Drei Strategien, was Sie mit der gewonnenen Zeit anfangen können
Die Logik der Easy Economy lautet ja, dass man ohne die permanente Ablenkung von E-Mails, Meetings, Kollegen und Chefs viel produktiver ist. Die Arbeit von neun Stunden erledigt sich so in fünf – der Rest ist Freizeit. Das ist übrigens ganz wichtig: Nur wenn ich weiß, dass ich nicht noch stundenlang am Schreibtisch ausharren muss, obwohl ich längst fertig bin, habe ich einen Anreiz, meine persönliche Produktivität zu verbessern. Aber was fängt man mit seiner Zeit an, wenn man nicht mehr jeden Tag ins Büro geht?
In der Easy Economy gilt: Wir gewinnen die Kontrolle über unser Leben zurück. Als neue Freiangestellte sind wir wieder Herren über unsere eigene Zeit – wie zuletzt eigentlich nur an der Uni oder als Kinder in den Sommerferien. Durch effizienteres Arbeiten, weniger Ablenkung, höhere Konzentration, das Weglassen von Unwichtigem und vor allem durch die Emanzipation von der täglichen Anwesenheitspflicht im Büro haben wir plötzlich jede Menge Zeit, die wir sonst mit Surfen am Arbeitsplatz, Kollegenplaudereien an der Kaffeemaschine oder uneffektiven Arbeitsimulationen spät abends am Schreibtisch vertrödelt hätten. Was also tun mit den vielen gewonnen Stunden?
Strategie 1: Spaß haben Nach all den Jahren der Pflicht haben Sie sich erst mal eine Belohnung verdient. Wenn Sie Lust haben, tagsüber auf dem Sofa ein Nickerchen zu halten, zwischendurch eine DVD zu schauen, mit Freundinnen shoppen zu gehen oder morgens erst mal zum Sport – bitte, nur zu. Genau das ist die Idee der neu gewonnenen Freiheit. Und es macht Sie höchstwahrscheinlich noch kreativer. Hauptsache, Sie setzen sich zwischendurch noch lange genug an den Rechner, um Ihre Arbeit zu erledigen und die neuen Ideen aufzuschreiben, die Ihnen beim mittäglichen Joggen gekommen sind.
Strategie 2: Nicht wieder in alte Muster verfallen Die meisten von uns sind so sehr im Tran des täglichen Büroeinerleis gefangen und sind es so sehr gewohnt, dass andere Ihnen den Tag wie einen Schulstundenplan strukturieren, dass sie – einmal aus diesem Korsett entlassen – zwischen zwei Extremen pendeln: melancholisches Nichtstun und als einzige Rettung dann doch wieder E-Mailen, Websurfen, sinnlos vor sich hin arbeiten.
Strategie 3: Die sinnvolle Beschäftigung Eine Aktivität außerhalb der Arbeit sollte also schon mit der neuen Freianstellung verbunden sein. Egal, ob Sie eine Fremdsprache lernen wollen oder Klavier spielen, Ihre sportlichen Fähigkeiten verbessern oder Freunde bekochen. Egal, ob Sie gern verreisen, mehr Zeit für Ihre Familie haben möchten, Bilder malen, Musik machen, sich ehrenamtlich engagieren oder endlich die kaputte Schranktür reparieren. Der Tipp lautet: Machen Sie etwas aus Ihrer gewonnen Zeit, das übers Faulenzen und Abschalten hinausgeht.
Es gibt eine Folge der Fernsehserie Die Simpsons, in der Homer diverse Kilo zunimmt, weil er als Dicker nicht mehr jeden Tag ins Kraftwerk muss, sondern am heimischen Computer Telearbeit machen darf. Er muss nur darauf achten, regelmäßig eine bestimmte Taste zu drücken. Dem zügellosen Egoisten bekommt das naturgemäß nicht gut: Fett, faul und asozial sitzt er auf dem Sofa und kümmert sich nicht mehr um die Arbeit. Das Tastendrücken überlässt er einem rhythmisch pickenden Spielzeug-Nickvogel – was natürlich schiefgeht und im Kraftwerk eine Kernschmelze auslöst.
Auch der Comic-Antiheld Dilbert verwahrlost sozial völlig, als er in einigen Episoden von zu Hause aus arbeiten darf. Unrasiert und im Bademantel spricht er bald nur noch mit seinem Hund Dogbert. Seien Sie nicht wie Homer und Dilbert. Beweisen Sie sich und Ihrer Umgebung, dass Sie nicht jeden Tag an einem Schreibtisch im Büro sitzen mü̈ssen, nur um Ihrem Leben Sinn und Struktur zu geben.
Timothy Ferriss, der Advokat der 4-Stunden-Woche, hat mir im Interview seine Sicht so beschrieben: »Das Ziel ist, mehr zu leben und nicht einfach nur weniger zu arbeiten. Wenn Sie nicht lernen, den für sich idealen Lebensstil zu entwerfen, enden Sie trotzdem damit, Samstagnachmittag E-Mails zu verschicken, weil Sie sich so langweilen. Oder Sie liegen deprimiert am Strand, nachdem Sie sich zur Ruhe gesetzt haben. Ich konzentriere mich nicht nur darauf, unwichtige Dinge zu eliminieren, sondern das, was Spaß macht, um das zehn- bis zwanzigfache zu vermehren.«
Was würden Sie mit Ihrer Zeit anfangen, wenn Sie nicht mehr jeden Tag 8-12 Stunden arbeiten müssten?
Countdown zur Freianstellung bisher:
- Acht Gründe, nicht mehr ins Büro zu gehen
- Sieben Ursachen, warum man im Büro nicht arbeiten kann
- Sechs Argumente, weshalb die Easy Economy für Unternehmen gut ist
- Fünf Dinge, die Sie über Kreativität wissen sollten
- Vier Tipps, wie Sie Ihrem Chef beibringen, dass Sie morgen später reinkommen
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[...] Übrigens: Von Markus Albers “Countdown zur Freianstellung” gibt es heute den Teil “Drei Strategien, was Sie mit der gewonnenen Zeit anfangen können“. [...]
Den Traum, deutlich weniger zu arbeiten, haben viele. Wenn dieser Traum dann, wie auch immer, in Erfüllung geht, steht man vor der Herausforderung, ihn sinnvoll mit Leben zu füllen. Das ist mitunter viel schwerer, als 10 Stunden verplant zu sein und davon zu träumen, was alles möglich wäre, wenn….
Wer es jedoch kann, verdient Anerkennung, denn er oder sie definiert “Erfolg” und “Wohlstand” andersals die meisten.
Ein schönes Ziel. Danke Markus, dass du es in Erinnerung bringst.
Dazu fällt mir ein Bonmot von George B. Shaw ein:
“Es gibt zwei Tragödien im Leben. Die eine, dass dir dein Herzenswunsch nicht erfüllt wird. Die andere, dass er es wird.”
@Sabine
Vom erfolgreichen Internet-Unternehmer und -Finanzier Randy Komisar stammt der Begriff des “Deferred Life Plan”. Die Idee ist, dass wir alle immer unsere Belohnung aufschieben, dass wir übermäßig hart arbeiten, um eines fernen Tages die Früchte zu ernten.
Komisar, der regelmäßig wochenlang mit dem Motorrad durch Asien fährt, sagt: Genau falsch! Auf diese Weise kommen wir immer zu kurz, es wird immer Gründe geben, die Belohnung weiter heraus zu schieben – bis es, schlimmstensfalls, irgendwann zu spät ist.
Tim Ferriss leitet daraus ja sein Konzept der Mini-Retirements ab, also: Nicht auf den Ruhestand warten, sondern sich viele kleine Mini-Ruhestände zwischendurch gönnen. Schon, um in Übung zu bleiben und nicht angesichts der Rente plötzlich in Ratlosigkeit und Depression zu verfallen. Ich finde: Die beiden haben Recht.
[...] – Drei Strategien, was Sie mit der gewonnenen Zeit anfangen können [...]
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