Überraschungs-Ei für Opel
Man stelle sich vor: Unser angeschlagener Opel Konzern beerdigt das peinliche Image («Jeder Popel fährt nen Opel» )auf dem Autofriedhof und sie tragen den Mutterkonzern General Motors zu Grabe. Einige alte Herren trauern um den Konzern, heulen gar und schniefen, während andere mit dem innovativen Fähnchen winken und auf eine verheißungsvolle Zukunft anstoßen. Schluss mit den Abgassünden, Schluss mit den Autos von gestern, die unsere Luft verpesten und CO2 in die Atmosphäre jagen. Basta. Aus. Vorbei.
Opel wird sattgrün. Opel entwickelt sich zum dem europäischen Autokonzern. Opel wird Vorreiter für eine umweltfreundliche Technik, für Elektro- oder Hybridmotoren! Innovationen «Made in Germany». Könnte wahr werden, der Traum vom sattgrünen Opel Konzern. Könnte= Konjunktiv.
Das Angebot des Bonner Solartechnikkonzern Solarworld steht. Kaum verkündet, folgt das Veto: Opel stehe nicht zum Verkauf. So der Mutterkonzern General Motors, schreibt der Spiegel. Ein Trauerspiel… oder ein Licht am Ende des Tunnels inklusive Erleuchtung?
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Warum soll OPEL grün werden – wenn Solarworld noch einen Moment wartet können die die Produktionsstandorte beim Insolvenzverwalter für “nen Appel und nen Ei” kaufen und mit der Produktion der innovativen Autos (wenn das überhaupt so wird) starten. Ich verstehe sowieso nicht, warum die nun den nächsten Bailout starten wollen – das Geld in noch funktionierende Branchen gesteckt wirkt weitaus besser als ewig faules Fleisch immer weiter tief zu kühlen. Weg mit dem alten Müll, das schafft freie Sicht in die Zukunft… Wir sehen ja grad bei den Banken wohin das sonst führt.
Ich bin mir nicht so sicher, ob umweltfreundliche Autos genau das sind, was der Verbraucher möchte. Ich glaube eher, dass der Verbraucher eher die eierlegende Wollmilchsau in Sachen Automobil fahren möchte: Ein SUV mit 200 PS, der toll aussieht und 500 Extras hat, 3 Liter Sprit auf 100km verbraucht, keine Umweltschäden hinterlässt und auch noch knapp über 5000 EUR kostet. Diesen Gedanken denke ich jedenfalls immer fester, wenn ich beobachte, dass sich Fahrzeuge wie ein Porsche Cayenne oder ein BMW Xi im Vergleich zu anderen wesentlich sparsameren und umweltfreundlicheren Fahrzeugen überdurchschnittlich gut verkaufen.
Vor Kurzem gab es im Fernsehen einen netten Vergleich in Bezug auf den Spritverbrauch auf 100km zwischen dem aktuellen Golf VI und dem Golf I aus dem Jahre 1980. Fazit des Vergleichs: Der Golf I verbrauchte knapp über 3,5 Liter auf 100km und wäre somit definitionsgemäß ein “3-Liter-Auto”. Abgesehen davon ist die CO2-Bilanz des Golf I deutlich besser, da er nicht wie moderne Fahrzeuge aus Aluminium gefertigt ist und abgesehen davon schon produziert wurde
Was ich damit sagen möchte: Wenn es dem Verbraucher tatsächlich nur um den Verbrauch gehen würde, bzw. die daraus resultierend Umweltfreundlichkeit gehen würde, wäre ein Golf I (meinetwegen mit zeitgemäßer Katalysator-Technologie) eine deutlich bessere Alternative zum oben erwähnten SUV. Technisch waren wir dem “3-Liter-Auto” schon sehr nahe. Emotional waren wir vermutlich nie weiter entfernt.
Falls es von Interesse ist: Ich selbst fahre weder Golf I noch SUV, sondern irgendetwas zwischendrin
Wenn man den Presseberichten glauben schenken darf, so ist die Nachfrage nach spritsparenden bzw. umweltfreundlichen Autos stark angestiegen. Natürlich wäre da ein schickes Auto, dass umweltfreundlich und sparsam angetrieben wird hier noch das Sahnehäubchen. Im Fall von Solarworld und Opel vielleicht ein Elekro-Opel mit Solardach? Wer weiß!
@Lutz
Gegenfrage: Warum soll Opel nicht Grün werden?
@Thorsten Biedekamp
Die Frage, ob Verbraucher umweltfreundliche Autos wollen ist zwar berechtigt, aber: Ob wir wollen oder nichtwir müssen uns in Zukunft umstellen. Und: Wie unser Kommentator Forian richtig bemerkt, ist die Nachfarge stark angestiegen. Ist die Frage, wie sich die Konzerne darauf einstellen, ob sie innovative Autos auf den Markt bringen, die zudem erschwinglich sind. Uns würde es doch gut stehen, wenn wir diese Chancn ausbauen und wirkliche Vorreiter in Deutschland würden. Was meinst Du?
@Florian Zurheiden
Ein Elekro-Opel mit Solardach wäre doch wirklich innovativ
@Elita Wiegand: Ich möchte auf keinen Fall in Abrede stellen, dass innovative und auch umweltfreundlichere Autos gebaut werden müssen. Aber noch einmal: Ob die Nachfrage nach solchen Fahrzeugen wirklich gestiegen ist wage ich zu bezweifeln. Es ist ein Fakt: Die Wirtschaftskrise hat auch die Automobilindustrie erreicht. Und wenn sich eine Branche bedeckt gibt über die Gründe, dann gibt es immer viel Spekulation. Da heutzutage in den Medien derjenige gedruckt wird, der am lautesten brüllt, könnte es sein, dass zu dem Zeitpunkt, als die Automobilindustrie eine Erklärung schuldig gewesen wäre, die Umweltschutzverbände besonders medienpräsent waren und eben die Argumentation vorbringen konnten, es wäre am Bedarf der Konsumenten vorbeiproduziert worden. Und schwuppdiwupp haben wir eine Meinung, die sich gut verkaufen lässt und sich in den Köpfen der Menschen einzementiert. Vielleicht steigt jetzt das Bewusstsein beim Konsumenten und damit auch die Nachfrage. Wünschenswert wäre es auf jeden Fall.
Dass die Konzerne Umweltbewusstsein schon länger entdeckt haben ist ein alter Hut. Es wurden zwar oft Technologien vorangetrieben, die allenfalls Imagecharakter haben (Brennstoffzelle) und keine Lösung darstellen, aber abgesehen davon gibt es seit Jahren viele umweltfreundliche Konzepte, die aber beim Konsumenten aus den unterschiedlichsten Gründen keinen Anklang finden. Mal ganz ehrlich: Wieviele Personen kennen Sie in Ihrem Umfeld, die ein Erdgas-Auto fahren? Ich glaube, dass man bei dieser Diskussion den Imagefaktor eines Fahrzeugs nicht ausser acht lassen kann. Ich selbst finde einen Hummer (22 Liter Sprit auf 100km) um Längen cooler, als einen VW Lupo (als 3-Liter-Auto von VW gekürt). Und wenn man mich als Otto-Normalkonsument befragen würde, dann hätte ich das Vorurteil, dass ein Erdgas-/Solar-/wasweissich-Auto bei niedrigerer Reichweite (ich hätte keine Lust alle 5 Minuten an der Tankstelle zu stehen) auch noch langsamer fährt.
Fazit: Ich sehe eine realistische Chance, dass der Konsument heute eher als gestern seine Meinung ändert und beim Kauf eines Fahrzeugs auf dessen Umweltverträglichkeit achtet. Allerdings betrachte ich den von Solarworld angestrebten Kauf als einen gigantischen Mediencoup, der sehr unsubstanziell und leider auch undifferenziert daherkommt. Wünschen würde ich mir: Ein dichtes bundesweites Netz von Tankstellen mit umweltfreundlichen Kraftstoffen, Elektroautos deren Batterien in 5 Minuten geladen sind (ähnlich wie ein Tankvorgang beim Benziner) und nicht über Nacht am Strom hängen müssen (da würde ich morgens häufiger nicht wegkommen), ein Solarauto von Porsche,… Das fände ich mal echt innovativ. Mit vom Staat gepumptem Geld ein Unternehmen zu schlucken, um sich als Retter und Umweltengel crossmedial präsentieren zu können finde ich persönlich wenig innovativ.
…eine interessante Diskussion!
Hat schon einmal jemand nachgedacht, ob es sich von der Solarworld um eine PR-Gag handeln könnte?
Die für Opel gebotenen Gelder und die von der Regierung und von GM geforderten Bürgschaften sind ggf. neben einer angemessenen Verhältnismässigkeit.
…aber warum nicht von einem öko-Auto aus NRW träumen?
Ich finde: Eine gute Idee von Solarworld! Wenn es funktionieren würde, wäre es doch ein tolles Zeichen. Die Autobauer, die verschlafen haben mit den aktuellen (Energiespar-) Entwicklungen zu gehen, werden aus einer Branche heraus aufgekauft, die sich gerade diesem Wandel verschrieben hat.
Und auch wenn es nichts wird, zeigt schon allein das Angebot Otto Normalbürger, daß:
1. erneuerbare Energie keine Nische, sondern eine Branche mit ernst zu nehmender Größe ist
2. die vielgepriesene Autobranche auf wackligeren Füßen steht, als es noch immer scheint
Der David ist schon lange nicht mehr klein und der Goliath kein Großer mehr.
Oder volkstümlicher formuliert: Die Spinner sind nicht mehr die, mit Ihrem neuen Zeug, sondern die, die immer noch den alten Kram anbieten wollen.
Selbst wenn das Angebot von Solarworld nur ein Mediencoup war: Dass es die Gemüter so erregt und so sehr darüber diskutiert wird zeigt, daß es soooo undenkbar nicht (mehr) ist. Und schon die Diskussion schafft gesellschaftliche Veränderung.
Grundsätzlich ist es o.k. über PR-Gags in die Medien zu kommen.
Wir alle fordern innovatives Denken und Ideen, die anders sind als andere…
Aber hier ist die Frage der Ethik zu stellen!
Zahlreiche Menschen suchen nach einem Strohhalm, weil der Betrieb von der Schliessung bedroht wird – und glauben zunächst diese (makabere) PR.
Aus diesem Grund ist es falsch, von einem Mediencoup zu sprechen! Hier handelt es sich um einen (schlechter) PR-Gag, auf Kosten derer, die Angst um ihren Job und um Ihre Existenz haben.
Jeder sollte sich die Frage stellen – welchen Wert haben Menschen in den Augen der Solarworld ($$…)?
Lieber Thorsten Biedenkapp, der Konsument hat längst reagiert. Die Krise der amerikanischen Autoindustrie belegt dies. Die verfehlte Produktpolitik der BIG THREE bestimmt die jetzige Krise fundamental. Die Frage, ob der Konsument überhaupt umweltfreundliche Autos will, bleibt dem unerquicklichen Henne oder Ei-Denken verhaftet. Was man m. E. sagen kann ist: 1. der Konsument ist preissensibel (Total Cost of Ownership), 2. er steigt bereits auf kleinere und letztlich spritsparendere Fahrzeuge um (Downsizing), 3. Kunden benötigen auch ein Angebot, erst dann können sie umsteigen, 4. Der Erfolg der Automobilindustrie basiert im Wesentlichen darauf, dass Pioniere (Ford: T-Modell) nicht geredet, sondern gehandelt haben und Infrastrukturen sukzessive auf- und ausgebaut haben, 4. Innovationen sind und bleiben riskioreich, die Automobilindustrie hat keine Alternative zum Umstieg auf C02-freie Antriebssysteme (fostfossile Mobilität), strittig ist nur der Zeitpunkt und eben die Übergangsstrategie und 5. wäre es nicht innovativ und zukunftsweisend, wenn wir nicht abwarten, sondern in den Blogs und Communities weltweit den Übergang und die Autos der Zukunft mitgestalten???
Ob das Angebot von Solarworld ernst gemeint war, können wir hier wohl nicht nachprüfen. Ich fand es aber richtig gut. Weil es nämlich zeigte, dass die Automobilindustrie gewaltig pennt. Deren Strukturen sind so verkrustet, dass höchstwahrscheinlich externe Player die Branche völlig umkrempeln müssen.
Aktuelles Beispiel: Kreative Bastler bohren den Toyota Prius auf. Das zeigt: das zurzeit umweltfreundlichste Auto (lt. AvD) kann noch viel besser werden. Wir müssen den Konzernen nur Dampf machen.
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