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Lebensmittel: Zwischen Müll und Übergewicht

Elita Wiegand 23 Oktober 2010 5 Kommentare

Einkaufen, zahlen. Gespräche im Supermarkt sind eher selten. Ganz anders gestern: Die Filialleiterin zeichnete gerade neue Preise für Sonderangebote aus und erzählte mir, dass täglich Unmengen an Lebensmitteln in der Mülltonne landen. „Jede Banane mit einem kleinen braunen Fleck müssen wir wegwerfen. Gemüse, Käse, Brot – die Container sind voll von Lebensmitteln aus unserem Supermarkt, die wir entsorgen müssen. Das ist eine Schande!“

Schlimmer noch: Die Bundesbürger werfen 20 Millionen Lebensmittel jährlich in den Müll, während weltweit rund eine Milliarde Menschen hungern. (Dazu ein guter Beitrag auf Telepolis “Frisch auf den Müll“- die Dokumentation mit dem gleichnamigen Titel wird am Mitwoch, den 27. Oktober 2010  um 23.30 Uhr  in der ARD ausgestrahlt.)  Erschreckend auf der anderen Seite, dass jedes sechste Kind in Deutschland übergewichtig ist.
So wird es höchste Zeit, dass wir aus vielen Gründen mit Lebensmitteln bewusster umgehen, denn der Kampf  um das tägliche Brot wird uns in den nächsten Jahren eh einholen.

Billig, billiger
Die Discounter wollen die Schlacht um die Kunden gewinnen: Bereits zum neunten Mal senkten die Lebensmitteldiscounter in diesem Jahr die Preise. In keinem anderen europäischen Land sind die Lebensmittelpreise so niedrig wie in Deutschland. Doch wir zahlen drauf: Nicht nur weil zwangsläufig Billigangebote auf Kosten der Qualität gehen und wir krank werden.  Und: Die Preise werden steigen, müssen steigen, weil weltweit die Vorräte immer knapper werden.

Fleischeslust: Früher war Fleisch der herrschenden Klasse vorbehalten, der  Sonntagsbraten war später etwas Besonderes. Heute gehört Fleisch auf den Tisch. Die USA und Spanien halten den Weltrekord im Pro Kopf Verbrauch mit 125 Kilo, unser Schnitt liegt bei 87 Kilogramm pro Jahr.

Leergefischt: Die Ozeane sind so gut wie leergefischt, also wird der Bedarf immer mehr über Aquafarmen abgedeckt. Für die Fische, die in Aquakulturen gezüchtet werden, braucht man jedoch Fischfutter und die werden wiederum aus kleinen Fischen gewonnen. Um ein Pfund Lachs in Aquafarmen zu erzeugen, benötigt man drei bis vier Pfund „wilden“ Fisch an Nahrung.

Bewusster essen 
Das Gespräch gestern im Supermarkt hat mich nachdenklich gemacht und ich habe mal wieder darauf besonnen, was ich esse, wie ich esse. Es geht sicherlich auch darum, als Verbraucher kritischer zu sein, sich besser zu informieren und mit Lebensmitteln achtsamer umzugehen. Positiv, dass die ARD heute die Themenwoche „Essen ist Leben“  mit Reportagen, Berichten, Aktionen startet. Auf der Website sind 17 Thesen vorgestellt: „Wie Getreide zum Spekulationsobjekt wird”, es geht um Biokost-Lügen, um Täuschungen auf Verpackungen der Lebensmittelindustrie, der Lebensmittelampel, Diäten, Kinderabreit und, und, und. Wir sind aufgefordert unsere Meinung als Kommentar einzubringen. Vielleicht auch hier bei uns im Blog?


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5 Kommentare »

  • Michael (Bautied) sagte:

    Die Supermärkte müssen nichts in Container werfen. Was noch essbar ist, können sie an die Tafeln verschenken, die dankbar sind.
    In der Kleinstadt, in der wir leben, werden wöchentlich über 200 Menschen an der Tafel mit Lebensmitteln versorgt – Einwohnerzahl der Stadt 15.000. Ich komme jeden Dienstag an der Tafel vorbei und sehe die Menschenschlange: Mütter mit Kindern, alte Menschen – man muß nut in die Gesichter sehen, dann weiß man, dass sich dahinter Schicksale verbergen.
    http://www.bautimeblog.de/2009/03/31/bad-bramstedtertafel/
    Vielleicht sollte man der Filialleiterin mal einen Tip geben, denn mittlerweile gibt es in Deutschland über 600 Tafeln, bestimmt auch in Düsseldorf oder passt das nicht zu der Stadt mit Kö, Landesregierung, Medienzentrum und Altstadt??

  • Elita Wiegand (author) sagte:

    @Michael
    Antworte Dir gerne, weil Du mich auf eine Idee gebracht hast.

    Kurz zum Hintergrund: Die Düsseldorfer Filialleiterin ist eine engagierte, soziale Frau. In Leipzig und damit noch zu DDR Zeiten groß geworden, weiß sie, was ein Miteinander bedeutet und sie vermisst die menschliche Wärme, wie sie mir erzählte. Sie würde die Lebensmittel sofort an die Tafeln geben, wenn sie dürfte.
    Denn auch bei uns gibt es Tafeln, die sehr erfolgreich arbeiten.

    Euer Beispiel ist vorbildhaft und ich werde gleich morgen mal bei der Supermarktkette anrufen und nachfragen, ob man die Lebensmittel nicht auch an die Düsseldorfer Tafel abgeben kann.
    Danke für Deinen Input. Werde Dich über das Ergebnis informieren.

  • Doc Sarah Schons sagte:

    das könnte eine tolle initiative werden – vielleicht via avaaz.org. alle discounter und lebensmittelhersteller auffordern, die verwertbaren reste statt auf den müll in die tafeln o.ä. zu speisen….
    aber das codex alimentarius kind haccp hat da bestimmt eu-weite gesetze gegen….
    wir sind doch abgespeist

  • Michael (Bautied) sagte:

    @Elita: Das sollte keine Kritik, sondern ein Hinweis an die Filialleiterin sein.
    Übrigens gehört auch Ludger zu den “Spendern”, wenn ich mich nicht irre. Er kann sicher einiges dazu erzählen.
    Nach dem Tod meiner Schiegermutter haben wir der Tafel auch Gefriertruhe und Kühlschrank angeboten. Die sind für alles dankbar, was siesonst teuer kaufen müssen.

    @Doc Sarah: Ein Versuch ist es doch wert. Eine holländische Freundin sagt immer: Nur zu, ein “nein” hast Du schon.

  • Dr. Sarah Schons:”Gekocht wird im Fernsehen!” | Business-Blog sagte:

    [...] liefert, wollen wir uns auch bei uns darüber austauschen. (Habe auch schon hier einen Beitrag dazu [...]

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