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Mit dem Segway durch die Stadt – ein Fahrbericht

Wolff Horbach 19 Juli 2010 Kein Kommentar

Kann sich noch gemand an “Ginger” erinnern? Ende der 1990er Jahre kursierten im Internet sagenhafte Geschichten rund um dieses Codewort. Ein paar Auserwähle hatten ein geheimnisvolles Gerät gesehen, was jeder sofort haben wollte. Betuchte wie Amazon-Chef Jeff Bezos und Apple-Chef Steve Jobs beteiligten sich auf der Stelle mit Millionen Risiko-Kapital. Ginger wurde das Potenzial zugeschrieben, das Bild unserer Städte total zu verändern.

Allmählich lüftete sich der Schleier um “Ginger”. Es tauchten erste Patentschriften auf, aus denen ersichtlich war, dass es sich um ein völlig neuartiges Fahrzeug auf zwei Rädern handelte. 2001 war es dann soweit: Aus Ginger wurde Segway. Der Segway wurde öffentlich vorgeführt. Da stand ein Mensch auf einem Ding, dass wie ein großer Handrasenmäher aussah. Zwischen zwei großen Rädern war eine kleine Plattform. In der Mitte eine Stange, die oben einen kleinen Lenker hatte. Wie durch ein Wunder kippte aber das Gerät nicht um, wenn man sich daraufstellte, sondern wurde durch Gyratoren und einen Haufen Elektronik stets in der Balance gehalten. Ein leichtes Beugen nach vorn und der Segway sauste von einem Elektromotor angetrieben nach vorn, ein leichtes Neigen nach hinten und der Segway hielt an.

Lange habe ich davon geträumt, einmal mit einem Segway zu fahren. Heute habe ich mir den Traum erfüllt. Kurz entschlossen habe ich bei Segway Tours Cologne angerufen und einen Termin vereinbart. Ich hatte das große Glück, alleine mit einem Tourguide zu starten.

Dave, der Tourguide, Foto rechts, gab mir eine kurze Einweisung: Einschalten des Segways, Lenker schön gerade halten und aufsteigen. Etwas nach vorne lehnen und schon gehts los. Etwas nach hinten lehnen und schon bremst der Segway ab. Die Lenkung funktioniert wie die Vor- und Rückwärts-Bewegung vollkommen intuitiv: Lenker nach rechts bedeutet Rechtskurve und umgekehrt. Steht man und betätigt dann den Lenker, dann dreht sich der Segway auf der Stelle um die eigene Achse. Kurvenradius = 0!

Ich hab die ersten Versuche wohl zu Dave’s Zufriedenheit ausgeführt, denn schon nach einer Minute ging es auf die Straße. Erst in einer stillen Nebenstraße etwas Kurvenfahren, dann eine leichte Bordsteinkante hoch und runter. Nach einer weiteren Minute ging es dann richtig los. Wir düsten durch die Straßen, über Fahrradwege durch einen Park bis zum Rhein runter. Schon nach ganz kurzer Zeit hatte ich das Gefühl, mit dem Gefährt sehr vertraut zu sein.

Es macht einen Riesenspaß mit dem Segway zu fahren. Die Beschleunigung ist enorm. Der Segway schafft bis zu 20 km/h, die Tourgeräte sind allerdings bei 15 km/h abgeregelt. Die Betriebskosten sind minimal. Die Segway-Akkus werden an einer normalen Steckdose aufgeladen. 100 km kosten mal gerade 0,50 EURO! Leider ist der Anschaffungspreis mit über 8.000 Euro kein Pappenstiel.

Ich hatte das Gefühl nicht zu fahren, sondern eher zu gleiten. So sind wir bei herrlichem Wetter am Rhein entlang geglitten und sind dann in die Kölner Altstadt abgebogen. Es waren eine Menge Fußgänger und Radfahrer unterwegs. Aber es gab kein einziges Problem. Mit dem Segway kann man zentimetergenau steuern, sehr elegant beschleunigen und notfalls sehr rasch zum stehen kommen. Die einfache und genaue Steuerung ermöglicht präzises Ausweichen, Umfahren und wie schon oben geschildert, auf der Stelle drehen.

Wir sind durch enge Gassen der Altstadt gefahren (Foto links: Ich am “Tünnes und Schäl”-Denkmal. Für Nicht-Kölner: Das Reiben der Nasen soll Glück bringen). Da uns niemand entgegenkam, sogar mit hohem Tempo. Ganz besonderen Spaß haben die Steigungsfahrten gemacht. Auch hier zieht der Segway wie in der Ebene an. Höhepunkt war der Aufstieg an der Zoobrücke. Hier schraubt sich eine kleine Straße im Kreise vom Rheinpark hoch auf die Brücke. Als Fußgänger wäre man bestimmt ins Keuchen gekommen und mit dem Fahrrad schaffen das bestimmt nur Bergspezialisten im 1. Gang. Der Segway dagegen nimmt das Ganze als wenn es nichts wäre. Er beschleunigt wie in der Ebene. Phantastisch!

Beim Runterfahren muss man keine Angst haben, dass man jetzt eventuell ein zu hohes Tempo bekommt.  Ganz intuitiv pendelt sich durch die Körperhaltung eine angemessene Geschwindigkeit ein.

Ich bin total begeistert! Ich kann nur jedem empfehlen, dass mal auszuprobieren. Das Tour-Angebot ist groß. Und für zwei Stunden Fahrspaß fand ich 49 Euro angemessen.

Ich würde mir wünschen, dass viele Autos aus den Innenstädten verschwinden und durch Segways ersetzt würden. Es gäbe erheblich weniger Lärm, keine Abgase mehr und auch keinen Feinstaub. Während ein Auto einige Quadratmeter Parkplatz braucht, kommt der Segway mit dem Platz aus, den ein Mensch beim Stehen braucht: Schulterbreite und vielleicht 50 cm in der Tiefe. Vielleicht finden wir in der Zukunft in unseren Städten Segways an allen Ecken: Chipkarte einstecken, aufsteigen, losfahren, absteigen, fertig.


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