Zehn Jahre Amazon.de

2008-10-15, von Elita Wiegand

Kaum zu glauben, aber amazon.de hat vor zehn Jahren die virtuellen Tore in Deutschland eröffnet. Glückwunsch an den innovativen Aufsteiger! Kann mich noch gut daran erinnern, dass damals amazon.de nicht ernst genommen wurde. «So ein Internetbuchhändler kommt doch bei den Kunden nicht an!», spotteten viele. Die Skeptiker müssen heute klein beigeben: An Spitzentagen verkauft amazon.de 880.000 Artikel und der Online-Buchhändler hat sich zum Multi-Kaufhaus gemausert. Inzwischen gibt es Produkte in 20 Kategorien.

“Wir wollen das kundenorientierteste Unternehmen der Welt sein!”

Was will der Kunde? Gründer Jeff Bezos hatte die Vision das kundenorientierteste Unternehmen der Welt zu werden. Ist ihm geglückt. Und das Unternehmen bietet ständig neue Dienstleistungen, Services und Features an. Ob Videorezensionen, Overnight-Versand oder eine Rock CD nach Kundenwunsch – einfach toll, wie sich die Palette ständig erweitert. 81 Millionen Kunden sind Überzeugungstäter.  Und ich gehöre dazu. Ein Grund: Vor kurzem brauchte ich dringend ein Buch. Zig Buchhandlungen abgeklappert. Und Sätze gehört wie «Ham wir nich» oder «können wir bestellen, dauert aber acht Tage!» Danke, dass es amazon.de gibt.

Zum Geburtstag ein Video mit Jeff Bezos aus dem Jahre 2003, immer noch aktuell.

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7 Kommentare zu “Zehn Jahre Amazon.de”

  1. Michael - Baudax sagt:

    Amazon ist für den User der beste Shop überhaupt, trotz des furchtbaren Designs. Der Marktplatz ist aber sehr kritisch zu betrachen. Dort verkaufen Händler, die für jedes Geschäft horrende Provisonen an Amazon zahlen müssen. Wir bekamen vor über 2 Jahren eine entsprechende (sehr, sehr hartnäckige)Anfrage. Der Provisionssatz sollte 13%(!!) betragen. Bedenkt man, dass unser Wiederverkaufsrabatt meist zwischen 20 und 25 % liegt, kann die Kalkulation nicht aufgehen. Da würden wir lieber unseren Kunden die Provision in Form von Rabatten einräumen. Kein Wunder, dass man auf dem Marktplatz von Amazon meist zu teuer einkauft. Ich kaufe meine Bücher auch oft bei Amazon (schon um sehen, was die so machen), habe dabei aber immer ein schlechtes Gewissen, denn unser Buchhändler gibt sich viel Mühe, ist top sortiert und wenn er nicht sofort liefern kann, am nächsten Tag ist das Buch da. Außerdem liebe ich es, stundenlang in der Buchhandlung zu stöbern, diese herrliche Atmosphäre beitet Amazon nicht.

  2. Sabine Raiser sagt:

    Der Besuch in einem schönen Buchladen ist für mich immer wieder eine Freude. Visuell, haptisch, emotional. Zudem ist es wie in einem guten Café auch ein geselliges Erlebnis. Hier wie dort trifft man Menschen, die zu einem kleinen Plausch einladen. Ein Stadtteil ohne Buchladen – undenkbar. Daher kann ich gar nicht anders, als mein bescheidenes Budget für Bücher dort hinzubringen.

  3. Elita Wiegand sagt:

    @ Michael
    Von den horrenden Provisionen hatte ich keine Ahnung und bin aber über die hartnäckige Anfrage verwundert.
    Übrigens gehe ich, wie Du auch immer noch gerne in einem Buchladen. Das unvergleichliche Gefühl, ein Buch in der Hand zu haben, kann amazon.de nicht ersetzen. Doch wenn ich mich vorher informiert oder bereits Rezensionen gelesen habe, bestelle ich gerne und schnell im Internet.

    @Sabine
    In Düsseldorf hat mein Partner vor kurzem einen kleinen besonderen Buchladen entdeckt. Die Inhaberin verkauft nur die Bücher, die ihr selbst gefallen und kann stundenlang über den Inhalt oder den Autor erzählen. Das ist dann eben mehr als nur ein schneller Kauf, sondern damit ist ein Erlebnis verbunden – und das genießen wir beide sehr.

  4. Alexander Greisle sagt:

    Ich kaufe fast alle Bücher, und inzwischen auch viel IT-Kram bei Amazon. Nur Bücher, von denen ich nicht will, dass Amazon weiß, dass ich sie habe, die kaufe ich vor Ort oder anderswo (oder hätte ich das jetzt nicht sagen sollen?). Es geht schnell, ist bequem und problemlos, auch bei Problemen, und ist im Nicht-Bücherbereich aufgrund wegfallender Versandkosten oft günstiger.

    Im Marketplace von Amazon kommt es öfters vor, dass ich dort recherchiere und dann direkt im Shop des Anbieters kaufe, wenn die Konditionen stimmen.

    Mal ne generelle Frage: Gab es diese Diskussionen “macht Einzelhandel kaputt” eigentlich auch, als Quelle, Otto und Neckermann damals auf den Markt kamen? So neu ist das Versandhandelskonzept nu auch nicht.

    Elita hat ja ein schönes Beispiel beschrieben, wie man sich als Einzelhändler trotzdem abheben kann. Man kann etwas bieten, was Amazon niemals wird bieten können: Persönlichkeit und lokale Verhaftung. Durch die Buchpreisbindung gibts im Büchermarkt nicht mal Preisdifferenzen, im Gegensatz zu allen anderen Einzelhandelsbranchen, die hier eine viel schlechtere Ausgangsbasis haben. Meines Erachtens wird da viel zu wenig draus gemacht.

  5. Michael - Baudax sagt:

    @Alexander Greisle
    Beim Onlinehandel muß unterschieden werden zwischen dem Fachhandel, der auch im Internet verkauft
    und dem reinen Onlinehandel, der die Bestellungen durchreicht ohne Fachhandel zu sein.
    Fachhandel und Fachberatung kostet Geld, das schlägt sich auch in den Preisen nieder. Die “Durchreicher” meist ohne eigenem Lager, oft ohne jede Fachkenntnis und nur darauf bedacht, sich schnell Liquidität zu verschaffen, sind sicher nicht der Tod des Einzel(fach)handels, aber eine sehr ernst zunehmende Konkurrenz. Bestes Beispiel sind die sog. Powerseller auf dem Ebayportal und auch auf dem Marketplace von Amazon. Da kauft man der gut, der genau weiß was er will. Beratung = 0. Gilt natürlich auch für den klassischen versandhandel, wo keine Beratung stattfindet. Jeder Fachhändler hat die Möglichkeit im Internet zu verkaufen, er sollte sich deshalb nicht über die Onlinekonkurrenz beklagen.
    Wir unterhalten neben einem B:C Webshop 3 B:B Shops mit teilweise beratungsintensiven Maschinen und Geräten z.B. für die Vermessung oder für die Steintrennung mittels Diamantwerkzeugen.
    Zwischen 60 und 70% der Shopumsätze kommen zustande, weil der Kunde vorher angerufen hat, um sich beraten zu lassen.
    Natürlich gibt es da auch das “Cleverle” – läßt sich beim Fachhandel beraten und kauft dann da, wo es am billigsten es. Denen wünsche ich klammheimlich einen richtigen Garantiefall, damit auch der letzte Dummkopf merkt, dass Geiz nicht geil sondern teuer ist.

    @Elita
    In NRW gibt des den Landschaftsverband Rheinland, eine Behörde, die es so in keinem Bundesland gibt. Mitarbeiter dort sind übrigens angewiesen, bis zu einer bestimmten Summe im Internet einzukaufen. Das Einkausfvolumen der Behörde im Internet ist enorm.
    Gründe sind u.a. die Kürzesten Reaktionszeiten der Lieferanten und eine jährliche Kosteneinsparung von mehreren 100 000 Euro.
    Aber auch dort wird gerne vor dem Kauf oder der Ausschreibung telefonisch Beratung eingefordert.

  6. Alexander Greisle sagt:

    @Michael: Die Unterscheidung sehe ich auch. Ich befürchte allerdings, dass sie eine theoretische ist, die den Online-Kunden nicht die Bohne interessiert. Das “Problem” des Fachhandels ist halt, dass es heute viel mehr Informationsmöglichkeiten, schnell abrufbar, gibt als noch vor einigen Jahren. Der Gang zum Experten ist nicht mehr obligatorisch.

    Wenn das so ist, stellt sich die Frage, wie man sich abgrenzt. Das kann, wie Du es beschreibst, durch gute Beratung sein, auch online oder telefonisch oder via Web-Conferencing, oder durch andere, eher emotionale Faktoren. Da hat der Handel vor Ort meiner Einschätzung nach eher bessere Karten, wobei das online vielleicht auch nicht unmöglich ist.

    Stellt sich die spannende Frage, wie man den Mehrwert richtig kommuniziert und einen Weg findet, wie aus dem einen oder andere Cleverle ein Käufer wird. Vielleicht ist diese Frage ja so spannend, dass die wenigsten drüber nachdenken, weil es sie zu sehr gruselt.

    Natürlich wird das Kunden, die rein preisfixiert sind trotzdem nicht erreichen, egal ob privat oder behördlich. Man muß halt mal durchkalkulieren, ob es sich eher lohnt, diesem nicht nachzutrauern oder sich auf das Spiel einlassen.

    Kleiner Themenschlenker: In der aktuellen Finanzkrise erfahren die Volks-/Raiffeisenbanken und die Sparkassen den Rückfluß von Kapital, das vorher zu höher verzinsenden Banken abgewandert ist. Man kann eine Parallele darin erkennen, dass die “Fachhandelsqualitäten” dieser beiden Banksektoren im Moment gegen den Preis in Form von höheren Zinsen die Nase vorne haben. Wäre es nicht mal ein Gedankenexperiment wert, ein paar Übertragbarkeiten zu finden? Warum ist das so? Bank ist Bank, Bankberater ist Bankberater. Irgend einen Schalter hat es aber umgelegt. Welche(n)? Wie kann man die veränderte Stimmung unter den potenziellen Kunden pro “Fachhandelsbank” auch für den Fachhandel nutzen?

  7. Michael - Baudax sagt:

    @Alexander
    Danke, Alexander, der Denkanstoß ist zutreffend. Das Beispiel zeigt, dass es leichter ist, den Schalter umzulegen, als ihn überhaupt zu finden. Da liegt ein interessante Aufgabe vor uns, wir werden sie aber angehen.

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