Wo sind die Unternehmensgründer?

2009-06-25, von Wolff Horbach

Eine Zahl hat mich heute Morgen erschreckt: Bei uns gibt es immer weniger Unternehmensgründer. Verglichen mit 17 anderen hochentwickelten Staaten landet Deutschland auf dem vorletzten Platz. Telepolis schreibt dazu unter dem Titel “Kein Mut zum Risiko?“:

Die Marktwirtschaft funktioniert in der uns geläufigen Form nur unter der Voraussetzung, dass Unternehmen immer wieder neue Erfindungen kommerzialisieren und mit Erfolg verkaufen. So hält das ökonomische System den Wettbewerb auf Betriebstemperatur. Außerdem werden – im Idealfall – zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen und innovative Produktentwicklungen initiiert, die ihrerseits zum Ausgangspunkt der nächsten Generation von Ideen und Umsetzungen werden können. Unternehmen müssen allerdings gegründet, organisiert und geleitet werden, und genau für diese Aufgaben fehlt in Deutschland offenbar das “Personal”.

Warum trauen sich so wenige Menschen, sich selbstständig zu machen?

Warum ist hierzulande die “sozialversicherungspflichtige Beschäftigung” weitaus beliebter als das freie Unternehmertum?

Was muss geschehen, damit sich mehr Menschen trauen, etwas zu unternehmen?

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8 Kommentare zu “Wo sind die Unternehmensgründer?”

  1. gabaretha sagt:

    Abgesehen von der Schwierigkeit zur Entscheidung, die Verantwortung mit allen Möglichkeiten und Risiken selbst zu übernehmen, sind nach meiner Erfahrung viele weitere “Voraussetzungen” für ein Leben als Unternehmer zu erfüllen. Nach meiner Ansicht müssten behördliche Vorschriften und Steuergesetze deutlich vereinfacht und transparenter gestaltet werden, damit sich mehr Menschen trauen, ihre Ideen selbstständig umzusetzen. Viele staatliche Vorgaben schränken häufig den Handlungsspielraum eines unternehmungswilligen Menschen ein.
    Beispiel: Wer ein Gewerbe anmeldet, muss eine entsprechende Anzahl an privaten Parkmöglichkeiten zur Verfügung stellen, um eine Genehmigung zu erhalten ;-)
    …und auch die andere Seite: Die Anzahl an amtlichen Veröffentlichungen von Betriebsstilllegungen und Konkursen sprechen ihre eigene Sprache.
    Gute Ideen wollen aktiv umgesetzt und mit persönlichem Einsatz und Mut vertreten werden. Meine Meinung: Nicht jeder kann alles können – aber jeder kann alles lernen.
    Viele liebe Grüße aus dem Isartal,
    besser und besser,
    Gaba

  2. Jane sagt:

    Lieber Herr Horbach,
    so wie sie die Frage stellen, möchte ich behaupten, dass Sie auch nicht selbsständig sind (ich weiß es leider nicht). Denn wenn Sie es wären, könnten Sie 1000 Gründe nennen, warum es in Dtl. so schwierig ist selbstständig zu sein. Ich nenne nur ein paar Stichpunkte: Banken, Krankenkassen, IHK, Finanzamt, Rentenanstalten, Gemeinden – Institutionen die einem das Leben als Selbstständige eher behindern statt fördern. Und alle haben eins gemeinsam: sie halten schon die Hand auf, auch wenn das Geschäft noch gar nicht gegründet ist bzw. grade eben gegründet ist. So lange, wie ein Selbstständiger gegebüber einem Angestellten benachteiligt ist, wird sich da auch nicht ändern. Und das hat nichts mit fehlendem Mut zum Risiko zu tun.

  3. Marcus Bittner sagt:

    Klar, über die Rahmenbedingungen des Unternehmertums kann man immer lamentieren und das ist auch richtig. Aber sind es nicht genau diese Argumente, die ein Bild vermitteln, dass eine Gründung quasi nicht möglich erscheint? Die bürokratischen Hürden aber auch eine Spiegelbild unserer Gesellschaft. Zum Beispiel wird Unternehmerisches Denken in Schule, Ausbildung und Studium kaum gefördert. Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist, dass wir keine Kultur des Scheitern haben. Eine gescheiterte Gründung ist schlimmer als gar nicht zu gründen.

  4. Wolff Horbach sagt:

    @ Gaba:
    Es ist sicherlich so, dass wir eindeutig zu viele Vorschriften und Hemmnisse haben, die potentielle Gründer abschrecken. Aber das kann es nicht alleine sein. Es gibt so viele Menschen, die sich täglich über ihren Chef beschweren, die jeden Tag wieder in den Laden gehen, den sie eigentlich nicht mögen, aber den Hintern nicht hoch kriegen, etwas Eigenes zu wagen.

    @ Jane:
    Falsch behauptet: Ich bin seit 26 Jahren selbstständig und habe es bisher keinen Tag bereut. Ich habe vorher im Forschungszentrum Jülich gearbeitet und hätte dort sicherlich einen sicheren Arbeitsplatz bis zur Pensionierung gehabt. Aber mich hat gereizt, eigene Ideen zu entwickeln. Auslöser waren damals die Perspektiven der aufkommenden Computertechnologie.

    Ich könnte keine 1000 Gründe nennen, warum es in D so schwierig sein sollte, sich selbstständig zu machen. Ich würde mich nicht mal der Mühe unterziehen, so lange darüber nachzudenken. Klar haben wir eine Reihe von Hemmnissen, die nicht sein müssten. Aber ich glaube, dass viele Hemmnisse nur im Kopf sind.

    Ich könnte aber mindestens 1000 Gründe nennen, warum es sich lohnt, selbstständig zu sein. Ich bin ein freier Mann. Natürlich muss ich Vorschriften einhalten. Aber muss ich das als Angestellter nicht auch? Natürlich habe ich mich als Unternehmer des öfteren über bekloppte Regelungen geärgert. Aber tut das nicht jeder Angestellte auch?

    Ist es nicht verrückt, dass nach Umfragen BWL-Studenten kurz vor dem Studienabschluss alle zu großen Konzernen wie BMW oder McKinsey wollen, sich aber kein einziger selbstständig machen will? Die gleichen Leute, die ein, zwei Jahre später wie die Rohrspatzen schimpfen, dass sie wie die Verrückten schuften müssen, aber keinerlei Freiheit haben.

    Was wir brauchen, ist eine eine neue Kultur der Selbstständigkeit. Dazu gehört sowohl der Abbau von unsinnigen Vorschriften als auch das Ermutigen und Sichtbarmachen von Freiheit und Gestaltung.

  5. Wolff Horbach sagt:

    @ Marcus Bittner:
    Ich kann Ihre Worte nur unterstreichen. Wir brauchen mehr unternehmerisches Denken und Handeln in allen Gesellschaftsschichten und Institutionen.

    Ich meine, es wäre der Apple-Boss Steven Jobs gewesen, der einmal gesagt hat: “Das Schlimmste ist, wenn man sich am Ende des Lebens eingestehen muss, dass mal nicht einmal gescheitert ist”.

  6. Michael (Baudax) sagt:

    @Wolff
    Zustimmung. Es sind natürlich viele bürokratische Hemmnisse, die die Selbständigkeit erschweren, von den Banken als Hauptverhinderer will ich gar nicht reden; aber wer es wirklich will, der schafft es auch. Jede Selbständigkeit schafft auch Arbeitsplätze, schon deshalb brauchen wir Existenzgründer.
    Leider haben wir jetzt (ich sehe das immer wieder) eine Generation Hosenschei…., die lieber in einer, (wenn auch unbequemen und unsicheren) Komfortzone verharrt, als eine Veränderung in ihrem Leben herbeiführt.
    Als Glücksforscher wirst Du verstehen, dass für mich das größte Glück ist, frei zu sein in meinen Entscheidungen. Beruflich begann mein Wunsch während meiner Ausbildung, als ich mit einem Vorschlag bei meinem Chef abblitzte. Da habe ich mir geschworen (damals 23 alt) ich mache mich selbständig. Es hat aber dann noch 13 Jahre gedauert. Ich habe den Schritt nie bereut, auch wenn ich vor Sorgen manche Nacht senkrecht im Bett geschlafen habe.

  7. Anke Trischler sagt:

    Lieber Wolff, die Bürokratie ist das eine. Aber vielmehr: Selbständigkeit hat in Deutschland etwas anrüchiges. Fragen wir einmal herum, was einen Unternehmer ausmacht, dann sind das “das große Auto, Mitarbeiter, die für einen arbeiten, viel Geld, die Zweitwohnung auf der Ferieninsel” usw. Aber eben leider nicht: Mut, Risikobereitschaft und Risikomanagement, Initiative, Verantwortung, Verbindlichkeit, Innovation ….

    Vor einigen Monaten eröffnete unserer lokaler Bäcker (mit echter Backstube) eine weitere Filiale mit kleinem Café. Die Reaktion unserer Sekretärin: “Der kriegt den Hals nicht voll genug!” Hallo? Geschäft eröffnen, Arbeitsplätze schaffen, Arbeitsmittel kaufen, Steuern zahlen, dörfliche Infrastruktur, Versorgung sichern, selbst vor Ort sein bis es läuft – und das alles nur, um mit Brötchen unermesslich reich zu werden?

    Mal abgesehen von dieser Anekdote: In Deutschland werden vor allem die großen Unternehmen wahrgenommen mit eben jenen Managern, die gern das Geld anderer ausgeben und nicht den Unternehmenswert wahren bzw. Mehrwert schaffen. Aber gerade diese Unternehmen wurden bislang als der sichere Hafen bis zur Pensionierung angesehen. Übrigens ist es auch ganz angenehmen, wenn die Mitarbeitern Befehlsempfänger sind und nicht allzu viel selbst nachdenken. Das ist jetzt vorbei: den sicheren Hafen gibts nicht mehr. Selbst denken und handeln ist gefordert. Und sich auf sein eigenes Können verlassen und sich seiner selbst besinnen. Und eben genau das haben wir nicht gefordert und gefördert. Wird Zeit, das jetzt endlich zu tun. Fangen wir selbst an: Sprechen wir über die Freude, die unsere Selbständigkeit uns macht.

  8. Herbert sagt:

    Eine neue Kultur der Selbstständigkeit ist eine schöne Formulierung. Aber es müssen nicht nur die ermutigt werden, die sich selbstständig machen wollen, sondern wie oben beschrieben auch die Einstellung dazu in Deutschland. Der Grund ist meiner Meinung immer Neid. Denn unterm Strich wären wir doch alle gern unser eigener Chef. Aber bitte nur mit den positiven Nebeneffekten. Dass man Rücklagen schaffen muss, um einnahmensschwache Monate zu überbrücken und sich dann auch entscheiden muss, welche geldanlage man dazu wählt, wird gern von außen übersehen. Dass man sich dabei entscheiden muss, ob es Festgeld, ein Depot oder Tagesgeld und sich dann auf Seiten wie [url]http://www.die-tagesgeld-experten.de/[/url] informieren muss, um sich zu informieren und zu vergleich. Oder auch auf den Seiten der Komunen schauen sollte, ob online Formulare angeboten werden, die Behördengänge vermeiden … all dies sieht der Außenstehende nicht. Selbstständigkeit bedeutet viel Arbeit und ein hohes Risiko. Deswegen sollte es jedem gegönnt sein, der Erfolg hat.

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