Catering ist Challenge: Kick it like Beckham:“Ja, wir schaffen das!”
Zwei völlig verschiedene Welten haben wir gestern Abend gesehen. Ganz nahe beieinander in Düsseldorf, und doch auch fern. Im Rathaus, am Rheinufer gelegen, empfing die Stadt Düsseldorf ehemalige Zwangsarbeiter aus der Ukraine, die im Krieg zwangsweise in rheinischen Betrieben eingesetzt wurden. Zur gleichen Zeit, nur wenige Fußminuten rheinabwärts, begann in der Rheinterrasse die große Party der omd der Leitmesse für Online-Marketing. Ein Kontrastprogramm, das uns schon einmal innehalten lässt. Die Vielfalt unseres Berufs birgt auch nachdenkliche Momente.
Für beide Gelegenheiten haben unsere Catering-Teams (wie immer) ihr Bestes gegeben, um den Menschen ihren Aufenthalt angenehm zu gestalten. Es sind zwar ganz unterschiedliche Gelegenheiten zwei Dutzend Besucher beim Empfang im Rathaus, 2500 Gäste in der Rheinterrasse -, doch in beiden Fällen sind wir das «Tischlein deck Dich!» Alle unsere Gäste haben ein Anrecht darauf, dass unsere Anstrengungen hinter den Kulissen bleiben. Ich scheue mich nicht, die Formulierung zu bemühen, dass wir für sie über einen bestimmte Zeitspanne ein Stück Heile Welt schaffen.
Obschon dies für alle Gelegenheiten gilt, bei denen Stockheim catert, versteht es sich von selbst, dass Events mit 2500 Gästen einen ungleich höheren Aufwand erfordern als das Catering für den kleinen Empfang oder ein Familienfest. 2000 Mannstunden und mehr für eine Sechs-Stunden-Party: Das ist keine Seltenheit (Andererseits: Wenn 2500 Gäste sich sechs Stunden lang vergnügen, bringen sie es sogar auf multiplizierte 15.000 Stunden). Bis zu 50 Gewerke werden für ein einziges Event gebündelt. Teamarbeit, Logistik und Erfahrung sind das A und O. Und immer die alte, ewig junge Regel beachten: Ruhe bewahren!
In unserem Gewerbe wird alles geplant. Aber im Grunde ist nichts planbar: Mit den unvorgesehenen Zu- und Unfällen leben wir. Jedes Mal aufs Neue. Die Möglichkeiten sind unendlich: Zwei Köche (von drei bestellten) werden krank, der Elektriker verfährt sich oder steckt im Stau, ein Lieferant bringt warme statt gekühlter Getränke, der Brandschutz verschärft in letzter Minute die Auflagen, ein Schlüssel ist verlegt, der Gastgeber stellt eine halbe Stunde vor dem ersten Gang den Menüplan auf den Kopf, und, und, und… Flexibilität, rasche Reaktionen, freundliches Lächeln. Und: Ruhe bewahren!
Bambi-Verleihung
Dabei ist es ohne Pannen und Schnitzer schon aufregend genug. Jedes Event braucht sein eigenes Storyboard. Nehmen wir beispielsweise die Bambi-Verleihung vor einigen Monaten im ccd Congress Center Düsseldorf. Die jordanische Königin. Sophia Loren. Tom Cruise. Eva Longoria. Ein Galadinner für 1150 Gäste, dessen Abläufe an die Zeitvorgaben der Fernseh-Live-Übertragung gekoppelt sind was beispielsweise bedeutet, dass binnen 15 Minuten an den Tischen 3500 gebrauchte Gläser gegen 3500 neue Gläser auszutauschen sind. Außerdem zu bewirten: 350 akkreditierte Journalisten und die 200-köpfige Bambi-Crew. Auch das geschieht nicht einfach «nebenbei». Alle wurden satt und, wichtiger noch, alle waren zufrieden und entspannt.
Fußball-WM 2006
Mein spannendstes «Ereignis» als Catering Manager bisher war das Sommermärchen der Fußball-WM 2006. Das VIP-Catering an vier WM-Stadien. Bei 21 Spielen haben wir gecatert, insgesamt rund 50.000 Gäste bewirtet. Und mussten uns beispielsweise erst mal daran gewöhnen, dass bei Spielen der englischen Mannschaft besondere Regeln gelten: Die ersten 500 britischen Fans stürzen nach dem Schlusspfiff ins VIP-Zelt und bestellen «a dozen bottles of beer» – jeder von ihnen! Da muss die Getränke- und Kühlungslogistik blitzschnell umgestellt werden.
Ein derartiger Auftrag wie das WM-VIP-Catering ist im Grunde Mengengeschäft aber zugleich mit höchsten Ansprüchen an die Qualität der Speisen und des Service. Und der Ertrag fürs Unternehmen, der aus der Meisterung solcher Aufgaben resultiert, ist geradezu unermesslich (ich meine ausdrücklich nicht die finanzielle Seite). Die Erfahrung und die Motivation, die unsere Mitarbeiter daraus gewinnen; der Ansporn, der ihnen auch in der Nach-WM-Zeit in ihrer täglichen Arbeit erhalten bleibt; die Expertise, die wir in Fragen der Organisation und Logistik erworben haben: Das sind unbezahlbare Schätze!
Die Challenge der Fußball-WM gestemmt zu haben, erinnert mich, unser ganzes Team, an die berühmte Sinatra-Zeile aus seinem Mega-Hit New York: «If you can make it there, you can make it anywhere.»
Oder wie mein kleiner Neffe, eingeschworener Fan von Bob der Baumeister, gern kräht: «Ja, wir schaffen das!»
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Mutiger Einstieg in ein interessantes Portrait einer Branche. Gute Schreibe!
Zum erlebten Catering eine Frage: Warum findet man auf Events (fast) immer fades, bestenfalls geschmackloses Brot? So schwer kann es doch nicht sein, gutes Brot von besseren Bäckern einzukaufen – oder?
Gruß
Dietrich Ernst
Lieber Herr Ernst,
da lege ich aber meine Hand ins Feuer (und ich verbrenne mir nicht gern die Finger), dass Sie diese Erfahrung nicht bei uns gemacht haben.
Brot ist bei uns keine Sättigungsbeilage, sondern Teil des Essens. Wir setzen an unseren Standorten stets auf ortsansässige Zulieferer mit regionaler Kompetenz – eine Brezel in Karlsruhe ist anders als eine Brezel in Düsseldorf.
In Düsseldorf beziehen wir die Backwaren für unsere Events von einem alt eingesessenen Bäcker, der zu Recht einen guten Ruf genießt. Er backt noch auf traditionelle Weise und weiß, wie wichtig es ist, beispielsweise den Natursauerteig ruhen zu lassen.
Ich hoffe, wir finden einmal Gelegenheit, bei einer leckeren “Brotzeit” über das Thema Brotkultur zu plaudern.
Ihr
Philipp Wichert
Wow! Das war ein bestimmt cooles Party! So muss es sein:) Hier habe eigentlich einige neue wunderschöne Idee gesehen:) danke dafür. Netter Blog, macht weiter so!
Gruß Beatrix
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