iPad-Killer und andere Lügen
Seit ein paar Wochen bin ich stolzer und auch äußerst zufriedener Besitzer eines iPads von Apple. Um auf dem Laufenden zu bleiben, habe ich seit einiger Zeit einen Google-Alert für “iPad” abonniert. Jeden Morgen werden mir so die News rund ums iPad geliefert. Allerdings macht mir das Lesen in der letzten Zeit nur bedingt Spaß. Der Grund: Eine Schreibe und Berichterstattung, die einfach nur erbärmlich und meistens falsch ist.

Mein Lieblings-Hass-Wort in diesem Zusammenhang ist “iPad-Killer”. Nicht dass ich befürchten würde, dass es bald ein Gerät auf dem Markt gäbe, welches mein iPad alt aussehen würde. Nein, es ist der exzessive und bisher völlig an der Realität vorbeigehende Begriff.
“To kill” heißt ja bekanntlich “töten”. Also müsste ein “iPad-Killer” ein Gerät sein, welches das iPad unverkäuflich machen oder zumindest stark verdrängen würde.
Nichts davon ist in Sicht. Da denkt eine Firma, die auch etwas vom Tablett-Kuchen abhaben will, darüber nach, auch einen Tablett-Computer zu konstruieren. Schon ist es der iPhone-Killer. Oder heute Morgen: Von Samsung ist ein 20-Sek.- Filmchen über eine Prototypen oder sonst was zu sehen und schon ist es der iPad-Killer Nr. 1. Außer den Entwicklern hat das Gerät noch niemand in der Hand gehabt. Folglich gibt es auch kein Produkt mit einem konkreten Liefertermin.
Oder vor ein paar Tagen: Das im Frühjahr groß angekündigte und dann doch nicht funktionstüchtige WeTab aus Deutschland soll jetzt kommen. Bei Amazon kann man schon mal vorbestellen. Ab dem 19. Sept. soll es lieferbar sein. Vor ein paar Tagen überstiegen angeblich die Vorbestellungen diejenigen für das iPad. Was schließt der unbedarfte Redakteur daraus: WebTab ist besser als iPad. Ob es andere Gründe für das Ranking geben kann? Egal, Hauptsache man hat wieder eine Meldung, die für Aufmerksamkeit sorgt. Könnte es z.B. daran liegen, dass das iPad, in der Aussstattung, die ich habe, bei Amazon 844,49 kostet, aber sonst überall für 799 € zu haben ist? Vielleicht gibt es ja ein paar Leute, denen die 46 € mehr egal sind. Aber bestimmt jetzt diese verschwindend kleine Minderheit die Markt-Analysen?
Es ist wieder ein paar Tage her, da prognostizierte ein Schreibling, der sich besonders schlau vorkommen sein muss, für das iPad sinkende Marktanteile. Gehört ja auch besonders viel Voraussicht dazu, für ein Produkt, welches vor kurzem noch alleine da war – Marktanteil 100% – bei kommenden Mitbewerbern vorauszusagen, dass der Marktanteil in Zukunft kleiner als 100% sein wird.
Noch ein Beispiel, diesmal vom iPhone4. Mittlerweile hat auch das hinterletzte Blog darüber berichtet, dass es beim iPhone4 Empfangsprobleme gibt, wenn man es auf eine bestimmte Art und Weise hält. Da raten Verbraucherschützer vom Kauf ab und was zum Kuckuck noch alles. Tatsache ist aber, dass nur 0,55% (Apple-Angabe) der Besitzer eines iPhone4 damit Probleme hatten. Und dass die Zufriedenheitsrate bei den Besitzern extrem hoch ist. Die beste Rate, die es je für ein Smartphone gab.
Auch schön: Kürzlich sah ich einen Test von Smartphones. Ich meine, es war im Focus. Das iPhone schnitt bei fast allen technischen Belangen besser ab als die Mitbewerber. War nach diesen technischen Kriterien eindeutiger Testsieger. Aber das passte wahrscheinlich einem nicht in den Kram. So gab es dann auch noch ein Kriterium “Lieferbarkeit”. Da gab es dann für das iPhone wenig Punkte, weil es so eine lange Lieferzeit hat. So wurde denn ein anderes Produkt Testsieger. Noch mal zum Mitdenken: Ein Produkt ist ganz toll. Viele wollen es haben. So viele, dass die Fertigung nicht hinterherkommt. Und deshalb ist das Produkt jetzt schlechter als ein anderes Produkt. Tolle Logik!
Liebe Redakteure (und solche, die sich dafür halten), wenn ihr schon berichtet, so schaltet doch bitte vor und beim Schreiben des Artikels den Verstand an. Es kann doch nicht so schwer sein, Fakten von Gerüchten, Analysen von Prognosen und “gibt-es-schon” von “kommt-vielleicht” zu unterscheiden. Ist es denn zu viel verlangt, dass Berichte und Tests nachvollziehbaren Kriterien entsprechen? Ist es denn überzogen, wenn ich von einem Redakteur erwarte, dass er des logischen Denkens halbwegs mächtig ist?
——————
Nachtrag 31.08.2010
Am 1. Juli 2010 schrieb PadMania: Das SmartPad von 1&1: Der erste iPad-Killer ist da.
Heute Morgen las ich bei IT-Business: 1&1 stampft iPad-Konkurrenz Smartpad ein:
Nach nur einem Monat nimmt Internet-Provider 1&1 das als iPad-Konkurrent angesehene Smartpad wieder vom Markt. Künftig soll es zumindest keine eigenentwickelten Tablet-PCs mehr geben.
…
Nachdem das Gerät aus Eigenentwicklung im Vergleich mit dem iPad entschieden schlechter abschnitt und die Kritiken sich häufen, wird es nach dem Vertrieb der ersten Charge keine Nachbestellungen mehr geben. Die letzten Smartpads gehen voraussichtlich im September an die Kunden.
So schnell hat es sich ausgekillt.
Das könnte Sie auch interessieren:








Hallo Wolff,
mir war gar nicht so bewußt, daß Du ein so überzeugter “Apple-Jünger” bist.
Ich finde es spannend zu lesen, daß Du eine ungenaue Berichterstattung beklagst und diese nur auf die Apple-Kritik beziehst. Ich las am Wochenende einen positiven Artikel über einen bevorstehendem Apple Event der genauso wenig auszusagen wußte, was dort eigentlich präsentiert werden sollte. Ich halte fü+r ein generelles Probem der “Fachpresse”.
Noch spannender finde ich allerdings, daß Deine Solidarität mit dem Apfel so weit geht, daß Du Lieferzeit für irrevantes Kriterium hälst und suggerierst, sie werde nur als Bestandteil einer Manipulation überhaupt als Kriterium im Test eingeführt.
Von einem sehr sehr zufriedenen iPhonenutzer
Matthias
@Matthias: Der Bezug zu den Apple-Produkten ist nur ein Beispiel. Dort sind mir eben in der letzten Zeit so einige Dinge aufgefallen. Vielleicht hat es ja auch mit dem grandiosen Erfolg von Apple zu tun, dass dann unbedingt der Killer gesucht wird, der wieder alles zerstören soll.
Zu der Lieferzeit: Ich halte es für unzulässig, in einem Testranking die Lieferzeit mit einzubeziehen. Bei einem Test geht es um Qualität und Funktionalität. Dort kann man man die Gewichte sicherlich unterschiedlich setzen. Wenn das transparent ist, habe ich nichts dagegen. Jetzt weiß ich, was das beste, zweitbeste, … Gerät ist. Dann kommen Preis und Lieferzeit. Bin ich bereit für eine hohe Qualität / breiteren Funktionsumfang mehr zu bezahlen? Bin ich bereit, auf das tolle Gerät länger zu warten oder ist es mir wichtiger, sofort ein Gerät zu haben? Das sind unterschiedliche Kriterien/Kategorien, die nicht in einen Test gehören. Ein Unding. Sonst müsste das Testranking ja jedes Mal geändert werden, wenn sich von einem Gerät die Lieferzeit oder der Preis ändert.
Diese Form von grauenvoller Berichterstattung nur der Effekthascherei willen ist wirklich ein schlimmes Übel.
@Wolff Die Aufnahme der Lieferzeit in einem Test finde ich nicht dramatisch. Es ist genauso ein (Kauf-)Kriterium wie ein Feature oder die Anzahl von Apps oder die möglichen Netzanbieter und kann daher auch in einen Test einfließen. Eine Beurteilung von Geräten muß sich nicht auf die reine Hardware beschränken.
Dein Unbehagen gegenüber den Berichteerstattungstendenzen im Allgemeinen teile ich.
Hast Du einen Link zu dem Test?
@Matthias: Die Lieferzeit kann persönlich durchaus ein (wichtiges) Kriterium bei der Beschaffung sein. Genauso wie der Preis. Aber es ist eine ganz andere Dimension als die Qualität bzw. der Funktionsumfang. Der Funktionsumfang bestimmt mit der Qualität was und wie gut ein Gerät etwas kann. Ein Gerät wird doch nicht dadurch besser oder schlechter ob ich es sofort oder erst etwas später haben kann.
Ich stimme dir zu, dass eine Beurteilung von Geräten sich nicht auf die reine Hardware beschränken sollte. Gerade bei Smartphones sind auch die Software, verfügbare Apps, das Zusammenspiel der Apps etc. wichtige Kriterien. Aber genau hier versagen die meisten Testberichte. Weil sie nur bei bekannten technischen Features ein Häkchen machen oder auch keins. Dass es Dinge im Alltagsgebrauch gibt, die je nach Ausprägung sehr hilfreich oder ärgerlich sein können, wird dabei völlig übersehen.
Den erwähnten Testbericht finde ich im Moment nicht mehr.
Bisher habe ich trotz intensiver Suche noch keinen “iPad-Killer” gefunden. Wer würde schon einen Artikel mit der Überschrift “Neuer Tablet PC von xxx” anklicken?
@ Michael:
Das ist ja meine Kritik: Wenn jede Meldung durch so martialische Begriffe wie “Killer” künstlich und wahrheitswidrig aufgeladen wird, entwerten sich die Meldungen selbst. Das ist das gleiche wie bei einer Person, die bei allen möglichen Gelegenheiten “Hilfe” schreit. Wenn dann wirklich mal eine lebensbedrohliche Situation besteht, hört niemand mehr hin, wenn “Hilfe” geschrien wird.
Ihre Meinung!
Kategorien
Blogroll
Business-Club
Partner Blogs
Meta
Schlagwörter
Meistkommentiert
Letzte Artiel