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Gegen den Kick: Nur zwei Minuten nichts tun

Elita Wiegand 10 Februar 2011 5 Kommentare

Auf der Couch lümmeln und ein Buch lesen? „Ist undenkbar, denn bereits nach drei Minuten wird mein 16-jähriger Sohn zappelig“, erzählte mir vor kurzem eine Mutter. Sind wir nicht alle ein wenig unkonzentrierter?  Tatsache:  Wer das Web ausgiebig nutzt, hat Angst, etwas zu verpassen. User halten es laut Webseiten-Mastermind lediglich 54 Sekunden auf einer Seite aus, bevor sie weiter surfen. 

Dopamin-Kick
Den Grund für unsere Unaufmerksamkeit begründen Wissenschaftler damit, dass unser Gehirn einen kleinen Dopamin-Kick erhält, wenn wir unsere Mails checken oder uns über Facebook  und Twitter ablenken. Und selbst dann, wenn  wir offline sind, denkt ein Teil unseres Gehirns darüber nach, was gerade in unserer Mailbox eingetroffen sein könnte.

Bedenklich. So beurteilt der bekannte Journalist Nicholas Carr die Entwicklung. Der Internet-Skeptiker  hat mit seinem BuchWer bin ich, wenn ich online bin … und was macht mein Gehirn solange?“ eine heftige Debatte in Amerika ausgelöst. (Mehr dazu in seinem Blog Rough Type)  Carr’s Thesen: Unser Gehirn ist kein starres System, sondern verändert sich mit den Erfahrungen, die wir machen und er bezieht sich damit auf die neuronale Plastizität.

Website “Do nothing for 2 Minutes”
Um die Informationsflut zumindest für zwei Minuten zu stoppen und einfach mal zwischendurch abzuschalten, hat der Amerikaner Alex Tew die Website „Do nothing for 2 Minutes” eröffnet. Gut  gemacht und ganz einfach gestaltet: Leises Meeresrauschen, Sonnenuntergang, dazu läuft der Timer. Wer zwei Minuten überstanden hat, ohne die Tastatur oder die Maus zu berühren, wird mit den Worten „well done“ gelobt.“    

Ist doch einen Versuch wert, um heute mal zu entschleunigen, oder?


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5 Kommentare »

  • Beatrice Legien-Flandergan sagte:

    Das ist sehr interessant, dass Menschen unruhig werden, wenn sie nur kurze Zeit nicht online waren. Ich komme aus einer Generation, die damit nicht groß geworden ist und kein Problem hat, nicht online zu sein. Statt dessen mich persönlich mit Menschen zu treffen, sportlich aktiv zu sein oder ein Buch zu lesen finde ich viel reizvoller als langes Sitzen am PC.

    Was ist es, dass das online sein für manche so wertvoll macht, dass sie kaum davon ablassen können? Ist es das Bedürfnis nach Anerkennung, Aufmerksamkeit oder Wahrgenommen werden, ohne die Herausforderungen, die ein direkter Kontakt mit sich bringen kann? Ist es der Drang, mitreden zu können oder sich zugehörig zu fühlen? Ist es die Chance, Dinge sagen zu können, die man sich sonst nicht traut? Oder Wahrheiten zu erfahren, die einem andere nicht sagen?

    Sicherlich ist es von allem etwas. Hier gibt es ja den großen weiten Blick auf so viele spannende Dinge und tolle Kontakte.

  • Stefanie Gnörich sagte:

    Ich glaube, ich kann das manchmal noch viel zu gut, dieses einfach mal nichts tun.. ^^
    Aber ich muss zugeben, eine Erfahrung, die ich jedes Jahr wieder gerne auf’s neue mache im Irland-Urlaub..
    Einfach an der Küste stehen, kalten Wind um die Nase pusten lassen und abschalten… :-)

  • Elita Wiegand (author) sagte:

    @Stefanie @Beatrice
    oh, Ihr bildet aber eine rühmliche Ausnahme. Ich erwische mich auch dabei, dass ich mich öfter ablenken lasse und wer Menschen beobachtet, entdeckt doch mittlerweile überall, dass sogar während eines Gespräches oder Telefonats gesurft oder Mails gecheckt werden.

    Woran das liegt? Ihre Fragen sind berechtigt, liebe Frau Legien-Flandergan. Es ist wohl von allem ein bisschen: Anerkennung, Ablenkung, mitreden können oder müssen und wie im Beitrag beschrieben, die Angst etwas zu verpassen – einen Auftrag oder einen Kontakt.

    So, ich bin jetzt gerade mal weg für zwei Minuten am virtuellen Meer:-)

  • Christiane Windhausen sagte:

    Ich glaube, dass waren die längsten 2 Minuten meines Lebens… Ich spürte, wie kostbar die Zeit ist. Und dass manchmal 2 Minuten reichen, um tiefer zu fühlen, um einen andere Sichtweise einzunehmen, um mich innerlich mit einem Menschen zu verbinden. Danke für diesen Link. Ich hatte 2 ungestörte Minuten mit mir – und dir.

  • Daniela Skrzypczak sagte:

    Die Ursinne der Menschheit Feuer, Wasser, Licht …. in diesen hektischen Zeit sollte jeder Mensch wieder lernen auch diese Momente zu geniessen. Danke für diesen Link.

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