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Adventskalender: 8. Türchen

Winfried Kretschmer 8 Dezember 2009 9 Kommentare

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8. Türchen des innovativ.in Adventskalenders

Winfried Kretschmer, Chefredakteur und Geschäftsführer des Onlinemagazin changeX.de

 

Geht es Ihnen auch so? Schon im November nimmt die Zeit an Fahrt auf, und kaum hat der Dezember begonnen, beginnt sie zu rasen. Die Vorfreude früherer Tage – „Noch zwei Wochen!” – mutiert zur Torschlusspanik angesichts des heranziehenden vorzeitigen Jahresendes: „Was, nur noch zwei Wochen?” Denn Weihnachten, das heißt ein um eine Woche verkürzter Monat, und das am Ende des Jahres! Und das bedeutet Hektik.

Verwundert reibt man sich die Augen und fragt sich, wo sie denn geblieben ist, die „stade Zeit”, wie man in Bayern sagt. Was soviel heißt, wie die ruhige, die stille Zeit, die auch in dem bekannten Weihnachtslied besungen wird. Was ist passiert? Schnell kommen dann die üblichen Klischees zum Zuge. Ist von der Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes die Rede, die der Feier die Feierlichkeit raubt, von der rasenden Hektik der modernen Zeiten und der Ratlosigkeit des modernen Menschen.

Es mag gut sein, dass wir gerade Weihnachten zum Anlass nehmen sollten, einen Gang runterzuschalten und die zuvor hereingearbeitete Woche für einen ruhigen Jahresausklang zu nutzen. Aber wir sollten auch darauf achten, im Überschwang der Zivilisationskritik nicht Unvergleichbares zu vergleichen: Das Bild der Weihnacht, dem wir nachhängen, ist eines aus vorindustriellen Zeiten. Sein Rhythmus ist der der Landwirtschaft, in der die Arbeit zur Wintersonnwende zur Ruhe kam. Wo die kurzen Tage zu Ausbesserungsarbeiten genutzt wurden und man die lange Dunkelphase bei spärlichem Licht in der Stube saß.

Das ist eine andere Zeit, eine andere Welt. Eine Welt, die mit der unseren nicht mehr vergleichbar ist. Heute sind wir nach der gleichgetakteten Industriegesellschaft in eine neue Phase eingetreten, die sich durch schnellen Wandel und enorme Flexibilitätserwartungen auszeichnet – und die uns einen enormen Zuwachs an Freiheit und Selbstgestaltungsmöglichkeiten beschert. Die uns aber auch fordert und stetige Weiterentwicklung verlangt. Zum Beispiel zu lernen, zwischen unterschiedlichen Lebenstempi zu wechseln, etwa nach einer hektischen Adventszeit runterschalten zu können. Und kulturell zu realisieren, was sie einmal bedeutete: die stade Zeit.

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Mit vorweihnachtlichen Grüßen
Ihr Winfried Kretschmer


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9 Kommentare »

  • Christiane Windhausen sagte:

    ‘Weihnachten stammt aus einer anderen (historischen) Zeit…’ Das ist ein wohltuender Gedanke. Er erinnert mich an daran, dass ich oft das Gefühl habe, selber aus einer anderen Zeit zu kommen.

    Wenn es so viel Chaos auf den persönlichen Zeitlinien gibt, ist es wichtig, sich selber Zeitqualiäten zu wählen, die dem eigenen Leben gut tun. Da uns die Natur nicht mehr automatisch verlangsamt, ist es sicherlich sinnvoll, sich hin und wieder einen eigenen Weg in die Dunkelheit, in die Ruhe, in die Besinnung zu legen…

    Irgendwie hat uns die Zeit wohl die Macht über ihre Qualität in die Hand übergeben… Jetzt wird es wichtig, den natürlichen Rhythmuswechsel in uns selbst zu entdecken – und ihm zu folgen…

  • Doc Sarah sagte:

    zeit ist eine illusion, ja aber weihnachten kommt dann doch immer so plötzlich ;-)
    ich geniesse die aus-zeit, die ich mir zwischen den jahren nehme – fernab von jeglichem trubel in meditation und stille..

  • Klemens Kolberg sagte:

    Zeit ist relativ…
    Für mich hat sich das Zeitdenken gravierend geändert – vom Trubel und der JobHektik im Raum Oberhausen und Düsseldorf hinein in die “sehr ruhige Eifel”.

    Aber nicht allein der Raum bringt die Ruhe – es ist die Realität des Lebens, die jeder für sich kreiert!
    Wir leben immer nur das, was wir denken und leben wollen!

    Wünsche allen die VorWeihnachtsZeit der individuellen Realität zu geniessen.

    Liebe Grüsse
    Klemens Kolberg

  • Uschi Beck sagte:

    Ja, Ihre Worte machen mich nachdenklich.

    Viele Menschen spüren gerade in der Weihnachtszeit, wie sinnvoll es ist die Tage zu entschleunigen. Der kleine, kurze Boxenstopp hat sich bei mir das ganze Jahr über bewährt. Die kleine Auszeit am Tag – 10 Minuten ohne Computer, Telefon und mit geschlossener Bürotüre.
    Da spüre ich genau, wie es mir gerade geht und genieße den Augenblick mit mir allein. Eine Investition an Zeit die viel Kraft, Energie und Zufriedenheit gibt.

    Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen und entspannten Tag!
    Uschi Beck

    Freue mich sehr, auf Ihre interessante Homepage aufmerksam geworden zu sein.

  • Birgit-Rita Reifferscheidt sagte:

    Mittlerweile kann ich sagen,so gerne wie ich in die Zukunft reise, so gerne lebe ich im Augenblick…….und hinter die Kulissen schaue ich immer gerne.

  • Joachim Zischke sagte:

    “Vorurteile sind Ideen, die gefroren sind.” Peter Ustinov

    Was also könnten wir tun?
    Wir könnten die Vorurteile auftauen.
    Und wie tauen wir die Vorurteile auf?
    Indem wir bewusst innehalten, einen Gang zurückschalten und uns fragen.
    Was sollten wir uns fragen?
    Wir fragen: Wohin wollen wir gehen?
    Wohin führt dieses Fragen?
    Zum Nachdenken.
    Und warum sollten wir nachdenken?
    Wenn wir unser Denken ändern, ändern wir unser Leben.

    ../

  • Karin Konzelmann sagte:

    So weit ich zurück denken kann, habe ich beobachtet, dass der größte Weihnachtsstress daher rührt, dass man glaubt bestimmte Vorgaben für diese Zeit erfüllen zu müssen. Und die unrealistische Behauptung, die Adventszeit könne / müsse von Besinnung und froher Erwartung geprägt sein, erzeugt zusätzlichen Druck. Wenn man sich von dieser frei macht, die verbleibenden Weihnachtspflichten auch noch hinterfragt und ausdünnt und die ruhige Zeit zwischen den Tagen wirklich für sich und seine Lieben nutzt, ist doch alles bestens.

    In diesem Sinne eine wohltuende Festsaison!

    Karin

  • Doc Sarah sagte:

    @ Karin – wie cool ist das denn! Im http://www.netandmore.de/surfboard hast du ja daaaamals schon http://www.netandmore.de/surfboard/kw38-changex.html geschrieben. Chapeau! Ich kenne changeX erst über innovativ.in …

  • Susanne Gier sagte:

    Ja genau. Deshalb gönne ich mir ab morgen eine “Stade Zeit” an der See. Ganz bewußt in der Adventszeit. Ich freue mich schon auf meinen Tempowechsel am Meer und hoffe, dass mir die Ruhe möglich ist.

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