Der Chef zwischen sämtlichen Stühlen – oder der Louis-van-Gaal-Effekt

2009-11-10, von Wolff Horbach

Führungskräfte haben es in der letzten Zeit nicht leicht. Einige korrupte, gierige Spitzenmanager haben die ganze Klasse in Mißkredit gebracht. Einige angebliche Spitzenmanager haben durch gigantische Fehlentscheidungen unglaubliche Firmenwerte vernichtet und ganze Konzerne ruiniert. Darunter leiden jetzt (fast) alle Manager, Chefs und Führungskräfte.

Unter Angestellten ist es schon lange ein beliebtes Spiel, ihren Chef mit den übelsten Schimpfworten zu assozieren.

Wie schlimm die Lage inzwischen ist, zeigt das Erscheinen von einigen neuen Büchern zu dem Thema:

Ohne Chef ist auch keine Lösung” von Volker Kitz und Manuel Tusch verspricht dem Angestellten im Untertitel “Wie Sie endlich mit ihm klarkommen”. Passend dazu gibt es die Website “www.wenn-der-chef-nervt.de“.

Was Ihre Mitarbeiter wirklich von Ihnen erwarten” von Maren Lehky betrachtet das Problem aus der anderen Sicht und verspricht eine “Übersetzungshilfe für Führungskräfte” und “Feindbild Chef? Das muss nicht sein!”.

Beide Bücher sind bei Campus erschienen. Ich werde sie in Kürze ausführlich vorstellen.

Wie misslich die Lage einer Führungsperson sein kann, zeigt gerade der Trainer Louis van Gaal von Bayern München. Der Verein versteht sich als europäischer Spitzenclub und erwartet in jeder Saison ein oder mehrere Titel. Ein Spitzentrainer (-Manager) wird engagiert, um dieses Ziel zuverlässig zu erzielen. Auch Spitzenleute werden eingekauft. Jetzt soll der Trainer es richten.

Nur leider passt nicht alles zusammen. Der Spitzenstürmer, der letzte Saison noch jede Menge Tore schoss, hat jetzt keinen Lauf. Der Stürmer, der vom anderen Club kam, trifft auch nicht. Der Trainer stellt jedes Mal die Mannschaft um und experimentiert an “seinem System”. Inzwischen sind alle frustiert: Der Club, weil die Mannschaft in der Liga im Mittelfeld dahindümpelt und wahrscheinlich bald aus der Champions League fliegt. Der Trainer, weil er unter enormem Druck steht. Das Spitzenpersonal, weil es sich missachtet fühlt.

Ein Lehrstück in Sachen Management, wie man es nur selten in der Öffentlichkeit betrachten kann. Hilft es da, einem verdienten Mitarbeiter, der eine Analyse öffentlich macht, einen Maulkorb zu verpassen? Hilft es da, autoritär durchzugreifen oder ist das eher ein Führungsstil aus dem letzten Jahrhundert?

Oder sind ganz andere Maßnahmen erforderlich?

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