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Sechs Jahre Grundschule – Hop oder top ?

Brigitte Goebel 19 Mai 2009 4 Kommentare

brigitte-bild2 Jetzt ist es wieder soweit – vor allem Eltern unterliegen einem ungemeinen Druck  durch die Frage : Auf welche weiterführende Schule wird mein Kind gehen? In Berlin stellt sich zudem die Frage, ob nach der vierten oder nach der sechsten Klasse Grundschule.
Lehrer machen es sich – meistens jedenfalls – nicht leicht mit der Entscheidung, welche weiterführende Schulform sie den Eltern für ihr Kind empfehlen. (Der Spiegel: “Maurer oder Manager”)
Dabei ist eine 100%ig sichere Prognose für eine bestimmte Schulart meines Erachtens noch weniger nach der vierten als nach der sechsten Klasse geeignet!

Und die Kinder ? Sie sind den Entscheidungen der Erwachsenen quasi „ausgeliefert“, dabei ist für sie nur wichtig, dass sie mit ihren Freundinnen und Freunden zusammen in die gleiche Schule gehen ! So ist es doch, nicht wahr?
Jedenfalls habe ich das Jahr für Jahr erlebt, die Dramen und die Ungewissheit, die das Familienleben manchmal komplett für Wochen lahmlegen !

Skandinavien macht es uns vor:
„Das kann es doch nicht sein“ war für mich klar und deshalb habe ich mich entschlossen, bei meiner Schulgründung das längere, gemeinsame Lernen – ähnlich dem skandinavischen Vorbild -  als einen der Eckpfeiler meines Konzeptes aufzubauen.
In internationalen Bildungssystemen lernen alle Kinder mindestens sechs Jahre gemeinsam. Gründe, die dafür sprechen, hat jüngst eine neue Studie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung belegt.
Zudem ist es einfach unerlässlich, den Kindern Sicherheit und Geborgenheit in ihrem sozialen Beziehungsfeld zu geben, ihr Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein zu stärken  und sie damit zu befähigen, eine eventuelle Neuorientierung z.B. für eine andere Schule und neue Freunde unproblematischer zu verkraften.
Wir sollten den Kindern Zeit lassen, sich und ihre Fähigkeiten zu entfalten, zu erproben, zu forschen und zu experimentieren, um selbständig  Denkansätze und Lösungswege zu finden und umzusetzen.
Wäre es nicht beruhigend zu wissen, dass unsere Kinder lange genug darauf vorbereitet werden, ihre Stärken zu erkennen und ihre Schwächen zu akzeptieren, damit sie mit diesem
Wissen eigenverantwortliche Entscheidungen treffen können – auch die, auf welche Schule sie gerne gehen möchten?

Sorgen der Eltern:
Eine Mutter fragte mich kürzlich: „Wenn mein Kind erst in der siebten Klasse auf eine andere Schule wechselt, hat es dann nicht viel größere Probleme Anschluss zu finden, da sich bis dahin bereits die ganzen Cliquen und Freundschaften gebildet haben ?“ – Eine sehr interessante und durchaus berechtigte Frage wie ich fand… Da ihr Kind bei uns aber frühzeitig gelernt hätte, seine sozialen Kompetenzen zu entwickeln und auszubauen, könnte es den neuen Klassenkameraden ein ganzes Stück toleranter und selbstbewusster gegenüber treten. Wer gelernt hat, teamfähig zu sein, der findet sich sehr schnell in seine neue Umgebung ein – das gilt für Kinder in noch schnellerem Maße als für Erwachsene.

Sechs Jahre Grundschulzeit auch in der PbG:
Die sechsjährige Schulzeit ist nur eine Besonderheit unseres PbG-Modells und ist nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel mit den weiteren zu sehen.
Ich persönlich postuliere die sechsjährige Grundschule nicht als DIE bessere Schulform. Es ist völlig in Ordnung und gut, wenn es in Deutschland, wie derzeit in Berlin, beide Formen gibt. Ich sehe in ihr aber klare Vorteile und in Zusammenhang mit dem Gesamtkonzept der PbG eine sehr gute Ergänzung unserer Schullandschaft. Und ich denke, auch gerade darum geht es – Eltern gute Alternativen und eine größere Vielfalt im Bildungsangebot für ihre Kinder zu geben. Sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung – was meinen Sie ?

Herzlichst
Brigitte Göbel


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4 Kommentare »

  • Lutz Falkenburg sagte:

    Ich wünschen Ihnen viel Erfolg, nennen Sie mich ignorant aber manchmal frage ich mich bei dem ganzen “in Watte packen”, wie zum Beispiel:

    “Zudem ist es einfach unerlässlich, den Kindern Sicherheit und Geborgenheit in ihrem sozialen Beziehungsfeld zu geben, ihr Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein zu stärken und sie damit zu befähigen, eine eventuelle Neuorientierung z.B. für eine andere Schule und neue Freunde unproblematischer zu verkraften.”,

    ich überhaupt 39 Jahre alt werden konnte. Man sollte eine Schule für Eltern gründen die wieder erziehen statt aufziehen lehrt.

    (meine zutiefst persönliche Meinung)

  • Brigitte Göbel (author) sagte:

    Danke für die guten Wünsche – aber da macht mich etwas stutzig: Bedeutet für Sie, dass man Kindern, wenn man ihnen das Gefühl gibt, dass sie in einer Gemeinschaft ( egal ob Familie,Klasse, Freundeskreis o.ä. )willkommen und angenommen sind, sie ernst nimmt als Persönlichkeit und bestärkt, dass sie lernen,sich etwas zuzutrauen ohne ständig gegängelt zu werden, “in Watte packen”???
    Sind Sie selbst Vater ? Wie erziehen Sie Ihre Kinder?
    Ich stimme allerdings total mit Ihnen überein, dass es Eltern gibt, die durchaus eine Anleitung
    zur Erziehung von Kindern benötigen – aber dann haben sie es vielleicht selbst nicht anders erlebt.
    Zur Kindererziehung gehört nämlich gerade die Bereitschaft, sich auf das “Individuum Kind” einzulassen, ohne es ständig nach eigenen Wünschen und Vorstellungen ( denen der Erwachsenen ) formen und damit oft “verbiegen” zu wollen, meinen Sie nicht? Erziehen heißt Verantwortung übernehmen, aufziehen dagegen Versorgung anbieten!

  • Lutz Falkenburg sagte:

    Ja, ich bin Vater. Ich versuche meine Tochter realistisch zu erziehen. Dies bedeutet, dass es zum einen eindeutige Grenzen gibt, bedeutet aber auch, dass man über alles reden/streiten kann, wenn man dies sachlich und durchdacht tut (und das heisst nicht, das da nur meine Beurteilung der Argumente zählt sondern teilweise folge ich meiner Tochter auch bei völlig verrückten Argumenten, wenn sie diese ihren 9 Jahren entsprechend “verteidigen” kann).

    “Ich möchte gerne ohne Jacke spielen gehen, es ist warm genug”, “Ok, ich koche Dir dann gerne Tee, aber die Erkältung ist dann Deine”, “Ich werde mich nicht erkälten”, “Sicher?”, “Ja, ich spiele ja und bewege mich”. Natürlich war es zu kalt, natürlich hat sie sich erkältet aber Konsequenzen seiner Handlungen tragen (wenn Sie denn nicht “Lebens bedrohend” sind) gehört eben auch dazu!

    Allein diese Kleinigkeiten lernen viele junge Menschen heute nicht mehr. Streiten? Fehlanzeige, jede Kritik wird als persönlicher Angriff gewertet – egal ob konstruktiv oder einfach nur als Feststellung geäußert. Auch der Umgang mit “Verlusten” muss gelernt sein. Da hilft es nichts, wenn Eltern ehemalige (in meinen Augen wichtige) Initiationsriten und deren Auswirkungen (zum beispiel 4. Klasse = alles ändert sich) einfach soweit dämpfen, dass der, in meinen Augen, wichtige Effekt völlig verloren geht. Mit 11/12 Jahren Integration zu üben (weil eben alle Strukturen aufgebrochen werden und Gemeinschaften sich neu bilden müssen, durch den Wechsel der Schulform) ist meines erachtens extrem wichtig.

    Bei Erziehung geht es sehr wohl zu einem gewissen Teil darum unsere Kinder “in Form” zu bringen um Sie Gesellschaftskonform “zu prägen”. Dazu gehört eben, dass man in der Öffentlichkeit nicht in der Nase popelt, rülpst, furzt etc. aber eben auch sich nicht ständig mit anderen zu prügeln etc. Was denken Sie denn was das ist? Das ist nunmal “verbiegen” und zwar so, wie wir Erwachsenen das für nötig halten.

    Das Ganze ist ein sehr komplexes und weites Feld bei dem ich garantiert kein Experte bin sondern auch nur die Summe der Prägungen meines Elternhauses und der Gesellschaft in die ich hineingeboren wurden.

    Noch ein Beispiel: Ich habe in meinem Leben bereits etliche Leute ausgebildet und muss leider subjektiv feststellen, dass viele junge Menschen eben überwiegend fordern und nicht leisten und zur Anpassung nicht bereit sind – meines Erachtens eine absolute Fehlentwicklung. Klar muss jeder seine eigene Meinung haben, aber nicht um jeden Preis.

    Ich könnte da noch zig Seiten drüber schreiben :D

  • Brigitte Göbel (author) sagte:

    Das glaube ich Ihnen gern !
    Allerdings bin ich erstaunt – Sie bestätigen nämlich genau das, was ich in meinem Beitrag geschrieben habe :”Zudem ist es einfach unerlässlich, den Kindern Sicherheit und Geborgenheit in ihrem sozialen Beziehungsfeld zu geben, ihr Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein zu stärken und sie damit zu befähigen, eine eventuelle Neuorientierung z.B. für eine andere Schule und neue Freunde unproblematischer zu verkraften.” – Explizit das machen Sie ja schon, sie geben Ihrer Tochter Sicherheit und Geborgenheit in einem Teil ihres Beziehungsfeldes ( nämlich Elternhaus), sie lassen ihr die Freiheit, Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein zu entwickeln etc…..
    Das ,was für das Elternhaus gilt, sollte – ausgerichtet auf das Beziehungsfeld Schule – entsprechend gelten – was ist daran “in Watte packen”??
    Im Übrigen zählen Sie viele wichtige Elemente auf, die Sie in der Erziehung Ihrer Tochter beachten – genau dieser Aufgabe kann ergänzend auch eine Schule gerecht werden, die den Kindern die Zeit gibt,die Erfahrungen zu verarbeiten und verkraften zu lernen. Gerade den “Verlust” wichtiger Bezugspersonen – üblicherweise nach der 4.Klasse – kann ein Kind erfahrungsgemäß nach der 6.Klasse schon ganz anders kompensieren; zudem ist das Ziel der PbG ja sowieso, möglichst lang das schulische soziale Beziehungsfeld zu erhalten ( bis Klasse 9 )und gemeinsam zu lernen -die Planung für den Aufbau eines Schulverbundes ist bereits abgeschlossen.
    Um noch auf das Verbiegen – was Sie darunter anscheinend verstehen – einzugehen : Das sind für mich nur Verhaltensregeln,die man den Kindern vermittelt – “das, was man nicht tut in der Öffentlichkeit” – ob sie das auch wirklich in der Öffentlichkeit dann umsetzen, entscheiden sie von Fall zu Fall selbst, oder? Das ist kein Verbiegen, lediglich eine Hilfestellung!
    Zusamenfassend bestätigen Sie jedenfalls genau das, was eine der Zielsetzungen meiner Schule ist:Kindern und Jugendlichen soziale Kompetenzen (u.a.Streitkultur,Kritikfähigkeit,Leistungsbe -
    reitschaft,Konsequenzen tragen etc..) zu vermitteln, um sie “fit” für “die” Gesellschaft zu machen !

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