Matthias Horx: Wandel ist möglich!
Er blickt optimistisch in die Zukunft. Oh, das macht skeptisch. Schließlich überschütten uns die Medien mit negativen Schlagzeilen, denn überall lauern Gefahren: Da droht das Ende des Wohlstands, wir sterben aus, die Welt geht unter – die Angstprediger verkünden unaufhörlich Unheil. Haben wir das Vertrauen in die Zukunft verloren? Der Zukunftsforscher Matthias Horx holt es zurück, macht den Wandel transparent – 150 Zuhörer folgten seinem Vortrag im Düsseldorfer Stern-Verlag. Er hat mich positiv überrascht.
Horx vermittelt Erkenntnisse aus der Psychologie, Verhaltensökonomie und den Neurowissenschaften – ein Diskurs über den Wandel in all seinen Facetten: Von der Evolution, von Jägern und Sammlern, von Kulturen, die scheiterten, vom Untergang der Majas, von Ergebnissen der Glücksforschung und von Modellen, wie Gesellschaften Krisen überstehen. Ist die Angst vor Veränderungen ein deutsches Phänomen?
Ich habe Matthias Horx vor dem Vortrag gesprochen. Hier ein kleiner Auszug aus dem Interview zu „Das Buch des Wandels“:
Was verstehen Sie genau unter Wandel?
Matthias Horx: „Ich glaube, dass wir zwei Begriffe unterscheiden müssen, nämlich Veränderungen und Wandel. Veränderungen ist das, was immer passiert durch Jahreszeiten, durch Katastrophen, durch äußere Zwänge. Wandel ist ein Prozess, wenn Menschen etwas bewusst gestalten und verändern. Damit wird der Wandel zur einer Interaktion zwischen Mensch und Umwelt.“
Was sind die Motive, dass sich Menschen eigenständig, also ohne den äußeren Zwang wandeln?
Matthias Horx: “Vieles, was wir heute in der Zivilisation als Fortschrift erleben, ist nicht einfach über uns gekommen, sondern es sind Errungenschaften, die als Prozesse des Wandels entstanden sind. Zum Beispiel sind die Technologien nichts anderes, als die Erweiterung des evolutionären Konzeptes. Das evolutionäre Konzept wird oft missverstanden als „friss oder stirb“, also aussterben oder überleben, aber es ist eigentlich nie so gewesen.”
„Vom Segen der Krise“, heißt ein Kapitel in Ihrem Buch des Wandels. Was meinen Sie damit?
Matthias Horx: „Wir haben durch die Finanzkrise einen Schock erlebt, aber wir leben immer noch. Unsere Systeme haben sich als relativ robust erwiesen. Die nächste Apokalypse ist Griechenland: Durch die Krise machen die Griechen jedoch endlich einen Schritt nach vorne, stellen ihre Verwaltung um und sind positiv gezwungen, die Strukturen neu ordnen. Ich war in Island und habe mir dort die Gesellschaft angeschaut, die ganz oben auf der Welle des Finanzkapitalismus geritten ist. Nicht nur in Island habe ich die Erfahrung gemacht, dass Krisen, die bewusst durchlebt und erkannt werden, Menschen sehr viel klüger machen.“
Und trotzdem lähmt die Angst…
Matthias Horx: „Wir haben in Deutschland eine absurde Diskussion darüber, dass Wandel nicht möglich ist. Ich zeige in meinem Buch auf, den Wandel als Chance zu begreifen. Ich bin ein unverbesserlicher Optimist und glaube, dass es eine positive Zukunft gibt.”
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