Archiv für September, 2009

Die Ideenfabrik ist eröffnet

2009-09-25, von Elita Wiegand

querdenker-iiiOh, ich bin es so leid. Die gähnend, langweilen Veranstaltungen mit den ewige gestrig Ritualen und der Standardbegrüßung a la: „Wir freuen uns, dass Sie so zahlreich erschienen sind”. Redner, die sich am Pult fest klammern, ihren Text ablesen, immer falsch oder gar nicht betonen und deren Vortrag im Gleichkang dahin plätschert. Das Prädikat ungenügend klebt aber auch an den Redner, die die  voll gepfropften Texte ihrer Power Point Folien ablesen und zum Schluss bedeutungsschwanger ins Publikum schauen: „Hat jemand noch Fragen?”

So nicht! Nein! Nein! Nein! Anders, bitte. Ja, machen wir. Bunt. Lebendig. Quirlig. So wollen wir es und so wird es bei unserem Business-Forum. Um 19.07 Uhr eröffnen wir am 15. Oktober im Düsseldorfer Theater der Träume unsere erste Ideenfabrik. Unser Veranstaltungsort hat 250 Plätze und die wollen wir füllen. Es gibt Überraschungen und sie kommen, das Trio des Business-Clubs, jeder auf seine Art ungewöhnlich und sie werden uns ihre Erolgsrezepte verraten.

 

  • Dr. Sarah Schons, die Ärztin, über die man redet und schreibt, weil sie unbequem ist,  die das Gesundheitssystem kritisch anprangert und ihre eigenen mutigen Wege geht.
  • Kirstin Walther, die Unternehmerin, die sich über ihren Saftblog einen Namen gemacht und mit ungewöhnlichen Ideen ihre Firma erfolgreich positioniert hat.
  • Ludger Freese, der bekannteste Metzger Deutschlands, der ständig witzige Marketing-Ideen entwickelt und dessen world wide wurst immer noch in aller Munde ist.
  • Wolfgang Flür, Ex-Schlagzeuger von Kraftwerk, der Band, die die elektronische Musik „erfunden” hat und der mit seinem Buch „Ich war ein Roboter” für Furore gesorgt hat.

Wir wollen an den Abend gemeinsam Denkmuster durchbrechen, Eingefahrenes verrücken, uns vernetzen.

Brainstorming hier und jetzt
Und wir wollen alle mit einbinden, Eure Idee umsetzen. Ideen zum Beispiel für Menschen, die wir unbedingt einladen müssen, Unternehmer, die coole Ideen haben, mutige Quereinsteiger, Querköpfe, die unbequem sind. Aber auch Ideen für den Abend, Überraschungen. Was wünscht Ihr Euch? Wie können wir den Abend gemeinsam kreativ gestalten? Unser Brainstorming ist eröffnet.

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Frisch auf den Tisch: Regionale Produkte

2009-09-23, von Elita Wiegand

Gesunde Lebensmittel? Ja, klar wollen wir alle. Doch oft bleibt es bei dem Wunsch, denn im Supermarkt locken Bananen aus Brasilien, Rindfleisch aus Argentinien, Kiwis aus Neuseeland. Die Lebensmittel sind um die halbe Welt geflogen – ist nicht wirklich gesund.  Auch nicht für unser Klima.1.500 Meilen legen die Lebensmittel durchschnittlich zurück, bevor sie auf unserem Teller landen.

Direkt vom Landwirt kaufen
In unserem Stadtteil kaufen viele direkt vom Landwirt. Die Kunden können online Obst, Gemüse, Eier, Kartoffeln oder Käse bestellen und man bekommt die Waren nach Hause geliefert. Hat viele Vorteile: Die Produkte sind frisch und saisonal, man unterstützt den Landwirt vor Ort, verhindert lange Transporte, schont die Umwelt und man weiß, von wem die Lebensmittel kommen.

“Locavores” sind verrückt nach regionalen Lebensmitteln
Viele Amerikaner kultivieren inzwischen die regionalen Produkte. “Locavores” nennen sich umweltbewusste Bürger, die nur das essen, was möglichst nah an ihrem Wohnort produziert wird. “Eating locally” heißt der Trend und dazu brechen Menschen in New York den Asphalt auf, um Gemüse anzupflanzen. Andere halten auf ihrer Terrasse Kräuter und in Parks wird Essbares gesammelt. Einen Eindruck vermittelt dieses Video:

Tracks Locavore @ www.polylog.tv/videothek

Ideenfabrik: Wäre doch toll, wenn es Restaurants gäbe, die verstärkt regionale Produkte anbieten und auf den Speisekarten wichtige Infos vermerken. Zum Beispiel, wo die Lebensmittel herkommen etc. (Das wäre doch etwas für Ludger) Es könnten gar direkte Kooperationen zwischen Landwirten und der Gastronomie entstehen.

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Angriff auf die Freiheit

2009-09-16, von Elita Wiegand

angriff_auf_die_freiheitWer erinnert sich? Vor etwa 20 Jahren hat eine geplante Volkzählung in Deutschland Massenproteste ausgelöst. Damals kämpften viele gegen eine Aktualisierung der Meldedaten und übten harte Kritik gegen den Eingriff auf die Freiheit. Eine Volkszählung ist ein Witz im Vergleich zu dem, was wir heute an Sicherheitswahn und dem Abbau bürgerlicher Rechte erleben. Das Buch „Angriff auf die Freiheit” hinterfragt die Begriffe  um Sicherheit und Terrorismus. Uns wird Angst gemacht und mit  Argumenten für unsere scheinbare Sicherheit setzt die Politik Überwachungskameras, Onlinedurchsuchungen oder den Fingerabdruck im Reisepass durch.

Die terroristische Bedrohung ist zum Schlagwort geworden und wer es wagt, sich dagegen aufzulehnen, gilt als naiv oder verdächtig.  Das Buch hat mich noch mal wach gerüttelt.  

Viele haben  hier im Blog öfter engagiert und immer wieder über die Themen „Datenschutz und Grundrechte”  geschrieben. Ob “Schäuble’s neue Welt” von Sarah Schons,  Fehlgeburt des Bundestrojaners von Wolff Horbach, “Sind unsere Grundrechte noch zu retten? von Lutz Falkenburg oder Der Staat als Retter von sozialen Strukturen von Alexander Greisle. Den Appell der beiden Autoren kann ich nur unterstreichen:  ”Wehren Sie sich. Noch ist es nicht zu spät!”

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Kundenrückgewinnung immer noch Stiefkind im Vertrieb

2009-09-15, von Anne Schueller

Aus den Augen, aus dem Sinn. Dieses Sprichwort bringt auf den Punkt, was im Vertrieb derzeit bezüglich verlorener Kunden praktiziert wird: Verlorene Kunden sind vergessene Kunden. Oder sie werden als ‚Karteileiche‘ einfach aus der Datenbank gelöscht.

Nur zwölf Prozent aller Unternehmen betreiben ein systematisches Kundenrückgewinnungsmanagement. 35 Prozent beschäftigen sich überhaupt nicht mit dem Thema. Und 53 Prozent tun das höchstens punktuell. Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung unter 300 Führungskräften der deutschen Wirtschaft im Rahmen des Excellence Barometers 2009.

Ein sehr bedenkliches Ergebnis ist dies. Denn Unternehmen haben es zunehmend mit einem neuen Phänomen zu tun: den flüchtenden Kunden.

Obwohl die klassische Neukundengewinnung die mit Abstand teuerste Akquise-Maßnahme ist, fließen paradoxerweise dorthin die meisten Ressourcen. Bestandskunden haben deshalb oft das Gefühl, nurmehr ‚zweite Klasse‘ zu sein. So ziehen sie erbost und enttäuscht von dannen.

Bei der Kundenrückgewinnung ergeben sich zwei Ansatzpunkte: das Abwanderungsmanagement mit dem Ziel des Abwehrens bzw. der Rücknahme von Kündigungen sowie das Revitalisierungsmanagement zwecks Wiederaufnahme der abgebrochenen bzw. eingeschlafenen Geschäftsbeziehung.

Im Ex-Kundenkreis schlummert ein beträchtliches Ertragspotenzial. Es ist, wenn man weiß, wie das geht, nicht nur kostengünstiger, sondern meist auch leichter, abgesprungene Kunden zurückzuholen, anstatt pure Neukunden zu akquirieren. Die planmäßig betriebene Kundenrückgewinnung kann sich zu einem zentralen Wettbewerbsvorteil entwickeln.

In meinem Buch ‚Come back! Wie sie verlorene Kunden zurückgewinnen‘ zeige ich anhand eines fünfstufigen Managementprozesses, wie das auf professionelle Weise funktioniert. Weitere Infos: http://www.kundenrueckgewinnung.com

Vorrangig muss allerdings immer folgendes sein: die Prävention von Kundenverlusten. Denn noch besser als verlorene Kunden zu reaktivieren ist es natürlich, erst gar keine zu verlieren. Gerade in gesättigten Märkten haben die Bestandskundensicherung und der Aufbau einer dauerhaften Kundenloyalität absolute Priorität.

Und wie stehen Sie zu dem Thema?

cover_comeback

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Spinner-Gewinner

2009-09-14, von Anke Meyer-Grashorn

Herzlichen Glückwunsch an die drei Gewinner meines Buches “Spinnen ist Pflicht – Querdenken und Neues schaffen”. Und vielen Dank an alle, die mitgemacht und Kommentare geschickt haben. Die Spinner-Gewinner sind:

  • Michael Lalk
  • Biggi Mestmäcker
  • Ludger Freese

Herzlichen Glückwunsch!  Die Bücher werden an Sie verschickt. Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen und gute neue Ideen.

Ihre Anke Meyer-Grashorn

 

P.S. Das Buch wird in den nächsten Tagen verschickt. Gerne auch mit persönlicher Widmung. Bitte mailen Sie dazu Ihre Namen an anke@freiheit.de.

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Was uns bewegt: Gemeinsam Zukunft nachhaltig gestalten

2009-09-11, von Moritz Avenarius

Nach einer Woche des gemeinsamen Bloggens von Ole Wintermann und mir stellt sich vielleicht so mancher die Frage, welcher rote Faden die Texte miteinander verbindet? Es ist die Forderung nach der Erreichbarkeit der Souveränität der Bürger gegenüber den Organisationen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Unternehmen, wissenschaftliche Institutionen und als auch Parteien sind für die Menschen da. In unserem Alltag wird dies oft nicht eingelöst. Wer kennt nicht den Ärger mit Telekommunikationsunternehmen oder der örtliche Verwaltung bezüglich unnötiger kleiner Probleme? Mit den neuen webbasierten Kommunikationsmitteln hat nun der Einzelne gegenüber diesen großen Institutionen wieder die Möglichkeit, in seiner souveränen Rolle selbstbewusst aufzutreten und die weitere gesellschaftliche Entwicklung – abseits von tradierten Eliten – mitzubestimmen.

Wer besitzt die Entscheidungsmacht?

Eine zentrale Frage, die mir immer wieder bei der Vorbereitung eines BarCamps von den beteiligten Akteuren gestellt wird, ist nach dem Auswahlprozess für die Tagesordnung, bzw. “… wer denn auf solche einer Veranstaltung eine Session halten dürfe”. Meine Antwort: Eine Session kann jeder Teilnehmer vorschlagen, hierin sind alle Anwesenden gleichberechtigt. Die Entscheidung, welche Vorschläge relevant sind, fällen dann alle anwesenden Teilnehmer eines Camps gemeinsam. Das kann in der Praxis bedeuten, dass eine Session nur mit z.B. fünf Teilnehmern gehalten wird, während parallel an einer andere 95 Menschen teilnehmen.

Anders formuliert: Ein BarCamp gehört allen Campteilnehmern – und damit auch die Inhalte und das Wissen, welche dort geteilt und gefunden werden. Damit dies funktioniert, braucht es vor allem Vertrauen in die Souveränität jedes einzelnen wie auch in die “Weisheit der Vielen”. Diese Art des Vorgehens ist in unserer durch hierarchisch-geprägten Institutionen und Entscheidungsabläufen strukturierten Gesellschaft immer noch eher die Ausnahme. Das diese Form des im besten Sinne “Selbstregierens” heterogener Gruppe hervorragende Resultate, speziell im Bereich der Wissensproduktion, generiert, zeigt sich etwa im Erfolg der Wikipedia.

Was im Kleinen funktioniert, kann Vorbild sein für die Abläufe im Großen

Warum brauchen wir heute solche partizipativen Entscheidungsprozesse? Wir benötigen sie zur Bewältigung der wahrhaft großen Probleme, die uns z.B. mit dem Klimawandel, der Migration und der weltweiten Armut – nur um einige Themen des anstehenden GlobalFutureCamps zu nennen – gegenüber stehen. Aus unserer Sicht stellt daher ein solche Veranstaltung derzeit eine der spannensten Formate dar, um diese basisdemokratische Erarbeitung von Wissen und das Herbeiführen von Entscheidungen zu befördern.

Ole Wintermann hat in seinem vorangegangenen Beitrag sehr treffend über die aktuelle Vertrauenskrise in den tradierten Institutionen aus Wirtschaft und Politik gebloggt und die Frage ausgeworfen, auf welche Art und Weise diese überwunden werden könnten. Für mich bieten BarCamps eine Möglichkeit, konkret solch partizipative Gruppenentscheidungen zunächst “im Kleinen” auszuprobieren und darauf aufbauend weiter zu entwickeln, um sie in die “großen” gesellschaftlichen Abläufe, Institutionen und Organisationen zu transferieren. Dies ist auch der Kern des FutureCamps: Welche Fragen und Antworten bewegen uns als “gemeine” Mitglieder der Gesellschaft im Hinblick auf die globalen Zukunftsherausforderungen unser Zeit? Und wie können wir gemeinschaftlich unsere Entscheidungssouveränität ausüben, um das Leben in dieser einen Welt nachhaltig zu gestalten? Ich bin gespannt auf die gemeinsamen Findungen.

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Ein Ausweg aus der Krise: Partizipation, Transparenz und Konsistenz ernst nehmen

2009-09-10, von Ole Wintermann

Vertrauen ist verloren gegangen – und jetzt?

In den letzten Wochen wurde in den Medien viel über Vertrauen geschrieben, dass durch die Finanzkrise entweder innerhalb von Institutionen, aber auch und gerade zwischen vielen Marktakteuren verloren gegangen ist. Aber auch das Fehlen von Vertrauen habe erst die Finanzkrise ermöglicht. Wenn aber Vertrauen als Mechanismus der Komplexitätsreduktion verstanden wird, welche nötig ist, um in einer sozial komplexen Welt überhaupt interagieren zu können, so müsste dies – so die These denn richtig ist – weit reichende Konsequenzen für die Zukunft haben.

Vor kurzem erst hat der Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter auf die Bedeutung des Vertrauens für die Gestaltung regulierender Institutionen hingewiesen. Die Marktwirtschaft werde nicht einfach sozial, so Richter, weil man sie so nenne, sondern nur, wenn das Soziale durch die an der Marktwirtschaft beteiligten auch gelebt würde. Diese Sichtweise folgt der soziologischen Logik, wonach Normen institutionalisierte Werte darstellen. Dabei sollte allerdings nicht vergessen werden, dass diese Diskussion, die auch mit Werten zu tun hat, nicht wirklich neu ist. Wenn demnach die Krise des (Finanz-)Systems nicht nur – wie gegenwärtig diskutiert – in mangelnder Regulierung gründet, sondern tiefer liegende Ursachen hat, die in zwischenmenschlichen abstrakten und konkreten Beziehungen zu verorten sind, so muss kritisch hinterfragt werden, ob neues Vertrauen einfach (wieder-)hergestellt werden kann (so es dies vorher tatsächlich im globalen Kontext gab). Dies ist wohl eher nicht anzunehmen.

Die Krise erfordert “richtige” Entscheidungen – funktioniert das?

Vertrauen in unmittelbaren zwischenmenschlichen Beziehungen, wie auch abstrakte und globale Handelsbeziehungen (die auf Dauer nicht ohne Vertrauen auskommen) setzen ein gewisses Maß an Transparenz und Konsistenz zwischen Reden und Handeln voraus. Wir leben aber in einer (ökonomischen und politischen) Welt, in der die Komplexität der Wechselbeziehungen sowie die dynamisch anwachsende Informationsmenge über eben diese Tatsache und die inhaltlichen Auswirkungen dieser Komplexität gerade die Verlässlichkeit bisheriger Beziehungen in Frage stellen. Was heute als wahr gilt, muss morgen nicht auch noch im gleichen Ausmaß wahr sein (die Umweltfreundlichkeit der Energiesparlampe sowie raps- oder maisbasierter Kraftstoffe können eben doch nur mit der Inkaufnahme negativer externer Effekte erreicht werden). Das bedeutet aber auch, dass politische und wirtschaftliche Entscheider heute plötzlich vor dem Hintergrund eines relativ kurzfristig veränderten/gewandelten Wissensstandes an ihren dann scheinbaren Fehlentscheidungen von gestern (die auf Grundlage anderer Informationen getroffen wurden) gemessen werden. Die populistische Darstellung eines solchen Vergleichs steht dem grundsätzlichen Problem konsistenter Entscheidungen aber nicht im Wege. Damit stellt sich die Frage, ob überhaupt noch „richtige“ Entscheidungen von politischen oder wirtschaftlichen Akteuren getroffen werden können?

Transparenz und Partizipation bieten einen Ausweg

Einen Ausweg aus diesem Entscheidungsdilemma bieten internet- oder intranetbasierte Partizipationsformen. Sie bieten die Möglichkeit der Nachvollziehbarkeit bezüglich des Inhaltes und des Zustandekommens einer Entscheidung. Der gestiegenen Komplexität kann damit begegnet werden, dass die informative Grundlage einer Entscheidung von mehr Menschen als bisher gemeinsam erarbeitet wird. Die proaktive Hinzunahme von möglichst vielen (kritischen) organisationsinternen Stimmen vermindert die Wahrscheinlichkeit nachträglicher kritisch-externer Stimmen. Dies gilt sowohl für die bloße Informationsbeschaffung als auch im Sinne einer vorweg genommenen Einwandsbehandlung. Transparenz fördert nicht nur den Wettbewerb, sie hilft auch, Personen mit ihren Ideen zu berücksichtigen, die vor Anbruch des Internetzeitalters durch fehlende Mitgliedschaften in den entsprechenden Gremien oder Interessenorganisationen überhaupt keine Möglichkeit gehabt haben, sich an (organisationsin- und externen) Entscheidungsprozessen zu beteiligen.

Folgen für traditionelle Rollenverständnisse?

Aber auch für den nächsten Schritt – die Entscheidung auf Basis einer breiteren Informationsgrundlage und der vorweg genommenen Einwandsbehandlung – gilt, dass die Glaubwürdigkeit des Entscheiders – und damit das in ihn gesetzte Vertrauen – auf Dauer nur dann steigt, wenn die Entscheidung eben genau auf diesen Informationen basiert und durch sie gerechtfertigt wird. Die Entscheidung muss sich quasi zwangsläufig und logisch aus dieser Informationsbasis und den auf diese Weise entwickelten Zielvorstellungen ergeben. Dadurch erhöht sich auch die Legitimität der Entscheidung (auch wenn sie sich später infolge einer neuen Informationslage als falsch herausstellen sollte). Wird durch den Entscheider eine Lösung bevorzugt, die dieser Logik nicht folgt, so muss er im Nachhinein eine informelle Rechenschaft fürchten, insbesondere dann, wenn das Ziel nicht erreicht wurde. Das in ihn gesetzte Vertrauen würde schwinden und im Weberschen Sinne die Autorität erodieren lassen.

Irritierende Fragen für das (Global) Change Management

Was bedeutet dies aber für gewachsene hierarchische Strukturen in Politik und Wirtschaft? Wieso sollte sich der vermeintlich„nicht-entscheidungsrelevante“ Bürger in – bezüglich der Entscheidungsfindung – tradierten Institutionen stärker im Vorwege beteiligen, wenn ihm dies langfristig nicht mehr Nutzen brächte? Erhöhen sich durch dieses ganz neue Maß an Transparenz und Gebundenheit an die sachliche Begründung von Entscheidungen nicht auch die Kontrollmöglichkeiten, die die Bürger, Arbeitnehmer und Kunden gegenüber Entscheidern haben? Können relevante Akteure dann zukünftig noch unabhängig von Sachfragen und Prozessen der Entscheidungsfindung handeln? Erleidet unsere Demokratie wirklich einen Schaden, wenn durch einen Volksentscheid auf Papier nicht nur mit ja/nein gestimmt werden kann, sondern sich der Bürger weitaus differenzierter mit Verbesserungsvorschlägen einbringen kann? Wir sollten den Bürgern in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft endlich mehr Zutrauen entgegen bringen.

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Vom Glück der zweiten Chance

2009-09-09, von Moritz Avenarius

Aus Fehlern lernen gilt immer noch als eine der Königsdisziplinen auf dem schwerem Weg zu neuen Ideen und eigenen Verhaltensänderungen. Aber Hand aufs Herz: Wann – und mehr noch: wo – konnten Sie das letzte Mal wirklich so richtig einen Fehler machen, um dann im unmittelbaren Anschluss darüber lernorientiert zu reflektieren. Und im besten Fall gar die Chance zu haben, das so neu gelernte gleich auszuprobieren und anzuwenden. Solche Gelegenheiten sind leider rar gesät, vor allem in einer Geschäftswelt, die durch den Drang nach schnellen Erfolge und hohem Leistungsdruck geprägt ist.

BarCamps bieten Lernfreiräume

Eins meiner positivsten Erlebnis in Sachen Lernen aus Fehlern passierte im Oktober 2008 auf dem BarCamp Berlin3. Es war mein 2. Camp an dem ich mitmachte, und mit über 600 Teilnehmern war es eines der größten in Deutschland überhaupt. Gleich am ersten Tag faste ich mir ein Herz und bereitete meine erste Session vor, getreu dem Motto: „Erfahrung macht klug“. Ich wollte einen Vortrag halten über mein Spezialgebiet ‘Szenarioentwicklung und -anwendung für weitreichende strategische Entscheidungsprozesse’. Emsig bastelte ich PowerPoint-Slides zusammen, übersetzte gar noch schnell ins Englische, da viele internationale Teilnehmer vor Ort waren. Zu Beginn war meine Session ganz gut besucht mit etwa 30-40 Zuhörern. Mit vollem Elan trug ich vor, zeigte ein Slide nach dem anderen. Um dann nach gut 10min feststellen zu müssen, dass sich die Reihen vor mir deutlich lichteten … Abstimmung mit den Füßen, die campübliche unmittelbare Rückmeldung der eigenen Relevanz. Deutlich angespannt brachte ich schließlich meinen Vortrag zu Ende in der vorgesehen Sessionzeit von 45min.

Erst frustriert, dann motiviert

Es waren noch ein paar Interessenten im Raum geblieben – und ich deutlich frustriert über die recht zurückhaltende Resonanz. Doch dann nahm mich einer der alten BarCamp-Recken Stefan P. Roos zur Seite, klopft mir anerkennend auf die Schultern und sagte (sinngemäß): „Gut gemacht Junge, gleich eine eigene Session gegeben auf Deinem ersten großen Camp. So macht man das, weiter so. Nur, beim nächsten Mal kürzt Du Deinen Vortrag auf 10min und nutzt den Rest der Zeit, um die Anwesenden mitreden zu lassen. Du bist sicher nicht der einzige hier, der was zu dem Thema zu sagen hat.“ Das saß, denn ich war tatsächlich blind davon ausgegangen, dass ich der Experte im Raum auf dem Gebiet sei.

Nun hatte ich meine Lektion gelernt. Was aber noch viel besser war, ich konnte am 2. Tag des Camps mein neues Wissen anwenden. Ich gab eine Session, die ganz auf Interaktion angelegt war. Als begeisterter Improvisationtheaterspieler zeigte ich meinen Teilnehmern, wie wir gemeinsam mit nur sieben Sätzen eine einfache Geschichte erzählen mit Held, Helfer, Problem und Lösung. Alle hatten 45min lang viel Spaß – und ich diesmal deutlich mehr und positive Rückmeldungen als bei meinem ersten Versuch am Tag zuvor.

Und bei Ihnen?

Also, wann konnten Sie das letzte Mal in ihrem Berufsalltag so richtig etwas falsch machen, ohne dabei gleich in den Boden versinken zu müssen? Und wo hatten Sie die Chance zeitnah hieraus zu lernen und es anschließend besser zu machen?

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Kostenloses E-Book Empfehlungsmarketing

2009-09-08, von Anne Schueller

Einer gerade veröffentlichten Nielsen-Studie zufolge, bei der mehr als 25.000 Internet-User in 50 Ländern zu Wort kamen, vertrauen 90 Prozent der Befragten den Empfehlungen von Bekannten und schon 70 Prozent den Konsumentenbewertungen im Internet. Neben den loyalen und ertragsstarken A-Kunden rücken dabei zunehmend die sogenannten ‚Mavens‘ in den Fokus, die als Meinungsmacher und Referenzgeber fungieren. Ihr Urteil beeinflusst das Kaufverhalten ganzer Gruppen. Die Suche nach passenden Multiplikatoren sowie das gezielte Auslösen digitaler Mundpropaganda werden demnach im Marketing der Zukunft eine tragende Rolle spielen.

Die neue Macht der Kunden: Unternehmen müssen sich nun endgültig von der Idee verabschieden, dass alles durch eigene Vertriebs- und Marketingarbeit gesteuert werden kann. Wer heute konsumiert oder investiert, glaubt eher den Botschaften seiner Freunde oder dem Bericht eines anonymen Bloggers, als den Hochglanzbroschüren von Herstellern und Anbietern am Markt. Mundpropaganda ist ein imposantes Ausdrucksmittel von Verbrauchermacht. Und aktive Empfehler sind die Treiber einer positiven Unternehmensentwicklung.

So haben schon 19 Prozent aller Reiselustigen, wie die 2009er FUR-Reiseanalyse herausfand, ein anderes als das zunächst beabsichtige Hotel gebucht. Das heißt, schlecht bewertete Hotels verlieren jeden fünften Gast allein durch das Internet – ohne es zu wissen. Und dem Online-Shopper-Report der European Interactive Advertising Association (EIAA) zufolge erwerben fast 60 Prozent der Konsumenten nach ihren Web-Recherchen einen anderen als den ursprünglich geplanten Elektro-Artikel.

Auf solche Weise kommen so manchem Unternehmen die Interessenten abhanden, bevor diese überhaupt eine erste Anfrage gestartet haben. Und schon wenige unzufriedene Kunden können dafür sorgen, dass es ein Unternehmen morgen nicht mehr gibt. In meiner Arbeit erlebe ich allerdings regelmäßig: Diese Gefahr wird von vielen Managern immer noch nicht gesehen oder aber heruntergespielt. Man hält die Meinungsäußerungen für gefälscht – oder für irrelevant.

Für alle, die zum ‘neuen’ Empfehlungsmarketing mehr wissen wollen, habe ich ein kostenloses E-Book geschrieben, dass Sie gerne auch weiterempfehlen können. Zum Download:

 http://www.empfehlungsmarketing.cc/rw_e13v/schueller_em/usr_documents/ebook_empfehlungsmarketing.pdf

Und wer gerne mein Ganztages-Seminar zum Thema am 1. 10. in Frankfurt besuchen möchte, hier finden Sie die Info dazu.

Immer spannend sind natürlich auch Erfolgsgeschichten zum Thema Empfehlungsmarketing. Welche können Sie erzählen?

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Finanzkrise und Piraten

2009-09-08, von Ole Wintermann

Steuerbeschlüsse hinter verschlossenen Gardinen

Als ich 1996/97 in der Anhörung zu den damaligen Petersberger Steuerbeschlüssen auf Seiten der Arbeitnehmervertreter saß, umgab die tagelange Diskussion hinter verschlossenen Türen und Gardinen in einem dieser in den 50er Jahren gebauten Zweckbauten eine seltsame Atmosphäre. Es kamen Vertreter von Wissenschaft und Interessenorganisationen an diesem Ort namens Bonn zusammen, um in einer dreitägigen Anhörung ausschließlich im Kreise der hinlänglich bekannten Organisationen der alten Bundesrepublik eine Steuerreform auszuhandeln, die allen Gruppen der Gesellschaft und der Wirtschaft einen entsprechenden Anteil an der Nettoentlastung garantieren sollte.

Die ganze Veranstaltung stand unter dem Stern eines sich bereits abzeichnenden Endes der Ära Kohl. Offensichtliche und direkte Forderungen nach steuerlichen Entlastungen wurden nach Bedarf wechselseitig mit dem Hinweis auf die Not der Arbeitnehmer/Not der Wirtschaft begründet. Damit war man entweder Vertreter der Nachfrage- oder der Angebotstheorie. Inhaltliche Zwischentöne gab es kaum. Schon damals fragte ich mich, wie die einzelnen Interessenorganisationen eigentlich den tatsächlichen Willen ihrer Mitglieder erführen. Es gab keine breiten Mitgliederbefragungen, keine systematischen sozioökonomischen Erhebungen über den Status und die Einstellungen des eigenen Mitglieds. Ein Großteil der Anhörungen diente also dazu, im vermeintlichen (Eigen-) Interesse der Mitglieder zu handeln. Wahltaktische Überlegungen der damaligen rot-grünen Opposition und der dann in den Medien transportierte nachträgliche Widerspruch zu den steuerpolitischen Grundeinstellungen der Bürger führten dann zum Scheitern der eigentlichen Vorschläge.

Nun kann eingewendet werden, dass sich der Bürger im Zweifel immer für seine persönliche Entlastung einsetzen wird. Das ist sicher richtig. Im Kern geht es aber nicht um einzelnen Positionen sondern vielmehr um ein Gefüge von Wertevorstellungen, d. h. um die Gesamtheit der Meinungen der Bürger darüber, wer wie entlastet werden könnte und wie die verschiedenen Gruppen einer Gesellschaft finanziell und steuerrechtlich im Verhältnis zueinander stehen sollten. Zu diesen übergeordneten normativen Gesellschaftsvorstellungen wurde der Bürger aber nicht systematisch befragt.

Die Finanzkrise und die Volkswirtschaftslehre

In der Diskussion offenbarte sich vielmehr der große Widerspruch zwischen volkswirtschaftlicher Lehrmeinung und vorgeblichen – von der Wissenschaft unterstellten – Bürgerauffassungen, was im Zuge einer solchen Reform angemessen sei. Dieser Widerspruch hatte mit der theoriegeschichtlichen Entwicklung der Volkswirtschaftslehre zu tun. Bereits in den 1980er Jahren gab es an den volkswirtschaftlichen Lehrstühlen des Landes Grundsatzdebatten darüber, in wie fern die Konzentration auf den Utilitarismus, das Konzept des homo oeconomicus (sowie den rationalen Erwartungen und die alleinige Fixierung auf die Angebotsseite einer Volkswirtschaft nicht nur für die Volkswirtschaftslehre, sondern auch für die Bürger zielführend sei. Denn diese würden ja letztlich die Auswirkungen dieser Gedankenmodelle über den Umweg der wirtschaftswissenschaftlichen Politikberatung zu spüren bekommen. Alternative Denkansätze wurden nicht ernst genommen und führten erst in den 1990er Jahren zu Netzwerken kritischer Volkswirte. Insofern ist eine Diskussion zum Selbstverständnis der Volkswirtschaftslehre, wie zur Zeit in der FAZ geführt wird, längst überfällig; sie kommt allerdings mit Blick auf die Finanzkrise leider zu spät. Viel zu lange galt politik- und praxisnahe wissenschaftliche Beratung als zu große Gefahr, sich zu stark auf politische Zwängen einlassen zu müssen. Der Volkswirtschaftslehre nahe stehende Wissenschaftlicher wie der kürzlich verstorbene Prof. Helmut Seitz oder aber auch Prof. Uwe Wagschal haben mit ihren empirisch höchst relevanten Erkenntnissen in der Finanz- und Haushaltspolitik im Gegensatz dazu einen Ausweg dahingehend gezeigt, wie volkswirtschaftliche Erkenntnisse ganz konkret der Politik und den Bürgern als Entscheidungsgrundlage dienen könnte und sich entsprechend fortentwickeln ließe.

Das Eingeständnis des Präsidenten des DIW in Berlin, Klaus Zimmermann, man könne zur Zeit keine valide Wachstumsprognose abgeben, war ebenfalls ein sehr wichtiger Schritt aus der politischen Sprachlosigkeit einer Wissenschaft, die sich seit der keynesianischen Lehre der 1930er Jahre nicht mehr um relevante Erkenntnisse für die praxisnahe Politikberatung bemüht, sondern sich zu sehr auf Modelldenken fokussiert hatte. Dieses Eingeständnis dürfte langfristige (positive) Folgen für die Theoriegeschichte des Faches haben.

Wo bleiben die Gewissheiten?

Die allgegenwärtige Finanzkrise wird aber trotz dieser Erkenntnis weiter reichende Folgen haben, als derzeit zu erahnen ist. Hierbei geht es nicht um langfristige Kapitalmarktrenditen, mehr Steuerbelastungen durch einen Anstieg der öffentlichen Schulden oder eine Gefährdung der deutschen Automobilstandorte. Es handelt sich vielmehr um eine Krise bisheriger Wahrheiten, Gewissheiten und Autoritäten (um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: im klassischen (!) Weberschen Sinne der verdienten und freiwillig anerkannten Autorität).

Die Finanzkrise hat viele bisher altehrwürdige Autoritäten erodieren lassen, weil die Inkonsistenz etlicher (volkswirtschaftlicher) Ansätze immer offensichtlicher wird und die Bürger – ganz im Weberschen Sinne – ihre Akzeptanz den traditionellen Autoritäten aufgrund der zu Tage tretenden Diskrepanz zwischen Reden und Handeln verweigern. Das Internet wirkt dabei als Verstärker. So ist das Erstarken der Piratenpartei ein Indikator für diese Inkonsistenz in der Politik und Reaktion einer Generation im Alter von 30 bis 40 Jahren auf das Gefühl, diese offensichtlichen Widersprüchlichkeiten aufdecken zu wollen. Handeln Akteure nicht konsistent, so wird dies – die Video-Mitschnitte der Reden von Jürgen Rüttgers haben die bedeutende Rolle der Transparenz gezeigt – von einer beträchtlichen Zahl von Bürgern (so die Kommentare zum Video) negativ beurteilt. Der Bürger erringt mit Hilfe des Internets einen wichtigen Teil seiner souveränen Aufgabe im demokratischen Staat zurück. Und das ist gut so.

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