Risiko Innovation
Die etwas Älteren unter uns können sich bestimmt an Wim Tölke erinnern, den Vater aller Quizmaster, der mit seiner Show „Der große Preis” Fernsehgeschichte geschrieben hat. Da gab es u.a. diese große Ratewand, auf der sich die Kandidaten ihre Fragen auswählen konnten. Ab und an veränderte sich diese Wand dramatisch, sie waberte, eine blinkende Schrift erschien und ein bedeutungsschwangerer Jingle mit „RIIIISIIIIIKOOOOO!!!!” erklang im Studio. „Risiko” bedeutete, dass der Kandidat entweder seinen Geldeinsatz verdoppeln oder alles verlieren konnte.
Dieser „RISIKO”-Jingle sollte durch alle Unternehmens-Flure hallen zur Routineunterbrechung, zur Erinnerung und zur Ermutigung. Denn es gibt keine Innovation ohne Risiko. Erneuern und Verändern auf sicherem Boden ist ein Widerspruch in sich. Das Neue ist deswegen neu, weil es dazu bisher noch wenig bis keine Erfahrungen gibt. Weil man testen und ausprobieren, Erfahrungen sammeln, daraus lernen und ein Risiko eingehen muss.
Einer der wirkungsvollsten Innovationskiller ist die Angst. Die Angst davor, genau dieses Risiko einzugehen und möglicherweise zu scheitern. Ich bin ziemlich mutig im Verändern, spüre aber auch dieses ängstliche Ziepen in der Magengegend, wenn mir etwas Neues eingefallen ist und ich mutig an die Umsetzung gehen sollte. Was mir dann hilft: eine persönliche Worst Case-Rechnung und die Überlegung: Was passiert im schlimmsten Fall, wenn ich das oder jenes tue?
Ich versetze mich gedanklich intensiv in die Situation und spüre sie bis zum bitteren Ende durch. Dann muss ich mich entscheiden, ob ich mit den schlimmsten Konsequenzen leben kann. Was passiert z.B., wenn ich beim nächsten Vorstandsmeeting die von mir geforderten neuen Ideen präsentiere und mir – damit gleich klar ist, dass heute etwas anders ist – dazu eine rote Pappnase aufsetze und anstelle des Flipcharts die Wand in großen Lettern beschreibe? Vielleicht werde ich ausgelacht, vielleicht empfiehlt mir jemand einen guten Arzt, vielleicht wird jemand ärgerlich und wirft mich raus. Vielleicht bin ich meinen wichtigsten Kunden damit los. Mit Sicherheit muss ich die Wand auf meine Kosten streichen lassen.
Womit kann ich leben, womit nicht? Ausgelacht werden ist kein Problem für mich. Ist der Ruf erst ruiniert, spinnt sich’s einfach ungeniert. Die Wand? Lächerlich. Der ärgerliche Kunde und der Verlust desselben – ja das schmerzt. Wenn ich aber weiter überlege, dass jemand, der mich extra dafür bezahlt anders zu sein als der Rest, wegen einer Pappnase und einer beschriebenen Wand ausflippt, dann sollte mir das zu denken geben. Ob das eine gute Basis für eine langfristige Geschäftsbeziehung ist? Vielleicht besser gleich Platz machen für einen anderen Kunden, der die bestellten Routineunterbrechungen auch schätzt. Das wären in diesem Fall meine Überlegungen und ich würde das Risiko eingehen.
Wenn Sie bei derselben Geschichte Magenkrämpfe bekommen, Sie auf keinen Fall den Kunden verlieren möchten oder bereits abwinken, wenn jemand über sie lacht, dann können Sie sich die Investition in die rote Pappnase sparen. Und den Rest auch. Dann lassen Sie sich doch bitte auf die Frage ein: „Was passiert, wenn nichts passiert und alles beim Alten bleibt?” Die Konsequenzen, die hier im schlimmsten Fall eintreten können, sind manchmal wesentlich gravierender und ein echtes Risiko.
Nicht alles, was neu ist, ist auch gut. Nicht alle Erfindungen sind genial oder werden gebraucht. Nicht alle Innovationen werden vom Kunden mit offenen Armen empfangen. Flops und Fehler sind völlig normal, wenn es um Innovation geht.
Um Mißverständnisse zu vermeiden: Ich spreche von Fehlern im Ideen- und Innovationsprozess, nicht beim Endresultat. Wer fehlerhafte Produkte oder Leistungen auf den Markt bringt, hat wohl ein paar Schleifen im Entwicklungsprozess übersprungen und gefährdet die Allgemeinheit.
Sie müssen also geradezu Fehler machen, um Neues zu entwickeln. Radikale Firmenchefs plädieren dafür, genau die Leute zu entlassen, die keine Fehler machen. Denn dies sei ein untrügliches Zeichen dafür, dass sie sich an nichts Neues wagen. Fehler machen ist aber gar nicht so einfach, denn weder unsere Erziehung noch unsere berufliche Ausbildung sind darauf ausgerichtet. Dort werden Fehler meist nicht gefördert und belohnt. Fehler zu machen müssen wir erst wieder lernen.
Es liegt wieder mal in der Verantwortung der Führungskraft, dafür zu sorgen, dass Mitarbeiter Fehler machen dürfen, sie dazu zu ermutigen und, statt zu maßregeln oder zu strafen, daraus chancenorientiert neue Lösungen und Verbesserungen abzuleiten. Wie wäre es z.B. mit einem Fehler-Award, einem Preis für den dicksten Bock, der in der Abteilung geschossen wurde? Das wäre ein deutliches Zeichen, dass Fehler wichtig und willkommen sind.
Machen Sie mer Feler.
Viel Erfolg dabei wünscht Anke Meyer-Grashorn
Das könnte Sie auch interessieren:








da bekommt der spruch “nobody is perfect” einen ganz anderen sinn.
Fehler sind wichtig und treten automatisch auf, wenn etwas Neues ausprobiert wird (siehe auch meinen Blogbeitrag http://www.radikale-innovation.com/2009/05/10/fehler-sind-wichtig-und-noetig/).
Bis eine Innovation vom ersten Ideensplitter bis zum erfolgreichen Endresultat gereift ist, ist sie auf Grund von Unzulaenglichkeiten zigmal veraendert bzw. verbessert worden. Es bedarf einer grossen Sturheit, bei so vielen ‘Fehlern’ durchzuhalten!
When too perfect, Gott böse.
Ein afrikanisches Sprichwort, dass mir eine menschliche Fehlerkultur beigebracht hat.
Ihre Meinung!
Kategorien
Blogroll
Business-Club
Partner Blogs
Meta
Schlagwörter
Meistkommentiert
Letzte Artiel