Dem wahren Willen treu bleiben (Zwischenhalt zur Jahrtausendwende)
2009-04-01, von Matthias zur Bonsen
Um die Jahrtausendwende war meine relative Bekanntheit als Experte für Großgruppenarbeit wahrscheinlich am größten. Damals hatte ich in dem Thema vermutlich mehr Erfahrung und viel mehr publiziert als jeder andere im deutschsprachigen Raum. Mein Ego war geschmeichelt. Doch in dieser Zeit drohte ich auch meinen eigentlichen Weg zu verlieren, mich nur noch als Großgruppen-Experte zu definieren und immer weiter in die eine Kerbe zu schlagen, die mich bekannt gemacht hatte. Denn meine Seele wollte etwas anderes. Mein eigentliches Anliegen waren ja nicht Großgruppenmethoden – obgleich ich die auch heute noch liebend gern und sehr häufig einsetze – mein Anliegen war, Leidenschaft, Lebendigkeit und Gemeinschaft in Unternehmen zu entfalten. Mein Anliegen war, dass Unternehmen mehr mit dem Leben und nicht gegen das Leben arbeiten. Ich sollte also selbst mit dem Leben arbeiten und dem folgen, was sich durch mich ausdrücken wollte. Ein neuer Aufbruch war demnach angesagt, auch wenn das von außen wahrscheinlich kaum wahrnehmbar war.
Als Individuen wie als Unternehmen müssen wir unseren wahren Willen entdecken und ihm folgen. Das ist die Aufgabe, die Bastian in Die Unendliche Geschichte bekam. Er sollte den Weg der Wünsche gehen, seinen wahren Willen entdecken und Phantasien schöner denn je neu erschaffen. Wirklich lebendig können wir nur sein, wenn wir einen weg gehen, den wir aus tiefster Seele gehen wollen. Gleiches gilt für Unternehmen. Denken Sie zum Beispiel an Apple, ein Unternehmen, das in der ersten Hälfte der Neunziger Jahre den Kontakt zu seinem wahren Willen verloren hatte und grau wie alle anderen wurde. Erst als Gründer Steve Jobs 1997 wieder die Führung übernahm, fand das Unternehmen zu seinem wahren Willen zurück und tat, was es am liebsten machte und am besten konnte. Es geht darum, auf der Welle des Lebens zu surfen: Leading with Life





















Mittwoch 1. April 2009 um 15:25
Danke Matthias,
es gibt dem Buch noch eine weitere Dimension, die Enstehungsgeschichte zu kennen. Vor allem gibt es Mut, erfolg-reich auszusteigen um wieder eine neue Erfolgsgeschichte anzugehen. Denn nur eine brennende Kerze kann eine andere anzünden.
Das ist gerade wieder bei mir dran, zum 5. Mal in meinem Leben. Der Körper, Geist und Seele zeigen den Weg ganz genau, und trotzdem funkt der Verstand immer dazwischen mit seinen ach so überzeugenden “Sachargumenten”, warum es jetzt nicht der richtige Zeitpunkt ist, eine Auszeit zu nehmen.
Der Verstand bringt uns noch alle um den Verstand, denn er geht so schnell, dass das Herz nicht folgen kann.
Mittwoch 1. April 2009 um 23:11
Lieber Matthias,
Deine ganz persönliche Geschichte hat mich bewegt, danke dafür. Deinem klaren Plädoyer für den innersten eigenen Lebensweg stimme ich voll zu: Dem Wegweiser des wahren Willens der Seele zu folgen führt zu der Erfahrung von mehr Lebendigkeit. Dieses authentische Lebendigsein habe ich in den letzten Monaten als Leichtigkeit in der Arbeit verbunden mit mehr Bewusstheit erfahren dürfen.
Ich habe damals den Wunsch der Seele als Intuition gespürt. Darauf vollständig zu vertrauen, fiel mir schwer. Mein Verstand mit seinen vernünftigen Argumenten versuchte ständig, mich zu vermeintlich sicheren weil bekannten Berufswegen zurückzuführen. Ebenso lauteten wohlgemeinte Empfehlungen von außen. Vorsichtshalber entschied ich mich im ersten Anlauf zu einer halb sicher orientierten und halb intuitiven Vorgehensweise – und bin erstklassig gescheitert.
Zu Deinem Bild ‚auf der Welle surfen’ möchte ich sagen: Neben dem Wissen um den wahren Willen brauchen wir auch den Mut, unseren Weg mit vollem Einsatz zu gehen. Mut braucht Ermutigung! Danke für das Mutmacher-Buch „Leading with life“.
Mit Lesevorfreude, Karin Reuter