2010-02-09, von Matthias Rückel
Zitat aus der Financial Times Deutschland am 8.2.10 über die neue Strategie der SAP AG, nach dem mit neuen Chefs auch die Unternehmensstrategie gewechselt hat:
“Wir sind besorgt über die stärkere Konzentration auf Innovationen, möglicherweise höhere Ausgaben für Forschung & Entwicklung sowie die geringere Konzentration auf Margen.” (Aktienanalyst einer renommierten Bank).
Zukunftsfähigkeit scheint kein lohnenswertes Ziel für Aktienanalysten zu sein.
Erstellt am
Dienstag 9. Februar 2010 um 12:45 und abgelegt unter Gesellschaftliches, Innovationen.
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Dienstag 9. Februar 2010 um 15:20
Mal sehen, wie lange es sich SAP erlauben kann, auf Innovationen zu verzichten.
Mittwoch 10. Februar 2010 um 09:34
Sehr interessant ist, was Volker Pispers in Berufsgruppen, die die Welt nicht braucht zu den Aktienanalysten sagt: “… das Widerlichste, was der Planet bis dato hervorgebracht hat … Schmarotzerpack … Früher hat das Gesindel auf der Kirmes im Zelt gesessen – mit einer Glaskugel …”.
So drastisch wie Volker Pispers würde ich es vielleicht nicht ausdrücken, aber im Kern hat er Recht: Aktienanalysten haben noch nie etwas erfunden, hergestellt oder erarbeitet. Sie haben wahrscheinlich noch nie einen Betrieb von innen gesehen. Das einzige was sie interessiert ist, ob der Kurs einer Firma steigt oder fällt und wie man mit diesem Kaffeesatzlesen möglichst viel Geld verdienen kann. Oder wie man mit sogenannten “Expertisen” Aktienkurse manipulieren kann.
Es überrascht mich daher gar nicht, dass Volker Pispers “Lieblingsschmarotzer” Innovationen nicht mögen: Innovationen kosten zunächst Geld, brauchen Zeit und sind nicht immer eine Garantie für mehr Gewinn.
Mangelhafte Innovationen sind und waren auch nicht das Problem von SAP, sondern etwas ganz anderes: die schwere Beschädigung der einst so erfolgreichen Unternehmenskultur und die Frustation der Kunden.
Hasso Plattner hat es daher vorgestern auf den Punkt gebracht: “Ich werde alles dafür tun, dass SAP wieder eine glückliche Firma wird.“. Das ist genau dass, was ich immer wieder betone: Nur glückliche Mitarbeiter sorgen für gute Produkte und guten Service. Nur dann werden auch die Kunden glücklich. Und wenn das stimmt, geht es dem Unternehmen gut. Also: erst die Mitarbeiter, dann die Kunden und als Folge geht es dem Unternehmen gut.
Bei SAP ist genau das Umgekehrte geschehen: Zugunsten des Aktienkurses wurde bei den Mitarbeitern gespart, die einst so erfolgreiche Unternehmenskultur stark strapaziert. Dann wurden die Kunden verärgert. Jetzt hat das Unternehmen ersthafte Probleme.
Gut, dass der Aufsichtsrat jetzt die Reißleine gezogen hat und das Glück der Mitarbeiter wieder an die erste Stelle stellt. Das ist kein Luxus, sondern notwendige Voraussetzung, um in Zukunft wieder erfolgreich zu sein.
Aber Glück mögen die Aktienanalysten wahrscheinlich genau so wenig wie Innovationen.