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Warum eigentlich Wachstum?

Marcel Klotz 12 Januar 2010 9 Kommentare

Ständig hören wir, wir müssen wachsen. Die Wirtschaft, die Umsätze, der Gewinn. Aber geht es auch ohne? Wir messen Wachstum immer nach numerischen und relativen Steigerungen. Gibt es auch andere Kriterien, qualitative Kriterien? Wir denken immer in BIP (Bruttoinlandprodukt) und rufen die Krise aus, wenn dieses BIP nicht wächst. Gibt es auch andere Betrachtungen, andere Perspektiven?

Monitor hat am 7.1.2010 einen Beitrag gesendet, der diese Fragen gründlich untersucht. Und siehe da, es gibt sie, die andere Seite, die andere Perspektive. Wie wäre es z.B. mit “besser” werden. Mit “qualitativer” werden? Wie wäre es, wenn wir die Lebensqualität messen würden, oder die Arbeitsqualität und vor allem auch die Zufriedenheit? Und wie wäre es, wenn wir mal ein Anhalten nicht als Krise betrachten würden? Solche und weitere Fragen greift der Beitrag von Monitor auf und lässt Fachleute wie Prof. Miegel und den Zukunftsforscher Dennis L. Meadows zu Wort kommen.

Sind wir nicht längst an der Stelle, an dem sich Wachstum kaum noch realisieren lässt, aber Verbesserungen oder Einsparungen deutlich mehr Potential bieten? Ich meine ja und finde solche Antworten auch im Beitrag. In meinem Buch (“Competence Selling“)  habe ich eine Methode dargestellt, neue Geschäftchancen bei Kunden zu finden. Es geht dabei um die Kosten- und/oder Umsatzfokusierung der Kunden. Beim Ausarbeiten habe ich festgestellt, wie schwer es ist, den Umsatz hochzubringen. Es geht eigentlich fast nur noch durch massive Innnovation (was Wettbewerbsvorsprung bringt) oder durch Verdrängung (was sehr sehr schwer ist). Doch Kosten einzusparen ist (noch) recht leicht. Da steckt das Potential der Zukunft drin.

Ich glaube daher, wir können in zig Feldern “besser” werden. Auch ohne mehr Umsatz oder ein höheres BIP ließe sich dadurch mehr Qualität erreichen. Ein kleines Beispiel liefert doch die IT. Obwohl ein Unternehmen weniger Umsatz macht, oder stagniert, kann es bestehen, weil es Kosten einspart. Z.B. durch deutlich optimierte Stromnutzung. Oder wir können Energie sparen (und damit Geld) in dem wir kleinere, sparsamere Autos fahren. Dann kann ich auch ein Umsatz- oder Einkommens-Minus oder -Stillstand verkraften. Ich muss nur bereit sein, in diese Richtung zu denken. Ein solches Denken hat zudem noch die Chance auf mehr Qualität. Warum tun wir es also nicht? Liegt es in der Natur der Menschen? Sicher auch. Aber vor allem liegt es daran, dass einfach keiner anfängt und zu wenig andere Wege geht. Schon gar nicht unsere Regierungen.

Wir brauchen also neue Kriterien!

Der Monitor Beitrag schliesst mit:

“Grenzenloses Wachstum – eine historische Ausnahme. Sie geht jetzt zu Ende. Und gerade wir in den reichen Industrienationen können Wohlstand künftig neu bewerten. Wie hoch sind die Durchschnittslöhne bei uns? Die Bildungschancen? Die Gesundheitsstandards? Hält unsere Gesellschaft zusammen? Schonen wir unsere Umwelt? Das Ziel: Besser statt mehr!”

Absolut sehenswert ! Hier gehts hin


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9 Kommentare »

  • Klemens Kolberg sagte:

    …aber woran erkennen wir, dass etwas lebt?
    Alles, was lebt, wächst. Also handelt es sich bei Wachstum um das Prinzip des Lebens – ein Teil unseres genetischen Codes.

    Das Wachstum lässt sich bereits beim Beobachten von Kindern nachvollziehen. Es scheint ein Grundbedürfnis zu sein. Kinder wollen forschen, untersuchen und ihre Fähigkeiten verbessern – und sie gehen Risiken ein.

    Im Wirschaftsbereich geht es jedoch nicht darum einfach zu wachsen. Evolution bedeutet zielgerichtetes Wachstum, also ein Wachstum, das die (Über-)Lebensfähigkeit sichert und ein Bestehen am Markt ermöglicht.
    Nach Dr. W. Edwards Deming kann der Qualitätsgedanke wie folgt definiert werden:
    Qualität ist mehr als nur einem Standard zu entsprechen. Sie entsteht durch den lebendigen Prozess stetige Verbesserung zu erzielen.

    Freundliche Grüsse
    Klemens Kolberg

  • Patrick Fritz sagte:

    Ich will jetzt nicht allzu philosophisch werden, aber wenn man schon mal das Beispiel Mensch heranzieht… geht es da nicht vielmehr um (Zell-)Erneuerung anstelle Wachstum. Übermäßiges (Zell-)Wachstum bedeutet doch Krankheit?

    ABER “sparen” ist aus meiner Sicht auch nicht die richtige Metapher für “besser”. Sparen heißt für mich weniger, Besser heißt zumindest das bestehende zu wahren, aber vielleicht auf eine bessere Art.

    Ein spontanes Beispiel das mir einfällt. IBM hat doch die Produktion von Notebooks abgegen weil es aus ihrer Sicht nicht genügend abwirft bzw. weniger wird. Darum haben sie dieses Geschäftsfeld abgegeben und sind verstärkt Richtung Service gegangen. Das dieser Schritt langfristig richtig war will ich nicht behaupten (kein Service ohne Produkt) aber aus Sicht IBM und JETZT war es sicher BESSER im Sinne einer ERNEUERUNG.

  • Michael (Baudax) sagte:

    Lieber Herr Klotz,

    ein längst fälliger Beitrag.
    Ich ergänze einmal, was in der ZEIT im vergangenen Jahr zu lesen war:

    “Wirtschaftswissenschaftler suchen seit Langem nach alternativen Messzahlen für die Ökonomie, die mal die Ökologie, mal das Soziale, mal das Glück der Menschen in den Mittelpunkt stellen. Diese Ideen sollte man schleunigst ausgraben und umsetzen. Wir müssen über bessere Arten des Wachstums reden. Bevor die schlechten Wirtschaftsnachrichten wieder von guten abgelöst werden und niemand mehr etwas von Alternativen hören will.”

    Für uns gilt, seit wir die ersten Horrormeldungen über die Wirtschaftskrise hörten, das wir als Reaktion nicht mehr, sondern vieles ANDERS und BESSER machen müssen.
    Bei der Gelegenheit kann ich den Bloglesern auch Ihr Buch nur ans Herz legen.

  • Marcel Klotz (author) sagte:

    @Klemens Kolberg, für mich bedeutet Evolution nicht zwingend Wachstum, sondern Veränderung. Veränderung hin zur Verbesserung, zur Verfeinerung und zu einem ausgeklügelterem “System”. Zu schnelles Wachstum ist nicht verkraftbar, weder in der Natur, noch von Unternehmen, das haben wir schon in der New Economy erlebt – am Ende ist Chaos.

    @Patrick Fritz, stimme in Sachen “Sparen” völlig zu, da hätte ich mich besser ausdrücken können. In Sachen Verkauf der PC Sparte an Lenovo kann ich nur sagen, dass viele Kollegen den Verkauf bedauern, weil es hier sehr viel Herzblut dran hin. Die Entscheidung war sicher zahlengetrieben. Ob damit aber richtig? Ich persönlich hätte andere Kriterien angesetzt.

    @Michael Lalk, was bekommen Sie von mir für diese wunderbare Empfehlung ;-)

  • Christiane Windhausen sagte:

    Danke für diesen wirklich sehenswerten Monitorbeitrag. Harald Rossol und seine IT-Firma haben mich wirklich beeindruckt. Wie er – einfach so – entscheiden hat, mit seinem Unternehmen nicht im klassischen Sinne zu wachsen. Sein erklärtes Ziel ist es, den Umsatz in seinem Unternehmen konstant zu halten, aber die Lebens- und Arbeitsqualität zu steigern. Er hat neue Massstäbe gesetzt und ist damit – wie es aussieht – sehr erfolgreich geworden.

    In der Natur ist Wachstum und Veränderung immer nur im Drei-Schritt möglich: Entstehen, Reifen und Vergehen. Aber wir haben wohl immer noch eine Widerwillen dagegen, uns bei unseren Zukunftsvisionen von der Natur inspirieren zu lassen… Manchmal habe ich das Gefühl, dass unser Wachstumswahn vor allem aus einer Angst vor dem Tod besteht. Und doch gibt es keine Transformation ohne Krise, Verzicht und Abschied.

  • Alexander Greisle sagte:

    Und was ist, wenn es zu mehr Wachstum führt, wenn wir alles besser machen?

    Warum wird das Wort “Wachstum” neuerdings eigentlich so gerne einseitig mit € und mit ungesundem, spekulativen Wachstum interpretiert? Zeitgeist? Warum soll das Wort “Besser” besser sein als das Wort “Wachstum”? Weil Wachstum “mehr” bedeutet? Und “mehr” gerade inopportun ist?

    Es gibt genauso viel gutes Wachstum wie schlechtes: Wachstum von Weisheit, mehr soziales Engagement, Wachstum an innovativen Denkern, mehr Abmahnwahnsinn, Wachstum des Bauchumfangs, mehr Fitness, Wachstum an weltweitem Wohlstand, mehr zielgerichtete Entwicklungshilfe, Wachstum von Wissen, Wachstum des SMS-Daumens, Wachstum von Glück, mehr Lebensqualität…

    Andererseits kann man auch bessere Atombomben bauen, bessere Überwachungstechnik und Kontrollstrukturen entwickeln, bessere Pommes anbieten, besser sparen, bessere Abzockmodelle entwickeln, bessere Notebooks bauen, besser Schnee schippen, besser essen, besser Schwarzgeld verstecken, besser werden.

    “Besser” ist genauso wie “Wachstum” eine Frage des Standpunkts. Ich habe gerade überlegt, es funktioniert nicht mal, wenn wir alles “intelligenter” machen.

    Ja, neue Kriterien (oder besser: Werte?) wären hilfreich. Wobei, vielleicht keine neuen, nur sollten andere wieder in den Fokus rücken.

    Und ja, ich habe kein Problem mit Wachstum. Auch auf meinem Konto. Warum auch nicht, ist nichts schlechtes. Es muß ja nicht ungesund und unfair wachsen. “neue Geschäftchancen bei Kunden zu finden” hilft dabei.

  • SONNOS » Blog Archiv » Ohne Verzicht wird es nicht gehen sagte:

    [...] Klotz hat bei innovativ.in auf einen sehr sehenswerten Bericht hingewiesen, der in der letzten Woche bei Monitor [...]

  • Michael (Baudax) sagte:

    Interessant, was Kurt Biedenkopf dazu in der “Welt online” schreibt.
    http://tinyurl.com/yb6bx8p

  • Finanznachrichten.info sagte:

    Wirtschaftsleistung Deutschlands stagniert im 4. Quartal 2009…

    Im vierten Quartal des vergangenen Jahres sah es erst so aus, als würde es wieder bergauf gehen. Die Talsohle der Rezession war spätestens im Herbst vorüber, die Zeichen standen gut für einen kommenden Aufschwung. Die heute vom Statistischen Bundes…

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