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Ist Transparenz eine Art Pranger?

Alexander Greisle 17 Oktober 2008 4 Kommentare

Vertrauen. Das Wort der letzten Wochen. Wir brauchen Vertrauen, damit ist die Krise gelöst. Versprochen, vertrauen Sie mir.

Vertrauen, blindes:

Steinbrücke_will_keinen_Pranger_Vertrauen
Handelblatt-Ticker vom 17.10.2008, 15:17 Uhr

Vertrauen, nachhaltiges. Transparenz ein Grundpfeiler für nachhaltiges Vertrauen. Haben wir Bankkunden nicht das Recht zu erfahren, ob eine Bank – dort liegt immerhin das hart erarbeitete Geld – die staatlichen Hilfen in Anspruch nimmt? Einen “Pranger” erwarte ich nicht – das ist dumme, deplatzierte Politikerrhetorik. Aber eine Information, hoffentlich mit einer nachvollziehbaren Erklärung und einem guten Maßnahmenplan. Das wäre nachhaltig und könnte dazu beitragen, Vertrauen zu erhalten.

Vertrauen, hilfreiches. Zumindest im realen Leben lassen sich Probleme, Fehler und Entwicklungen am besten lösen, wenn Transparenz herrscht. Ohne Transparenz kann es bestenfalls blindes Vertrauen geben und Blindheit ist wenig hilfreich bei Problemlösungen. Bleibt, sich selbst und seinen Intentionen zu vertrauen.

Vertrauen, politisches. Hatte ich ehrlich gesagt Anfang der Woche noch mehr als jetzt, wo die Details langsam transparent werden. Eine große Koalition, dachte ich, ist in der jetzigen Situation vielleicht gar nicht schlecht, die kann schneller reagieren. Tut sie auch, eine “normale” Koalition hätte das im ohnehin notwendigen internationalen Kontext allerdings genauso gut gekonnt. Je mehr einzeln lancierte Details an die Öffentlichkeit tröpfeln, desto geringer wird mein Vertrauen.

Vertrauen, fehlendes. Ein Grund für diese Intransparenz wird die Befürchtung sein, dass die Kunden einer Bank, die die Hilfen in Anspruch nimmt, das Geld entziehen. Aber zieht dieser Grund wirklich? Wenn es ihn geben würde, dann hätte der Bank-Run schon lange in einem viel stärkeren Maße eingesetzt. Ein zweiter Aspekt: Als betroffene Bank kann man mit schonungsloser Transparenz, verständlich erklärten Maßnahmenpaketen und der staatlichen Hilfe durchaus Vertrauen schaffen. Jedenfalls mehr als mit Intransparenz. Denn wenn ich nicht weiß, ob und wie meine Bank davon betroffen ist, dann bleibt immer diese Unsicherheit, was mit meinem hart verdienten Geld wirklich ist. Keine Grundlage für Vertrauen.

Vertrauen, modernes. Nicht, dass es ein in diesem Zusammenhang wesentlicher Aspekt wäre: Die Generation die mit der Transparenz, geschaffen durch das Internet, aufgewachsen ist, die kann unter anderem aufgrund solcher Statements nichts mit der traditionellen Politik anfangen. Keine Basis für Vertrauen.

Vertrauen, nachlassendes.


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4 Kommentare »

  • Michael - Baudax sagte:

    Ich hatte noch nie Vertrauen zu einer Bank, egal ob Sparkasse, Voba oder Privatbank. Vertrauen hatte ich wenn überhaupt zu dem Mitarbeiter, der mir seinerzeit völlig unkompliziert und binnen Stunden meine Selbständigkeit ermöglich und mir dafür einen wirklich sehr hohen Kreditrahmen eingeräumt hat. Ich erinnere mich, dass er bei der Verabschiedung sagte, dass in dieser Größenordnung eine zweite Unterschrift nötig sei, da solle ich noch ein wenig geduldig sein. Gerade wieder im Haus, kam sein Anruf, dass alles genehmigt ist. Ein paar Jahre später, dieser gute Mann war mittlerweile im Ruhestand, habe ich bei dieser Bank die Lehre gezogen, dass es nicht DIE BANK ist, sondern DER KREDITSACHBEARBEITER, zu dem man Vertrauen hat oder nicht.
    Vertrauen zur Bank? “Bankraub: eine Initiative von Dilettanten. Wahre Profis gründen eine Bank.”
    Bertold Becht.

  • Klemens Kolberg sagte:

    …eine interessante Erkenntnis:
    Vertrauen in meinen zuständigen Gesprächspartner! Aber vielleicht nicht ganz so neu – nur aktuell in Bezug auf Banken…!

  • Wolff Horbach sagte:

    In den letzten Tagen verschlägt es mir die Sprache: Erst versuchen uns die Bankmanager weiß zu machen, dass ihre Bankhäuser “aus der Krise gestärkt hervorgehen” (so noch vor drei Monaten Funke von der Hypo-Real-Estate), dann werden noch schnell Milliarden an die Versager verteilt bevor der Steuerzahler zur Kasse gebeten wird. Und wenn sie dann unser Geld in Anspruch nehmen, soll das möglichst anonym geschehen. Ich fasse es nicht!

    Beim Computer würde man jetzt einen Reset machen und das System neu starten. Wann geschieht dass endlich bei diesem durch und durch verseuchten Finanzsystem?

  • Frank Hunck sagte:

    Wolff, bitte keinen Reset – wer weiss, ob das System dann den Neustart schafft… ;-)

    Spass beiseite – die Entwicklung der letzten Wochen lehren mich das Gruseln:
    1. Zuerst hiess es, dass es nur ein amerikanisches (Banken)Problem wäre – falsch.
    2. Dann hiess es, das Problem würde die Realwirtschaft nicht betreffen – ganz falsch.
    3. und jetzt warten alle, was noch Schönes passieren wird.

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