming” im Idealfall meint)

    4) Nach einem 10-Minuten-Nickerchen in der Sonne auf der Terrasse (dabei ordnet das Unterbewusstsein den zuletzt gewälzten Informations-Wirrwarr aufs Schönste selbsttätig)

    5) Durchs diszipliniert Hinsetzen und sortiert alles Aufschreiben (egal, ob mit Stift und Zettel, am Rechner oder unterwegs auf dem iPhone – manche Menschen denken angeblich beim Reden, ich muss meine Gedanken verschriftlichen, um wirklich zu sehen, was ich eigentlich meine)

  12. Fünf Fakten über Kreativität, die Sie kennen sollten « Klotz’s Competence Selling® Blog sagt:

    [...] 5 September 2008 at 6:02 | In Personalentwicklung | Markus Albers schreibt im Blog Innovativ In über die Kreativität und die Orte, an denen einem die besten Ideen [...]

  13. Frank Hamm sagt:

    Urlaub / fremdes Land: Eine gewisse “Merkwürdigkeit” konnte ich auch schon feststellen. Ich fahre in Urlaub nach Kalifornien, Hawaii, Italien etc. um abzuschalten. Das funktioniert auch nach wenigen Tagen.

    Und dann, mitten im Urlaub am Strand, Urwald, Wandern in einer ruhigen Minute kommen plötzlich Ideen zum Job oder zu anderen Themen in den Kopf.

  14. Markus Albers — Journalist & Autor sagt:

    [...] – Fünf Dinge, die Sie über Kreativität wissen sollten [...]

  15. innovativ.in - Business Blog » Blog Archiv » Drei Strategien, was Sie mit der gewonnenen Zeit anfangen können sagt:

    [...] nur zu. Genau das ist die Idee der neu gewonnenen Freiheit. Und es macht Sie höchstwahrscheinlich noch kreativer. Hauptsache, Sie setzen sich zwischendurch noch lange genug an den Rechner, um Ihre Arbeit zu [...]

  16. Buenalog » Blog Archiv » 6. Link-Propaganda sagt:

    [...] – Vom kreativen Prozess [...]

  17. Jens Schauder sagt:

    Über meine werden, habe ich schon vor einiger Zeit gebloggt.

  18. Online-Debatte und Artikel über flexible Arbeitszeit, plus: drei Bücher zu gewinnen - Büro, Redman, Mitarbeiter, Zeit, Park, Chef, Vier, Easy - Markus Albers — Journalist & Autor sagt:

    [...] – Fünf Dinge, die Sie über Kreativität wissen sollten [...]

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