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Retargeting: Die perfekte Manipulation

Elita Wiegand 23 Januar 2011 4 Kommentare

Aufgefallen ist es mir schon länger, es hat mich gestört, aber bislang konnte ich es nicht einordnen: Ich besuche einen Shop im Web und suche nach Schuhen. Zunächst bin ich unentschlossen, verzichte auf den Kauf und surfe weiter. Komisch, auf der Seite eines Magazins erscheinen genau die Schuhe, die ich mir eben noch angesehen habe.

Auf Kundenfang!
Die Anzeige für Schuhe verfolgt mich auch am nächsten Tag auf verschiedenen Websites. Hinter dem Trick verbirgt sich Retargeting. Diese Methode dient dazu, den User zum Kauf zu bewegen, ist also eine gezielte Form der Werbung. Funktioniert ganz einfach: Unser Browser stellt fest, auf welchen Seiten wir unterwegs sind und welche Produkte wir anklicken. Dieses Informationen werden per Cookies  abgelegt. 

Die Chancen ihre Angebote gezielt und indviduell zu verbreiten,  nutzen inzwischen viele Versandhändler wie zum Beispiel Zalando, Amazon, Yoox, Bücher.deHagebau, C&A oder Otto.  

Ähnlich funktioniert auch PriceGong, die nach Stichworten unten rechts ein Pop-up einblenden und auf günstige Angebote hinweisen. (In einigen Foren haben bereits User nachgefragt, wie sie die lästigen Einblendungen wieder loswerden.) 

 Google  bietet allen Kunden von Anzeigen neben den Suchergebnissen auch die Retargeting-Technik an. Wie Retargeting genau funktioniert, beschreibt der Online Marketing-Experte  Karsten Büttner ausführlich in einem Beitrag mit dem Titel:” Retargeting-Trend statt Facebook

 

Die nächste Stufe der Manipulation
Das amerikanische Start-up Baynote hat die Retargeting Technik sogar noch weiterentwickelt:  Hier werden nicht nur Kauftipps von Online-Shops angezeigt, sondern die Seiten werden schnell auf die Bedürfnisse des Nutzers angepasst und in Echtzeit umgebaut, berichtet Erica Naone in einem Artikel mit dem Titel “Die nächste Stufe der Manipulation” auf Technology Review.

Websites indivuell umgebaut

Adaptive Web Suite nennt sich diese Software und sie gibt Auskunft darüber, wie lange sich ein Besucher in dem Shop aufhält, das Programm erfasst die Suchbegriffe und analysiert das Verhalten des Nutzers. Die Informationen fließen in die Trefferliste ein. Danach wird die Website auf den potentiellen Kunden angepasst. Die Personalisierung von Webseiten sind die Zukunft, um die Online-Werbung noch effektiver zu machen.

Ich zitiere aus dem Artikel von Erica  Noaone: “Howard Beal von der George Washington University in Seattle hat den Effekt dieses „Behavorial Targeting“ in einer Studie mit Zahlen belegt. Verhaltensbasierte Werbebanner brachten Nutzer rund zweieinhalb Mal so oft wie klassische Banner dazu, etwas zu kaufen. Gaben US-Firmen 2006 erst 350 Millionen Dollar für Behavioral Targeting aus, waren es 2009 bereits über eine Milliarde Dollar. 

Mich nervt die Werbung, aber wie viele andere, die sich um ihre Daten im Web ernsthaft und zu Recht sorgen, wird der Trend nicht aufzuhalten sein. Was meint Ihr?


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4 Kommentare »

  • Michael (Bautied) sagte:

    Uns wurde schon vor bestimmt 4 Jahren auf einer E-Commerce-Konferenz in Düsseldorf das Behavorial Targeting als DER Knüller für Onlineshops vorgestellt und angeboten. Zugegeben, auf den ersten Blick waren wir von dem Gedanken sehr angetan, haben ihn aber dann nicht weiter verfolgt, weil auch wir eben genau diese Nerverei der Besucher befürchtet hatten. Ich will nicht so weit gehen und von Manipulation sprechen, aber die Gefahr einer Verführung sehe ich schon. Und Kunden, die später nach dem Kauf merken, dass sie verführt wurden, werden bestimmt so schnell nicht wieder den Shop aufsuchen. Deshalb ist für uns Behavorial Targeting keine vorbildliche Methode
    So sehr große Shops für uns kleine Webshopbetreiber in vielen Dingen Vorbild sind, ziehen wir hier ganz klare Grenzen und versuchen, unsere Kunden mit Anstand an uns zu binden.

  • MK sagte:

    Es sieht so aus, als ob es ohne “Nerv” nicht mehr geht. Schade. Die Anbieter rennen jeder möglichkeit hinterher, um auf sich und ihre Produkte aufmerksam zu machen. Verständlich. Um so löblicher, wenn Michael Lalk und einige Andere darauf verzichtet. Für uns Konsumenten ist es einfach lästig, man fühlt sich verfolgt. Bannerwerbung ist ja noch harmlos, aber mittlerweile zwingt man uns ja Werbung auf, wenn man bestimmte Videos in Youtube sehen will. Dann die Popupps, die Overlays etc. etc. Und natürlich ist Spam auch noch immer da. Manchmal ist es so schlimm, dass es doch kontraproduktiv ist. Wer kauft schon gerne etwas, was nervt.

  • Beatrice Legien-Flandergan sagte:

    Vieles finde ich auch nervig. Besonders, wenn ich die Werbung gezwungener Maßen beachten muss, weil es über das aufpoppt, was ich gerade sehen oder lesen will. Aber auf der anderen Seite bekomme ich hier unheimlich viele Infos und Anregungen und bezahle dafür nichts. Und irgendwo her müssen dann ja Geldquellen kommen. Daher nehme ich es in Kauf.

    Bei Amazon bin ich regelmäßig und merke, dass sie sehr gut beachten, was ich mir ansehe oder auch gekauft habe, und bieten mir Ähnliches immer wieder an. Damit habe ich kein Problem und bin für die eine oder andere Anregung sogar dankbar. Nur ist mir aufgefallen, dass die Software Macken hat. Denn in letzter Zeit werden mir sogar Bücher angeboten, die ich bereits gekauft habe.

    Was mich aber sehr nervt ist die unverlangte Werbung, die über Fax oder E-Mail kommt. Das finde ich zum Teil viel schwerer in den Griff zu bekommen.

  • Elita Wiegand (author) sagte:

    @Michael
    Finde es gut, dass Du mit Deinem Shop auf Behavorial Targeting verzichtest, damit sich Deine Kunden nicht überrumpelt fühlen.

    @Marcel @ Beatrice
    Klar, müssen bestimmte Plattformen Einnahmen erzielen und das geht oft nur über Werbung. Nervig ist es immer dann, wenn Banner wie Spam eingesetzt werden, manchmal nur schwierig wegzuklicken sind oder man “verfolgt” wird.

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