Adventskalender: 15. Türchen
2009-12-15, von Christiane Windhausen
15. Türchen des innovativ.in Adventskalender
Christiane Windhausen SONNOS Institut für integrative Führung
Im Jahre 2004 war ich über Weihnachten auf Sri Lanka, um mich in einer Ayurveda-Kur zu erholen. Doch es kam anders, als ich es mir vorgestellt hatte – am 26. Dezember um 9.45 Uhr schlugen die Wellen des Tsunamies über uns zusammen. Innerhalb von kürzester Zeit war das Hotel dem Erdboden gleich gemacht – und mein Leben nicht mehr das gleiche.
Ich habe an diesem Weihnachtstag erlebt, was es heißt, die Kontrolle über mein Leben zu verlieren und völlig auf die Hilfe von anderen Menschen angewiesen ist. Ich habe Angst, Verzweiflung und Hilflosigkeit erlebt – weil ich nicht wußte, ob mein Mann noch lebt… und weil es keine Möglichkeit gab, die Menschen, die in Deutschland um uns bangten, darüber zu informieren, dass wir noch lebten… Ich habe aber auch – nach der Wucht der Welle – eine Kollison mit der Dankbarkeit erlebt. Schließlich hielt das Leben seine schützende Hand über uns und hatte seine eigenen Pläne: Unsagbar viele Menschen sind an diesem Tag gestorben, doch wir sind schließlich – dank der Hilfe vieler Menschen – heile nach Hause gekommen.
So wurde Weihnachten für mich zu einem Fest der Dankbarkeit. Es erinnert mich daran, dass mir das Leben ein zweites Mal geschenkt wurde. Dankbarkeit ist für mich zu einer Kraft geworden, die Unvorstellbares möglich macht und mich weit über das hinaus getragen hat, was ich mir denken und vorstellen konnte. So gibt es seit dem Tsunamie in meiner Familie am 26.12. ein Ritual, in dem wir miteinander teilen, wofür wir dankbar sind und wen wir in der Familie für eine Entscheidung oder eine Haltung bestaunen und wertschätzen. Es sind gerade die Kinder, die dieses Ritual lieben und uns daran erinnern, es im nächsten Jahr nicht zu vergessen…
Seit dem Tsunamie hat meine Zusammenarbeit mit Birgit-Rita Reifferscheidt im SONNOS Institut an Tiefe gewonnen. Das Leben findet im Grunde wohl immer ausserhalb unserer Vorstellung statt und mutet uns – von dort aus – Unvorhergesehenes zu… Ich habe immer wieder erlebt, dass oft in den schmerzlichsten Erfahrungen unseres Lebens das größte Geschenk liegt. Und ich weiß, dass Krisen erst durch Dankbarkeit zu Chancen werden.
Vielleicht gelingt es Ihnen ja heute, den Weihnachts- und Geschenke-Taumel für einen Augenblick anzuhalten und sich Zeit zu nehmen für die Frage: Wofür bin ich in diesem Jahr dankbar?

Unser Geschenk: Ein Gutschein für einen Tag in der Mediterana, eine der schönsten Wellness-Anlagen Europas – mitten in Refrath, im sinnlich-marokkanischen Stil.
Birgit-Rita und ich haben hier unsere kreativsten Tage verbracht. Wesentliche Elemente von SONNOS sind in der Mediterana entstanden. Im geschmeidigen Wechsel zwischen der Klarheit des Denkens, der Eindeutigkleit des Fühlens und der Weisheit des Körpers ist unser Institut gewachsen… Vielleicht kann die Kreativität dieses Ortes auch Sie zu innovativen Bewegungen inspirieren…





















Dienstag 15. Dezember 2009 um 10:04
Das mit dem Dankbarkeitsritual ist eine schöne und wirkungsvolle Übung. Leider werden wir oft erst durch negative Erfahrungen daran erinnert, was wir alles schon haben. Ein Freund von mir hat sich etwas ganz Besonderes ausgedacht, um oft dankbar zu sein: Jedes Mal, wenn er die Treppe in seinem Haus hinaufgeht, macht er eine kleine Dankbarkeitsübung.
Dankbarkeit auch eine sehr wirkungsvolle Übung, um sein eigenes Glück zu steigern. Wie sagte der Meister: “Du beschwerst dich, dass du keine Schuhe hast. Was soll denn der sagen, der keine Füße mehr hat?”.
Ich bin jetzt einmal dankbar dafür, in diesem Business-Club zu sein. Ich habe hier schon viele tolle Menschen kennen gelernt, die mein Leben bereichert haben.
Dienstag 15. Dezember 2009 um 12:09
1000 DANK für diesen beitrag… der wie so vieles, bestimmt nicht nur zufällig, bezug zu meiner aktuellen situation hat… DANKE!
herzliche grüsse
silke
Dienstag 15. Dezember 2009 um 13:57
@Christiane:
“So wurde Weihnachten für mich zu einem Fest der Dankbarkeit.”
Da haben wir etwas gemeinsam, auch für uns ist Weihnachten kein Jingle Bell Happening, sondern ein Fest der Dankbarkeit.
Leider ist Dankbarkeit eine völlig vergessene Dimension.
Dankbarkeit ist übrigens im Islam wesentlich stärker ausgeprägt, als in unserer christlichen Religion.
Auch im Buddhismus nimmt die Dankbarkeit einen breiten Raum ein, obwohl hier gravierende Unterschiede zum Christentum und zum Islam sichtbar sind. Wer im Buddhismus Dankbarkeit zeigen kann, hat eine höhere Stufe geistigen Anstiegs erreicht.
Für mich persönlich gilt, was dem Häuptling Tecumseh zugeschrieben wird:
“Lebe dein Leben so, dass die Angst vor dem Tod dir nicht zu Herzen geht.
Wenn Du dich am Morgen erhebst,
danke für das Tageslicht,
für dein Leben und deine Kraft,
danke für die Nahrung,
die Freuden des Lebens und das Glück, leben zu dürfen.
Wenn Du keinen Grund zum Danken siehst,
liegt die Schuld ausschließlich bei Dir selbst.”
Als Nordlicht muß ich wieder bedauern, dass dieser schöne Gewinn nicht in greifbarer Nähe liegt.
Deshalb bitte ich, mich von der Verlosung auszuschließen.
Dienstag 15. Dezember 2009 um 15:12
Ich wollte den Artikel gar nicht ganz lesen, weil einfach keine Zeit dafür ist. Als ich die ersten Zeilen gelesen habe, war ich jedoch gefesselt. Danke, dass Sie uns Ihr “Erlebtes” so nahe bringen. Da rückt meine Zeit doch weit nach hinten. Ich bin dankbar für Ihre Schilderung und dafür, dass ich heute ein wenig inne halten konnte.
Dienstag 15. Dezember 2009 um 17:23
@ Michael
ich habe gar nicht damit gerechnet, hier jemanden zu treffen, der sich auch für verschiedenen Religionen und Kulturen interessiert. Sri Lanka ist ja ein vorwiegend buddhistisch-geprägte Land. Dort spürt man überall, dass sie Dankbarkeit als eine spirituelle Kraft verstehen, die uns verwandelt. Vielleicht bin ich deswegen so gerne dort gewesen…
Apropo Leben und Tod: Als ich 12 Jahre alt war, habe ich meine Mutter einmal gefragt: Was ist der Sinn des Lebens? Sie stand mit ihrer Schürze am Herd und sagte – ohne lange nachzudenken: Dass Sterben zu lernen. Irgendwie hat mich dieser Augenblick nicht wieder verlassen.
Dienstag 15. Dezember 2009 um 17:24
@Ludger
danke fürs Bleiben und Lesen. Ich bin mir sicher, dass Zeitnehmen hat dir Zeit geschenkt…
Dienstag 15. Dezember 2009 um 17:37
Auch in meiner Familie gab es Tsunamie-Verletzte, die sich leider gerade zu diesem Zeitpunkt dort aufhielten. Es hat lange gedauert, bis sie das Erlebte überwunden haben. So viele Opfer sollten uns Warnung sein, ob wir nicht doch etwas zu arglos mit dieser Welt umgehen. Die Natur ist stärker als wir.
Dienstag 15. Dezember 2009 um 18:13
Viele Menschen können noch lernen dankbar zu sein.
In Ihrem speziellen Fall ist es wahrscheinlich ein gänzlich unbeschreibbares Ereignis.
Dankbarkeit gehört zum Leben. Wir erhalten sehr viel im Leben und bekommen alles wieder genommen. – Aber jeder erhält die Chance, seine Seele wachsen zu lassen.
Wenn Jemand glaubt nicht dankbar sein zu brauchen, den hätte ich gern vor Schulbeginn zur Grundschule meines Sohnes mitgenommen. Die Kinder der Schule haben teilweise extre Einschränkungen – auch in der Beweglichkeit.
Beginnen kann jeder mit einfachen Dankbarkeitsübungen – abends kurz vor dem Schlafengehen. Angefangen mit dem Abendessen, der Art zu speisen, dem Haus, der Möglichkeit sich zu bewegen und die Art zu denken – unzählige Dinge, von denen andere Menschen vielleicht unerreichbar träumen…
Ich danke für über innovativ-in erhaltenen Kontakte und Informationen
Liebe Grüsse
Klemens Kolberg
Dienstag 15. Dezember 2009 um 18:51
@ Marcel Klotz
ich staune immer wieder, wie viele Menschen – direkt oder indirekt – vom Tsunamie betroffen waren. Große Krisen ziehen große Kreise…
Unser Umgang mit den natürlichen Wundern und Ressourcen dieses Planeten ist wohl wirklich ein Spiegel unsere ‘Undankbarkeit’… Nehmen ohne Geben bringt irgendwie alles ins Ungleichgewicht.
Dienstag 15. Dezember 2009 um 19:05
@ Klemens Kolberg
Kinder sind wohl die größte Quelle der Dankbarkeit. Ich komme selber aus einer kinderreichen Familie – habe aber selber nie Kinder bekommen. Dann braucht es andere Erfahrungen, um uns in die Dankbarkeit zu führen…
Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass mein Vater an seinem 50 Geburtstag gesagt hat: Das wichtigste in meinem Leben habe ich von meinen Kindern gelernt. Und das ist ihm (und uns) wirklich nicht immer leicht gefallen… Wenn Sie über ihren Sohn schreiben, dann spüre ich, dass er unvorhergesehene Geschenke mit in die Familie gebracht hat – vielleicht gerade wegen seiner Einschränkungen.
Dienstag 15. Dezember 2009 um 19:19
@Christiane:
Das Sterben zu lernen ist wichtig, die meisten Menschen machen um das Thema Sterben einen großen Bogen, weil sie die Auseinandersetzung mit dem Tod scheuen. Die Antwort Ihrer Mutter war sehr mutig. Über den Sinn des Lebens stritten und streiten sich unsere Philosophen. Ich kann da nicht mitreden. Für mich gilt: Der Sinn des Lebens ist der, den ich ihm gebe.
Dienstag 15. Dezember 2009 um 19:24
Bisher habe ich den Adventskalender den Partnern den Business-Clubs überlassen, weil er für sie bestimmt ist. Bei dem Dankeschön Beitrag von Christiane Windhausen fällt mir die Zurückhaltung schwer.
Am Samsatg erhielt ich die traurige Nachricht, dass Matthias Lauk tot ist. (Hier ein Artikel im Kölner Stadtanzeiger) Matthias habe ich vor Jahren über Wolfgang Horbach kennen und schätzen gelernt. Wir haben viele Stunden geredet, uns oft getroffen, er war auch Partner des Business-Clubs (einige werden Matthias auch von Veranstaltungen des BC kennen) und noch im letzten Jahr waren wir in Köln und haben den 2. Advent mit ihm, seiner Frau und vielen Gästen gemeinsam erlebt.
Matthias wirkte so jung, lebensfroh, voller Mut und Elan – ich sehe ihn vor mir, höre sein Lachen, sehe seine blitzenden Augen, spüre seine Umarmung. In den Momenten der Trauer, als die Tränen flossen, klopfte die Dankbarkeit an die Tür.
Den Augenblick leben, jeden Moment genießen, den Ärger verbannen, verzeihen und sich über Kleinigkeiten freuen- das waren die Botschaften, die mir die Traurigkeit gesendet hat. Danke.
Dienstag 15. Dezember 2009 um 19:43
Liebe Christiane, wie schön, dass Ihr immer weiter so ganz kontinuierlich sichtbarer und sichtbarer werdet. Also Euch sozusagen “enttarnt”. Ich bin zutiefst dankbar, das ich mit Dir und Euch arbeiten darf. So kann ich, immer wieder getragen durch Eure Felder, Energien, Sichtweisen und Brillen auf ungeahnten Wegen gehen und stehen.
Dienstag 15. Dezember 2009 um 19:58
Dank einer gleichnamigen Schauspielerin, die vor vielen Jahren mit Ingolf Lück eine Fernseh-Comedy-Sendung moderierte ist mein Vorname immer mit dem Wort “DANKE” verbunden. Auch im Ausland kann der Name seitdem problemlos ausgesprochen werden, eben weil er sich so schön auf “DANKE” reimt. Und viele Navigationsgeräte werden nach mir benannt. Ist doch toll, oder?
Die Momente der o.g. Erinnerung an Orte, Ereignisse und Menschen lassen uns innehalten. Und sie tragen uns, jeden Tag. Sie sind gerade deshalb so wichtig für ein glückliches Leben (Stimmt, Wolff).
Und gerade deshalb möchte ich ein Schmunzeln bei Ihnen an diesem Abend verursachen. Sagen Sie doch für meinen Beitrag einfach mal still und leise …….(na, wer kommt drauf?). Und ganz unabhängig von mir … öfter mal DANKE zu sich selbst.
Dienstag 15. Dezember 2009 um 20:07
Liebe Christiane,
ich kenne den Ort den Du beschreibst. Ich war letztes Jahr zum 5.Jahrestag mit Susanne am Strand der Dich fast fortgerissen hätte aus dem Leben. Ich bin dankbar dort gewesen zu sein und zu fühlen was die Menschen berührt und zu sehen wie eine solche Katastrophe auch ein Neubeginn bedeuten kann, auch ein Neubeginn des Denkens und Fühlens. Dort habe ich gesehen was der Glauben im Leben der Menschen bedeutet und die abendlichen Ausflüge zum Tempel haben mich berührt.
Dienstag 15. Dezember 2009 um 20:44
Es ist wunderschön in diese Dankbarkeit eintauchen zu können.
26.12.04 12 Uhr da klingelte das Telefon. Wie geht es Christiane, hat sie überlebt? Ich hatte keine Ahnung was passiert war, bis ich den Fernseher angeschaltet habe und von der Katastrophe hörte. 2 Tage und Nächte habe ich warten müssen bis die erlösende Nachricht kam – Christiane lebt. Ich hatte gerade 4 Monate zuvor meine Mutter beerdigt. Der Gedanke Christiane kommt vielleicht nicht mehr zurück hat mich gänzlich erstarren lassen. Erst als ich ihre Stimme am Telefon hörte ließ die Starre nach.
Ich bin jeden Tag dankbar – dass sie lebt – das wir zusammen wirken dürfen.
Dienstag 15. Dezember 2009 um 22:02
Liebe Christiane, nach Wochen bin ich heute mal wieder im Netz und stosse direkt auf Deinen Adventsbeitrag – er hat mich wohl gerufen.
Mir fällt auf, daß ich gerade in Zeiten, die hektisch sind ich regelrecht Disziplin brauche um meinen Fokus immer wieder auf die Dinge – auch die ganz kleinen, vermeintlich selbstverständlichen – zu lenken, für die ich dankbar bin. Und je öfter ich dies tue, desto mehr wird es mir zur Gewohnheit, Dankbarkeit als Begleiter an meine Seite zu holen.
So geht für mich Dankbarkeit mit Achtsamkeit einher – wenn ich genauer wahrnehme finde ich unendliche viele Dinge, die gewiss nicht selbstverständlich sind und die es Wert sind, dafür dankbar zu sein. Ich muß jedoch auch achtsam sein, daß ich vor lauter Trubel die Dankbarkeit nicht manchmal übersehe.
Mittwoch 16. Dezember 2009 um 07:04
@ Elita
als meine Freundin bei einem Autounfall tödlich verunglückte, hat es eine ganze Weile gedauert, bis ich dankbar sein konnte. Irgendwann habe ich dann plötzlich wahrgenommen, dass sie gerade durch ihre Abwesenheit in mir immer anwesend war. Vorher war sie Teil meines Lebens, jetzt war sie auf einmal zu einem Teil von mir geworden. Für bestimmte Facetten des Erkennens und der Dankbarkeit waren wir uns zu Lebzeiten einfach zu nah.
Der Tod hat mir eine Freundin geraubt. Er ließ mich aber auch spüren, warum ich sie getroffen habe und welche Spuren sie in meinem Leben hinterließ. Diese Freundin hat mich – über ihren Tod hinaus – verändert.
Du bist schon jetzt in der Dankbarkeit angekommen… Und es klingt so, als würden die Spuren deines Freundes dich neu bewegen. Das ist wohl das größte Zeichen von Dankbarkeit für eine Freundschaft – dass wir uns durch den Tod eines anderen Menschen vertiefen und verändern lassen…