Freimaurer?

2010-01-06, von Michael Lalk

bild-120.jpgDu bist doch Freimaurer, dann schreibe darüber mal im Blog, sagte vor Weihnachten Elita zu mir. In der Tat, Dan Browns Bestseller, “Das Symbol” hat das Thema für viele interessant gemacht. Sogar zur besten Sendezeit wurde am 1. Weihnachtstag auf N24 über die Freimaurer berichtet. Auch verzeichnen wir einen verstärkten Zulauf an Interessierten, nicht zuletzt, weil sich viele Mythen und Gerüchte um den angeblichen „Geheimbund“ ranken. Natürlich bietet ein Blog nur die Möglichkeit, ein so komplexes Thema anzureißen. Deshalb habe ich die Frage-Antwort Form gewählt.
Weiterführende Informationen bietet das Internet in Hülle und Fülle und wer mag, kann mich gerne direkt ansprechen.
Was ist Freimaurerei?
Freimaurerei, auch “königliche Kunst” genannt, hat ein ehemaliger „Meister vom Stuhl“ (so nennen wir den Vorsitzenden einer Loge) so beschrieben:
„Die Freimaurerei ist eine königliche Kunst, bei der ein Weisheit Suchender in überlieferter Weise das, was er in der Welt in und um sich erlebt, auf eine andere Stufe seines Bewußtseins hebt, um daraus für sich eine individuelle Maxime zu erarbeiten.“
Ausführlicher hat es ein Bruder meiner Loge „Theodor Vogel“ formuliert.

Was ist der Ursprung der Freimaurer?
Ursprung der Freimaurerei sind die mittelalterlichen Dombauhütten der Steinmetze, deren überlieferte Erkennungszeichen, Rituale und Symbole Einzug in die Freimaurerei gehalten haben. Als im 17. Jahrhundert die große Zeit der Dom- und Kathedralbauten ausklang, wurden in die Bauhütten, die Logen, „Profane“ aufgenommen, Intellektuelle, Adelige, Musiker, Schriftsteller usw. Die Logen wurden so zu einem Sammelplatz frei denkender “angenommener Maurer”.

Ist der Bund der Freimaurer ein Geheimbund?
Gibt es im Zeitalter des Internets überhaupt noch Geheimnisse?
Nein, Freimaurer bilden keinen Geheimbund, sondern einen diskreten, einen geschlossenen Bund. Wir Freimaurer schätzen allerdings Verschwiegenheit als eine besondere Tugend. Goethe, selbst Freimaurer, schreibt in seinem Gedicht „Verschwiegenheit“:
„Niemand soll und wird es schauen,
was einander anvertraut,
denn auf Schweigen und Vertrauen
ist der Tempel aufgebaut“
Diese Verschwiegenheit ist unabdingbar. Nur durch Verschwiegenheit kann Vertrauen entstehen, nur durch Vertrauen kann eine Loge existieren. Dass wir Rituale und Erkennungszeichen nicht veröffentlichen, unsere Brüder nicht ohne deren Genehmigung als Freimaurer outen, hat nichts mit Geheimnissen, sondern mit Verschwiegenheit zu tun.

Gibt es überhaupt ein Geheimnis?
Ja. Das jeweilige persönliche Erleben, das nicht mit Worten erklärt werden kann.

Was bedeute „freimaurerische Arbeit“?
Freimaurer sehen sich als „rauen Stein“, dem Symbol der Unvollkommenheit.
Das Freimaurerlexikon definiert das so:
“Wer nicht nur rein äußerlich Freimaurer sein will, muss darum bemüht sein, die Kanten und Ecken zu beseitigen, die seine Schwächen und Leidenschaften und üblen Gewohnheiten darstellen. Wer zur Freimaurerei kommt, ist noch keineswegs ein vollkommener Mensch. Die Erziehung in der Loge soll dazu dienen, den rauen – zum behauenen, zum kubischen Stein zu gestalten, an den erst das Winkelmaß angelegt werden kann.”
Diese Arbeit an unserem rauen Stein geschieht in drei Graden:
Lehrlingsgrad: Schau in dich! (Erkenne dich selbst)
Gesellengrad: Schau um dich! (Auf die Einbindung in die Gesellschaft, die sozialen Verpflichtungen, aber auch auf das Leben schlechthin mit allen seinen Höhen und Tiefen).
Meistergrad: Schau über dich (Erkenne die Endlichkeit deines Lebens und Schaffens und berücksichtige es in deiner Lebensführung).
Die Bedeutung dieser Grade ist für das Erleben und die Entwicklung des Freimaurers wesentlich wichtiger als ihre Rollen im Logenleben.
Und gearbeitet wird nur am eigenen rauen Stein, nicht am Stein eines Bruders.

Welchen Sinn machen Symbole, Rituale und Tempelarbeiten?
Die freimaurerisch Symbole erinnern an die ethischen Verpflichtungen des Menschen, die Verbundenheit mit unseren Mitmenschen und bilden auch einen Bezug zur Transzendenz.
Sie haben keinen religiösen oder dogmatischen Sinn, mit Ausnahme des „Großen Baumeisters aller Welten“, ein Symbol in dem jeder Freimaurer seine übergeordnete Existenz sieht.
Der hier abgebildete Arbeitsteppich meiner Loge zeigt eine Vielzahl unserer Symbole.
So wie die Symbole stammen auch die Rituale von den alten Steinmetzzünften, aber sie beziehen sich auch auf alte Mysterienbünde der Gnostiker und der Kabbala.
Die rituelle Tempelarbeit spricht die emotionale und die rationale Seite des Menschen an, sie verschafft ihm die Möglichkeit der Einkehr und Kontemplation, wobei ihn Musik, Worte und Handlungen unterstützen. So dienen diese rituellen Tempelarbeiten der feierlichen Einführung neuer Brüder in den Bund, der Vertiefung menschlicher Bindungen innerhalb der Bruderschaft, der Besinnung auf die moralischen Normen des Freimaurerbundes, sowie der Sammlung und Erbauung des einzelnen Bruders.

Wer kann Freimaurer werden und wie wird man Freimaurer?
Jeder (von Vorurteilen) freie Mann von gutem Ruf kann Freimaurer werden.
Aber jeder, der mit dem Gedanken spielt, beizutreten, sollte wissen, dass er einen Bund fürs Leben schließt. Er soll bereit sein, regelmäßig an den wöchentlichen Zusammenkünften teilzunehmen und sich mit den Inhalten der Freimaurerei vertraut machen. Vorrangig sind jedoch Familie und Beruf. Vom ersten Kontakt mit einer Loge bis zur Initiation dauert es meist schon einige Monate, damit man sich gegenseitig kennenlernen kann.

Was bedeutet Freimaurerei für mich?
Ich stamme aus einem humanistisch geprägten Elternhaus, das mir Werte wie Humanität, Toleranz und gesellschaftliche Verantwortung vermittelt hat. Die Freimaurerei hilft mir, diese Werte nicht nur zu erinnern, sondern immer wieder zu lernen, um sie auch leben zu können, sowohl in meinem privaten, aber auch in meinem geschäftlichen Umfeld. Werte, die zwar bekannt, aber nicht gelebt werden, vergleiche ich gerne mit schönen Bildern in einem dunklen Zimmer. Sie sind vorhanden, aber erst nach nach dem Einschalten des Lichts offenbaren sie sich uns in ihrer ganzen Schönheit.

Schließen möchte ich mit einem kleinen Auszug aus Lessings „Ernst und Falk“:
FALK: Die Freimaurerei ist nichts Willkürliches, nichts Entbehrliches: sondern etwas Notwendiges, das in dem Wesen des Menschen und der bürgerlichen Gesellschaft gegründet ist. Folglich muss man auch durch eignes Nachdenken ebensowohl darauf verfallen können, als man durch Anleitung darauf geführet wird.
ERNST: Die Freimaurerei wäre nichts Willkürliches? – Hat sie nicht Worte und Zeichen und Gebräuche, welche alle anders sein können und folglich willkürlich sind?
FALK: Das hat sie. Aber diese Worte und Zeichen und diese Gebräuche sind nicht die Freimaurerei.
ERNST: Die Freimaurerei wäre nichts Entbehrliches? – Wie machten es denn die Menschen, als die Freimaurerei noch nicht war?
FALK: Die Freimaurerei war immer.

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6 Kommentare zu “Freimaurer?”

  1. Marcel Klotz sagt:

    Lieber Herr Lalk,
    danke für die Aufklärung. Ihre Erläuterungen helfen tatsächlich sehr über die Freimaurer mehr zu erfahren. Sehr informativ! Das hilft sicher auch Unklarheiten oder Vorurteile abzubauen.

  2. harry schulz sagt:

    …lieber herr lalk…
    …das sprichwort…”in der kürze liegt die würze”…trifft auf ihren beitrag zu…einiges von dem was sie schreiben, hatte ich vor einigen monaten durch zufall im internet gelesen…und habe spontan beschlossen das logenhaus zu besuchen – das schöne an der neugier ist…wenn man ihr nachgibt – und wurde dort sehr freundlich aufgenommen und alle meine fragen wurden – auf sehr angenehme weise – beantwortet…so wurde ich vom gast zum suchenden…und es hat einige zeit gedauert “meine” loge zu finden…fast ein jahr habe ich damit verbracht, die menschen “meiner” loge kennzulernen und sie selbstverständlich mich…

    …in zwei wochen ist meine aufnahme und ich freue mich auf die zeit als lehrling…um es kurz zu machen…ich freue mich auf das erleben…auf das erleben…was man mit worten nicht beschreiben kann…!…

  3. Rolf Schmittat sagt:

    Lieber Herr Lalk,

    wenn ich hier im Bereich “Über uns” lese: “Wir stehen für Sinn, Werte und Ethik, innovative Lösungen, Visionen mit Herz, Emotionen und Vielfalt, Geben und Nehmen.”, dann komme ich nicht umhin festzustellen, dass die Freimaurerei und Ihr erfreulich übersichtlicher und sehr informativer Beitrag in diesen Blog sehr gut hereinpassen.

    Eine “gute und ehrenwerte Sache” wie die Freimaurerei ist besonders in unserer heutigen Zeit und für bewusst lebende Menschen überaus wertvoll … und hat sicher mehr Aufmerksamkeit verdient. Vielen Dank an Sie!

  4. Michael Lalk sagt:

    Ich bekam eine Mail von einer Leserin, warum es sich um einen Männerbund handeln würde, von dem Frauen ausgeschlossen sind. Das ist nicht ganz richtig.
    Es gibt auch Logen für Freimaurerinnen, Logen, die ganz hervorragende freimaurerische Arbeiten leisten. Aber diese Logen sind nicht regulär. Betrachtet mach die Freimaurerei aus der Historie, so gab es keine weiblichen Steinmetze.
    Es gibt für Freimaurer ein Grundgesetz, die „Alten Pflichten von 1723″, das auch heute für uns Gültigkeit besitzt. Da heißt es: “ The Persons admitted Members of a Lodge must be good and true Men, free-born, and of mature and discreet Age, no bondmen, no Women, no immoral or scandalous Men, but of good Report”.
    Frauen,die sich der Freimaurerei nähern möchten, kann ich nur ermuntern, dies zu tun, denn die Zeile entsprechen auch unseren. So heißt es bei der Großloge der Freimaurerinnen:
    “Das einende Element unserer freimaurerischen Frauengemeinschaft besteht in der Wertschätzung menschlicher Begegnung und gegenseitiger Anregung – in der Offenheit für unsere Zeit, für ihre positiven und negativen Erscheinungen und im Interesse an den Dingen unserer Welt. Die Loge ist das Zentrum der geistigen Arbeit, Stätte der Begegnung und Ort ernster Besinnung, an dem mit Hilfe von Symbolen und rituellen Handlungen unverlierbare Werte und menschliche Ideale über bloße theoretische Erkenntnisse hinaus zum Erlebnis gebracht werden. Das Ergebnis von all dem ist auch Selbsterkenntnis. Durch gemeinsames Bemühen in der schwesterlichen Gemeinschaft der Loge wollen wir unsere Ziele erreichen.”

  5. Doc Sarah sagt:

    Danke für den Artikel, lieber Michael !

  6. Pia sagt:

    Danke fuer die Info :-)

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