Wie verkauft man Elektroautos?
Ja, lange ankündigt, aber manches dauert länger… jetzt endlich ist unser erstes Interview im virtuellen Studio fertig. Wir haben das Thema Elektroautos von unserer Premiere des Business-Forums aufgegriffen. Dazu habe ich Karl-Uwe Bütof vom Wirtschaftsministerium NRW eingeladen und mit unserem Partner Rainer Plempe, Chef des grünen Autohauses in Hattingen das Interview bei vr3. geführt.
Kollektives Brainstorming
Elektroautos sind in aller Munde. Da meint man doch das Geschäft läuft und die umweltschonenden Kleinwagen finden reißenden Absatz. Weit gefehlt! Rainer Plempe würde gerne mehr Autos verkaufen. Deshalb haben ihm die Gäste unseres Business-Forums unterstützt und in Form eines kollektiven Brainstormings jede Menge Marketing-Ideen entwickelt, um den Verkauf anzukurbeln.
Eine Idee von unserem Gast Barbara Rörtgen von den Entwicklungshelfern:
“Die NRW Landespolitiker sollten vier Wochen lang ein Elektroauto fahren und anschließend über ihre Erfahrungen (auch in den Medien) berichten.”
Wir haben den Vorschlag aufgegriffen – dazu unser Interview. Dankeschön an Jochen Schreiber und seinem Team von vr.3, die uns ihr Studio zur Verfügung gestellt haben, das Interview gedreht und geschnitten haben.
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[...] ich habe mit ihm und dem Ministerialdirigent des Wirtschaftsministeriums NRW Karl-Uwe Bütof ein Studio-Interview geführt. Die Autosolardächer von Systaic sind vor allem auch für Elektroautos interessant. Stoff [...]
Ich würde gerne Herrn Plempe noch mal den Input geben, dass aus meiner Sicht das wesentliche Problem der E-Autos immer noch die mangelnde Reichweite, der am deutschen Markt verfügbaren Fahrzeuge ist.
Auch wenn 80% meiner Autofahrten durchaus innerhalb der Reichweite heutiger E-Autos liegen, möchte ich für 20% der Autofahrten nicht ein weiteres Auto unterhalten oder mir unbequemere Transportwege ausdenken müssen (nebenbei erwähnt ich fahre viel mit der Bahn!!!).
Auch wenn ich in 99% der Fälle das Gewichtheutiger Autos nicht benötige, so steckt doch ein Großteil des Gewichts in Sicherheitstechnologie, die ich in mindestens 1% der Fälle nicht missen möchte.
Ein Fahrzeug, das heute mit meinem 100%-Auto konkurrieren soll, muss eben auch ein 100%-Auto sein. Ich denke, die einzige Möglichkeit das kurzfristig in den Griff zu bekommen bietet sich in dem Stromabo-Ansatz der Firma BetterPlace.
Das Gegenargument “Der Akku ist ein wichtiges Element des E-Autos und die Verbraucher sind nicht bereit dieses zu tauschen”, ist nicht nur ein demagogisches Scheinargument. Es weist zusätzlich darauf hin, wer die größte Angst vor den heute schon machbaren E-Autos (mit Tauschakkus und entsprechen “unendlicher” Reichweite) hat und die größten Widerstände heute noch leistet. Nämlich die Automobilhersteller und deren Vertragswerkstätten.
Zunächst als Richtigstellung: Wenn ich nur die Leistung einkaufe, ist mir egal wieviel Rest-Kapazität mein Akku hat. Der Stromaboanbieter hingegen hat ein großes Interesse, mir einen Akku einzubauen, der eine möglichst Hohe Restkapazität hat, weil ich ihm ja nur die entnommene Leistung in kWh bezahle, während seine Hauptkosten ja nicht nur im Einkauf des Stroms, sondern eben auch beim Tausch des Akkus entstehen.
Die Angst der Automobilindustrie ist aber die. Wenn diese “wichtige” Komponente – der Akku nicht mehr fest verbaut und Herstellerspezifisch ist, dann kann ich noch in 20 Jahren mit einem heutigen Auto fahren, das andererseits immer noch die innovativste Akkutechnologie nutzt. Gleichzeitig habe ich viel geringere Wartungskosten als bei heutigen Autos (Elektromotoren verschleißen langsamer als Benziner und haben nicht so viele zusätzliche Verschleißanfällige Komponenten z.B. Getriebe entfällt).
D.h., wenn sich die Stromabos inkl. Akkutausch durchsetzen, entsteht dadurch ein riesiger Umbruch in der Automobilbranche. Die Stückzahlen, die die Werke ausstoßen können, sinken dramatisch. Die Anzahl der Werktätigen die in der Produktion und der Wartung benötigt werden, sinkt. Und die Umsätze mit Ersatzteilen sinken.
Letzteres ist das entscheidende Argument für den Widerstand der Automobilindustrie gegen reine E-Autos. Tatsächlich haben die Hersteller ja gar kein Interesse daran Arbeitsplätze in Ihren Werken oder in Ihrem Händlernetz zu erhalten. Aber das Geschäft mit den Ersatzteilen ist das eigentliche Geschäft, mit dem die heutige Automobilindustrie Gewinne erwirtschaftet. Wenn dieses Geschäft durch E-Autos mit Tauschakkus um Größenordnungen schrumpft sind Firmen wie VW, Opel, MB und BMW ganz schnell am Ende.
Gelingt es der heutigen Automobilindustrie hingegen die Entwicklung hin zu reinen E-Autos zu bremsen, über Einfluss auf Politik und das Streuen demagogischer Scheinargumente in der Verbraucherschaft zu verlangsamen, noch ein zwei Generationen Hybridfahrzeuge dazwischen zu streuen, vielleicht noch ein paar Fördergelder für Wasserstoffverbrennungsmotoren und ähnliche Sackgassenentwicklungen abzugreifen, dann ist das Sterben dieser Industrie zumindest nicht mehr das Problem heutiger Manager, die sich bis dahin längt mit hohen, durch die Gesellschaft abgesicherten Pensionen in den Ruhestand verabschiedet haben.
Wäre also ein Investor oder die Politik in der Lage ein solches 100%-Auto mit Elektromotor und Tauschakku zusammen mit einem dichten Netz an Tauschstationen innerhalb kurzer Zeit aufzubauen, würden wir damit dem Teil der deutschen Wirtschaft, der – neben den E-Werken – immer noch den meisten politischen Einfluss hat, das Wasser abgraben und die künstliche Konjunktur dieser Branche abwürgen. Das wiederum würde zu großen Widerständen in der Bevölkerung führen – sehr viele Arbeitnehmer sind eben heute noch auf die klassische Automobilindustrie angewiesen und für diese direkt oder indirekt tätig.
Insofern wünsche ich Ihnen Herr Plempe einen verdammt langen Atem und ein paar Geschäftsmodelle wie z.B. Caresharing (da werden meist nicht so große Reichweiten benötigt), die sie bis dahin tragen. Einen Umbruch, eine Revolution geradezu, wie sie nötig wäre, um E-Autos kurzfristig erfolgreich zu machen wird es m.E. in Deutschland nicht geben. Erstens neigen die Deutschen eher zu evolutionären Veränderungen und haben noch nie viel von Revolutionen gehalten. Zweitens verhindert schon unsere föderale Struktur schnelle Entscheidungen und kurze Entscheidungswege. Und drittens schließlich gibt es ja gegen Tauschakkumodelle auch noch weitere Widerstände, wie z.B. aus der Kraftwerksbranche.
Das haben schließlich ja auch Firmen wie BetterPlace eingesehen und kreisen Deutschland mit Angeboten in Frankreich und Dänemark regelrecht ein, während sie Deutschland meiden wie eine heiße Kartoffel.
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