Vertrauen gewinnen durch Nachhaltigkeitsberichte?
2009-04-06, von Udo Westermann
Unternehmen in der Vertrauenskrise
Finanzkrise, soziale Gerechtigkeit und auch immer noch der Klimawandel – der Wind der öffentlichen Diskussion bläst den Unternehmen zunehmend kritisch ins Gesicht. Aus allen Parteien der Regierungskoalition ist mittlerweile nicht mehr nur von individueller Gier, sondern auch von systemischen Versagen die Rede. Die Forderung nach mehr regulierendem Ordnungsrahmen gewinnt Oberhand über die Talkshows, gewürzt mit dem Klagen über den moralischen Verfall der Manager. Aber wir werden auch nach der Finanzkrise ein Unternehmen führendes Management benötigen.
Verantwortliche Unternehmen
Unser marktwirtschaftliches System basiert auf Freiräumen und ausdrücklich auch auf dem individuellem Streben nach dem eigenen Vorteil – gebändigt durch eine Verantwortungsbereitschaft der Akteure. Der Protagonist dieser Verantwortungsdiskussion war lange Zeit der ehrbare Familienunternehmer. Nun hat sich die Eigentümerstruktur unserer Wirtschaft gewandelt. Investoren und Fremdmanager prägen das Geschehen und streben nach kurzfristigen Gewinnen und Boni. Können Aktiengesellschaften verantwortlich handeln?
Auch für AGs gilt, dass sie langfristig nur erfolgreich sind, wenn sie ein positives Unternehmensimage verkörpern, das auf ihre Produkte ausstrahlt und neu gute MitarbeiterInnen anzieht.
Glaubwürdigkeit durch Nachhaltigkeitsberichte
Imagebildung ist ein langfristiger Prozess, der – wie im normalen Leben – auf Vertrauen basiert. Und Vertrauen entsteht im Dialog, durch eine offene ehrliche Kommunikation. Im direkten Kontakt mit einzelnen Interessengruppen aber auch mit einer breiteren öffentlichen Zielgruppe. Mit den Nachhaltigkeitsberichten hat sich über die Jahre ein Standard für eine solche Kommunikation entwickelt, der heute den Unternehmen eine Richtschnur bietet, wie sie über was berichten sollen.
Seit 1998 arbeite ich an der Bewertung von Umwelt- und Nachhaltigkeitsberichten von Unternehmen und an der Entwicklung von Qualitätskriterien für diese Berichte. Aktuell bereiten wir das Ranking der Nachhaltigkeitsberichte 2009 vor: www.ranking-nachhaltigkeitsberichte.de, erstmalig auch für mittelständische Unternehmen: www.kmu.ranking-nachhaltigkeitsberichte.de
Ich denke, Nachhaltigkeitsberichte sind ein probates Mittel, den offenen Diskurs zu fördern und sie sind auch ein Treiber für die eigene Entwicklung der Unternehmen. Und die Anforderungen an die Berichte haben sich so etabliert, dass greenwashing hier keine Chance mehr hat.
Was meinen Sie?
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Montag 6. April 2009 um 10:39
Liebe Udo Westermann,
schön, sie hier zu sehen! Wie schätzen Sie die Krise im Hinblick auf Nachhaltigkeit ein? Wird es so, sein, dass die Nachhaltigkeitsberichte und CSR wieder eher als Spielwiese betrachtet werden? Oder ist das Thema “nachhaltig” in den Unternehmen angekommen? Beste Grüße aus Köln!
Montag 6. April 2009 um 11:12
Lieber Klaus Burmeister
natürlich spüren die Unternehmen die aktuelle Krise. Aber ich denke, DIE Unternehmen gibt es nicht. Da wo Märkte wegbrechen hat das Einflüsse auch auf die Nachhaltigkeitsakteure in den Unternehmen – gerade bei den Mittelständlern, und seien es nur reduzierte Kapazitäten. Es sind sicher keine ruhigen Zeiten.
Aber lassen Sie uns die positiven Seiten sehen: es gibt sie, die Unternehmen, in denen das Thema Nachhaltigkeit angekommen ist und die es strategisch so verankert haben, dass es jetzt hilft, die Auswirkungen abzumildern oder auch neue Perspektiven zu nutzen.
Für die Nachhaltigkeitsberichte gilt wohl das Gleiche: es wird einige (hoffentlich wenige) geben, die Berichte zurückstellen oder insbesondere KMU werden den Aufwand reduzieren. Aber die Konzerne sollten erkannt haben, dass Nachhaltigkeit kein Schönwetterthema ist. Vermutlich wird es ganz spannend zu beobachten, ob über eine gestalterische Auseinandersetzung kommuniziert wírd oder ob die Krise als Schutzbehauptung genutzt wird.
Schönen Gruß nach Köln!