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Philipp Wichert 15 September 2008 7 Kommentare

Mein Wochenende war, nun sagen wir: kompakt. Ich bin: Philipp Wichert. Ich mache: Event Catering. Als verantwortlicher Unternehmensbereichsleiter in der Stockheim-Gruppe, einem mittelständischen Familienunternehmen, das sich seit 60 Jahren der Gastronomie verschrieben hat. Und das in sehr aufregender Art und Weise.

Event Catering – zugegeben nicht gerade zwei urdeutsche Worte. Einerseits. Andererseits: Als englisches Kompositum, als zusammengesetzter Begriff, findet Event Catering  im renommierten Online-Dictionary LEO keinerlei Erwähnung. Aber ich weiß, das gibt es. Das ist mein Beruf, den ich seit Jahren praktiziere. Doch den Begriff Catering Manager kennt LEO übrigens auch nicht: Zwischen Canteen Manager (Kantinenwirt) und Construction Manager (Bauleiter) klafft eine breite Lücke. Gibt’s mich überhaupt?

herzbergwebsite.jpgDas Wochenende hat mir, wieder einmal, die Bestätigung gegeben: Mich gibt es; Event Catering gibt es. Und das in einer Vielfalt und Bandbreite, die mir meinen Beruf immer wieder so anspruchsvoll und so aufregend machen. Unser Team in Karlsruhe hatte am Samstag zeitlich parallel zwei Großveranstaltungen zu stemmen. Zum Konzert von Ritchie Blackmore (Ex-Deep-Purple), «Blackmore’s Night” im Johannes Brahms Saal, kamen über 1500 Fans. (Siehe Foto) Etwa die gleiche Besucherzahl hatte die Live-Fernsehaufzeichnung für die «Große Show der Naturwunder» (mit Frank Elstner und Ranga Yogeshwar in der Karlsruher dm-Arena. Über 3000 Menschen, die nicht nur unterhalten werden wollen, sondern auch angenehm essen und trinken wollen. Teil unseres Jobs.

Aus Wikipedia: Catering ist eine Bezeichnung für die professionelle Bereitstellung von Speisen und Getränken als Dienstleistung an einem beliebigen Ort.

Weitere «beliebige Orte» für die Catering-Teams von Stockheim an diesem Wochenende waren:

  • Karlsruhes Straßen – bei der Deutschen Straßenlaufmeisterschaft über 10 km.
  • Die Hallen auf dem Gelände der Messe Düsseldorf – die größte deutsche Schuhmesse GDS: Aussteller, Besucher und Journalisten haben Hunger und Durst.
  • Die Nachtschwärmer-Kultstätte Nachtresidenz in der Düsseldorfer City – wo wir die «After-Shoe-Party» der GDS caterten.
  • Das ccd Congress Center Düsseldorf – hier endete am Sonntag der Europäische Kongress für Anti-Aging & Ästhetische Medizin.

Aus Wikipedia: Ein Event ist:

  • ein Fest
  • eine Veranstaltung
  • ein Ereignis zu Kommunikationszwecken
  • ein geologisches Ereignis. *

Konzerte, TV-Ereignisse, Sportveranstaltungen, Kongresse, Messen, Partys. Haben wir jetzt den Begriff Event Catering erfasst? Definitionen, Beschreibungen, Tätigkeitsberichte – zumindest eine Annäherung. Aber während ich noch aufs Wochenende zurückblicke, läuft bei Stockheim bereits die Planung für den Kenia-Kundenabend von Meier’s Weltreisen (in Düsseldorf), den Gynäkologen-Kongress (in Hamburg) und die Mechatronic Tage (in Karlsruhe). Und der Catering Manager immer mittendrin – tatsächlich angesiedelt in der Bandbreite zwischen Kantinenwirt und Bauleiter.

Frage ich Sie: Finden sich neue Begriffe für das, was wir tun? Brauchen wir überhaupt neue Begriffe dafür? Kann man das auch auf Deutsch benennen? Für Anregungen und Hinweise bin ich dankbar.

* Ein «geologisches Ereignis» hatten wir als Caterer noch nicht. Aber amerikanische Catering-Firmen, die beispielsweise Film-Crews bei Dreharbeiten betreuen, werben auch damit, dass sie die Feuerwehren bei den großen Waldbränden mit Essen und Trinken versorgen.


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7 Kommentare »

  • Wolff Horbach sagte:

    Willkommen Herr Wichert,
    Sie fragen nach den Begriffen und ob es dafür deutschen “Ersatz” geben sollte. Prof. Krämer und die anderen vom Verein Deutsche Sprache e.V. würden sich bestimmt über Event, Catering, “After-Shoe-Party” und “Anti-Aging” aufregen. Am Samstag war der “Tag der Deutschen Sprache” und da gab es wieder Aufregung genug. Ich persönlich finde diese Begriffe okay. Sie haben sich etabliert und unsere Gesellschaft wird immer internationaler.

    Natürlich könnten wir jetzt den Kreativitätsmotor anschmeißen und “Heimbewirter”, “Außer-Haus-Bewirtung” etc. erfinden. Ich finde das alles albern.

    Was mich viel mehr interessiert: Wie sind die Trends beim Catering? Die meisten Menschen essen zu viel, gerade bei Veranstaltungen. Wenn dann 30 verschiedene Vorspeisen und ein Dutzend Desserts angeboten werden, ist die Versuchung für die meisten zu groß. Gibt es Ansätze beim Catering, der immer weiter verfettenden Gesellschaft entgegen zu wirken?

  • Ludger sagte:

    Hallo Herr Wichert,
    ich freue mich auf eine gemeinsame Woche. Wir sitzen fast im gleichen Boot, wenn auch sehr viel kleiner und mehr regional aufgestellt. Unser Party-Service hatte am Wochenende etwa 20 Veranstaltungen zu beliefern, von der Hochzeit bis zur Hauseinweihung. Daher finde ich es sehr spannend, von Ihrer Tätigkeit im XXL-Format zu lesen.

  • Philipp Wichert (author) sagte:

    @Wolff Horbach

    Lieber Herr Horbach, ich antworte für Philipp Wichert, der gerade mal wieder im Catering-Stress ist. Ihre Fachfragen wird er sich aber morgen persönlich vornehmen.

    Jedenfalls schon mal ein Dankeschön für die liberale Haltung zur Sprachentwicklung. Ich bin da ganz bei Ihnen: Sprache lebt; erstarrt sie, schläft sie ein.

    Mit freundlichem Gruß
    Bernd Holzrichter

  • Philipp Wichert (author) sagte:

    @Ludger

    Schön, einen “Seelenverwandten” anzutreffen.

    Ich denke, nicht die Größenordnung ist entscheidend, sondern eine Vielzahl anderer Kritérien. Dazu zählen: Qualität der Produkte, Kreativität der Beratung, Logistik, Service, die Freundlichkeit des Personals und vieles andere mehr. Aber als Mann der Praxis wird Ihnen das nichts Neues sein.

    Vielleicht sitzen wir nicht im gleichen Boot, aber wir bewegen uns im selben Gewässer.

    Deshalb ein freundliches “Ahoi” an Sie.

  • Sabine Raiser sagte:

    Eigentlich bin ich kein Freund von Anglizismen. Der Begriff „Event Catering“ ist mir bisher nicht aufgefallen. Ähnlich wie Wolff kann ich damit leben, wenn das “Event” gut ist und das “Catering” leicht und lecker. Beides war der Fall als ich zu Gast bei den Rheinterrassen war.

    Beides. Damit stellt sich mir die Frage, ob es sich bei dem Begriff „Event Catering“ in diesem Kontext nicht um eine Tautologie handelt. Also zweifach doppeltgemoppelt dargestellt wird, dass Catering zu einem Event gehört. Gibt es auch Catering ohne Event?

  • Philipp Wichert (author) sagte:

    @Sabine Reiser

    Es freut mich sehr, dass Sie sich in der Rheinterrasse wohlgefühlt haben. Grund genug, dass Sie erneut unser Gast sein werden…

    Zur Tautologie: Zumindest gibt es auch Event ohne Catering. Catering braucht gewiss immer Anlass, aber ist ein Candle-Light-Dinner, perfekt gecatert, schon ein Event?

    Gern fügen wir Event-Caterer beides zusammen, doch zwingen wollen wir es nicht.

  • Philipp Wichert (author) sagte:

    @Wolff Horbach

    Lieber Wolff Horbach,

    Sie haben absolut Recht: Die fetten Jahre sind vorbei. Völlerei ist out, Masse ist kein Zeichen von Klasse, sondern von falscher Beratung. Konkret: Der Kunde ist heute preisbewusster denn je – Was bekomme ich für mein Geld? Wo kommt es her? Was sind die Zutaten? Heute möchte der Kunde bereits im Entstehungsprozess der Speisen dabei sein – nicht zuletzt auch gefördert durch die diversen Kochshows / Kochduelle / Promidinners etc.

    Diesem Verlangen / Trend kommen wir beispielsweise entgegen in unserer eigenen Versuchsküche, wo der Kunde beim Probe-Essen mit am Herd steht und nicht bloß die Speisenauswahl im Restaurantstil durchserviert bekommt.

    Regionalität und gleichzeitig Diversifizierung sind weitere Stichworte: Früher wurde unterschieden zwischen Hochwertig und Rustikal, Fleisch und Vegetarisch. Heute kommt molekulare Küche ebenso zum Zuge wie Vedische Küche oder die traditionellen Küchen aus nahezu aller Herren Länder. Wichtig ist die Authenzität. Ein Beispiel: Bei Sushi gehört der erfahrene japanische Koch dazu.

    Neben dem ökonomischen Aspekt unserer Dienstleistung interessiert den Kunden immer mehr die ökologische Seite. Speisen sollen nicht nur BIO, sondern nach Möglichkeit auch klimaneutral sein. Dies zukünftig für den Kunden transparent und nachvollziehbar zu machen, scheint mir ebenfalls ein aktueller Trend.

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