Von CPD, Mathematik, Trachten und Mode
Ein Blick hinter die Kulissen der Modewelt
Drei Tage Mode“zirkus“ im Rahmen von CPD Signatures, Fashion Net Education Center und Supreme Düsseldorf sind vorbei. Die Ordertage nehmen fernab der Endkunden Ihren Lauf. Zeit, die unterschiedlichen Eindrücke und Blicke hinter die Kulissen zusammen zu fassen. Was kann ich als Modedesignerin über diese Welt erzählen, außer nur die kommenden Trends und Modenschauen zu kommentieren? Eine ganze Menge, wie ich festgestellt habe.
CPD Signatures und Vanitas Flowers
Nach 4 Jahren Abstinenz schnupperte ich zusammen mit Carmen Brablec wieder die Luft der stark veränderten CPD. Ein wenig erschrocken über nunmehr lediglich 3 Hallen Ausstellung, fanden sich neben dem neuen, cleanen Ausstellungkonzept doch einige interessante, junge Labels.
Zum Beispiel das Unternehmen Kaethe Maerz, die in Düsseldorf studiert hat und seit 2009 ihren Laden und ihr Label in Düsseldorf betreibt. Dabei werden deutsche Produktion, hochwertige, zertifiziert nachhaltige Materialien und handwerkliche Verarbeitung mit neuen, zukunftsweisenden Designelementen vereint. Der Grundgedanke ist das Aufgreifen traditioneller Werte und Formen in Kombination mit neuartigen Elementen. Die Persönlichkeit des Trägers wird durch einen ganzheitlichen, philosophischen Ansatz unterstrichen. Noch im July 2011 wurde das junge Label als Unternehmen des Monats vom Gründernetzwerk Düsseldorf ausgezeichnet.
Ein absolutes Highlight war für uns die Mode- und Kunstinstallation des aufstrebenden Berliner Designers Dawid Tomaszewski. In einem spontanen Interview erzählte uns der ehemalige Kunststudent und Designer von seinem Werdegang und wie viel harte Arbeit in einem eigenen Label steckt. Dabei reicht es nicht, kreativ zeichnen zu können, sondern man muss auf Menschen zugehen und mit ihnen zusammen arbeiten können. Ist es im Berufsleben eines Wirtschaftsangestellten schon wichtig zu wissen was man will, umso wichtiger ist es in der Kreativbranche. Ich mag was ich mache, habe Bock darauf, lebe mein Leben, passe mich nicht anderen an und traue mich durchzuziehen, was ich will, antwortet Dawid Tomaszewski auf die Frage, wie er Querdenker definiert. Wenn man keine Angst vor dem hat, was kommt, dann befasst man sich in einer Modekollektion auch schon mal mit der Vorstellung von der Vergänglichkeit alles Irdischen (Def. Vanitas).
Fashion Net Education Center – Schon mal Mathematik getragen?
Der Verein Fashion Net e.V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Modestandort Düsseldorf zu stärken. Daher lud er am 24. July zur Premiere des Fashion Net Education Center ins Tanzhaus NRW.
Nachdem die Vortragsreihe durch das Traditionsunternehmen Scholl und deren Entwicklung vom Gesundheits- zum Fashion-Schuh begonnen wurde, schlossen sich einige interessante Vorträge der Wiener Modeschule an. Gab die Direktorin Monika Kycelt noch den Einblick in die so ganz anders geartete Ausbildung in Österreich, widmete die Dozentin für Fashion Design, Gabriele Skach, Ihren Vortrag eher dem, was für einen Designer so enorm wichtig ist. Das eigene ICH. Selten wurde mir deutlicher, dass man sich als Kreativer darüber klar werden muss, wofür man steht oder stehen möchte. Erst dann kann eine Botschaft ausgesendet und womöglich die Welt ein klein wenig verändert werden.
Diese Denkweise setzte die Tochter der Dozentin, Sophie Skach, mit ihren erst 22 Jahren bravourös fort. Denn wer hätte gedacht, dass man so etwas Vergängliches wie Mode mit der zweitältesten Wissenschaft der Welt, der Mathematik, verbinden kann. Und doch wurde nicht nur mir klar, wie präsent die Mathematik überall im Alltag um uns herum ist. Und das nicht nur im Errechnen eines Schnittmusters. Da erscheint der Entwurf eines gestrickten Musters in einer textilen Fläche nach Primzahlanordnung auf einmal sehr logisch. Und es ringt mir nicht nur ein Lächeln ab, wenn ich diese noch in der Ausbildung befindliche Modedesignerin und Mathematikerin über die Schönheit von mathematischen Formeln schwärmen höre. Nicht zuletzt versetzt mich die Entwicklung eines Stoffes in Erstaunen, welcher mit Molekülketten ausgestattet wurde, die bei Berührung einen Duft verströmen.
Diesen neuen Entwicklungen und Denkansätzen entgegen stand der Abschlussvortrag des Haute Couture Labels Susanne Bisovsky. Dieses Label steht für farbenprächtige und neu interpretierte Trachten. Und hiermit sind nicht modische Kleidchen für die Oktoberfest-Saison gemeint. Susanne Bisovsky und ihr Partner reisen um die ganze Welt, um sich die kleinen Dinge der Trachtenwelt zusammen zu suchen. Setzen sich mit Kopfputz, speziellen Färbetechniken und Tradition auf eine bezaubernd liebevolle Art und Weise auseinander. Sie trennen sich ganz bewusst von der Schnelllebigkeit des Modewahnsinns, verbleiben in der Einschränkung des „Unvermögens der Tracht“ und entwerfen nicht alle paar Monate eine neue Kollektion. Sie verteidigen damit ihren Wunsch, jungfräulich und unbefleckt zu bleiben. Das führt dann sogar zum Entwurf einer Neuinterpretation der klassischen „Mitgift“.
Der Abschluss meiner 3-tägigen Reise fand beim Pressecocktail der Supreme Düsseldorf statt. Ursprünglich stationiert in München, folgten Aline Schade und Verena Malta dem Ruf ihrer Kunden, die dieses erfolgreiche Format auch in Düsseldorf vorfinden wollten. Der erneute Locationwechsel vom Sky Office zurück ins B1 tat dem Erfolg keinen Abbruch. Treue Labels folgten dem Team und so fanden sich auf drei Etagen über 300 coole Marken von progressiv über klassisch bis hin zu Avantgarde. Besonders auffällig für mich war das straighte Styling der drei Etagen, welches zusammen mit der CPD Signatures eine fast harmonische, übergreifende Einheit bildete. So schien es jedem Besucher erleichtert, sich in dem einheitlichen Look and Feel zurecht zu finden. Und es bewahrheitet sich für mich wieder ein Stück weit das Credo: In Düsseldorf wird Geschäft gemacht.
Wandel und Nachhaltigkeit
Alles in allem stellte ich erneut fest, dass der Modezirkus durchaus seine oberflächlichen Wahnsinnigkeiten aufweist. Das Feld ist wild, bunt, schrill aber manchmal auch ganz still. Und wenn man sich die Zeit nimmt und die Mühe macht, entdeckt man hinter dem anscheinend schillernden Wahnsinn so manchen Querdenker. Innovationen und Veränderungen können auch in dieser Welt ihren Anfang nehmen. Nicht umsonst hat der Rat für nachhaltige Entwicklung gerade einen Artikel veröffentlicht, der den Trend zu nachhaltiger Mode bestätigt. Ein weiterer Schritt in Richtung einer gesünderen Umwelt.
Abschließend würde mich persönlich interessieren: achten Sie bei Kleidung auf Nachhaltigkeit?
Was ist Ihnen dabei wichtig?
Kennen Sie die unterschiedlichen Qualitäts- und Zertifizierungslabels?
Ich bin gespannt auf Ihr Feedback..
- Susanne Bisovsky – Kollektion “Wiener Chic”
- Sophie Skach – Tokio Fashion Week
- Kaethe Maerz – Aktuelle Kollektion
















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