Wir brauchen mehr Balance von ICH und WIR
Wir werden im Umgang mit Menschen und dem Leben auf eine immer größere Probe gestellt. Wir erleben heutzutage unendliche Möglichkeiten und Freiheiten in den meisten Ländern dieser Erde. Zusätzlich haben wir durch die globalen Netze und Medien weltweiten Zugang zu allem, was passiert. Kaum noch etwas bleibt uns verborgen. Wir werden mit vielen „Wahrheiten“ konfrontiert, die sich widersprechen oder unser Weltbild ins Schwanken bringen. Wir wissen manchmal nicht mehr, wem wir trauen und was wir für richtig halten können. Vieles sollte unser Leben leichter machen. Wir spüren jedoch mehr Unruhe und Unsicherheit. Das hat Auswirkungen auf den Umgang mit uns und dem Leben.
Kommen wir klar mit den vielen neuen Chancen?
Wir haben bisher nie dagewesene Chancen und Möglichkeiten, mit denen wir erst einmal lernen müssen umzugehen. Jeder hat damit eine andere Herausforderung. Je nach dem, in welcher Zeit man geboren wurde, ist man mit dieser Art zu leben groß geworden, dort gut hineingewachsen oder total überfordert, weil man zu lange eine andere Art zu leben gewohnt war. Je nach Persönlichkeit und Charakter gehen Menschen sehr unterschiedlich mit diesen ständigen Veränderungen um. Interessanterweise kommen manche der Älteren damit besser zurecht als viele der jungen Menschen. Denn sie sind mit der Maxime „Packen wir´s an“ groß geworden. Oder wenn wir es mit den Worten von Churchill sagen: „Never give up“.
Heutiges Leben verführt zu unsozialem Verhalten
Leider hinterlässt die heutige Art des Lebens zunehmend unsoziale Spuren bei Menschen. Ich habe festgestellt, dass Ethik, Werte und wertschätzendes Miteinander mittlerweile bei den meisten auf der Strecke bleiben. Den jungen Leuten kann man es nicht einmal übel nehmen, da sie oft weder zu Hause noch in der Schule dafür sensibilisiert wurden. Der soziale Reifegrad ist bei vielen so niedrig, dass sie, sobald sie ins Berufsleben kommen, mit dem wahren Leben kaum noch klarkommen, weil sie glauben, alles müsse sich um ihr Wohlbefinden kümmern. Sie wünschen Anerkennung, ohne selbst etwas Entsprechendes dafür zu tun.
Sie haben es nicht gelernt, was es bedeutet, in einer Gruppe oder einem Team tätig zu sein, sich anzupassen, wenn es einem gemeinsamen Ziel nützlich ist, und sich einzubringen, ohne ständig große Lobeshymnen zu erwarten. Die kleinsten Dinge des wertschätzenden Miteinanders sind für sie ein Buch mit sieben Siegeln. Und wenn mal ein Danke kommt, ist dies nur mit höchster Anstrengung möglich. Und das darf nicht so bleiben in einer Welt, wo immer mehr Menschen miteinander auskommen sollen. Ich habe noch keinen Menschen erlebt, der nicht positiv darauf reagierte, wenn ich ihn nett anlächelte oder ihm etwas Anerkennendes mitteilte. Was hält dann Menschen davon ab, es auch selbst zu tun?
Klare Linie und Vorbild sein für mehr soziale Kompetenzen
Sicherlich sind hier nicht nur junge Menschen anzutreffen. Es gibt genügend Menschen geboren in den 60er Jahren, die ähnliche Anwandlungen zeigen. Das kommt daher, dass viele Eltern unbedingt alles besser machen wollten, als es in ihrer Zeit üblich war. Viele neue Freiheiten wurden ab dieser Zeit geschaffen und viele glaubten, eine „Laissez-faire“-Erziehung wäre die richtige Erziehung. Sicherlich gibt es Kinder, die sich damit gut entwickelt haben, wenn es zur Persönlichkeit des Kindes passte und die Eltern selbst ein gutes Vorbild vorgelebt haben. Aber in der Kindheit ist dieses „Laufen lassen“ ohne Werte, klare Linie und Regeln für das soziale Miteinander eher kontraproduktiv, was im Erwachsenenleben meist zu Schwierigkeiten führt.
Die Menschen sind heutzutage sehr viel empfindlicher und oft auch stärker Ich-bezogen geworden. Durch die viele Kommunikation über Internet oder Handy reduzieren sich die Erfahrungen mit wirklichen sozialen Kontakten. Die Probleme, die durch diese Art von Kontakten stattfinden wie Konflikte und intensiveren emotionalen Austausch, finden weniger statt. Damit lernen, besser umgehen zu können und zu reifen, kann aber nur effektiv über die erlebte Schiene funktionieren. Dazu kommt, dass viele Selbstverwirklichung und Selbstbestimmung falsch verstehen.
In Balance mit ICH und WIR macht glücklich
Es ist nicht der Sinn des Lebens, sich nur um das Wohl seines eigenen „Bauchnabels“ zu kümmern. Man findet nicht seine Erfüllung, wenn man nur noch an sich denkt und nur für sich tätig ist. Menschen, die sich erfüllt und richtig glücklich fühlen, sind in Ihren Aktivitäten immer auch zum Wohle anderer unterwegs. Sie haben für sich herausgefunden, was sie besonders gut und gerne tun und womit sie gleichzeitig einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft leisten können.
Und dadurch tun sie gleichzeitig viel für sich und ihr Wohlbefinden. Es ist ein absoluter Trugschluss zu glauben, dass man alleine dadurch Glück und Erfüllung findet, indem man Ziele anstrebt, die nur einem selbst Nutzen bringen. Warum spenden und engagieren sich so viele Prominente und Wohlhabende für soziale Projekte im Laufe ihrer Karriere? Die meisten Prominente sagen, dass selbst aktiv sein für andere, ihnen persönlich mehr gibt als ein gut bezahltes Arrangement.
Daher sollte die Balance zwischen dem, was wir für uns und dem, was wir für andere tun, ein erstrebenswertes Ziel eines jeden sein. Dazu müssen wir erst einmal bereit sein, uns selbst besser kennen zu lernen und an der Erweiterung unserer sozial-emotionalen Kompetenzen zu arbeiten. Dann wird es einfacher sein, die passende Balance zwischen einer Ich- und Wir-Orientierung für unser Leben zu finden.
Welche Erfahrungen, Meinungen und Gedanken haben Sie hierzu? Ich freue mich auf Ihre Kommentare.
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