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Systematische Ideenproduktion – so einfach geht’s

Anke Meyer-Grashorn 1 September 2009 Kein Kommentar

Wo waren wir gestern stehen geblieben? Bei einer einfachen und praxiserprobten Methode zur Entwicklung neuer Ideen, die jede und jeder in seinem Bereich anwenden kann.Der Prozess, mit dem ich seit fast 15 Jahren erfolgreich Unternehmen bei der Ideenentwicklung unterstütze, sieht im Detail so aus:

Schritt 1: Sammeln
Schritt 2: Verdichten
Schritt 3: Präsentieren

Kleines Gedankenspiel, damit Sie sich in Ihre Rolle als Ideenproduzent/in besser hineinversetzen können: Ziehen Sie sich imaginär oder auch gerne real Ihren Blaumann oder die Arbeitsschürze an. Sie betreten jetzt die Ideen-Fabrikhalle 1 und erhalten die Fragestellung, zu der Sie heute Ideen produzieren sollen. Zum Beispiel: „Was müssen wir tun, um mit unseren Kunden besser zu kommunizieren?” oder „Wie sieht das Bankgeschäft 2020 aus?” oder „Wir sind zu langsam. Wie können wir den Arbeitsprozess XY optimieren?” oder „Wie können wir unsere Verwaltung entschlacken und Geld einsparen?” oder „Wo und wie findet die nächste Weihnachtsfeier statt?” oder …..Sie verbringen die ersten Stunden des Tages in der Abteilung „Sammeln”. Sie arbeiten im Team, alle notwendigen Werkzeuge liegen bereit.

Ziel von Schritt 1 “Sammeln”

Soviel Ideen wie möglich zusammentragen, alles, was Sie bekommen können. Je unterschiedlicher, umso besser, Masse statt Klasse.

Wichtig

Keinerlei Kritik und Wertung, kein Hinterfragen von Sinnhaftigkeit, möglichen Zusammenhängen und Konsequenzen, Machbarkeit oder ähnlich störende Gedanken.

Motto: Spinnen ist Pflicht!

Mehr dazu finden Sie in meinem Buch, das seit kurzem auch als Paperback im Allitera Verlag erhältlich ist.

Werkzeug

Kreativitätstechniken, die viele verschiedene Ideen hervorbringen und wildes Denken ermöglichen, z.B. Brainstorming, Brainwriting-Methoden, Reizwort, Kopfstand, alle Formen von Perspektivenwechsel, World Café, das Superherogame oder – meine Erfindung – das IKEA-Spiel und die MacGuver-Methode.

Kreativitätstechniken

Generell gilt: Alle Kreativitätstechniken sind nur Werkzeuge, die den Prozess unterstützen. Nicht jedes Werkzeug paßt für jede Aufgabenstellung und – wie im echten Leben – nur Übung macht den Meister. Selbst wenn ich weiß, wie eine Motorsäge funktioniert und zudem eine besitze, heißt das noch lange nicht, dass ich damit auch umgehen kann.

Ergebnis

Mehrere 100 bis 1000 Rohideen, Ideenfetzen, Inspirationen

Nach 3 bis 4 Stunden ist Schritt „Sammeln” abgeschlossen. Sie und Ihr Team haben sich eine Pause verdient.

Danach gehen Sie mit ein paar Ihrer Mitproduzenten zurück in die Ideenfabrik. Alle Ideen aus Schritt 1 hängen bereits an den Wänden, wurden auf Tischen ausgebreitet oder über Beamer an die Wand geworfen. Überall Flipcharts, Moderationskarten, Zeichnungen, Arbeitspapiere, Ergebnisse aus der Trendforschung, Produkte, Bücher, Inspiratives. WOW! Sie sind von sich selbst und Ihrer eigenen Arbeit kurz begeistert.

Jetzt beginnt Schritt 2 “Verdichten”.

Ziel von Schritt 2

Aus der Menge der Rohideen konkrete Top-Ideen formulieren.
Dazu werden die Rohideen in verschiedenen Steps gefiltert, verworfen, kombiniert, adaptiert, verändert, ergänzt, hinterfragt, diskutiert und verfeinert.

Werkzeug

Kreativitätstechniken wie Disney-Methode, deBonos Hüte, Extremfragen, div. Bewertungsmethoden, moderierte Diskussionen etc.

Ergebnis

Zum Beispiel eine Liste mit zehn Top Ideen, die dann im Unternehmen weiterbearbeitet und z.B. auf technische Machbarkeit, Marktchancen, Finanzierung etc geprüft werden. Oder die drei besten Ideen, die bis zum Projektstatus ausgearbeitet werden, um sie mit konkreten To Do‘s, Meilensteinen und Verantwortlichen auf die nächste Agenda zu setzen.

mindmap1

Tipp

Im Schritt 2 sollte das Team variiert werden. Jetzt kommen zudem diejenigen ins Spiel, die für die weitere Umsetzung verantwortlich sind, die o.k. sagen müssen, Geld geben, Ressourcen zur Verfügung stellen oder das ganze vermarkten und verkaufen sollen.

Muss das sein?

Kritische Geister unter Ihnen fragen sich jetzt möglicherweise: Wozu der ganze Aufwand? Zuerst mühe ich mich ab, Unmengen von Rohideen zu produzieren, um diese beängstigende Masse anschließend wieder klein machen? Genau. Das ist der entscheidende Trick bei der Ideenproduktion.

Wenn Sie am Ende des Prozesses etwas wirklich Neues möchten, eine Killerapplikation oder die Innovation, die den Markt aufmischt, wenn dort 1-10 Ideen mit Zukunftspotenzial auf dem Tisch liegen sollen, dann brauchen Sie dafür viel und unterschiedlichstes Ausgangsmaterial. Die Chance, dass bei einer Menge von 1000 Rohideen die ein oder andere Innovation oder zumindest eine neue Lösung dabei sein könnte, ist wesentlich größer als bei einer Ausgangsmenge von 10 Rohideen. Die meisten firmeninternen Brainstormings oder Ideensession sind zu kurz, zu eng und zu klein gedacht. Die mühsam errungenen zehn kleinen Ideechen verenden schon kurz nach ihrer Geburt, noch bevor sie Schritt 2 erreicht haben.

Sie haben es fast geschafft. Sie sind jetzt kurz vor dem Ende der Ideenproduktionsstraße angelangt. Fast fertig. Bitte noch nicht zurücklehnen und zufrieden sein, denn es fehlt noch

Schritt 3 “Präsentieren”

Die neuen Ideenpflänzchen sind noch sehr zart. Nichts einfacher als eine gute Idee genau jetzt kaputt zu treten. Das passiert häufig, wenn man vergißt die Idee auch gut zu verpacken, sie attraktiv darzustellen, zu visualisieren, ihr Leben einzuhauchen, sie in schönstem Licht erstrahlen zu lassen und sie so beeindruckend zu präsentieren, dass andere begeistert „JA. MACHEN!” rufen und zur Umsetzung den Weg frei räumen.

Tipp

Denken Sie jetzt bitte nicht an eine Powerpoint-Präsentation. Denken Sie lieber an starke Bilder, Emotionen und Präsentatoren, die andere mitreißen und für Ihre Idee kämpfen. Leidenschaft und ein gewisses Showtalent können dabei nicht schaden.

Apropos Leidenschaft. Darum geht es morgen. Und um Angst vor dem Neuen, um mutige Umsetzer und einen Benchmark Zirkel zum Thema „Führung und Innovation”, der vor kurzem im innovativen Allgäu ins Leben gerufen wurde. Ich freue mich auch Sie.

Viele Grüße
Anke Meyer-Grashorn

P.S. Sie können den Blaumann jetzt wieder ausziehen.


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