Wo sind unsere Vorbilder geblieben?
Auch wenn es nicht direkt mit meinem Thema “Selling” zu tun hat. Aber zum Kompetent-Sein gehört auch, Vorbild zu sein. Nur, wie sollen wir Vorbild sein, wenn uns die eigenen angeblich so vorbildlich agierenden Menschen abhanden gekommen sind. Oder sehen Sie da noch einen? Wenn ja, holen Sie ihn doch mal aus dem Versteck. Denn scheinbar beschäftig sich alles nur noch mit Nicht-Vorbildern.
Ein paar Beispiele:
Eine Bischöfin überfährt mit 1,3 Promille eine rote Ampel (und das auch noch während der Fastenzeit).
Ein Bischof macht die sexuelle “Revolution” mitverantwortlich dafür, dass Priester auf den falschen Pfad kommen.
Ein Ministerpräsident wird gegen Geld zu Gesprächen mit zahlungskräftigen “Leuten” verkauft.
Zahlungskräftige “Leute” zahlen für ein Gespräch mit einem Politiker (frage mich wirklich, wer hier eigentlich blöder ist)
Ein Steuersünder verklagt die Bank zu Schadensersatz, bei der er sein Schwarzgeld geparkt hat, als Ausgleich zur seiner Steuernachzahlung.
Ein Gericht gibt dem Steuersünder recht, der gegen seine Bank klagt…..(s.o.).
Eine Partei bekommt besonders hohe Spenden und sieht keinen Zusammenhang zu später eingeführten Steuererleichterungen.
Der Papst zeigt sich «tief bestürzt und betrübt» – braucht aber Wochen für einen Hirtenbrief, wo doch ein klares Wort jederzeit ausgesprochen werden kann.
Den Preis als „ein Meister der Wichtigtuerei“ erhielt G. Westerwave vom Altmeister Helmut Schmidt, der wiederum auch kein Vorbild ist und Reinhold Beckman mit Menthol Zigraretten einnebelte.
Der israelische Geheimdienst tötet Hamas-Führer in Dubai und lässt sich dabei noch fast filmen.
Ein Hildesheimer Schüler droht einem Lehrer, dessen angebliche Affäre publik zu machen. Für sein Schweigen forderte er 1000 Euro. Die Polizei stellte dem Abiturienten eine Falle, er tapste hinein.
Nikolaus Brender “tobt” im Spiegel über seinen Noch-Arbeitgeber und darüber dass “politisch motivierte Posten-Geschachere am Mainzer Lerchenberg von besonderem Machthunger getrieben werde“ und demontiert damit die Medien als Moralwächter der Nation.
Der Kieler SPD-Vorturner Ralf Stegner räumt einen “Rechtsirrtum” ein und will 8800 Euro an die Landeskasse überweisen, weil er zu unrecht Bezüge als Aufsichtsrat der HSH Nordbank erhalten hat. Ah ja, ein Irrtum also….
Und in Köln sucht und sucht und sucht man nach den Schuldigen, die einfach mal Protokolle fälschen und Material verscherbeln. Frage mich, wozu da überall Kameras an den Baustellen hängen und die Arbeiter nur durch Einlasskontrollen per Codekarte zur Arbeit kommen. War wohl kein Film drin. Oder schauen mal wieder alle nur weg.
Äh, und wie ich vorhin höre, macht Düsseldorf der Nachbarstadt wieder alles nach und findet gleich auch gefälschte Bauprotokolle.
Wie blöde muss man eigentlich sein, um das noch aushalten zu können!
Nochmal zu der Sendung “Beckmann” mit Helmut Schmidt vom Montag. Der Altkanzler wurde gefragt, ob es ihm gefalle ein Vorbild zu sein. Doch der brummelte nur rum und meinte, er wäre nicht so gerne Vorbild. Anschliessend wurden in einem Einspieler Menschen auf der Straße befragt, welche Vorbilder sie hätten. Genannt wurden vorwiegend Stars und Sternchen, u.a. Lady Gaga und Angelina Jolie. Ok, normal wenn man Jugendliche befragt. Bei näherem Betrachten sogar verständlich, wenn die “besseren” Vorbilder ausfallen. Früher wurde ja auch mit grosser Regelmässigkeit Albert Schweitzer genannt, aber wer kennt den noch. So sind diese neuen “Vorbilder” sogar noch als einigermaßen ehrlich und authenisch einzustufen, schliesslich geben Sie offen zu, was sie machen und warum sie es machen. Mit den Worten von Frank Zappa: “We are only in it for the money”. Wenn die o.g. genannten Beispiele der letzten Tage wenigstens diese Ehrlichkeit hätten. Oder hat schon mal ein Politiker gesagt, er wolle die Wahl gewinnen, um Macht zu haben. Nein, da heisst es immer bescheiden, wir wollen gestalten.
Ach ja, Vorbild sein bedeutet nicht zwingend, keine Fehler machen zu dürfen. Fehler sind menschlich. Das eigentliche Problem ist der Umgang damit. Wer leugnet, vertuscht, auf Andere schiebt oder “schön redet”, der verliert das worauf es tatsächlich ankommt. Seine Glaubwürdigkeit. Erst dann ist jemand kein Vorbild mehr.
Und so warten wir weiter auf neue und wirkliche Vorbilder.
to be continued….
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Ich glaube, wir suchen heute nach anderen Vorbildern als früher.
Ich habe mich in meiner Jugend noch für Vorbilder begeistert, die ihre eigenen Stärken gut verkauft haben und so lebten, als würde in ihrem Schatten kein Schweinehund wohnen. Heute sind diese Menschen eher Anti-Vorbilder für mich…
Wahre Stärke zeigt sich für mich im Umgang mit den eigenen Schwächen. Alle, die nur in ihren Stärken zu Hause sind, sind für mich ‘Einhändige Banditen’. Jeder, der zu seinen eigenen Schwächen stehen kann, zeigt dagegen in seiner wahren Größe. Nur über unsere Schwächen/ Fehler/ Scheiterprozesse kommen wir ins Mitgefühl mit anderen.
Im 21. Jahrhundert ist mir wichtig, dass Kompetenz führt. Und das geht nur, wenn jeder seine eigenen Stärken und Schwächen kennt, wenn wir andere führen können – aber uns auch führen lassen können, wenn jemand etwas besser kann, als wir selbst. Sobald wir die Kraft der zwei Arme entwickelt haben, können wir uns sowohl über Selbstvertrauen (Stärken) als auch über Mitgefühl (Schwächen) mit anderen verbinden. Und die Lust auf Teams und Netzwerk wächst…
Ich bin mit dem Begriff “Vorbild” immer ganz vorsichtig. Oft wird gesagt, Vorgesetzte sollen Vorbilder sein. Oder Eltern. Oder Politiker. Ich finde nicht. Vor-Bild heißt ja wörtlich, ein Bild, dass ich vor mir haben soll (Mein Vorbild). Das kommt mir vor, wie ein geschöntes Bild, welches nicht der Wirklichkeit entspricht.
Der Begriff “Image”, der in der Werbebranche ja gerne benutzt wird, korrespondiert ja mit dem deutschen Begriff “Bild”. Wir wissen aber alle, dass es ein Schein-Bild ist und nicht die Wirklichkeit.
Ich wünsche mir Menschen – nicht nur Politiker oder solche in Führungspositionen – die sich klar an Werten orientieren. Es scheinen mir die Werte zu sein, die uns verloren gehen und nicht die Vorbilder.
Frau Käßmann scheint ja zurück zu treten, obwohl das m.E. nicht notwendig wäre. Auch so einer Person gestehe ich zu, dass sie einen Fehler macht (so wie Millionen andere Autofahrer auch, die bestimmt schon mal mit zuviel Promille gefahren sind; ich gehöre dazu). Ich erwarte in diesem Falle ein klares Eingeständnis und eine Fehlerkorrektur, falsch das möglich ist.
Anders sieht es bei den Politikern aus, denen die Werte abhanden gekommen zu scheinen. Ob es ein Ex-Bundeskanzler ist, der bis heute die Verfassung bricht, in dem er sich in Mafiaboss-Manier auf sein “Ehrenwort” beruft oder ein Ministerpräsident, der angeblich nichts davon gewusst hat, dass man seine Zuwendung exklusiv verhöckern wollte; solche Leute haben auf diesen Position nichts (mehr) zu suchen. Hier erwarte ich klare Werte. Und wenn diese nicht eingehalten werden, entsprechende Konsequenzen.
Wir brauchen dringend eine Wertediskussion.
Wenn ich ehrlich sein soll, ich hatte nie wirklich Vorbilder. Na gut, Chuck Norris ist ziemlich cool, Steve Jobs auch aber aus anderen Gründen.
Grundsätzlich leiden wir heute darunter, dass man häufig keine Fehler machen darf/kann oder wenn jemand welche macht, die Wenigsten bereit sind die Konsequenzen dafür zu tragen. Vieles in unserem System ist doch inzwischen so verschwurbelt, dass gar nicht mehr feststellbar ist, wer denn nun der eigentliche Verantwortliche ist.
Beispiel: Ich kenne noch Banker, die vergaben einen Kredit selbst. Heute muss der Sachbearbeiter prüfen und es dem Vorgesetzten vorlegen. Dieser darf meist aber nur mit einem weiteren Abteilungsleiter unterschreiben. Geht nun etwas schief, ist niemand zur Verantwortung zu ziehen. Der Sachbearbeiter? Nun er hat ja nur Daten gesammelt. Vorgesetzter 1? Der konnte ja nur das bewerten, was ihm “annonym” vorgelegt wurde und Vorgesetzter 2? Dem geht es wir Vorgesetzter 1. Der wird wahrscheinlich sagen “wir haben alle internen Regeln befolgt. Wenn wir etwas anders machen sollen, ändert die “Dienstanweisungen”". Diese Anweisungen sind natürlich wieder von mindesten 10 Leuten erarbeitet und von 3en abgesegnet worden usw.
Dann kommt hin zu, dass wir im Zeitalter immer größer werdender Transparenz auf der einen Seite und immer zunehmender Informationsflut auf der anderen Seite (auch Desinformation) leben, was es zu dem oben genannten Beispiel noch schwerer macht irgendwen “beim Schopfe” zu fassen bzw. es früher eben auch erleichterte seine Leichen im Keller zu stapeln. Viele wussten wahrscheinlich nicht mal, was ein Keller ist
Aber so was steht heute ja in jedem Wiki.
Ein Vorbild in der heutigen Zeit müsste also zu dem stehen was er sagt. Sollte dies faktisch falsch sein, müsste dieses Vorbild das Selbstbewusstsein und die Größe haben dies ein zu gestehen und sollten sich daraus Konsequenzen ergeben, müssten diese auch noch getragen werden….
Ich könnte seitenweise weiter schreiben. Das bereits unsere Kinder so erzogen werden, dass die meisten Dinge im Leben diskutierbar sind und sich eigentlich kaum Konsequenzen aus irgendwas ergeben, wenn sich man irgendwie an Regeln hält, die ohnehin irgendwo her kommen und eigentlich irgendwie nur so da sind und bei genauerem hinterfragen auch immer irgendwie anders aussehen.
Solange viele Bereiche unserer Gesellschaft aus einem amorphen Glibber bestehen muss man sich über fehlende Vorbilder nicht aufregen. Vorbilder sind nach meiner Definition irgendwie auch ein Fels in der Brandung – Glibber brandet nicht und da braucht es eben auch keine Felsen.
Metaphorische Grüße
Lieber Herr Klotz,
ich stimme Ihrer Beurteilung voll und ganz zu.
@Wolff
“Es scheinen mir die Werte zu sein, die uns verloren gehen und nicht die Vorbilder.”
In der Tat: aber wir brauchen auch Vorbilder, die Werte (vor)leben.
@ Christiane:
Es reizt mich, noch einmal der Theorie der Wichtigkeit der Schwächen zu widersprechen:
Ich habe nicht den Überblick einer Giraffe.
Ich kann längst nicht so schnell rennen wie ein Gepard.
Ich kann nicht im Dunkel leuchten wie ein Glühwürmchen.
In der Arktis würde ich ganz schnell erfrieren, in der Sarah vertrocknen und im Ozean ertrinken.
Lauter Schwächen. Leicht könnte ich noch ein paar Tausend andere sammeln. Aber warum soll ich mich damit auseinandersetzen?
Woran sollen die Schwächen auch gemessen werden? An einem idealen Menschen?
Sämtliche Lebewesen existieren, weil sie sich im Laufe der Evolution durch Zehntausende von Mutationen angepasst und spezialisiert haben. Weil sie im jeweiligen Biotop ganz spezifische Stärken entwickelt haben.
Ich denke, für den Menschen gilt das gleiche: Dort wo er seine Stärken voll ausspielen kann, ist er erfolgreich. Der Ringer macht auf als Eiskunstläufer keine gute Figur. Und die Eisprinzessin wäre im Ring die Lachnummer. Aber in ihrem Metier sind sie jeweils die Stars.
Es kommt also darauf an, zu erkennen, was wir besonders gut können. Mit unseren Stärken können wir dann wuchern und wachsen.
[...] allein der lesenswerte Beitrag von Marcel Klotz „Wo sind unsere Vorbilder geblieben” fordert mich heraus, ein eng verwandtes Thema anzuschneiden. Seit einigen Jahren [...]
[...] Ergänzung zu den Beiträgen von Michael Lalk und Marcel Klotz poste ich hier noch mal meinen jüngsten Doc Blog Artikel zum Thema Permakultur und hoffe, dass [...]
@ Wolff Horbach
Ich meine mit Schwächen die Seiten von uns, die wir als nicht gesellschaftsfähig empfinden. Die Seite, die Robert Enke lieber in die Arme des Todes getrieben hat, als zu seinen Kollegen und Teamfreunden.
Mir geht es nicht um einen Vergleich zwischen Menschen und Giraffen… Mir geht es darum, dass wir Menschen (egal ob wir Eiskunstläufer, Fußballer, Berater, Lehrer oder Eltern sind) immer auch die Gefühle von Hilflosigkeit, Ohnmacht, Selbstzweifel und Depression miteinander teilen. Jeder von uns kennt sie, jeder hat sie schon mal erlebt. Was hindert uns eigentlich daran, ganz einfach und selbstverständlich über sie zu sprechen?
Wir glauben, dass unsere Stärken geringer werden, wenn wir zu unseren Schwächen stehen. Wir glauben, uns keine Schwäche leisten zu können, aus Angst, dass wir dann an Kompetenz verlieren. Das erscheint mir so etwas wie eine deutsche Krankheit zu sein.
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