Wandel-Werkzeuge – eine Zwischenbilanz
Seit einiger Zeit gibt es hier im Blog werktäglich ein Wandel-Werkzeug von C.P. Seibt. Bald geht die Serie zu Ende. Nicht, weil es nicht mehr Wandel-Werkzeuge gäbe, sondern weil von Anfang an nur eine Auswahl geplant war.
Ich war die Person, die vor einiger Zeit dazu angeregt hat, einige der Wandel-Werkzeuge hier zu veröffentlichen. Ich fühle mich daher auch dazu aufgerufen, eine kleine Zwischenbilanz zu ziehen.
Oberflächlich betrachtet war die Serie mit den Wandel-Werkzeugen kein großer Erfolg: Die Kommentare waren eher dürftig. Doch unter der Oberfläche sieht die Sache ganz anders aus: Aus der Webstatistik kann man ersehen, dass die Werkzeuge recht häufig aufgerufen werden. Und ich weiß aus E-Mails und einigen persönlichen Gesprächen, dass einige sich sehr intensiv mit den Wandel-Werkzeugen beschäftigen. Die Werkzeuge werden angewendet, ausgedruckt, gesammelt.
Aber warum wird denn so wenig kommentiert? Ich sehe darin einen Hauptgrund: Angst.
Ich weiß aus zahllosen Gesprächen in den letzten Jahren, dass viele von uns Angst vor der Zukunft haben. Ehemals sehr erfolgreiche Unternehmer und Freiberufler erleben zunehmend, wie ihr altes Business nicht mehr funktioniert:
- Ein Grafik-Designer hält nicht mehr Schritt mit Zwanzigjährigen, die spielerisch mit der neuen Technik umgehen und Leistungen weit billiger anbieten als er bisher.
- Eine PR-Agentur verliert zunehmend Kunden, weil diese jetzt Twitter und Facebook einsetzen, um ihre Bekanntheit zu steigern.
- Ein Beratungs-Unternehmen mit exzellenten Leistungen wird von den Hauptkunden zunehmend unter Druck gesetzt, erst nach Monaten bezahlt und muss immer größere Anstrengungen unternehmen, um neue Aufträge zu bekommen.
Ich könnte die Liste noch eine Weile fortsetzen. Geht es Ihnen ähnlich?
Wir sind alle betroffen. Wir sollten alle handeln. Aber wie?
Genau hier entfalten die Wandel-Werkzeuge ihre Wirkung:
Erhöhung der Aufmerksamkeit. Bei den schnellen Veränderungen, die wir heute alle erleben, macht es keinen Sinn, die Augen zu verschließen und zu beten, dass es möglichst schnell wieder vorbei sei. Es wird nicht vorbei sein. Im Gegenteil: Das Rad der Veränderung wird sich morgen noch etwas schneller drehen. Die Werkzeuge bringen uns dazu, genau hinzusehen. Das tut manchmal weh. Ist aber immer noch besser, als immer tiefer in den Schlamassel zu geraten.
Aktivierung von Energie. Wenn man aufmerksamer registriert, was da draußen und in einem selbst passiert, wird das Bewusstsein größer für das, was man will und das, was man nicht will. Daraus entwickeln sich Richtung und Kraft. Man harrt nicht mehr einfach aus, sondern wird aktiv. Mit kleinen und kleinsten Schritten.
Erhöhung der Flexibilität. Wenn man jeden Tag etwas sehr Kleines verändert, dann wird daraus allmählich etwas Großes. Man merkt, dass Veränderung keine Ausnahme ist, sondern der Normalfall. Der Werkzeugkasten wird reichhaltiger, so dass man neue Herausforderungen eher bewältigen kann.
Zurückgewinn von Autonomie. Während viele den Wandel als Opfer erleben, geben die Wandel-Werkzeuge einem das aktive Handeln zurück. Man braucht zur Anwendung der Werkzeuge weder Macht noch komplizierte Infrastrukturen. Es genügen ein Stück Papier und ein paar Minuten Zeit. Anschließend geht es einem meistens besser: Wir haben eine neue Erkenntnis, erlebten eine andere Erfahrung oder können ein Ergebnis aufweisen.
Habe ich etwas vergessen?
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Lieber Herr Horbach,
toll, dass Sie über dieses Thema so offen geschrieben haben. Ich habe mich auch gewundert, wie wenig Kommentare zu diesen anregenden Gedanken von Herrn Seibt kamen.
Am Anfang habe ich einige der Werkzeuge kommentiert, denn sie gehen genau in die Richtung, in der ich arbeite. Dann gebe ich zu, habe auch ich nur noch gelesen. Manchmal fehlte mir auch einfach die Zeit. Ich glaube, wir leben in einer Zeit, die uns mit Infos und Anregungen so überhäuft, dass wir manchmal mehr zum Konsumenten als zum bewussten Versteher der Inhalte geworden sind. Ich selbst merke, dass ich vieles sehr schnell versuche aufzunehmen. So bleibt oft ein Kommentar oder ein tieferes Auseinandersetzen auf der Strecke. Bei mir sind es immer noch mehr anregende Bücher, mit denen ich mich intensiver beschäftige.
So haben mir auch die Wandel-Werkzeugen dazu verholfen, dass ich mir dadurch das Buch “Die neuen Nomaden” von C. Seibt gekauft habe und hiervon bereits einiges angewandt habe. Ganz klasse fand ich die Idee mit dem Horizont, so dass ich mir meinen eigenen hergestellt habe und ihn nun bei mir im Arbeitszimmer immer wieder präsent habe.
Ich bin davon überzeugt, dass es in Zeiten des permanenten Wandels wichtiger denn je ist, immer wieder an sich zu arbeiten und sich und auch seine berufliche Ausrichtung mutig zu hinterfragen und bei Bedarf zu verändern oder neu auszurichten. Denn heutzutage gibt es so viele neue Möglichkeiten, ständig ändert sich etwas, dass wir schnell den Anschluss verlieren, wenn wir nicht dran bleiben.
Herzliche Grüße
Beatrice Legien-Flandergan
Hallo Herr Horbach,
vielen Dank für die Initiierung der “Wandel-Reihe” (sensationell!) und Ihre Kommentare dazu.
In Ihrem letzten Kommentar reflektieren Sie auf die geringe Zahl an Leser-Kommentaren und führen Angst vor Zukunft als Hauptgrund dafür.
Hm… Angst ja, einverstanden. Aber vor Zukunft?
Meiner Ansicht nach kann es verschiedene Gründe für vergleichsweise wenige Kommentare geben: Blog wird von wenigen gelesen, von vielen gelesen aber von wenigen “verstanden”, … Vielleicht wenden sie aber auch viele an und schreiben nur nicht über Ihre Erkenntnisse / Ergebnisse? Ich kann mir auch vorstellen, dass es viele gegeben hat, die ein-zwei Beiträge gelesen und dann aufgehört haben – sich für die bequemere Variante entschieden haben: einfach wohlwollend zur Kenntnis nehmen und weitgehend ignorieren.
Weil, Sie müssen zugeben: der Seibt ist ganz schön frech – nicht nur, dass wir etwas machen sollten. Nein, noch viel schlimmer: er will, dass wir uns mit uns selbst beschäftigen, über uns selbst nachdenken, mit uns selbst konfrontieren.
Dies würde bedeuten, dass ich die Verantwortung für mein Leben übernehme und zuerst bei mir zupacke – dies und nichts anders “predigt” er und versucht dies noch dazu mit seinen leicht verständlichen und anwendbaren Werkzeugen zu unterstützen.
Die Angst, die Sie ansprechen – ja. Aber ich glaube, dass die Angst, eingestehen zu müssen, dass man sich selbst nicht kennt (oder dauernd belügt), dass man die Quelle der Unzufriedenheit nicht bei Anderen sondern bei sich selbst finden wird noch größerer ist.
Dies scheint mir die „Große Unbekannte“ zu sein von der ich mich (und vielleicht auch noch der eine oder andere) “fürchte” – nicht die Welt da draußen macht mir Angst, über sie denke ich eh die ganze Zeit nach. Aber, was werde ich bei mir drin finden? Wie werde ich mein Leben verändern wollen?
Es ist diese Aufforderung zum Handeln und das „Treffen ins Schwarze“ die das Blog von Herrn Seibt von anderen unterscheidet. Es ist das „Aktive“ das beunruhigt – er erklärt nichts, erzählt nichts, es ist kein typischer „Konsumenten-Blog“. Nein, hier gibt es keinen externen „Freund“ oder „Feind“ über das man bequem urteilen könnte oder eine Gruppe, der man sich anschließen könnte oder eine externe Beschäftigung der man nachgehen soll oder kann.
Hier geht es um das Leben von jedem einzelnen Leser – und das womit sich die Meisten, abgelenkt durch alle von Ihnen angesprochenen und nicht angesprochenen äußeren Faktoren und Reize, am wenigsten beschäftigen – sich selbst.
Und das kann sehr (!) unangenehmen sein. Sich selbst unter Umständen zu zugeben, dass man längst aufgehört hat sich seine eigenen Wünsche und Sehnsucht einzugestehen, nach (Herz- oder Bauch-)Gefühl zu handeln, dass man allem und jeden nachrennt und immer die Schuld für irgendwas in seinem Leben bei irgendwem oder irgendwas sucht, dauernd faule Kompromisse schließt und sein goldenes Käfig poliert. Am liebsten mit Geschichten aus der Vergangenheit oder Träumen von der schönen Zukunft …
Und der Seibt will jetzt, dass wir uns mit uns selbst beschäftigen?? Jetzt gleich???
Eigentlich würde ich es gerne, habe aber dafür leider gerade jetzt keine Zeit! Später … ganz sicher…
Dann schreibe ich auch ein Kommentar …
Ihre Meinung!
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