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Neue Ideen – kreative Spinnerei oder systematischer Prozess?

Anke Meyer-Grashorn 31 August 2009 3 Kommentare

„Das klingt irgendwie ziemlich einfach, das mit den Ideen.”, sagte vor ein paar Tagen eine Dame zu mir, die mich zum Thema systematische Ideenproduktion interviewt hat. Stimmt. Neue Ideen zu haben ist nicht schwer. Wenn man weiß wie es geht. Ist ja bei vielen Dingen im Leben so.

ideeleineBeim Wort „Idee” denken Sie vielleicht an Musenkuss oder Geistesblitz. Was tun Sie, wenn Sie sich etwas einfallen lassen müssen, nach einer neuen Lösung für ein altes Problem suchen oder erkannt haben, dass der bisherige Weg anscheinend so nicht mehr weiter funktioniert? Setzen Sie sich ruhig auf einen Stuhl und warten auf die vorbeifliegende Muse oder die Eingebung von oben? Vielleicht öffnen Sie gegen Abend ein Fläschchen Wein, um die Wartezeit zu überbrücken. Wein soll ja für Vieles gut sein, bestimmt auch für Ideen.

Vielleicht fragen Sie ja auch Kollegen, Kunden, Freunde, Bekannte oder Verwandte nach ihrer Meinung oder einem Tipp, wie diese Ihre Fragestellung lösen würden. Vielleicht wenden Sie sich an ein Genie, das Sie zufällig kennen, an einen Fachmann oder eine Expertin, irgendeinen schlauen Kopf, der scheinbar mehr und bessere Ideen hat als Sie?

Die schlechte Nachricht zuerst: Ideen sind nur in den allerallerallerwenigsten Fällen das Ergebnis von Musenküssen und Geistesblitzen. Sie sind keine Geniestreiche, haben selten mit Zufall zu tun und Wein hilft auch nur bedingt.

Die gute Nachricht: Ideen kann man produzieren wie andere Güter und Waren. Wie Autos, Kaugummis, Dichtungsringe oder Taschentücher. Am Fließband, mit System, Methode und einem strukturierten Prozess, der erlernbar ist. Jede und jeder kann es. Sie auch. Der einzige Trick ist: Sie müssen es einfach nur tun.

Tun klingt nach Arbeit. Ja, leider. Ideenproduktion ist ein hartes Geschäft. Einfach, aber sehr anstrengend. Nicht mystisch, eher mühsam. Schweißtreibende Plackerei das Denken. Das könnte auch der Grund dafür sein, dass in vielen Unternehmen so wenig innovativ gedacht wird. Aber das ist ein anderes Thema, auf das ich im Lauf der Woche noch im Detail eingehen werde.

Spinner, Ideen? System, Prozess, Struktur? Widerspricht sich das nicht? Prallen hier nicht zwei Welten aufeinander? Nein. Paßt perfekt zusammen. Auch wenn es komisch anmutet.

Ausnahme: Falls Sie zu den Künstlern, Kreativen, Tüftlern oder Erfindern gehören, für die die Ideen-Früchte ihres Schaffens nicht existenziell sind – soll heißen, dass Sie damit kein Geld verdienen müssen, keinen lästigen, fordernden Auftraggeber oder irgendein Zeitlimit haben – dann müssen Sie nicht systematisch vorgehen. Dann sind Zufall und Geschehenlassen völlig in Ordnung.

Wenn Sie aber zu denen gehören, die Ideen benötigen zu speziellen Fragestellungen oder zur Lösung aktuell anstehender Probleme, Ideen für bestimmte Märkte, Produkte oder Dienstleistungen, vielleicht dabei unter Zeitdruck stehen und kein Ergebnis keine Option ist, dann fallen Sie unter die Kategorie „Ideenproduzent” und sollten, wie jeder andere gute Produzent, entsprechend systematisch vorgehen.

Mein Ideen-Produktions-Prozess ist einfach und besteht aus drei Prozessschritten:

Schritt 1: Sammeln
Schritt 2: Verdichten
Schritt 3: Präsentieren

Alle drei Schritte sind gleich wichtig und müssen nacheinander durchlaufen werden. Nicht mischen, nichts weglassen. Wie bei der Autoproduktion. Zuerst wird die Karosserie zusammengebaut, dann wird lackiert und dann werden alle anderen Teile einmontiert.

Wie der Prozess und die einzelnen Schritte im Detail funktionieren, erfahren Sie morgen. Also: Schalten Sie wieder ein, ich freue mich sehr über Input und Fragen. Gibt es etwas, was Sie bei der Ideenproduktion besonders interessiert? Schreiben Sie mir. Sind Sie bereits erfolgreicher Ideenproduzent und haben Tipps für mich? Jederzeit gerne.

Eine erfolgreiche Woche und ein paar gute, neue Ideen, wünscht Ihnen

Anke Meyer-Grashorn


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3 Kommentare »

  • Wolff Horbach sagte:

    Ich bin immer wieder überrascht, wie wenig die meisten über systematische Ideenfindung wissen. Ich habe mich neulich fast mit einer Dame gefetzt, die allen Ernstes behauptete, Kreativität wäre etwas, was nur ganz wenigen begabten Künstlern vorbehalten sei. Und die würden über den Prozess nicht reden.

    Welch ein Blödsinn: Wie kreative Prozesse ablaufen, weiß man inzwischen ganz gut.

    Es ist höchste Zeit, dass diese Prozesse der Ideenfindung gelehrt werden. Am besten schon in der Schule. Wir können auf dem Weltmarkt nicht mehr mit billiger Produktion punkten, auch nicht mehr mit Qualität. Das können die Chinesen mittlerweile genau so gut.

    Wenn wir unseren Wohlstand retten wollen, bleibt uns fast nur übrig, sehr kreativ zu sein. Produzieren kann man anderswo billiger. Wir sollten es so machen wie die Macher des iPhone: “Designed by Apple in California. Assembled in China”.

    Danke dafür, dieses enorm wichtige Thema hier aufzugreifen und zu vertiefen.

  • Anke Meyer-Grashorn (author) sagte:

    Hallo Herr Horbach,

    vielen Dank für Ihre Mail. Bin absolut bei Ihnen. Her mit dem Lehrstuhl für systematische Ideenproduktion und rein mit dem Thema in die Lehrpläne. Je früher wir das richtige Handwerkszeug erlernen und damit üben, üben, üben, umso besser. Dann werden hoffentlich auch bald jene Manager und Führungskräfte weniger, die bei Stichworten wie “Idee” oder “Kreativität” mitleidig lächeln und leicht angewiedert das Gesicht verziehen.

    Das kreative und innovative Potenzial der Mitarbeiter ist wertvollstes Gut, die Basis für Wettbewerbsvorteile und Differenzierungspotenziale und damit Voraussetzung für gesamtwirtschaftlichen Erfolg. Und wenn wir das nicht bald verinnerlichen und immer noch über die Notwendigkeit kreativer Prozesse diskutieren müssen, dann laufen uns die Asiaten auch in diesem Punkt noch den Rang ab. Denn die sind mutiger im Ausprobieren und haben einen ausgeprägten Spieltrieb. Und aus genau diesem spielerischen Ansatz heraus entstehen neue Ideen. Let’s play!

  • Wolff Horbach sagte:

    Ideenproduktion ist wie Evolution oder besser: ein Teil der Evolution. Es müssen viele Ideen (Mutationen) erzeugt werden, damit sich eine Innovation (Vererbung) auf dem Markt (Biotop) durchsetzen kann.

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