Neugier ist eigentlich eine positive Eigenschaft. Die Stärke verwandelt sich im Web zur Schwäche, weil wir willensschwach von einer Seite zur nächsten hüpfen, in Blogs wichtige Infos entdecken, Artikel überfliegen und uns an anderer Stelle festbeißen. Es gibt so viel Lesenswertes, so viele Neuigkeiten, so viel Interessantes im Web zu entdecken – zu viel von allem. Die Informationen machen immer hungriger, gieriger, dabei sein ist alles, mitreden, Angst etwas zu verpassen. „Was hast Du heute eigentlich gemacht?“ Achselzucken. Das Web hat die Zeit gefressen, Ratzfatz verschlungen.
Und noch mehr…
Freaks verfolgen die Twitterwelt, huschen über die 140 Zeichen, klicken hier eine URL an, ah- interessant- und sind wieder weg! Viele bloggen, (muss unbedingt mal wieder was schreiben – aber was?), andere lesen unzählige RSS-Feeds, überfliegen sie oder lassen sie im Postfach schmoren. Zwischendurch poppt Skype hoch. Und so telefonieren wir, während wir skypen, bestätigen brav einige XING-Kontakte, schreiben in XING Gruppen, aktualisieren die Website, (die gibt es ja auch noch) beantworten Mails, (viele, viele Mails), veröffentlichen Fotos auf flickr oder Videos auf youtube. Das alles verlangt Präsens und irgendetwas kommt immer zu kurz.
Ökonomie der Aufmerksamkeit
Unsere Aufmerksamkeit ist das Wertvollste, was wir geben, aber gleichzeitig auch das Wichtigste, was wir von anderen Menschen erhalten. Über Blogs oder Twitter erhaschen wir das wertvolle Gut und obendrein belegt die nackte Statistik, ob und wie viele User den Blog-Beitrag anklicken und wie viele uns „verfolgen“. Und so buhlen wir um die Gunst des Lesers und um ihre Aufmerksamkeit. Qualität und kritische Auseinandersetzungen bleiben bei dem Eigen-PR Rummel auf der Strecke. „“Ich schreibe über Dich und Du über mich“- das ungeschriebene „Geben und Nehmen Gesetz“ funktioniert prächtig in Twitterland und in der Blogosphäre.
Augenwischerei?
Wer es wagt, zu zweifeln, ob sich die Mühen und der Einsatz lohnen, wer sich fragt, ob unsere Kommunikation auf 140 Zeichen verkümmert und wir uns an belanglosen Alltagstrivialitäten ergötzen, hört treffende Argumente dagegen: Twittern macht Spaß, das Blog ist das beste Akquisitionstool, man lernt über XING und Twitter Leute kennen, die man sonst nie kennen gelernt hätte und bekommt Aufträge und neue Kunden. Augenwischerei oder ein Körnchen Wahrheit?
Und wie managen wir die alltägliche Informationsflut? “Da die Aufnahmekapazität des Gehirns begrenzt ist, reagieren wir zwangsläufig mit Erschöpfungsanzeichen”, sagen Fachleute und haben dafür bereits einen Begriff geprägt: Informationsasthenie = Informationserschöpfung.
Damit wir uns richtig verstehen: Ich skype, blogge, twittere etc., aber manchmal tut es einfach gut, die Web-Aktivitäten zu hinterfragen. Innehalten. Nicht auf alles und jeden reagieren. Einfach mal Web 2.0 pausieren oder die Möglichkeiten gezielt einsetzen und nutzen. Hat was, denn damit habe ich die Zeit der eigentlichen Arbeit nachzugehen. Aber wie lebt es sich mit dem “Entzug”?
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