Stellenausschreibung: Traumjob für Querdenker?
Die Bundesrepublik Deutschland sucht zum 1. Juli 2010 eine/Bundespräsidentin/en
Diese Stellenanzeige war heute in der Rheinischen Post und ich dachte mir, dass wir hier unter den Querdenkern bestimmt einen qualifizierten Bewerber finden. (Habe die Anzeige direkt übernommen, ist das okay, liebe Kollegen der Rheinischen Post?) Folgende Qualifikationen sind zur Ausführung des höchsten Amtes erforderlich.
Ihre Qualifikation:
- Sie sind Staatsbürger der Bundesrepublik Deutschland
- Sie sind 40 Jahre oder älter
- Sie gehören keiner gesetzgebenden Körperschaft, der Bunds-oder Landesregierung an
- Sie verfügen möglichst über ein abgeschlossenes Hochschulstudium oder zumindest Lebenserfahrung
- Sie sprechen die deutsche Sprache fließend
Ihre Aufgaben:
- Sie schlagen dem Bundestag einen Bundeskanzlerkandidaten vor und ernennen den Gewählten später
- Sie ernennen oder entlassen aus Vorschlag des Kanzlers, die Bundesminister
- Sie unterschreiben die Gesetze, damit sie wirksam werden können
- Sie begnadigen Verurteilte, wenn sie möchten
- Sie lösen das Parlament auf, wenn ein Kanzlerkandidat keine Mehrheit findet oder der Kanzler die Vertrauensfrage verliert
- Sie repräsentieren die Bundesrepublik Deutschland nach innen und außen
Ihr Profil
- Sie genießen in der deutschen Gesellschaft großen Respekt. Sie verfügen über herausragende intellektuelle Fähigkeiten und können den Bürgern die kompliziertesten Zusammenhänge politischer Abläufe in einfachen Worten erklären
- Sie verfolgen das politische Tagesgeschäft, beziehen aber nur zu ausgewählten Themen Stellung. Sie nehmen sich selbst als Person eher zurück, können aber im Ideal durchaus charismatisch wirken.
Sie verdienen 199.000 Euro pro Jahr und erhalten zusätzlich eine Aufwandsentschädigung von 78.000 Euro. Ihr erster Amtssitz ist das Schloss Bellevue in Berlin, Ihr zweiter die Villa Hammerschmidt in Bonn.
Nachtrag: Wer besitzt zudem die Fähigkeit, Reden (und selbst den Rücktritt) frei, also ohne Teleprompter, zu sprechen? Wer spricht besser Englisch als der ehemalige Bundespräsident Lübke? Wer will seine Berufung aufgeben und einen mehr oder weniger öden Job als Bundespräsident ausüben? Wer ist der Meinung, dass wir überhaupt noch einen Bundespräsidenten brauchen?
Das könnte Sie auch interessieren:








Und wann wird der/diejenige geboren?
Die Wahl des Bundespräsidenten ist m. E. zu einem reinen Parteienklüngel verkommen.
Der Bundespräsident muss per Definition alle Deutschen repräsentieren, nicht nur CDU/FDP-Wähler.
Ich bin mittlerweile politikverdrossen (gnädig ausgedrückt).
Horst Köhler, Hand in Hand mit seiner Ehefrau, bei seinen letzten Amtsworten. Ich weiß noch wie ich dachte: Und das ist erst der Anfang. Ich kenne inzwischen eine ganze Reihe von Führungskräften, die plötzlich – und scheinbar unvermittelt – die persönliche Reißleine ziehen (mußten). Die Anforderungen einer globalen Welt an unsere Beziehungsfähigkeit und an unser kollektives Bewusstsein sind enorm, und wir stecken in Bezug auf diese Kompetenzen alle noch – mehr oder weniger – in den Kinderschuhen. Dazu kommt, dass die jungen Generationen kooperative Intelligenz eindeutig leichter lernen, die älteren aber in der Führung sind…
Horst Köhler stand am Ende alleine dar. Seit Wochen war der Posten seines Pressesprechers unbesetzt, es hatte keine Berater mehr, denen er vertraute. Halt hat er am Ende nur noch an der Hand seiner Frau gefunden – was für für einen Bundespräsidenten wirklich fatal ist.
Die Politik steht vor gigantischen Aufgaben, genauso wie die Wirtschaft, die Bildung und die Psychologie. Eine globale Gesellschaft braucht ein globales Bewusstsein. Es braucht Menschen mit einer flüssigen Identität, die im eigenen Körper und in vernetzten Beziehungen zuhause ist. Wem es in einem verantwortungsvollen Amt/ Job nicht gelingt, sich mit einem Stab von Beratern zu verbinden, die ihn auch mit unangenehmen Wahrheiten konfrontieren, wird an den Schwachstellen seiner eigenen Persönlichkeit kollabieren.
Mich hat Horst Köhler daran erinnert, wie wichtig es in diesen stürmischen Zeitn ist, sich zu vernetzen und zu verbinden, damit ich auch bei Gegenwind segeln und Kurshalten kann.
@Michael
Gute Frage.
@bremmel
Das Parteiengeklüngel zur Wahl des Bundespräsidenten nervt. Ich fände es nach wie vor besser, wenn das höchste Amt durch jemanden vertreten wird, der über der Politik steht und damit ein Stückchen von der Weisheit zeigt, die man dazu braucht. Andererseits erhebt sich die Frage, ob man wirklich einen Bundespräsidenten braucht.
@Christiane
Horst Köhler – kein Einzelfall. Das kollektive Bewusstsein, die Vernetzung in der globalen Welt, und der, wie Du schreibst “flüssigen Identität” ist treffend formuliert und beschreibt die Parallelwelten, in der wir leben.
Ihre Meinung!
Kategorien
Blogroll
Business-Club
Partner Blogs
Meta
Schlagwörter
Meistkommentiert
Letzte Artiel