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Wie meine Reise begann (Etappe 1)

Matthias zur Bonsen 30 März 2009 8 Kommentare

Ein Blog ist etwas persönliches-subjektives, nichts distanziert-fachliches, habe ich mir sagen lassen, bevor ich mich auf das Gastbloggen einließ. Also erzähle ich etwas über den Beginn der Reise, die zu dem Buch Leading with Life führte. Das Jahr 1986 hielt für mich neben meiner Hochzeit zwei weitere bemerkenswerte Erlebnisse parat. Das eine geschah etwa 5 Monate vor dieser Hochzeit und betraf zunächst nur meine damals-noch-Verlobte und mich. Eines Abends sagte ich aus irgendeinem Grund zu meiner noch-nicht-Frau etwas sehr Ungeschicktes, wahrscheinlich sogar etwas Hässliches. Und so kam es, dass von einem Moment auf den anderen infrage stand, ob wir überhaupt heiraten würden. Das war ein riesiger Schock. Doch dieser Schock löste dann ebenso unvermittelt eine Art Öffnung aus. Plötzlich empfand ich eine tiefe Liebe für Sie – tiefer denn je – und sie auch für mich. Wir wussten, dass wir zusammengehörten. Und diese Liebe betraf erstaunlicher Weise nicht nur sie, sondern bezog für drei Tage alle anderen Menschen mit ein. Drei Tage lang war ich wie in einem anderen Space, permanent in einem Gefühl tiefer Verbundenheit mit allen Menschen, denen ich begegnete, Freunden wie Wildfremden. Damals wusste ich: das ist das, was ich immer erleben möchte. Doch nach drei Tagen verblasste dieses Gefühl.

Im selben Jahr traf ich mich etwa alle drei Monate mit ein paar anderen Beratern im Kreativen Haus in Worpswede, wo der damals noch kaum bekannte Gerd Gerken einige Leute um sich scharte, die sich für Business und Spirit interessierten. Wir hatten damals hohe Aspirationen, aber wenig Ahnung. Zumindest traf das für mich zu. Doch nachdem ich nach einem dieser Samstage Abends wieder von Worpswede nach Hamburg (wo ich damals lebte) zurückgefahren war, fand in der Nacht in mir eine Art kreative Explosion statt. Ich stand auf und schrieb und schrieb und schrieb im Flow – einen Artikel zum Thema Vision.

Es brauchte dann noch etwas, bis ich verstand, dass beide Erlebnisse zusammenhängen und dass sie beide Ausdruck der gleichen Kraft sind: der Energie des Lebens, die zuweilen in uns wie eine starke Welle werden kann, die uns spürbar trägt. Mir wurde mit der Zeit klar, dass Zustände sehr hoher Energie auch immer Zustände tief empfundener Gemeinschaft sind – und umgekehrt. Uns so entstand das Thema meines Lebens: „spirit and community“ in Organisationen, und natürlich in mir selbst. Denn, was wir für andere wollen, habe ich gelernt, wollen wir auch immer für uns selbst. So begann eine Reise, auf der ich langsam, nach und nach lernte, was es braucht und wie man es unterstützen kann, dass die Energie des Lebens sich in Unternehmen entfaltet und dort zugleich Gemeinschaft entsteht. 1993 endeten die ersten sieben Jahre meiner Suche mit der Veröffentlichung des Buchs Führen mit Visionen – aus heutiger Sicht ein früher Zwischenbericht.


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8 Kommentare »

  • Franz Fendel sagte:

    wie schön zu lesen und zu hören, dass diese Reise genau in dem Moment begann, als Leben und Tod einer tiefen Partnerschaft für einen Moment zusammentrafen und die Beteiligten sich für Leben entschieden. Ebenso finde ich es eindruckvoll, dass die Wahrnehmung eine ganze Zeit des Werdens und Trainings braucht, bis sie spürt, dass es eine Reise ist, die gereist werden will.
    Parallel zu diesem Buch- und Blog-Start verlassen einige Industriegrößen (Streiff,Wagoner,Mehdorn) ihre Schiffe. Ich wünsche Ihnen und uns allen gute Erkenntnis-Reisen.
    Franz Fendel

  • Dagmar von Consolati sagte:

    Lieber Matthias zur Bonsen,
    danke, dass Sie dieses so persönliche und doch überpersönliche Erlebnis und das was Sie daraus entstehen ließen, mit uns hier teilen. Ich bin sicher, das wird eine (viele…) weitere Kraft entfalten. Während ich Ihre Zeilen lese, bin ich ganz bewegt…
    Neugierig inspirierte Grüße und herzlichen Dank,
    Dagmar von Consolati

  • Sylvia Machler sagte:

    Die “Energie des Lebens”, diesen Flow zu erLEBEN, sind für mich Erfahrungen in BewusstSEINS-Räume. Räume, in denen ich an Grenzen stosse, um vom individuellen erLEBEN ins gemeinschaftliche Handeln zu kommen. Immer wieder erlebe ich dies, wenn ich Verantwortung übernehme, Verantwortung für mein Denken und Handeln, aber darüber hinaus eben auch Verantwortung für den gesellschaftlichen Wandel, der ständig statt findet, nur wir sind aufgefordert diesem Wandel eine Richtung zu geben. Verantwortung hat für mich ganz viel mit Freiheit zu tun und genau das ist es, dieses Gefühl in Freiheit Verantwortung zu übernehmen, was den Flow bewirkt, jedenfalls sehr oft bei mir. Dann kommt es aus dieser individuellen, persönlichen Erfahrung zur kraftvollen Umsetzung in der Gemeinschaft, z.B. in einer Paarbeziehung, eines Teams, eines Unternehmens, einer Organisation. Die Vision wird Realität, vielleicht ist sie sogar schon Realität, weil ich sie bereits gedacht habe. Doch das wäre ein weiteres Thema. Ich stelle mir schon seit einiger Zeit die Frage, wie diese “Energie des Lebens” bewusst für die Transformation vom ICH zum DU zum WIR zur Entfaltung kommt. “Doch der Widerhall wächst mit dem Ausmaße des Tempels, der den Handlungen des Menschen Ihren Sinn verleiht..” so wie es in “Die Stadt der Wüste” von A.de Saint-Exupery geschrieben steht. Der Widerhall deines Wirkens, Matthias möge vielen Handlungen Sinn verleihen. Danke

  • Eberhard Dittmann sagte:

    Morgen werde ich in Urlaub, zum Wandern fliegen und die Frage die mich umtrieb, “soll ich auch ein Fachbuch einstecken oder nicht?” Nachdem ich fast zu einem NEIN entschlocssen hatte, bekam ich eine Mail mit Deinem Buch und aus dem fast Nein wurde ein klares JA. Bin ganz gespannt an welchem Ort, bei Wind Wellen und Felsen ich von der Lebendigkeit angesteckt werde. So nun habe ich auch zum ersten mal gebloggt.
    Mit frühlingshaften Grüßen
    Eberhard

  • Michael Nothdurft sagte:

    Liebe Myriam,liebe Jutta und lieber Matthias,
    Euer Buch passt hervorragend in diese Zeit. Es musste einfach jetzt erscheinen. Durch den Kontakt zu Euch wird sich auch mein Lebensweg ändern und das in eine gute Richtung. Ich übernehme Verantwortung für meine Familie, mich, aber auch die Gesellschaft um mich herum. Das Energiefeld der Wertschätzung und eines verantwortungsvollen Umgangs mit Menschen, Natur und unseren Resourcen wird noch viele anziehen. Für uns alle zum Guten.
    Durch euer Buch werdet ihr beitragen, dass sich unsere Organisationen positiv verändern und ich werde ein kleines Mosaiksteinchen dabei sein.
    Vielen Dank und Euch und uns allen viel Erfolg zu kraftvollen und lebendigen Organisationen.
    Michael

  • Matthias zur Bonsen (author) sagte:

    Ich danke Euch und Ihnen für die ermutigenden Kommentare. Ich sehe mein Buch wie die Eröffnung eines Gesprächs – oder die Ausdehnung eines Gesprächs – an dem ich viele beteiligen möchte. Ich teile die Ergebnisse meiner Reise mit und hoffe darauf, dass sie andere inspiriert werden. Matthias zur Bonsen

  • Birgit Rocholl sagte:

    Lieber Matthias,
    du schreibst, dass Dich “Momente der Lebendigkeit in den Großgruppenkonferenzen am meisten begeisterten” … und ich möchte für mich hinzufügen, dass mir bei meinem ersten Open Space Erlebnis – ein Seminar mit Birgitt Williams in Oberursel – das Herz aufging. Ich war total gerührt – weil berührt – berührt im Herzen. Etwas ist da, das erlaubt, mit dem Herzen zu denken. Das besondere ist, das man das dann auch noch unter Unbekannten ausspricht. Was für eine Heilung das sein kann. Und das ist das, was mich so begeistert.
    Ich bin gespannt, was Du noch erzählst – auch weil Deine Erzählung alte Erinnerungen wecken: Immerhin kennen wir uns so an die 35 Jahre. Danke für das Buch – auch an Jutta und Myriam und Grüße aus Hamburg. Birgit

  • Birgit Rocholl sagte:

    muss noch etwas für Dich Matthias ergänzen: Gerd Gerken war damals vielleicht noch nicht so bekannt. Aber bald schon haben wir bei Reemtsma mit ihm gearbeitet und dort auf der Couch gelegen und fraktale Markenführung erfunden….
    grüße nochmals von Birgit

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