Spuren statt Staub
2008-09-29, von Peter Kreuz
Wir haben sie satt so unendlich satt: Unternehmen, die so grau sind wie der Staub, den sie die ganze Zeit aufwirbeln. Mit ihren riesigen Durchsetzungsbürokratien, mit ihren stundenlangen Meetings, in denen professionelle Klarsichthüllenverschieber aufgeblasene Power-Point-Präsentationen zum Besten geben. Diese Unternehmen sind unschlagbar was ihre Leerlaufdrehzahl angeht. Die von ihnen erzeugte meterdicke Staubschicht kann die gähnende Sinnleere und den stupiden Leistungsdruck aber nicht kaschieren. In diesen Unternehmen gilt es als Bedrohung, Neues voranzutreiben und als eine Verletzung der herrschenden Konsenskultur, überholte Dogmen in Frage zu stellen. Das Denken ist ebenso kleinkariert wie die dazu passenden Sakkos.

Es gibt aber zum Glück auch die andere Seite der Medaille. Und die haben wir kennen gelernt, als wir mit Menschen wie Richard Branson von Virgin, Anita Roddick von The Body Shop, Götz Werner von der Drogeriemarktkette dm in Kontakt kamen. Menschen, deren Denken und Handeln zu sagen schien: “Wir können die Welt ein Stückchen weit verändern, wie können Spuren hinterlassen statt nur Staub aufzuwirbeln.”
Und genau darum geht es in unserem neuen Buch: Es gibt zwei Sorten Wirtschaft. Genau zwei. Ergo gibt es auch zwei Sorten Führungskräfte. Zwei Sorten Mitarbeiter. Und zwei Sorten Kunden. Die gute Nachricht: Jeder von uns kann selbst entscheiden, zu welcher Sorte Wirtschaft er etwas beitragen möchte. Die Entscheidung liegt bei jedem Einzelnen! Die schlechte Nachricht: Alles andere sind faule Ausreden und wir akzeptieren keine davon.
Neben den Unternehmen, die so grau sind wie der Staub, den sie die ganze Zeit aufwirbeln, gibt es Unternehmen mit einer gemeinsamen Leidenschaft und einem verbindenden Sinn. Für die würden wir uns immer entscheiden. Diese Unternehmen haben etwas, das wir Spirit nennen. Da haben alle Mitarbeiter das Gefühl, an etwas Bedeutsamem teilzuhaben, etwas zu bewegen. Und das strahlen sie auch aus. Damit stecken sie andere an. Solche sinnstiftenden Unternehmen hinterlassen Spuren auf Märkten und in der Gesellschaft. Hier arbeiten Menschen, die etwas anders und besser machen wollen als der Durchschnitt. Menschen, die offen, neugierig und zugänglich sind. In solchen Unternehmen hört der Chef zu, bevor er selbst redet. Und die Mitarbeiter haben tatsächlich etwas zu sagen und keine Angst, den Mund aufzumachen. Sie sind inspiriert, ihr Bestes zu geben.
Eine gemeinsame Leidenschaft zu haben heißt allerdings nicht: Alles Öko – Jute statt Plastik – wir haben uns alle ganz doll lieb. Wir meinen mit Spuren hinterlassen kein naives Gutmenschentum. Ganz im Gegenteil: Wo es Spirit gibt, da werden auch höchste Ansprüche an jeden Einzelnen gestellt. Und das ist gut so. Denn Sinn ist das, was Menschen naturgemäß zum Handeln antreibt. Wir glauben, dass Menschen ihre Arbeit wichtig ist. Und zwar nicht nur, um die Miete bezahlen oder Kredite bedienen zu können. Sie wollen, dass dabei auch Sinn entsteht und etwas zum Nutzen anderer herauskommt. Und deshalb strengen sie sich an. Jeden Tag.
Frage: Welche Unternehmen/ Personen sind für Sie die größten Staubaufwirbler? Welche Unternehmen/ Personen hinterlassen Spuren?
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Montag 29. September 2008 um 17:46
Hmm, klingt erst mal nach schwarz/weiss Denke is ja eigentlich das, was man mir immer vorwirft
> Welche Unternehmen/ Personen sind für Sie die größten Staubaufwirbler?
-T–
> Welche Unternehmen/ Personen hinterlassen Spuren?
TOBIT (Tobias Groten)
Montag 29. September 2008 um 19:41
[...] innovativ-in [...]
Montag 29. September 2008 um 21:15
Wirtschaftsmagazine:
Spurenzieher: brand eins
Staubaufwirbler: all die Magazine, die die Gier fördern: wo gibt es noch 0,1% Rendite mehr, welcher Handy-/Versicherungs-/XYZ-Tarif ist noch 1 € billiger, wo bekomme ich Designer-Klamotten fast zum Nulltarif.
Konzerne:
Spurenzieher: fallen mir zurzeit nicht ein.
Staubaufwirbler: Daimler: der größenwahnsinnige Manager Schrempp will einen Gigakonzern DaimlerChrysler schmieden. Nach ein paar Jahren hat er den Börsenwert mehr als halbiert. Anstatt endlich umweltfreundliche Auto zu bauen, steckt Daimler eine Menge Geld in Lobbyarbeit in Berlin und Brüssel, um Umweltstandards möglichst niedrig zu halten. Telekom und all die anderen seelenlosen Telekommunikationskonzerne, deren Tarife immer undurchsichtiger und deren Service immer schlechter werden.
Dienstag 30. September 2008 um 13:56
Was ist das Gegenteil von “naive Gutmenschen”?
“Kluge Schlechtmenschen”?
Es ist nicht nur die Sprachwissenschaftlerin in mir, die sich fragt, warum es mitunter so leicht fällt “naiv” und “Gutmensch” in einen Federzug zu bringen, seit wann das so ist, was es bedeutet und welche Wertigkeit dahiner steckt. Warum Begriffe wie “Öko” und “Jute” auf dieser “naiven” Seite der Waagschale stehen, wäre dann eine weitere Frage.
Dienstag 30. September 2008 um 18:17
Spurenzieher – eindeutig Lutz Helmig
Staubaufwirbler – der Platz reicht nicht aus. Zusammengefasst: die sich permanent selbst befriedigenden Manager.
Mittwoch 1. Oktober 2008 um 09:11
Das Bild „Staub aufwirbeln oder Spuren hinterlassen†finde ich sehr treffend. Die Kategorisierung scheint auch für mich ein bisschen schwarz-weiß zu sein. Ich würde lieber keine Firmen in die eine oder andere Kategorie einstufen.
Sogar in den besten Unternehmen gibt es Projekte, die lieber nur Staub aufwirbeln – in einer großen Organisation ist es besonders schwierig, dieses Phänomen zu vermeiden. Und sogar in den bürokratischsten Konzernen versuchen einige Mitarbeiter, echte Spuren hinterzulassen.
Freitag 3. Oktober 2008 um 16:02
[...] Spuren statt Staub [...]