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GAU und Super-GAU

Wolff Horbach 13 März 2011 3 Kommentare

Die Nachrichten über die Reaktorkatastrophe in Fukushima überschlagen sich. Viele Berichte fragen, ob jetzt der GAU – der Größte Anzunehmende Unfall – komme oder so ähnlich. Fast alle diese Benennungen sind falsch:

GAU
Der Größte Anzunehmende Unfall ist der sogenannte Auslegungsstörfall, der noch beherrscht werden muss: “Die Sicherheitssysteme müssen in einem solchen Fall gewährleisten, dass die Strahlenbelastung außerhalb der Anlage die nach der Strahlenschutzverordnung geltenden Störfallgrenzwerte nicht überschreitet.” So ein Szenario wäre beispielsweise: Der Strom für die Kühlmittelpumpen fällt aus. Dann müssen die Notstromaggregate anspringen. Wenn die auch nicht anspringen, dann gibt es noch Notbatterien.

Die Wahrscheinlichkeitsberechnungen gehen davon aus, dass es extrem unwahrscheinlich ist, dass mehrere Sicherheitssysteme hintereinander oder gleichzeitig ausfallen.

Aber dieser Fall ist in Fukushima 1 längst eingetreten. Der GAU ist nicht nur eingetreten, sondern bereits überschritten, es ist der

Super-GAU
Bei Tschernobyl hatten wir den ersten Super-GAU. Und das, von dem alle Fachleute behaupteten, “rein statistisch” in 10.000 Jahren vielleicht einmal vorkommen könne, ist nach knapp 25 Jahren schon wieder eingetreten. Das sind übrigens die gleichen Fachleute, die den Atommüll 1.000.000 Jahre sicher aufbewahren wollen.

Ich finde es unglaublich, dass sich jetzt schon wieder Bundeskanzlerin Angela Merkel und andere Atom-AnbeterInnen hinstellen und behaupten, in Deutschland könne so etwas nicht passieren. Nach Tschernobyl hat man versucht, der Bevölkerung weiß zu machen, die westliche Technologie sei viel besser als die marode Russen-Technik. Nach Fukushima und der hochangesehenen Japan-High-Tech wird das schwierig.

Die Natur hält sich nicht eben nicht daran, dass die japanischen Kernkraftwerke für Erdbeben der Stärke 8,2 ausgelegt sind, sondern überrascht mit der Stärke 8,9. Der Unterschied sieht auf der Skala minimal aus, ist aber in Wirklichkeit gewaltig.

Nur das zählt: Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit
Es gibt nur eine vernünftige Lösung: Wir müssen schnellstens Abschied nehmen von diesen Wahnsinns-Technologien. Wir müssen uns endlich Technologien zuwenden, die nachhaltig und zukunftsfähig sind.

Vergessen Sie bei beim nächsten Wahltag “links” oder “rechts”. Vergessen Sie “konservativ” oder “modern”. Achten Sie nur auf eins: Ist das, was uns die Partei versucht zu verkaufen, zukunftsfähig?


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3 Kommentare »

  • Frank Hamm sagte:

    Dieselben Sprüche gab es vor Tschernobyl bereits 1979, als es in dem Reaktor auf Three Mile Island bei Harrisburg zur Kernschmelze kam. Jedesmal heißt es, bei uns könne das nicht vorkommen, wir hätten bessere Technik etc. Doch eine “unglückliche Verkettung unglücklicher Umstände” zeigt dann leider irgendwann, dass es doch möglich ist. Dieses Mal fielen die Notstromaggregate doch aus, die Batterien zur Kühlung hielten nur ein paar Stunden, und die Kabel der herangeschafften Ersatzgenos passten nicht…

    Ich empfehle jedem den Film “Das China-Syndrom” mit Jane Fonda, Jack Lemmon und Michael Douglas. Der kam zwei Wochen vor der Kernschmelze in die Kinos.

    Dem Erdbeben wurde inzwischen eine Stärke von 9,1 zugeordnet. Linear betrachtet ist ein Erdbeben von 9,1 etwa doppelt so stark wie eines von 8,9!

  • Marcel Klotz sagte:

    Ich schliesse mich diesem Aufruf an. Schockierend für mich ist vor allem, dass China und Russland sofort erklären, man setze weiterhin auf Kernkraft. Taktlos! Ein wenig tröstlich: Die weltweite Anzahl der Kernkraftwerke sink derzeit, d.h. es werden jährlich mehr abgeschaltet als neu in Betrieb genommen. Deutschland muss jetzt Vorreiter werden, in dem wir schnellstens aussteigen und im Gegenzug deutlich machen, dass es mit erneuerbarer Energie nicht nur geht, sondern auch wirtschaftlich und arbeitsmarktpolitisch deutlich mehr sinn macht.

  • Wolff Horbach (author) sagte:

    Die Fehlinformationen gehen weiter. Da wird haarsträubend berichtet. Verstehen denn Journalisten nicht mehr die einfachsten Zusammenhänge? Wahrscheinlich sind das die Auswirkungen davon, wenn man früher am Gymnasium Mathe abwählen durfte:

    Da wird beispielsweise die natürliche Jahresdurchschnittsdosis – dass was wir in Deutschland im Durchschnitt durch natürliche Radioaktivität “abbekommen” – ins Verhältnis gesetzt zu der kurzfristigen und sehr hohen Radioaktivität in der Nähe der havarierten Kernreaktoren in Fukushima. Die Jahresdurchschnittsdosis beträgt in Deutschland lt. Bundesamt für Strahlenschutz 2,1 MilliSievert (mSv). Wohlgemerkt: 2,1 mSv pro Jahr. In Fukushima wurden gestern (15.3.2011) aber kurzfristig 400 mSv pro Stunde gemessen!

    Das ist nicht, wie die meisten Medien total falsch berichten, das 200fache unserer Jahresdosis, sondern innerhalb einer Stunde würde man soviel Strahlung abbekommen, wie bei uns in ca. 200 Jahren! Oder anders ausgedrückt: Die Strahlungsintensität war gestern in Fukushima ca. 1.700.000 fach höher als jetzt bei uns!

    Jetzt kann sich ja jeder überlegen, ob er weiterhin angeblich billigen Atomstrom haben will oder ob er jetzt den ATOMAUSSTIEG SELBER MACHEN will.

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